Maßnahmen zur Prävention bei Unterrichtsstörungen in der Grundschule


Akademische Arbeit, 2006

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Unterrichtsstörungen in der Grundschule – ein beständiges Problem?

2. Struktur der vorliegenden Arbeit

3. Präventionsmaßnahmen
3.1. Präventionen auf Lehrerseite
3.1.1. Die Lehrerpersönlichkeit
3.1.2. Körpersprache
3.1.3. Weiterbildungen
3.1.4. Feedback
3.2. Schülerverhalten
3.2.1. Bewegung
3.2.2. Konzentrationsübungen
3.3. Rahmenbedingungen
3.3.1. Regeln und Richtlinien
3.3.2. Klassenraumgestaltung
3.3.3. Elternarbeit

4. Handlungsmöglichkeiten
4.1. Maßnahmen für das eigene Lehrerverhalten
4.1.1. Bewusstes Ignorieren
4.1.2. Methodenwechsel
4.1.3. Autogenes Training
4.2. Das störende Schülerverhalten ändern
4.2.1. Persönlichkeit der Schüler stärken
4.2.2. Handlungsmaßnahmen bei bestimmten Verhaltensschwierigkeiten
4.2.2.1. AD(H)S
4.2.2.2. Hochbegabung
4.2.3. Zeichen geben
4.2.4. Umgruppierung
4.3. Beratungsgespräche
4.3.1. Der Klassenrat
4.3.2. Elterngespräche
4.3.3. Gespräche mit Kollegen
4.3.4. Einzelgespräche mit Schülern
4.4. Kooperationsformen

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Unterrichtsstörungen in der Grundschule – ein beständiges Problem?

Unterrichtsstörungen kommen in jeder noch so vorbildlichen Klasse bzw. Schule vor. Störungen sind Wesensbestandteile von Unterricht, aufgrund gegenseitigen Missverstehens von Schüler und Lehrer. Manche Störungen können reduziert werden, andere lösen sich von selbst oder sind unbehebbar.

In der Grundschule müssen die Schüler sich anfangs erst an bestimmte Regeln und Richtlinien gewöhnen und zusätzlich lernen, dauerhaft 45 Minuten im Klassenraum zu verbringen – meist sitzend auf dem eigenen Platz. Es ist naheliegend, dass dies nach einem turbulenten und bewegungsintensiven Kindergartenvormittag ungewohnt und neu erscheint. In der ersten Klassenstufe treten gewöhnlich Störungen auf, die sich alljährlich zutragen, wenn Neulinge in den Schulalltag starten. Dazu gehören unruhige Verhaltensweisen, „plötzliches Aufstehen“ oder „in die Klasse rufen“. Viele Regeln werden Schülern im Laufe des Schulalltages gelehrt, damit ihnen bewusst wird, dass für ein Zusammenleben in einer Klassengemeinschaft bestimmte Regeln vonnöten sind.

Inzwischen gibt es eine Reihe an Literatur[1], in der sich die Autoren mit diesem speziellen Thema auseinandergesetzt haben und verschiedene Ratschläge und Lösungen sowie Hinweise geben, bestimmte Unterrichtsstörungen zu vermeiden. Es sind allerdings keine Patentrezepte, die die sofortige Lösung hervorbringen, sondern Verbesserungsvorschläge und Möglichkeiten, Störungen zu verringern. Sie sollen primär zum Nachdenken anregen und nicht unbedingt eins zu eins umgesetzt werden. Es erfordert intensive Arbeit, mit Schülern ein positives Klassenklima herzustellen und dies auch beizubehalten. Man findet immer wieder Schüler mit individuellen Problemen und Niveaustufen. Einige langweilen sich oder sie finden es gerade viel spannender, sich mit ihren gerade neu gefundenen Klassenkameraden zu unterhalten, anstatt dem Unterricht zu folgen.

Allerdings gibt es nicht nur Störungen im Unterricht, die von Schülerseite produziert werden, ihre Gründe können auch anderer Natur sein. Oft stehen die Schüler im Mittelpunkt der Ursache, aber man sollte weitere mögliche Faktoren wie die Lehrkräfte oder soziale Komponenten nicht außer Acht lassen. Lehrer und Schüler können sich gegenseitig als Störfaktoren empfinden und sich demzufolge das Leben erschweren. Resultierend leiden dadurch Lehrer in bestimmten Situationen unter ihren Schülern, aber auch Schüler unter ihren Lehrern.[2]

Die Ursachen von Unterrichtsstörungen sich zudem nicht nur in der Schule oder Klasse vorzufinden, sondern können auch „individuelle, familiäre, gesellschaftliche, historische, zeittypische“[3] Gründe haben, die außerhalb des Schulalltags liegen.

Störungen können aufgrund subjektiver Wahrnehmungen als solche betrachtet werden, d.h. manche Personen sehen eine Situation als störend an, von der sich andere wiederum nicht gestört fühlen. Somit gibt es auch Unterrichtsstörungen, die eigentlich keine sind, aber in der Betrachtungsweise einzelner Personen als solche wahrgenommen werden.

Hinter dem Begriff Unterrichtsstörungen verbirgt sich viel mehr, als man zuerst glaubt. Störungen bedeuten oft Konflikte zwischen Personen oder Konflikte, die durch Personen verursacht werden. Diese Konflikte finden in der Schule zwischen einzelnen Schülern oder zwischen diesen und der Lehrkraft statt. Es gibt dementsprechend qualitative Unterschiede bei Störungen wie leichte, indirekte und direkte, unbehebbare sowie unvermeidbare Störungen.[4] Im Lehrerzimmer oder auf Besprechungen klagen Lehrer über Schüler, die ihren Unterricht stören oder boykottieren. Aber gibt es immer Gründe bzw. Beabsichtigungen von Schülern den Unterricht zu stören? Sie reden mit dem Tischnachbarn oder kippeln mit dem Stuhl, anstatt aufmerksam den Unterricht der vorne stehenden Lehrkraft zu folgen. Manche Schüler finden es schwer, sich für eine bestimmte Zeit dauerhaft zu konzentrieren, leiden unter Bewegungsmangel oder brauchen wechselnde Unterrichtsmethoden, um sich neu zu motivieren.

Es gibt unterschiedliche Empfehlungen und Möglichkeiten, Schüler und/ oder Lehrer zu unterstützen, damit Störungen vermieden bzw. verringert werden können. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Eltern, Kollegen und andere Kooperationsformen müssen in der Grundschule gefördert werden, um Grundlegendes zu erreichen. Von Anfang an müssen z. B. Grundlagen der Kommunikation und des Miteinanders mit den dazugehörigen Regeln im Schulalltag gelehrt werden.

Lehrer klagen oft über von Schülern verursachte Unterrichtsstörungen. In der Universität werden sie theoretisch zur Genüge, aber weniger praktisch ausgebildet. Speziell Referendare oder Junglehrer müssen sich erst an den Alltag mit ihren Schützlingen gewöhnen und sie so annehmen, wie sie sind. Dies fällt oft schwer, weshalb diese Arbeit einige Sichtweisen, auch aus Lehrersicht darstellen soll, um manchen Unterrichtsstörungen vorbeugen und entgegenwirken zu können.

2. Struktur der vorliegenden Arbeit

Damit Unterrichtsstörungen von Anfang an nur minimiert auftreten, müssen diverse Präventionen eingeleitet werden. Hier wird eine Auswahl von Möglichkeiten dargestellt, indem von verschiedenen Seiten geholfen werden kann, um Störungen entgegenzuwirken und die Konzentration der Schüler zu fördern. Verschiedene Methoden können Unterrichtsstörungen mindern, um den Unterricht erfolgreich weiterzuführen.

Treten Störungen im Unterricht kontinuierlich auf und können nicht eliminiert werden, sondern nehmen – im Gegenteil - an Intensität zu, müssen bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um diesen zu begegnen. Dazu werden mögliche Vorgehensweisen und kooperative Handlungsmöglichkeiten besprochen.

3. Präventionsmaßnahmen

Machen sich im Laufe der Unterrichtsstunde oder der gesamten Einheit Symptome für auftretende Störungen bemerkbar oder unterliegt der Schüler verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten (AD[H]S), Hochbegabung, etc.), kann und muss schon vorbeugend gehandelt werden. Mit bestimmten Verhaltensmodifikationen, effizienten Übungen, Arrangements mit Kollegen, Eltern oder Schülern können präventive Maßnahmen überlegt und angewendet werden. Lehrer und Schüler müssen einen gemeinsamen Weg finden, erfolgreich störungsfreien Unterricht zu gestalten und ihn auch fortan beizubehalten. Eine bestimmte Anzahl von möglichen Präventionen werden im weiteren Verlauf vorgestellt.

3.1. Präventionen auf Lehrerseite

Der Lehrer spielt wie bereits angeführt im Unterricht mit seiner Person und seinem Handeln eine wichtige Rolle und kann enorm dazu beitragen, dass Unterrichtsstörungen von seiner Seite her minimiert werden. Angefangen bei der eigenen Person bishin zu Fortbildungen oder außerschulischen Angeboten können andere Sichtweisen oder kleine Änderungen im Verhalten schon erhebliche Fortschritte erzielen. Einige Präventionen werden im Folgernden vertiefend vorgestellt.

3.1.1. Die Lehrerpersönlichkeit

Lehrkräfte besitzen in der Grundschule eine hohe Vorbildfunktion. Es ist wichtig, sich eine gewisse Autorität vor den Schülern zu verschaffen, aber gleichzeitig auch menschliche Züge zur Geltung kommen zu lassen. Dem Lehrer wird in vielen Bereichen Perfektion abverlangt. Er soll u.a „menschlich und nachsichtig [sein] […], Begabungen wecken, pädagogische Defizite ausgleichen, […] und […] auf jeden Fall den Lehrplan einhalten“[5] – in möglichst allen Bereichen vollkommen sein. Allerdings kann auch ein „normaler“ Lehrer mit seiner Persönlichkeitsstruktur nicht in allen Bereichen wünschenswerte Verhaltensweisen aufweisen. Jeder Lehrer besitzt seine eigenen Vorzüge und Qualitäten und sollte diese in positiver Form einsetzen. Eine optimistische Grundeinstellung, Fröhlichkeit oder eine humorvolle Bemerkung können schon einige störende Situationen auflockern. Sicherlich bedeutet dies auch, die weniger positiven Züge selbstkritisch zu hinterfragen und gegen sie anzugehen. Der Lehrer sollte Pausen in seinem Arbeitsverhalten integrieren und sich nicht zu viel Arbeit aufbürden. Ein engagierter Lehrer ist wünschenswert, aber es ist wichtig, dass er die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kennt. Meditationen oder Autogenes Training können auch im Vorfeld zu einer ruhigen Grundstimmung verhelfen. Ein gewolltes Feedback von den eigenen Schülern kann schon zu einer anderen Sichtweise verhelfen und zu anderen Maßnahmen führen, damit mit bestimmten Denk- und Handlungsweisen Störungen verringert werden.

3.1.2. Körpersprache

Die Körpersprache des Lehrers kann auf der einen Seite Ursache von auftretenden Störungen sein, andererseits kann sie im richtigen Augenblick auf der Beziehungsebene vorbeugend zur Reduktion von Störungen beitragen, wenn sie nicht im Widerspruch zur verbalen Kommunikation steht. Mimische Blicke können dem Schüler signalisieren, dass er bestimmte Verhaltensweisen gar nicht erst auszuführen hat, die zu störendem Verhalten führen. Traditionell eingeführte Gestiken wie Melderegeln, der erhobene Arm und der Zeigefinger auf dem geschlossenen Mund bieten die Möglichkeit zu einem ruhigen Lehr-Lern-Prozess. Vor allem das unsichere und schwache Kind braucht motivierende und zuwendende Signale wie ein freundliches Lächeln, Nicken oder einen „Klopfer auf die Schulter“. Eine offene Körperhaltung, innere Ausgeglichenheit und ein sicheres Verhalten ermöglichen ein vertrautes und angenehmes Lernklima.[6] Natürlich können nicht alle Eigenschaften direkt und permanent übernommen werden, vor allem aufgrund meist unbewusster und spontaner Reaktionen. Allerdings sollte die Lehrkraft sich diesem Thema selbstkritisch stellen und versuchen, einige negative Eigenschaften abzulegen und diese durch neue zu ersetzen. Ebenso kann es hilfreich sein, wenn z.B. Hospitationen von vertrauten Personen oder Kollegen durchgeführt werden, die entweder durch Mitschriften oder per Videoaufnahmen die nonverbale Kommunikation verfolgen. Anschließende kritisch-konstruktive Gespräche können alternative Sichtweisen ermöglichen und zu Veränderungen im Verhalten des betreffenden Lehrers führen.

[...]


[1] U.a. Winkel, Rainer, Der gestörte Unterricht, Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Baltmannsweiler: Schneider, 2005.; Lohmann, Gerd, Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten, Berlin: Cornelsen, 2003.; Biller, Karlheinz, Unterrichtsstörungen, Stuttgart: Klett, 1981.

[2] Vgl.: Winkel, Rainer, Der gestörte Unterricht, 2005, S.9.

[3] ebenda, S.9f.

[4] Vgl.: Biller, Karlheinz, Unterrichtsstörungen, Stuttgart: Klett, 1981, S.34ff

[5] Züricher Weltwoche vom 2.Juli 1988. Zitiert nach: Warnke, Gerald, „ Schlechte Lehrer. Annäherungen an ein Tabuthema.“, In: Pädagogik 11/1994, S.17.

[6] Vgl.: Rosenbusch, H. S., „ Nonverbale Kommunikation im Unterricht – Die stille Sprache im Klassenzimmer“, Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 1995, S.204f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Maßnahmen zur Prävention bei Unterrichtsstörungen in der Grundschule
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V288999
ISBN (eBook)
9783656891949
ISBN (Buch)
9783656906223
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstörungen, Präventionen, Grundschule, Lehrer, Schüler
Arbeit zitieren
Ulrike Albrecht (Autor), 2006, Maßnahmen zur Prävention bei Unterrichtsstörungen in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288999

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