Das Outsourcing von Logistikdienstleistungen hat in den letzten Jahren nicht nur im Bereich des E-Commerce, sondern auch im Allgemeinen stetig an Bedeutung im Hinblick auf die innerbetriebliche sowie unternehmensübergreifende Wertschöpfung gewonnen.
Logistikdienstleister sind daher heute mehr denn je dazu aufgefordert, ausgehend von den klassischen TUL-Funktionen zusätzliche Aufgabenbereiche, administrative Prozesse und die Optimierung der überbetrieblichen Prozesse zu übernehmen. Während Adam Smith in seinem Werk „Wohlstand der Nationen“ bereits zum Ende des 18.Jahrhunderts die Produktivitätssteigerung als direkte Folge von Aufgabenteilung und Spezialisierung der Mitarbeiter belegte, auf dessen Prinzip auch das Outsourcing basiert, liegt der Ursprung von Outsourcing im heutigen Sinne in den 80er Jahren.
Vorangetrieben durch die Reduktion der Fertigungs- bzw. Leistungstiefe und das damit einhergehende Supply-Chain Management der Automobil- und Zulieferindustrie hat sich das Bewusstsein dafür, dass die Fremdvergabe logistischer Dienstleistungen an externe Spezialisten langfristige Wettbewerbsvorteile hervorbringen kann, sofern es sich nicht um Kernkompetenzbereiche des auslagernden Unternehmens handelt, auch in anderen Branchen durchgesetzt. Mit der zunehmenden Nachfrage nach externen Spezialisten und der erhöhten Komplexität der auszulagernden Aufgabenbereiche geht in der Literatur auch eine zunehmende terminologische und definitorische Klassifizierung des Outsourcing-Begriffs einher.
Inhaltsverzeichnis
1. Outsourcing
1.1 Definition und Abgrenzung des Outsourcing-Begriffs
1.2 Gründe, Chancen und Risiken des Outsourcings
1.3 Der Outsourcing-Prozess
1.4 Relevanz der Dienstleisterauswahl beim Outsourcing aus theoretischer Sicht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Outsourcing-Prozess von Logistikdienstleistungen im B2C E-Commerce, wobei der Schwerpunkt auf der systematischen Evaluation und Auswahl geeigneter Fulfillment-Dienstleister liegt, um Unternehmen bei strategischen Make-or-Buy-Entscheidungen zu unterstützen.
- Grundlagen und terminologische Abgrenzung des Outsourcing-Begriffs
- Analyse der Beweggründe, Chancen und Risiken bei der Fremdvergabe
- Entwicklung eines idealtypischen, sechsstufigen Outsourcing-Prozessmodells
- Bedeutung der Dienstleisterevaluation innerhalb der Wertschöpfungskette
- Theoretische Fundierung der Partnerschaft durch die Principal-Agency-Theorie
Auszug aus dem Buch
1.1 Definition und Abgrenzung des Outsourcing-Begriffs
Der Begriff „Outsourcing“ ist eine aus dem angloamerikanischen Raum stammende Wortschöpfung, die die drei Begriffe „outside“, „resource“ und „using“ in sich vereint und damit im grundlegenden Sinne die Inanspruchnahme externer Quellen bezeichnet. Diese Übersetzung allein ist allerdings unzureichend, um der Komplexität und Vielschichtigkeit des Outsourcings gegenüber vergleichsweise einfachen Einkaufsentscheidungen gerecht zu werden. Daher existiert in der Literatur eine Vielzahl von Definitionen, die dieses Phänomen greifbar machen sollen. Ein Konsens darüber, welchen Prämissen die Inanspruchnahme externer Ressourcen unterliegt, um als Outsourcing betitelt zu werden und welche Terminologie beispielsweise in Abgrenzung zum „Subcontracting“, „Farming out“ oder zur „Desintegration“ Gültigkeit hat, liegt bis heute allerdings nicht vor.
So definiert Meckl Outsourcing im engeren Sinne als „Auslagerung oder Fremdvergabe von im Unternehmen erbrachten ökonomischen Leistungen an unternehmensexterne Dritte auf der Grundlage von Marktbeziehungen.“ Diesem Ansatz entsprechen viele Definitionen vergangener Jahre, die dem Outsourcing die Prämisse zugrunde legen, dass eine Leistung zunächst intern erbracht werden musste, um bei der entsprechenden Fremdvergabe von Outsourcing sprechen zu können. Gerade beim Outsourcing von Fulfillment-Dienstleistungen im B2C E-Commerce muss jedoch davon ausgegangen werden, dass zumindest Teilleistungen direkt ohne vorherige Selbsterbringung an den externen Dienstleister vergeben werden, weil sich die logistischen Anforderungen an diesen Vertriebsweg von herkömmlichen Prozessen zum Teil so stark unterscheiden, dass eine Eigenerbringung von vornherein nicht effizient realisiert werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Outsourcing: Dieses Kapitel erläutert die wachsende Bedeutung des Outsourcings von Logistikdienstleistungen im E-Commerce und definiert die theoretische Basis sowie die prozessuale Einordnung für die weitere Untersuchung.
1.1 Definition und Abgrenzung des Outsourcing-Begriffs: Hier wird der Outsourcing-Begriff theoretisch hergeleitet, von alternativen Konzepten abgegrenzt und eine spezifische, auf den E-Commerce ausgerichtete Definition für die Arbeit festgelegt.
1.2 Gründe, Chancen und Risiken des Outsourcings: Dieses Kapitel beleuchtet die Motive für eine Make-or-Buy-Entscheidung sowie die damit verbundenen strategischen Chancen und Risiken, wie etwa die Abhängigkeit vom Dienstleister.
1.3 Der Outsourcing-Prozess: Hier wird ein idealtypisches, sechsstufiges Prozessmodell für Outsourcing-Projekte entwickelt, welches die Evaluation und Auswahl von Fulfillment-Anbietern als zentralen Bestandteil hervorhebt.
1.4 Relevanz der Dienstleisterauswahl beim Outsourcing aus theoretischer Sicht: Unter Zuhilfenahme der Principal-Agency-Theorie wird begründet, warum die sorgfältige Auswahl eines passgenauen Dienstleisters bei Informationsasymmetrien zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer entscheidend ist.
Schlüsselwörter
Outsourcing, E-Commerce, Logistikdienstleistungen, Fulfillment, Make-or-Buy, Dienstleisterauswahl, Supply Chain Management, Transaktionskostentheorie, Principal-Agency-Theorie, Prozessmanagement, Wertschöpfung, Qualitätsmanagement, Risikoanalyse, Strategische Partnerschaft, Performance Measurement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Prozess des Outsourcings von logistischen Dienstleistungen im Kontext des B2C E-Commerce mit einem besonderen Fokus auf die Auswahl von Fulfillment-Anbietern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Outsourcing-Formen, die Abwägung von Chancen und Risiken (Make-or-Buy), die Strukturierung des Outsourcing-Prozesses und die wissenschaftliche Begründung der Dienstleisterevaluation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Rahmen zu schaffen, mit dem Onlinehändler den komplexen Prozess der Ausschreibung und Auswahl eines Fulfillment-Partners systematisch und methodisch fundiert umsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Outsourcing-Modelle und nutzt ökonomische Theorien wie die Transaktionskostentheorie und die Principal-Agency-Theorie zur theoretischen Fundierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die begriffliche Einordnung, die Analyse von Beweggründen für das Outsourcing, die Herleitung eines sechsphasigen Prozessmodells und die theoretische Herleitung der Notwendigkeit einer sorgfältigen Dienstleisterwahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Outsourcing, Fulfillment, Logistikmanagement, Make-or-Buy-Entscheidung und Dienstleisterevaluation geprägt.
Wie unterscheidet sich das Outsourcing im E-Commerce von klassischen Outsourcing-Prozessen?
Im E-Commerce werden oft Prozesse direkt ausgelagert, ohne dass diese zuvor intern erbracht wurden, da die logistischen Anforderungen an das B2C-Geschäft hochspezialisiert sind.
Warum spielt die Principal-Agency-Theorie in dieser Arbeit eine Rolle?
Sie hilft zu verstehen, wie man mit Problemen wie Informationsvorsprüngen eines Dienstleisters umgeht und warum eine gründliche Auswahl (Screening/Signalling) das Risiko des Scheiterns verringert.
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- M.A. Franziska Stallmann (Author), 2012, Der Outsourcing-Prozess. Definition, Chancen und Relevanz der Dienstleisterauswahl beim Outsourcing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289239