Der „Kommissarbefehl“ enthält verschiedene Vorgaben zur Behandlung der sowjetischen Politkommissare. Er beinhaltet, dass sie die Stützen des Widerstandes sind und besonders grausam gegenüber ihren Gefangenen. Bei Ergreifung sind je nach Einsatzort die Fronttruppen selbst verantwortlich für diese, oder sie werden an die Sicherheitspolizei übergeben. Militärische Kommissare, erkennbar an ihrer Uniform, sollen sofort von der restlichen Truppe getrennt und anschließend eliminiert werden. Sie sind außerdem nicht als Soldaten anzusehen und deshalb vom völkerrechtlichen Schutz ausgeschlossen. Bei zivilen Kommissaren obliegt es den jeweilig zuständigen Truppenoffizieren, eine Entscheidung zu fällen, ob diese feindlich gehandelt oder sich verdächtig gemacht hatten. Ist dies nicht zutreffend, sind sie unbehelligt gehen zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Quellenkritik
1.1 Quellenbeschreibung
1.2 Innere Kritik
1.2.1 Sprachliche Aufschlüsselung
1.2.2 Sachliche Aufschlüsselung
2 Quelleninterpretation
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1 „Unternehmen Barbarossa“
2.2.2 Entstehung und Durchführung des „Kommissarbefehls“
2.2.3 Ideologie und Tötungsmoral der deutschen Soldaten
2.2.4 Behandlung der Kriegsgefangenen im Ostkrieg
3 Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten „Kommissarbefehl“ vom 6. Juni 1941 als zentrales Dokument der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik während des Überfalls auf die Sowjetunion. Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte, die ideologischen Hintergründe und die konkrete Umsetzung dieses völkerrechtswidrigen Befehls kritisch zu analysieren sowie dessen Auswirkungen auf das Verhalten der deutschen Wehrmacht zu beleuchten.
- Historische Einordnung des „Unternehmens Barbarossa“
- Entstehungsgrundlagen und Befehlskette des Kommissarbefehls
- Die Rolle der Ideologie bei der Tötungsmoral der Wehrmacht
- Systematische Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener
- Bewertung der Wirksamkeit und des Scheiterns des Kommissarbefehls
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Ideologie und Tötungsmoral der deutschen Soldaten
Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs kam es zu unzähligen Kriegsverbrechen der deutschen Soldaten gegenüber anderen Menschen. Zivile Bevölkerungen wurden niedergemetzelt, Frauen vergewaltigt und anschließend getötet, ganze Bevölkerungsgruppen planmäßig hingerichtet und gegen jeglichen Widerstand wurde grausam vorgegangen.
Damit die deutsche Armee dazu in der Lage war, gab es verschiedene grundlegende Faktoren. Zum einen war Hitler der uneingeschränkte „Führer“, dessen Befehle meist ohne zu hinterfragen ausgeführt wurden. Loyalität und Gehorsam seiner Streitkräfte ermöglichten es, auch völkerrechtswidrige Beschlüsse ausführen zu lassen. Viele der deutschen Soldaten waren wie die militärische Führung der Ansicht, der Krieg gegen die Sowjetunion sei notwendig. Die Masse von ihnen war antibolschewistisch geprägt, nicht zuletzt durch den ersten Weltkrieg 1914-1918. Auch Antisemitismus trat in starker Form auf. Seit der Reichspogromnacht von 1938 nahm die Gewalt gegenüber Juden immer weiter zu. Nachdem Anfang 1940 lediglich tausende Juden in andere Länder abgeschoben oder in Ghettos verlegt wurden, gab Hitler 1941 den Befehl zum Völkermord an den Juden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Quellenkritik: Dieses Kapitel erläutert die Herkunft und den Kontext des Kommissarbefehls und führt eine sprachliche sowie sachliche Analyse relevanter Begriffe durch.
2 Quelleninterpretation: Hier erfolgt eine inhaltliche Zusammenfassung des Dokuments sowie eine detaillierte Einbettung in den historischen Kontext des Vernichtungskrieges im Osten, inklusive der Entstehungsgeschichte und der psychologischen Hintergründe.
3 Ergebnis und Ausblick: Das Schlusskapitel bilanziert die Opferzahlen des Befehls und reflektiert dessen begrenzten militärischen Nutzen sowie die schrittweise Aufhebung des Erlasses.
Schlüsselwörter
Kommissarbefehl, Unternehmen Barbarossa, Wehrmacht, Zweiter Weltkrieg, Ostfront, Sowjetunion, Kriegsverbrechen, Völkerrecht, Ideologie, Nationalsozialismus, Kriegsgefangene, Antisemitismus, Politkommissare, Vernichtungskrieg, Historische Quellenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Kommissarbefehl von 1941 als ein zentrales, völkerrechtswidriges Instrument der nationalsozialistischen Kriegführung an der Ostfront.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Quellenkritik, die historische Einbettung des Vernichtungskrieges, die Radikalisierung der Tötungsmoral innerhalb der Wehrmacht und die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Aufarbeitung der Genese und Anwendung des Befehls, um zu verstehen, wie und warum die deutsche Armee in großem Stil Kriegsverbrechen beging.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente sowie der Auswertung einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Quellenuntersuchung und eine tiefgehende Interpretation der historischen Hintergründe, inklusive der Rolle Hitlers und der ideologischen Prägung der Soldaten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Kommissarbefehl, Wehrmacht, Vernichtungskrieg, Ostfront und Völkerrechtsbruch.
Warum war der Kommissarbefehl rechtlich problematisch?
Er forderte die sofortige Exekution politischer Kommissare ohne Gerichtsverfahren und verstieß damit eklatant gegen geltendes Völkerrecht, was die Soldaten von jeglicher Strafverfolgung freistellte.
Welche Rolle spielte die Ideologie bei den Soldaten?
Die Soldaten waren durch antibolschewistische und antisemitische Ideologien geprägt, was zusammen mit blindem Gehorsam gegenüber Hitler die Hemmschwelle für grausame Taten signifikant senkte.
Wie reagierten die sowjetischen Einheiten auf den Befehl?
Das Bekanntwerden des Befehls führte dazu, dass Kommissare ihre Abzeichen entfernten, um unentdeckt zu bleiben, und sowjetische Soldaten teilweise erbitterten Widerstand leisteten, da sie sich in einer ausweglosen Situation sahen.
Warum wurde der Befehl schließlich aufgehoben?
Hitler und die militärische Führung erkannten, dass die massenhaften Erschießungen den Widerstand nicht brachen, sondern eher verstärkten, was 1942 zur Aufhebung des Erlasses führte.
- Arbeit zitieren
- Marc Damrath (Autor:in), 2014, Der "Kommissarbefehl". Eine Quelleninterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289127