Ästhetische Konzepte in der mittelalterlichen Textilkunst: Der Teppich von Bayeux


Referat (Ausarbeitung), 2004
14 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhalt

Einführung

1. Der Teppich von Bayeux

2. Übersetzung der lateinischen Inschriften
2.1 Harolds Reise in die Normandie
2.2 Der Feldzug in die Bretagne
2.3 Der Eid
2.4 Der Tod König Edwards
2.5 König Harold
2.6 Die Invasion
2.7 Die Schlacht von Hastings

3. Der geschichtliche Hintergrund
3.1 Harolds Reise in die Normandie
3.2 Harold erbt die Krone Englands
3.3 Wilhelm setzt nach England über
3.4 Die Schlacht von Hastings

4. Das fehlende Schlussstück

5. Zusammenfassung

6. Literatur

Einführung

Im vorangegangenen Seminar „Ästhetische Konzepte in der mittelalterlichen Textilkunst“ haben wir uns mit den verschiedensten Arten von Textilien aus der Zeit des Mittelalters beschäftigt. Da Textilien gegenüber den Einflüssen der Zeit sehr empfindlich sind und nicht so haltbar wie etwa Bilder, Statuen oder Gebäude, sind die uns erhaltenen Stücke dieser Zeit etwas ganz besonderes. Die meisten erhaltenen Textilien findet man in Kirchen und Klöstern, wo sie wohl behütet gepflegt, restauriert und aufbewahrt wurden. Auch der Teppich von Bayeux hat die Zeit in einer Kathedrale überdauert, wobei ich im folgenden Kapitel auch der Vermutung nachgehen werde, wo und für welchen Ort der Teppich Ursprünglich hergestellt wurde. Ich werde zunächst eine äußerliche Beschreibung des Teppichs geben (s.a. Anhang). Dabei werde ich auch auf die Bildkomposition und den Einsatz verschiedener stilistischer Mittel eingehen. Danach folgt die Übersetzung der Inschrift, sowie eine genaue Inhaltsangabe der Bildergeschichte. In Kapitel drei gehe ich dann auf den geschichtlichen Hintergrund der Jahre 1065 bis 1066 ein. Im 4. Kapitel werde ich über die Vermutungen zum fehlenden Schlussstück des Teppichs berichten und dann ein Resümee meiner Arbeit wiedergeben.

1. Der Teppich von Bayeux

Der Teppich von Bayeux, entstanden um 1070/80, ist ein Wandbehang von ursprünglich wohl über 70 Metern Länge (erhalten sind 68,38 Meter) und 45,7 bis 53,6 cm Höhe. Die 60 farbigen Stickereibilder sind mit Wollfäden in sieben verschiedenen Farben auf Leinen ausgeführt. Am oberen und unteren Rand ist der Teppich mit Ornamenten verziert:

Der Teppich berichtet, wie Wilhelm, Herzog der Normannen, König von England wurde. „Ein kinderloser König ist immer ein Problem. Im Mittelalter führte ein derartiger Mangel geradewegs in ein nationales Drama, und der letzte Akt war unausweichlich voller Blutvergießen.“[1]

Sein Thema ist also die Vorgeschichte und der Verlauf der berühmten Schlacht von Hastings 1066. Dabei behandelt er die historischen Ereignisse nicht viel anders, als die Heldenlieder des Mittelalters ihre Stoffe behandeln: Er erzählt eine Saga in Bildern, nämlich die Geschichte zweier Helden, die einander ebenbürtig, gleich adelig und gleich tapfer gegenüberstehen. Wilhelm, der schließlich als Sieger hervorgeht, und Harold, der Führer des angelsächsischen Adels, der auf tragische Weise unterliegt.

Der Berichtszeitraum umfasst ein knappes Jahr, von der Abreise des Grafen Harold von Wessex in die Bretagne Anfang November 1065 bis zum Tag der Schlacht von Hastings, dem 14. Oktober 1066. Schnell wird der Betrachter mit den Hauptakteuren vertraut: Neben Harold sind dies Herzog Wilhelm der Normandie und König Edward der Bekenner.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein besonderes Merkmal des Teppichs ist die kontinuierliche Darstellungsweise. Durch Bäume und hohe, turmartige Architekturelemente wird die Bildererzählung gegliedert, dieses Prinzip „wurde seit der Antike in narrativen Bildszenenfolgen angewandt“[2]. So z.B. auf der Trajansäule (113 n. Chr.) und der Marc-Aurel-Säule (180 n. Chr.) in Rom . „Ebenso sind die Menschen Bestandteil der fortschreitenden Darstellung und oft gehen die Bildszenen ineinander über. An keiner Stelle aber stört ein abrupter Wechsel des Ortes oder ein zeitlicher Bruch den Ablauf der Ereignisse. Wo durch trennende Bäume oder Türme ein Bild sich zu isolieren droht, werden Überleitungsfiguren platziert. Dies sind z.B. Boten, Späher, Spione oder Personen, die mit dem Finger auf die Hauptakteure zeigen, so das Geschehen transparent machen und die Handlung weitertreiben.“[3]

Bei den Oberhalb der Bilder angebrachten Schriften ist anzunehmen, dass die lateinische Beschriftung erst nachträglich hineingestickt wurde, da sie Rücksicht auf die Bildelemente nimmt. Die Fläche die an manchen Stellen für die Schrift verblieb, ist so schmal, dass Wörter auseinander gerissen werden mussten. „Die deutliche Schriftüberladenheit wirft die Frage auf, ob ein derartiger Wortreichtum in der ursprünglichen Konzeption überhaupt vorgesehen war.“

Bischof Odo von Bayeux, der Halbbruder Herzog Wilhelms, dürfte der Auftraggeber gewesen sein. Er ist mehrmals an bevorzugter Stelle auf dem Teppich dargestellt und er war der Hüter der Reliquien von Bayeux. Die Bildergeschichte wurde wohl in England entworfen und gestickt, dafür spricht die Tradition solcher Wandteppiche in diesem Land (auch wenn nur Fragmente überliefert sind), und dafür sprechen manche Anklänge an das Altenglische in Schrift und Sprache der Bildüberschriften. Der Wandbehang war sicher für die Halle eines Adelssitzes und nicht für die Kathedrale von Bayeux bestimmt. Überliefert ist, Dass Odo in Bayeux einen Palast bauen ließ.

2. Übersetzung der lateinischen Inschriften

2.1 Harolds Reise in die Normandie

Edward rex[4]

König Edward

Ubi Harold dux Anglorum et sui milites equitant ad Bosham

Harold, ein englischer Graf, und seine Soldaten reiten nach Bosham

Ecclesia

Die Kirche

Hic Harold mare navigavit

Harold segelt über das Meer

Et velis vento plenis venit in terram Widonis comitis

und kommt mit vollem Wind in den Segeln in das Land des Grafen Guy

Harold

Harold

Hic apprehendit Wido Haroldum

Guy nimmt Harold gefangen

Et duxit eum ad Belrem

und führt ihn nach Beaurain

Et ibi eum tenuit

und hielt ihn dort gefangen

Ubi Harold et Widi parabolant

Harold und Guy unterhalten sich

Ubi nuntii Willelmi ducis venerunt ad Widonem (Turold)

Die Boten Herzog Wilhelms kamen zu Guy

Nuntii Willelmi

Die Boten Wilhelms

Hic venit nuntius ad Wilgelmum ducem

Ein Bote kommt zu Herzog Wilhelm

Hic Wido adduxit Haroldum ad Wilgelmum Normannorum ducem

Guy brachte Harold zu Wilhelm, dem Herzog der Normannen

Hic dux Wilgelm cum Haroldo venit ad palatium suum

Herzog Wilhelm kam mit Harold zu seinem Schloss

Ubi unus clericus et Aelfgyva

Ein Geistlicher und Aelfgyva

[...]


[1] http://www.gazette.de/Archiv/Gazette-6-September1998/Schaufenster.html

[2] U. Kuder (94)

[3] http://www.ibl.uni-bremen.de/lui/user/ag26/wilhelm.html

[4] http://www.uni-muenster.de/ZIV/Mitarbeiter/BennoSueselbeck/bayeux/bayeux.html

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Konzepte in der mittelalterlichen Textilkunst: Der Teppich von Bayeux
Hochschule
Universität zu Köln  (EZW)
Veranstaltung
Ästhetische Konzepte in der mittelalterlichen Textilkunst
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V28933
ISBN (eBook)
9783638305778
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzepte, Textilkunst, Teppich, Bayeux
Arbeit zitieren
Kathrin Dubas (Autor), 2004, Ästhetische Konzepte in der mittelalterlichen Textilkunst: Der Teppich von Bayeux, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28933

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