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Lexikalische Strategien

Title: Lexikalische Strategien

Term Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Julia Loewe (Author)

Speech Science / Linguistics
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Einleitung

Nach der kognitiven Linguistik bezeichnet der Begriff mentales Lexikon den menschlichen Wortspeicher, der – anders als das alphabetisch oder nach Sachgebieten sortierte Lexikon – eine komplex strukturierte Organisation darstellt, in der sämtliche lexikalische und grammatische Informationen enthalten sind. Es ist eine Art Kenntnissystem, das wir automatische aktivieren, wenn wir sprechen, lesen, oder Sprache hören. Im Gegensatz zum Nachschlagen in einem Lexikon ist sich der Sprachbenutzer der Aktivitäten seines Gehirns in den meisten Fällen nicht bewußt. Erst wenn ihm eine Wort nicht einfällt, oder er etwas nicht versteht, wird seine Aufmerksamkeit auf die eigene Sprachverarbeitung gelenkt und er versucht, die Lücke in seinem Wortschatz zu füllen. Dies kann mit Hilfe von sogenannten kommunikativen und lexikalischen Strategien geschehen, wie z.B. der Suche nach Synonymen, der Umschreibung eines Wortes, oder der Aktivierung von Welt- und metasprachlichem Wissen.

Gerade im Fremdsprachenerwerbsprozess wenden die Lernenden bewußt oder unbewußt verschiedenartige Strategien an, um lexikalische Einheiten zu behalten und zu benutzen. Wie aber organisiert sich der neue Wortschatz im Gedächtnis? Untersuchungen (siehe z.B. Börner 1994) haben gezeigt, dass das Behalten neuer Vokabeln den Fremdsprachenlernern häufig am meisten Schwierigkeiten bereitet und dass auch weit fortgeschrittene Lerner mit sehr guten Sprachkenntnissen nicht an die Kompetenz eines Muttersprachlers herankommen. Während beim kindlichen Erstspracherwerb der Wortschatzerwerb und dessen Strukturierung eng mit der physiologischen und kognitiven Reifung verknüpft ist, verfügt ein Fremdsprachenlerner in seiner Muttersprache bereits über ein Ordnungssystem, das er als Vorgabe für die neue Sprache mitbringt. In der Vergangenheit gab es eine Reihe von kontroversen Annahmen zum bilingualen oder auch mehrsprachigen mentalen Lexikon, die entweder eine getrennte Speicherung der Sprachen annahmen, oder sich für ein gemeinsames mentales Lexikon aussprachen.1 Mittlerweile ist man jedoch zu der Einsicht gelangt, dass bei bilingualen Sprechern alle möglichen Organisationsformen des mentalen Lexikons auftreten können, basierend auf der Tatsache, dass das mentale Lexikon nicht statisch ist, sondern sich ständig verändert und seine Gestaltung auch individuell durch den Sprecher geprägt wird.

...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mentale Lexikon

2.1. Speicherung, Ordnung und Abruf im mentalen Lexikon

3. Zur “Lernersprache”

4. Überlegungen zum mentalen Lexikon in der Lernersprache

5. Lexikalische Strategien

6. Schlussfolgerung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Organisation und Entwicklung des mentalen Lexikons im Kontext des Fremdsprachenerwerbs. Dabei wird analysiert, wie Lernende lexikalische Einheiten speichern, abrufen und welche kognitiven sowie kommunikativen Strategien sie anwenden, um bei Wortschatzlücken erfolgreich zu agieren.

  • Struktur des mentalen Lexikons und Netzwerkhypothesen
  • Charakteristika der Lernersprache und ihre Instabilität
  • Faktoren der lexikalischen Speicherung beim Zweitsprachenerwerb
  • Klassifizierung und Anwendung lexikalischer Strategien
  • Vergleich zwischen gesteuertem und natürlichem Spracherwerb

Auszug aus dem Buch

2.1. Speicherung, Ordnung und Abruf im mentalen Lexikon

Speichern und Abrufen werden in den Theorien zum mentalen Lexikon als zwei verschiedene Prozesse aufgefasst. Die Speicherung der Wörter im mentalen Lexikon wird oft mit der “Wörterbuch-Metapher” verglichen:

“Taking the dictionary metaphor, we can expect each word to have attached to it a meaning, a syntactic class, a sound pattern, a spelling pattern (...), perhaps some derivations clustering around it and, if it is a well-organized dictionary, cross-references to synonyms and even antonyms”. (McCarthy 1990, S. 38)

Ordnungen im mentalen Lexikon entstehen durch die Beziehungen, die zwischen den Wörtern geknüpft werden. Jedes Wort kann dabei zugleich Element verschiedener Ordnungsklassen sein. Kielhöfer unterscheidet sieben Ordnungsklassen (Kielhöfer 1994, S. 213 ff.):

1. Auf der paradigmatischen Ebene:

Begriffsfelder: die Wörter werden hierarchisch nach begrifflichen Merkmalen geordnet und dem Konzept, das dahinter steht. (z.B. das Begriffsfeld Gebäude: maison - bâtiment - villa - université -...).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die kognitive Linguistik und den Begriff des mentalen Lexikons sowie Darlegung der Problemstellung beim Fremdsprachenerwerb.

2. Das mentale Lexikon: Theoretische Grundlagen zur Struktur des mentalen Lexikons und seiner Organisation in Form von Teillexika.

2.1. Speicherung, Ordnung und Abruf im mentalen Lexikon: Detaillierte Analyse der Prozesse der Wortspeicherung anhand von Modellen wie der Wörterbuch-Metapher und Ordnungsklassen.

3. Zur “Lernersprache”: Definition der Lernersprache als instabiles und systematisches Zwischensystem beim Zweitsprachenerwerb.

4. Überlegungen zum mentalen Lexikon in der Lernersprache: Untersuchung der Modifizierungen des L1-Lexikons durch L2-Wortschatz und die Einflüsse auf die Speicherkapazität.

5. Lexikalische Strategien: Darstellung der verschiedenen Methoden, die Lernende anwenden, um lexikalische Defizite in der Zielsprache zu überbrücken.

6. Schlussfolgerung: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zur dynamischen Entwicklung des mentalen Lexikons.

Schlüsselwörter

Mentales Lexikon, Lernersprache, Fremdsprachenerwerb, lexikalische Strategien, Wortschatz, kognitive Linguistik, Mehrsprachigkeit, Interlexikon, Netzwerkhypothese, Sprachproduktion, Sprachverstehen, Subset-Hypothese, Fossilisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kognitiven Organisation des Wortschatzes bei Fremdsprachenlernern und untersucht, wie das mentale Lexikon aufgebaut ist und welche Strategien zur Überwindung von Wortschatzdefiziten eingesetzt werden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit deckt die Struktur des mentalen Lexikons, die Besonderheiten der Lernersprache, die Dynamik des Zweitsprachenerwerbs und die Anwendung lexikalischer Strategien bei der Wortsuche ab.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, wie sich ein fremdsprachliches Lexikon im Gedächtnis des Lerners entwickelt und inwieweit dieses von bereits vorhandenen Strukturen der Muttersprache beeinflusst wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf kognitiv-linguistischen Ansätzen basiert und bestehende Forschungsergebnisse, wie etwa die von Börner, Vogel und Kielhöfer, analysiert und kritisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die Konzepte der Speicherung und des Abrufs, definiert die Lernersprache als instabiles System und kategorisiert konkrete Strategien (z.B. Paraphrasierung, Synonymsuche), die bei lexikalischen Engpässen genutzt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Mentales Lexikon, Lernersprache, kognitive Linguistik, Wortschatzlücken, lexikalische Strategien und Zweitsprachenerwerb.

Was versteht man unter dem Begriff "Fossilisierung" im Kontext der Lernersprache?

Fossilisierungen sind stabile, fehlerhafte Sprachformen, die weder der Zielsprachennorm noch dem aktuellen Lernstand entsprechen, sich aber im Repertoire des Lerners festsetzen, weil die Motivation zur weiteren Korrektur fehlt.

Warum ist die Unterscheidung zwischen gesteuertem und natürlichem Erwerb wichtig?

Der Kontext des Erwerbs beeinflusst, wie das mentale Lexikon aufgebaut wird; gesteuerter Unterricht führt oft zu einer anderen Verknüpfung von Wortschatz und Konzepten als der natürliche Erwerb im Zielsprachenland.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Lexikalische Strategien
College
University of Hamburg
Course
Lernersprache
Grade
1,7
Author
Julia Loewe (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V28949
ISBN (eBook)
9783638305914
Language
German
Tags
Lexikalische Strategien Lernersprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Loewe (Author), 2002, Lexikalische Strategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28949
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