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"Männlichkeiten" im Migrationsdiskurs

Titel: "Männlichkeiten" im Migrationsdiskurs

Diplomarbeit , 2011 , 91 Seiten

Autor:in: Diana Marija Vrban (Autor:in)

Soziologie - Beziehungen und Familie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Dass es ausgerechnet die „Männlichkeit“ sein soll, die Schuld daran trägt, dass allochthone Jugendliche sich kriminell und gewalttätig verhalten, ist gegenwärtig der sich wiederholende Diskurs, welchen die Medien hervorbringen. Ganz gleich, in welcher Zeitung wir gerade lesen oder welches Fernsehprogramm wir wählen, die Bilder sind immer einheitlich präsent: „Männlichkeit“ und Kriminalität scheinen wie ein unsichtbares Band miteinander verbunden zu sein. Polizeiliche Kriminalstatistiken weisen in ihren jährlichen Veröffentlichungen darauf hin, dass es hauptsächlich Männer bzw. männliche Jugendliche sind, die an Gewaltdelikten als Täter oder Opfer beteiligt sind. (vgl. Möller, 2010) In diesem Zusammenhang wird männlich „mit Junge gleichgesetzt und Gewalt gleich männlich als gegeben vorausgesetzt“. (vgl. Messerschmidt 1993, 1) Eine scharfe Kehrtwende erfährt diese Debatte jedoch, wenn die Kriminalität von jungen männlichen Migranten in den öffentlichen Medien thematisiert wird. Unter dem Schlagwort „Ausländer-Kriminalität“ setzt nun dort eine Debatte ein, wo es eben noch um Kriminalität im Zusammenhang mit „Männlichkeit“ ging. Diese Debatte sieht die „andere“ Ethnizität bzw. Kultur als Begründung für das kriminelle Treiben der jeweiligen Gruppe. Ein Ethnisierungs- bzw. Kulturalisierungsprozess des Problems der Kriminalität von männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden hält somit Einzug in die Thematik. Er schafft eine Kluft zwischen den autochthonen männlichen kriminellen Jugendlichen versus jenen der allochthonen Gruppe. Die Legitimation, den Diskurs hinsichtlich der Kriminalität allochthoner Jugendlichen auch so führen zu dürfen, findet sich u. a. in der Kulturdifferenzhypothese. Diese beschreibt hegemoniale Kulturen im Herkunfts- und Einwanderungsland als grundsätzlich unterschiedlich und von daher grundlegend fremdartig in ihren Bedeutungs- und Deutungssystemen. Folgt man dieser Hypothese in ihrem Ansatz, so ist es die Aufgabe des Migranten bzw. der Migrantin, eine kulturelle Diskrepanz persönlich zu bewältigen. (vgl. Munsch / Gmende / Weber-Unger 2007) Eine Studie nach Pfeiffer und Wetzels aus dem Jahre 2000, welche sich der Frage der allgemeinen Gewaltbereitschaft muslimischer Jugendlicher widmete und den Titel „Junge Türken als Täter und Opfer von Gewalt“ trägt, bediente sich in ihrer Klärung dieses Phänomens der o.g. Kulturdifferenzhypothese und sah diese aufgrund ihrer Forschungsergebnisse wie folgt bestätigt: [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das „Geschlecht“ im Wandel der Postmoderne

1.1. „doing gender“ – von der sozialen Konstruktion des Geschlechts

1.2. Entwicklung und aktueller Stand der Männerforschung

1.3. Zu den Theorien deutscher Männerforschung im Detail

1.3.1 Die „hegemoniale Männlichkeit“ nach R. Connell

1.3.2. Die „männliche Herrschaft“ und das „Spielen der Spiele“ nach Bourdieu

1.4. Zusammenfassung der Theorien nach Connell und Bourdieu

1.5. „Männlichkeit“ aus intersektionaler Perspektive

2. „doing ethnicity“ – von der soziale Konstruktion der „Ethnizität“

2.1. Der Prozess des „doing ethnicity“ aus historischer Sicht

2.2. Die „rassisierten Regime der Repräsentationen“ nach Hall

2.3. Die Symbolik „des bösen schwarzen Mannes“ - Der Fall Oury Jalloh

2.4. Methodische Vorbemerkungen zur Dokumentenanalyse

2.5. Die öffentlich mediale Repräsentation männlichen/weiblichen Geschlechts im Migrationsdiskurs

3. „Männlichkeit“ im Migrationsdiskurs – eine kritische Gegendarstellung

3.1. Lebensbiografie Abdul und Analyse anhand aufgezeigter Theorien

3.2. Lebensbiografie Iwan und Analyse anhand aufgezeigter Theorien

3.3. Abdul und Iwan – zwei Fallbeispiele fernab vom „rassisierten Regime der Repräsentationen“

4. Ausblick

5. Literatur- und Quellverzeichnis

6. Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Konstruktion von „Männlichkeit“ innerhalb des Migrationsdiskurses, mit dem Ziel, die einseitigen, stereotypen Bilder von „migranter Männlichkeit“ kritisch zu hinterfragen und einen Gegendiskurs zu entwickeln. Dabei wird erforscht, wie gesellschaftliche Benachteiligung und Machtstrukturen das Bild männlicher Migranten prägen und wie diese auf individueller Ebene mit Identitätskonstruktionen interagieren.

  • Soziale Konstruktion von „Geschlecht“ (doing gender) und „Ethnizität“ (doing ethnicity)
  • Analyse hegemonialer Männlichkeit nach R. Connell und männlicher Herrschaft nach P. Bourdieu
  • Die Rolle der medialen Repräsentation bei der Konstruktion von Stereotypen
  • Intersektionale Analyse von Differenzlinien wie Klasse, Ethnizität und Geschlecht
  • Biografische Fallanalysen zur Identitätsfindung unter Bedingungen struktureller Diskriminierung

Auszug aus dem Buch

1.1. „doing gender“ - von der sozialen Konstruktion des Geschlechts

Grundlegend sieht die Geschlechterforschung das Geschlecht als Konstruktion, welches zum einen Produkt von Historie als auch Produzent dieser ist und diese bestimmt. In sozialer Interaktion wird Geschlecht aufgrund körperlicher Merkmale und dessen Kategorisierung in „männlich“ oder „weiblich“ bis heute in der vorherrschenden Gesellschaft zweigeschlechtlich konstruiert. Diesen Prozess benennt die Genderforschung als „doing gender“ (vgl. Connell 1999). Das Konzept des „doing gender“ fand seinen Ursprung in der interaktionstheoretischen Soziologie und wird in der Geschlechterforschung bedeutungsgleich für die in dieser Tradition der „sozialen Konstruktion von Geschlecht“ verwendet.

„Doing gender“ verweist auf den Prozess, in dem „Geschlecht bzw. Geschlechtszugehörigkeit nicht als Eigenschaft oder Merkmal von Individuen zu betrachten“ ist, „sondern jene soziale Prozesse in den Blick zu nehmen“ sind, „in denen ’Geschlecht’ als sozial folgenreiche Unterscheidung hervorgebracht und reproduziert“ werden. (Gildemeister 2004, 132) Im Wesentlichen beschreibt das Konzept „doing gender“, „dass Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität als fortlaufender Herstellungsprozess aufzufassen ist, der zusammen mit faktisch jeder menschlichen Aktivität vollzogen wird und in den unterschiedliche institutionelle Ressourcen eingehen“.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den problematischen Diskurs, der „Männlichkeit“ von Migranten einseitig mit Kriminalität verknüpft, und stellt die Kulturdifferenzhypothese kritisch in Frage.

1. Das „Geschlecht“ im Wandel der Postmoderne: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Geschlechts als soziale Konstruktion unter Einbeziehung der Gender Studies sowie der Männerforschung nach Connell und Bourdieu.

2. „doing ethnicity“ – von der soziale Konstruktion der „Ethnizität“: Hier wird der Prozess der Ethnisierung analysiert, wobei „doing ethnicity“ als Mechanismus der Hierarchisierung und Identitätsstiftung sowie als Basis für rassisierte Repräsentationen herausgearbeitet wird.

3. „Männlichkeit“ im Migrationsdiskurs – eine kritische Gegendarstellung: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Ansätze mit den biografischen Fallbeispielen von Abdul und Iwan, um die Auswirkungen von Benachteiligung auf die männliche Identitätskonstruktion aufzuzeigen.

4. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Notwendigkeit, Geschlecht und Ethnizität als hybride, intersektionale Kategorien zu verstehen und fordert die Pädagogik zu einer kritischen Reflexion dieser Differenzkonstruktionen auf.

5. Literatur- und Quellverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.

6. Anhang: Enthält ergänzendes Material, darunter die literarische Quelle „Die Geschichte von den schwarzen Buben“.

Schlüsselwörter

Männlichkeit, Migration, doing gender, doing ethnicity, Intersektionalität, Rassismus, Kriminalisierung, soziale Konstruktion, Hegemoniale Männlichkeit, Bourdieu, Connell, Identität, Diskurs, Repräsentation, Benachteiligung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Diplomarbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch, wie Männlichkeit im Kontext von Migration in Deutschland konstruiert wird, insbesondere unter dem Einfluss medialer und gesellschaftlicher Diskurse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Geschlecht und Ethnizität, die Mechanismen von Macht und Herrschaft sowie die Auswirkungen von Ausgrenzung auf die Identitätsbildung männlicher Migranten.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, einen Gegendiskurs zu den einseitigen, oft auf die „Kulturdifferenzhypothese“ reduzierten Darstellungen von männlichen Migranten zu etablieren und die Vielschichtigkeit ihrer Lebenswelten aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Autorin verwendet eine Dokumentenanalyse, um Bild- und Textkombinationen des öffentlich-medialen Diskurses kritisch zu untersuchen und die dort produzierten Männlichkeitsbilder zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zu „doing gender“ und „doing ethnicity“ sowie eine empirische Betrachtung anhand zweier detaillierter Fallbiografien (Abdul und Iwan), die die Auswirkungen von Exklusion und struktureller Gewalt illustrieren.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intersektionalität, „doing gender“, „doing ethnicity“, hegemoniale Männlichkeit, rassisierte Regime der Repräsentation und symbolische Gewalt.

Wie beeinflusst die soziale Herkunft die Identitätsbildung der beiden Fallbeispiele?

Die Biografie-Analysen zeigen, dass sowohl Abdul als auch Iwan in instabilen Verhältnissen aufwuchsen, in denen die kulturelle Herkunft und die daraus resultierende gesellschaftliche Stigmatisierung als Hindernis für eine gefestigte Identität wirkten.

Welche Rolle spielt Gewalt in den untersuchten Biografien?

Gewalt wird in den Biografien nicht als kulturell determiniert, sondern als eine Strategie der „Männlichkeitsreproduktion“ unter Bedingungen von Marginalisierung, Ohnmacht und dem Mangel an alternativen sozialen Handlungsspielräumen interpretiert.

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Details

Titel
"Männlichkeiten" im Migrationsdiskurs
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Autor
Diana Marija Vrban (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
91
Katalognummer
V289242
ISBN (eBook)
9783656895596
ISBN (Buch)
9783656895602
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender Männlichkeitsforschung Erziehungswissenschaften
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Diana Marija Vrban (Autor:in), 2011, "Männlichkeiten" im Migrationsdiskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289242
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Leseprobe aus  91  Seiten
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