Widersprüchlichkeiten. Eine moralökonomische Perspektive


Essay, 2015
16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Der Unterschied zwischen einem Kapitalgeber und einem Unternehmer

Der Unterschied zwischen Integrität und Loyalität

Menschliche Vernunft aus Sicht der Ethik und Ökonomie

Spaß und Ernsthaftigkeit geht das in der Ökonomie zusammen?

Der ökonomische Irrweg vom Wachstum

Literaturempfehlungen

Vorwort

Die kritische Auseinandersetzung mit begrifflichen Gegensätzen und Stereotypen aus dem Wirtschaftsleben ist mir ein persönliches Anliegen.

Begrifflichkeiten, die im Wirtschaftsalltag sehr oft verwandt werden, jedoch auch zu Missverständnissen in der öffentlichen Meinungsbildung führen, werden in diesem Band behandelt.

Ich sehe in einem moralökonomischen Ansatz eine selbstreflektierende Instanz, die sich als ökonomische Lehre mit dem sittlichen Verhalten des Menschen im Kontext zur Ökonomie beschäftigt.

Eine Moralökonomie soll sich dahingehend verstehen, dass vergangene und gegenwärtige Verhaltensweisen in der Wirtschaft kritisch hinterfragt werden und das sie zukünftig einen ethischen Wegweiser zu einer von der Mehrheit aller Wirtschaftsbeteiligten (Privathaushalte, Privatunternehmen, Staat) getragenen allgemeinen Verhaltensnorm in einer Makroökonomie markiert.

Dieser Essay soll den Leser zum kritischen Reflektieren unserer Wirtschaftswelt anregen und zu individuellen Sicht- und Denkweisen gegenüber dem praktizierten Wirtschaftssystem, in dem er lebt, motivieren.

Eschweiler im Februar 2015

Jörg Löschmann

Der Unterschied zwischen einem Kapitalgeber und einem Unternehmer

Die Ausgangsfrage zu diesem thematischen Abschnitt lautet:

Wer oder was ist eigentlich ein Unternehmer und wer oder was ist ein Kapitalgeber?

Ein Kapitalgeber ist ein Unternehmensinhaber bzw. –eigentümer unabhängig von der Rechtsform der Unternehmung, der sich nicht im geschäftlichen Alltagsbetrieb an den anfallenden physiologischen und psychologischen Aufgaben persönlich beteiligt.

Im Umkehrschluss ist jeder Unternehmensinhaber, der sich aktiv beteiligt ein Unternehmer. Denn er beteiligt sich aktiv an den betrieblichen Alltagsaufgaben. Hinzu kommt, dass ein Anstellungsverhältnis mit dem Unternehmen nicht existieren darf. Somit müssen Geschäftsführer, die nicht gleichzeitig Geschäftsinhaber bzw. Gesellschafter eines Unternehmens sind, ebenfalls aus dem Kreis der Unternehmer ausgeschlossen werden. Sie tragen schließlich nicht das vollständige Risiko bei einer freiwilligen oder unfreiwilligen Unternehmensbeendigung. Sie verlieren lediglich ihren Arbeitsplatz und tragen andererseits zum Zeitpunkt der Beendigung kein finanzielles Risiko. Unternehmer sind im Wesentlichen durch ihr bewusstes Risikowagnis und ihren aktiven persönlichen Einsatz für das eigene Unternehmen gekennzeichnet. Sie zeichnet insbesondere der Mangel an jeglicher Sicherheit aus. Ihre finanzielle Existenz steht mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes jederzeit auf dem Spiel.

Bei Kapitalgebern ist lediglich das finanzielle Risiko gegeben und dies ist zumeist auf die Höhe der finanziellen Einlage in das Unternehmensvermögen begrenzt. Seine Arbeitstätigkeit büßt der Kapitalgeber bei der Auflösung des Unternehmens nicht ein, da er sich ja selber nicht persönlich am betrieblichen Alltagsgeschehen aktiv beteiligt.

Schlussfolgernd ist zu sagen, dass ein reiner Kapitalgeber kein Unternehmer ist, denn er zieht sich sofort nach seiner Kapitalverfügung für das Unternehmen aus der eigentlichen Unternehmensaufgabe raus, während der Unternehmer weiter an Bord bleibt und dem Unternehmen aus seiner aktiven Rolle seinen persönlichen Stempel dauerhaft aufdrückt.

Was den Kapitalgeber zum Unternehmer auszeichnet, ist lediglich die Suche nach einer lukrativen Anlage bzw. Investition, die eine größtmögliche Rendite zu einem späteren Zeitpunkt verspricht. Er unternimmt mit seiner wahren Person für das Unternehmen nicht viel. Er stellt lediglich einen finanziellen Bedarf zur Verfügung und lässt anschließend andere für seine Renditeerwartung arbeiten.

Gerne werden Unternehmer anstelle von Kapitalgebern in die Schublade des Kapitalisten gesteckt. Jedoch sind es die Kapitalgeber, die den Kapitalismus fördern und nicht die selbst tatkräftigen Unternehmer, die mit ihren eigenen geistigen und körperlichen Anstrengungen zum Unternehmenserfolg persönlich beitragen. Zudem zeigt der Kapitalgeber als Eigentümer des Vermögensbestandes der Unternehmung einen typischen Charakterzug. Er produziert nicht, er ist auf den möglichst langen Erhalt des Unternehmenseigentums und seiner Mehrung aus.

Der Unterschied zwischen Integrität und Loyalität

Viele Wirtschaftsunternehmen wünschen sich loyale Mitarbeiter in ihrem Betrieb. Was bedeutet eigentlich Loyalität und ist dies für den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens überhaupt nützlich? Dieser Frage widmet sich dieses Kapitel.

Dem loyalen Menschen fehlt das kritisch reflektierende Element, welches beim integren Menschen vorhanden ist. Denn Loyalität erfordert keinen Widerspruch!

Integrität kann dagegen ohne Widerspruch nicht auskommen. Denn wahre Integrität besagt, dass Wort und Tat übereinstimmen. Eine manipulierte Aktivität durch Dritte kann somit nur schwer bei einem integren Menschen erzielt werden. Bei loyalen Menschen ist eine standhafte persönliche Haltung nicht unbedingt erwünscht. Dies zeigen bedauerlicherweise viele geschichtliche Ereignisse (Drittes Reich).

Wer sich nicht ausreichend selbst kennt, verliert sich leicht oder er erkennt sich sogar nicht einmal. Menschen ohne große Selbstkenntnis erlangen keine persönliche Weisheit. Sie unterliegen den physiologischen Notwendigkeiten, welche ohne die notwendige Selbstachtung durch Selbstkenntnis in eine Maßlosigkeit übergehen kann.

Der Mangel an Selbstkenntnis kann nicht nur das eigene Leben beeinträchtigen, sondern auch das Leben der Anderen. Die Selbstkenntnis kann als individuelle, moralische Regulation eines Menschen gesehen werden. Sie ist auch die Voraussetzung für die wünschenswerte Fähigkeit der Integrität eines Menschen. Mit seiner Selbstkenntnis kann er die Basis des integren Lebens schaffen und so eine vertrauenswürdige, wahrhaftige Person aus der Sicht seiner Mitmenschen werden.

Für innovative Unternehmen sind integre Mitarbeiter das Fundament für erfolgreiche Ideen. Sie arbeiten selbstständig, reflektieren ihr Tun und bringen kreative Ideen unabhängig vom Bisherigen nutzenstiftend für das Unternehmen ein. Denn Integrität bedeutet auch Makellosigkeit, Unbescholtenheit und Unbestechlichkeit einer Person. Und welches Unternehmen, das seriös und erfolgreich arbeiten möchte, kann auf Mitarbeiter mit integren Eigenschaften verzichten?

Zudem sind loyale Mitarbeiter für eine moderne demokratische Führungskultur in Unternehmen, wenn diese auch von der Wirtschaft tatsächlich vermehrt gewollt ist, kontraproduktiv. Denn gerade eine funktionierende Demokratie benötigt den Widerstreit und nicht die uneingeschränkte Hörigkeit ihrer Akteure.

Die demokratische Führungskultur als moderner Trend in der Unternehmensführung ermöglicht es, dass Mitarbeiter ihre Vorgesetzte nach den demokratischen Grundsätzen mehrheitlich aus ihren eigenen Reihen wählen können. Eine Mitbestimmung quasi im Sinne des Bottom-Up-Prinzips von unten nach oben. Die Mitarbeiter bekommen hierbei nicht mehr einfach ihren Chef per Direktive von oben vorgesetzt, sondern sind unmittelbar im Entscheidungsprozess für eine Führungskraft durch ihre persönliche Wahl aktiv beteiligt. Dies ist auch endlich unter einem demokratischen Motto „Wir alle sind das Unternehmen und nicht nur ein elitärer Personenkreis an der Unternehmensspitze“ innerhalb eines basisdemokratischen Gesellschaftssystems absolut sinnvoll, zumal es auch aus der politischen Sicht einer Gesellschaft eine revitalisierende Einstellung zur Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit vieler Bürger beitragen kann. Gleichzeitig muss die gesamte Unternehmenskultur das demokratische Verständnis aller Beteiligten einfordern, ohne dass eine manipulationsfreie, wahrhaftige und transparente Demokratieumsetzung in einem Unternehmen nicht gelingen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Widersprüchlichkeiten. Eine moralökonomische Perspektive
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V289208
ISBN (eBook)
9783656895794
ISBN (Buch)
9783656895800
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integrität, Moralökonomie, Wachstum, Vernunft, Ethik
Arbeit zitieren
Dipl.-Kfm. (FH), Master of Arts (Univ.) Jörg Löschmann (Autor), 2015, Widersprüchlichkeiten. Eine moralökonomische Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289208

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