Lexikalische Strategien


Hausarbeit, 2002

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mentale Lexikon
2.1. Speicherung, Ordnung und Abruf im mentalen Lexikon

3. Zur “Lernersprache”

4. Überlegungen zum mentalen Lexikon in der Lernersprache

5. Lexikalische Strategien

6. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach der kognitiven Linguistik bezeichnet der Begriff mentales Lexikon den menschlichen Wortspeicher, der – anders als das alphabetisch oder nach Sachgebieten sortierte Lexikon – eine komplex strukturierte Organisation darstellt, in der sämtliche lexikalische und grammatische Informationen enthalten sind.

Es ist eine Art Kenntnissystem, das wir automatische aktivieren, wenn wir sprechen, lesen, oder Sprache hören. Im Gegensatz zum Nachschlagen in einem Lexikon ist sich der Sprachbenutzer der Aktivitäten seines Gehirns in den meisten Fällen nicht bewußt. Erst wenn ihm eine Wort nicht einfällt, oder er etwas nicht versteht, wird seine Aufmerksamkeit auf die eigene Sprachverarbeitung gelenkt und er versucht, die Lücke in seinem Wortschatz zu füllen. Dies kann mit Hilfe von sogenannten kommunikativen und lexikalischen Strategien geschehen, wie z.B. der Suche nach Synonymen, der Umschreibung eines Wortes, oder der Aktivierung von Welt- und metasprachlichem Wissen.

Gerade im Fremdsprachenerwerbsprozess wenden die Lernenden bewußt oder unbewußt verschiedenartige Strategien an, um lexikalische Einheiten zu behalten und zu benutzen. Wie aber organisiert sich der neue Wortschatz im Gedächtnis? Untersuchungen (siehe z.B. Börner 1994) haben gezeigt, dass das Behalten neuer Vokabeln den Fremdsprachenlernern häufig am meisten Schwierigkeiten bereitet und dass auch weit fortgeschrittene Lerner mit sehr guten Sprachkenntnissen nicht an die Kompetenz eines Muttersprachlers herankommen.

Während beim kindlichen Erstspracherwerb der Wortschatzerwerb und dessen Strukturierung eng mit der physiologischen und kognitiven Reifung verknüpft ist, verfügt ein Fremdsprachenlerner in seiner Muttersprache bereits über ein Ordnungssystem, das er als Vorgabe für die neue Sprache mitbringt.

In der Vergangenheit gab es eine Reihe von kontroversen Annahmen zum bilingualen oder auch mehrsprachigen mentalen Lexikon, die entweder eine getrennte Speicherung der Sprachen annahmen, oder sich für ein gemeinsames mentales Lexikon aussprachen.[1]

Mittlerweile ist man jedoch zu der Einsicht gelangt, dass bei bilingualen Sprechern alle möglichen Organisationsformen des mentalen Lexikons auftreten können, basierend auf der Tatsache, dass das mentale Lexikon nicht statisch ist, sondern sich ständig verändert und seine Gestaltung auch individuell durch den Sprecher geprägt wird.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen vor allem Überlegungen zur Entwicklung des mentalen Lexikons bei Fremdsprachenlernern angestellt werden, wofür ich den Ausdruck "mentales Lexikon der Lernersprache" verwende, um eine Auseinandersetzung mit dem Begriff "bilingual" zu vermeiden, der von verschiedenen Forschern sowohl für Sprecher mit einer geringen Kompetenz in der Zweitsprache, als auch für Bilinguale verwendet wird, die von Kindheit an mit zwei Sprachen aufgewachsen sind. Eine nähere Beschreibung der "Lernersprache" erfolgt im dritten Abschnitt dieser Arbeit.

Zunächst soll jedoch eine vereinfachte und verkürzte Sicht auf das mentale Lexikon und die in ihm ablaufenden Prozesse gegeben werden, was allerdings nur für die Erstsprache gilt.

Bei den in Abschnitt 4. folgenden Überlegungen zum mentalen Lexikon in der Lernersprache wird vor allem auf die Hypothese von Börner/Vogel (1994) näher eingegangen, die eine Loslösung des fremdsprachlichen Lexikons vom L1-Lexikon mit zunehmender Kompetenz des Sprechers vermuten. Eine Bestätigung ihrer Annahme glauben sie in der Zielsprachenverwendung der Lerner zu finden, darunter auch die Anwendung von lexikalischen Strategien, wie etwa der Aktivierung semantisch ähnlicher Wörter oder dem Einsetzen von L2- oder L1-Wortbildungsregeln zur Ad-hoc-Bildung neuer Wortformen. Die Strategien werden im Einzelnen in Kapitel 5 aufgeführt, bevor ich im Schlußteil meine eigenen Überlegungen zum mentalen Lexikon in der Lernersprache darstelle.

2.1. Das Mentale Lexikon

Das mentale Lexikon, ein Begriff aus der kognitiven Linguistik, ist allgemein definiert als “derjenige Teil des Langzeitgedächtnisses, in dem die Wörter einer Sprache mental repräsentiert sind” (Schwarz 1992a, S.81). Es bildet eine Brücke zwischen dem sprachlichen System (Sprachverstehen und Sprachproduktion) und den mental repräsentierten Wissensstrukturen (Weltwissen). Dabei wird unter mentaler Repräsentation die Abbildung systemexterner Zustände durch systeminterne Zustände verstanden; Informationen der Außenwelt werden also intern dargestellt (Raupach 1994, S. 21ff).

Das mentale Lexikon besteht aus mehreren Teillexika, wie etwa dem phonologischen, morphologischen, syntaktischen, oder semantischen, die auf der einen Seite individuell repräsentiert, gleichzeitig aber auch miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Beweise dafür liefern Ergebnisse aus der Versprecherforschung, aus der Aphasieforschung, tip-of-the-tongue-Phänomene, sowie die Tatsache, daß man Korrekturlesen kann, ohne unbedingt den Inhalt eines Textes zu verstehen (Raupach 1994, S. 27).

Um die Vorgänge im Gehirn, die beim Äußern und Aufnehmen von Sprache ablaufen, besser darstellen und modellieren zu können, werden meist Metaphern zur Hilfe herangezogen, die nachfolgend vorgestellt werden sollen.

2.1. Speicherung, Ordnung und Abruf im mentalen Lexikon

Speichern und Abrufen werden in den Theorien zum mentalen Lexikon als zwei verschiedene Prozesse aufgefasst. Die Speicherung der Wörter im mentalen Lexikon wird oft mit der “Wörterbuch-Metapher” verglichen:

“Taking the dictionary metaphor, we can expect each word to have attached to it a meaning, a syntactic class, a sound pattern, a spelling pattern (...), perhaps some derivations clustering around it and, if it is a well-organized dictionary, cross-references to synonyms and even antonyms”. (McCarthy 1990, S. 38)

[...]


[1] Eine Zusammenfassung der alten Theorien befindet sich in Hummel (1993).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lexikalische Strategien
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Lernersprache
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V28949
ISBN (eBook)
9783638305914
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lexikalische, Strategien, Lernersprache
Arbeit zitieren
Julia Loewe (Autor), 2002, Lexikalische Strategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28949

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