Was genau ist Schulabsentismus? Welche Erscheinungsformen fallen unter diesen Begriff und was können vor allem Lehrer tun, um Schulabsentismus zu verhindern bzw. zu bekämpfen?
Aufgrund vieler negativen Folgen, die das Nichtbesuchen der Schule für den Schüler – teilweise bis in das Erwachsenenalter hinein - aber auch für die Gesellschaft haben kann, ist es besonders für die am Lehr- und Lernprozess beteiligten Personen wichtig, sich mit den jeweiligen Ursachen und Interventionsmöglichkeiten des Schulabsentismus auseinander zu setzen.
Innerhalb dieser Arbeit wird die Komplexität des Themas Schulabsentismus mithilfe einer umfangreichen Literaturanalyse differenziert dargestellt und dabei die Bedingungs- bzw. Risikofaktoren für dieses Verhalten herausgearbeitet. Die Erkenntnisse aus der Theorie werden im Anschluss daran die Grundlage für mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen bilden, durch die den Schülern ein normaler Schulbesuch (wieder) ermöglicht wird und somit die negativen Auswirkungen des Schulabsentismus so gering wie möglich gehalten werden können.
Interessant für alle, die direkt (Lehrer, Erzieher, Schulpsychologen etc.) oder indirekt (Eltern, Verwandte etc.) mit dem Thema "Schulabsentismus" in Berührung kommen oder kommen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. BEGRIFFSKLÄRUNG UND FORSCHUNGSSTAND
1.1 ZUM BEGRIFF SCHULABSENTISMUS
1.2 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVE VERHALTENSWEISE
2. ZUR SCHULPFLICHT UND ZUM SCHULZWANG
2.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER SCHULPFLICHT
2.2 RECHTLICHE GRUNDLAGEN DER ALLGEMEINEN SCHULPFLICHT
2.3 SCHULZWANG: MAßNAHMEN ZUR DURCHSETZUNG DER ALLGEMEINEN SCHULPFLICHT
2.4 DER UNRECHTSGEHALT DER SCHULPFLICHTVERLETZUNGEN
2.5 ZUSAMMENFASSUNG
3. DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGSWEISE DES SCHULABSENTISMUS
3.1 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVES VERHALTEN DURCH ABWESENHEIT DES SCHÜLERS VON DER SCHULE
3.1.1 Schulschwänzen
3.1.2 Schulverweigerung
3.2.1.1 Schulverweigerung als Schulangst
3.1.2.2 Schulverweigerung als Schulphobie
3.1.3 Zurückhalten
3.2 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVES VERHALTEN BEI ANWESENHEIT DES SCHÜLERS (UNTERRICHTSABSENTISMUS)
3.2.1 Stören und Störungen in der Schule
3.2.2 Unterrichtsverweigerung
3.3 ZUSAMMENFASSUNG
4. SCHULABSENTISMUS ALS VERHALTENSSTÖRUNG
4.1 ZUM BEGRIFF DER VERHALTENSSTÖRUNG
4.2 SCHULSCHWÄNZEN ALS VERHALTENSSTÖRUNG
4.3 SCHULSCHWÄNZEN ALS `DISSOZIALE´ VERHALTENSWEISE
4.4 SCHWÄNZEN UND DELINQUENZ BZW. KRIMINALITÄT
4.5 ZUSAMMENFASSUNG
5. BEDINGUNGSFAKTOREN DES SCHULABSENTISMUS
5.1 INDIVIDUELLE VARIABLEN
5.1.1 Alter/ Klassenstufe
5.1.2 Geschlecht
5.1.3 Leistungsangst
5.1.4 Schulversagen
5.1.5 Selbstkonzept
5.1.6 Intelligenz
5.2 EXTRAPERSONALE VARIABLEN
5.2.1 Schulbezogene Variablen
5.2.1.1 Schulform
5.2.1.2 Schul- und Klassenklima
5.2.1.3Bewertungen von Schulversäumnissen
5.2.1.4Lehrerverhalten
5.2.2 Beziehungsvariablen im Schulkontext
5.2.2.1 Schüler-Lehrer-Beziehung
5.2.2.2 Schüler-Schüler-Beziehung
5.2.2.3Eltern-Lehrer-Beziehung
5.3 FAKTOREN IM PRIMÄRMILIEU
5.4 ZUSAMMENFASSUNG
6. PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMAßNAHMEN
6.1 VORAUSSETZUNGEN
6.2 SCHULISCHE PRÄVENTION UND INTERVENTION
6.3 THERAPEUTISCHE ZUGÄNGE
6.4 REHABILITATIVE ANSÄTZE
6.5 PRAXISBEISPIELE
6.5.1 Prävention in Berlin
6.5.2 Nürnberger Modell
6.5.3 Alternativbeschulungen in Angeboten freier Träger
6.6 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen des Schulabsentismus, um dessen komplexe Ursachen durch eine differenzierte Literaturanalyse offenzulegen und auf dieser Basis präventive sowie interventive Strategien für die Schulpraxis abzuleiten.
- Differenzierung verschiedener Erscheinungsformen des Schulabsentismus (Schwänzen, Verweigerung, Zurückhalten, Unterrichtsabsentismus).
- Analyse individueller, schulischer und familiärer Bedingungs- und Risikofaktoren.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Schulabsentismus und Verhaltensstörungen sowie Delinquenz.
- Evaluierung konkreter Präventions- und Interventionskonzepte in Schulen und rehabilitativen Projekten.
Auszug aus dem Buch
Schulschwänzen
Im Gegensatz zum Phänomen des Schulverweigerns ist man sich in der Literatur recht einig, welche Erscheinungsformen unter Schulschwänzen verstanden werden sollen (Ricking 2003):
„Von Schulschwänzen wird gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche zeitweilig oder anhaltend – in der Regel – ohne Wissen der Eltern die Schule nicht besuchen und während der Unterrichtszeit einer für sie angenehmeren Beschäftigung meist im außerhäuslichen Bereich nachgehen“ (Preuß, 1978a, S.164).
Dabei wird das Schulschwänzen von einigen Autoren als Ausdrucksform einer generalisierten Fehlanpassung (Verhaltensstörung) verstanden, die „dem Systemkomplex jugendlicher Verwahrlosung zuzuordnen ist“ (Preuß 1978a, S. 167). Dies bestätigen auch die Aussagen von Bools et al. (1990). Aus ihrer Sicht wird das Schulschwänzen ebenfalls als soziale Fehlanpassung oder dissoziale, externalisierende Störung verstanden (vgl. Kapitel 4).
Sander (1979, S. 29) lehnt dagegen wertende Kennzeichnungen wie „ [...] „generalisierte soziale Fehlanpassung“ bei Schulschwänzern [...] ab, weil das Fernbleiben vom Unterricht aus eigenem Entschluß eines Schülers auch die verständliche Reaktion auf unzumutbare schulische Mißstände sein kann und dann eher als Hinweis auf Selbständigkeit und Emanzipation als auf Verwahrlosung und Delinquenz wäre.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. BEGRIFFSKLÄRUNG UND FORSCHUNGSSTAND: Dieses Kapitel definiert Schulabsentismus als Sammelbegriff für schulaversives Verhalten und gibt einen Überblick über die verschiedenen theoretischen Ansätze der Forschung.
2. ZUR SCHULPFLICHT UND ZUM SCHULZWANG: Hier werden die rechtlichen Grundlagen der Schulpflicht sowie die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Bedeutung des Schulzwangs erörtert.
3. DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGSWEISE DES SCHULABSENTISMUS: Dieses zentrale Kapitel klassifiziert die verschiedenen Erscheinungsformen wie Schulschwänzen, Schulverweigerung (inkl. Schulangst und Schulphobie) und Zurückhalten.
4. SCHULABSENTISMUS ALS VERHALTENSSTÖRUNG: Es wird untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Schulabsentismus als klinische Verhaltensstörung oder Ausdruck von Dissozialität und Kriminalität eingeordnet werden kann.
5. BEDINGUNGSFAKTOREN DES SCHULABSENTISMUS: Dieses Kapitel analysiert multifaktorielle Einflüsse, von individuellen Variablen (Alter, Intelligenz) bis hin zu sozialen Faktoren in Familie und Schule.
6. PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMAßNAHMEN: Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Schulen präventiv und interventiv agieren können, ergänzt durch Praxisbeispiele wie das Nürnberger Modell oder alternative Beschulungsformen.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulpflicht, Schulangst, Schulphobie, Verhaltensstörung, Prävention, Intervention, Bedingungsfaktoren, Unterrichtsverweigerung, Leistungsangst, Schulversagen, Schulklima, Delinquenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Problem des Schulabsentismus bei Kindern und Jugendlichen, untersucht dessen vielfältige Ursachen und diskutiert pädagogische sowie ordnungspolitische Interventionsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die rechtliche Grundlage der Schulpflicht, die Differenzierung verschiedener Formen schulabsenten Verhaltens, die Identifikation von Risikofaktoren und die Darstellung praktischer Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Komplexität des Schulabsentismus durch eine Literaturanalyse zu durchdringen und die verschiedenen Bedingungsfaktoren als Grundlage für wirksame Interventionsmaßnahmen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen, systematischen Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze und empirische Untersuchungen zum Thema zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Auseinandersetzung mit der Schulpflicht, die differenzierte Darstellung der Erscheinungsformen, die Frage nach Verhaltensstörungen sowie die Analyse von Bedingungsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulpflicht, Verhaltensstörung und pädagogische Intervention bilden den Kern der terminologischen Ausrichtung.
Wie unterscheidet sich Schulschwänzen von Schulverweigerung?
Schulschwänzen zeichnet sich durch das Meiden der Schule ohne Wissen der Eltern aus, oft motiviert durch lustbetonte Aktivitäten, während Schulverweigerung mit Wissen der Eltern erfolgt und meist auf psychischen Belastungen wie Angst beruht.
Welche Rolle spielt die Schulpflicht bei der Bewertung des Absentismus?
Die Schulpflicht bildet die notwendige gesetzliche Grundlage, um unentschuldigtes Fehlen überhaupt als „Absentismus“ definieren zu können, wobei ihre Verletzung heute primär als Ordnungswidrigkeit behandelt wird.
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- Nadine Baum (Author), 2004, Schulabsentismus: Ursachen und Interventionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28960