Einleitung
Der Schulanfang stellt für Kinder den Beginn eines neuen Lebensabschnittes dar, der für sie viele Änderungen birgt. Das Kind sieht sich neuen Lerninhalten und neuen Kindern in einer neuen Umgebung und einem neuen Tagesablauf gegenübergestellt. Diese neue Lernumgebung ist von zahlreichen Erwartungen geprägt, die einerseits vom Kind ausgehen und andererseits an das Kind gestellt werden.
Die meisten Kinder freuen sich auf den Schulanfang und können es gar nicht erwarten, etwas zu lernen. Sie brennen darauf, endlich zu lesen und zu schreiben. Die Kinder wollen nun zu den „Großen“ gehören, ihren eigenen Ranzen tragen, ihre eigenen Hefte und ihren eigenen Schreibtisch haben. Die meisten Kinder sind neugierig und gespannt auf ihre Mitschüler1, den Klassenraum, die Schule und vor allem natürlich auf die Lehrer.
Das Offensein, das Neugierigsein auf all das, was da jetzt kommen mag, ist für alle Kinder aufregend. Es gibt aber auch viele Kinder, die weder vom Elternhaus noch vom Kindergarten Vorbereitung auf die Schule erfahren haben und die vielleicht vor der neuen Situation in der Schule Angst haben. Der Schulanfang beinhaltet komplexe Situationen, in welchen vom Kind der Übergang von der Kindergartenwelt in die Schule geleistet werden muss.
Bei dem Schuleintritt entscheidet es sich, ob das Kind Spaß, Energie und vor allem die Bereitschaft für die neue Situation entwickeln kann oder ob Probleme auftreten, die sich zu größeren Schwierigkeiten entwickeln können. Es wird sozusagen eine Weiche für den weiteren Lebensweg gestellt. Wichtig ist es auch, dass das Kind die Schule als neuen „Lebens-Raum“ erlebt: Vom manchmal nicht ganz ungefährlichen Schulweg über den lärmenden Schulhof bis hin zum Klassenzimmer.
Jedes Kind verhält sich natürlich anders und bringt seine eigenen individuellen Erfahrungen mit. Hier beginnt für die Schule bzw. für den Lehrer die Aufgabe, zu differenzieren und nicht alle Kinder gleich zu behandeln. Vor allem ängstlichen, zurückhaltenden Kindern muss von Anfang an besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um ihnen den Schulalltag zu erleichtern.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben
2.1 Das Lesen
2.2 Die Schriftsprache
2.2.1 Die geschichtliche Entwicklung der Schrift
2.2.2 Charakterisierung unseres Schriftsystems
2.2.3 Bedeutung und Funktion von Schrift
2.2.4 Die strukturellen Zusammenhänge zwischen Laut- und Schriftsprache
2.2.5 Unterschiede zwischen Laut- und Schriftsprache
2.2.6 Erfahrungen zum Sprechenlernen
2.3 Die Bedeutung des Lesens und Schreibens in unserer Gesellschaft
3. Lesen und schreiben lernen
3.1 Voraussetzungen für das erfolgreiche Lesen- und Schreibenlernen
3.2 Die Entwicklung des Lesenlernens
3.3 Die Entwicklung des Schreibenlernens
3.4 Phasen des Lesen- und Schreibenlernens
4. Darstellung der Methoden des Lesen- und Schreibenlernens
4.1 Geschichtlicher Überblick
4.2 Klassische Ansätze
4.2.1 Die synthetischen Leselehrverfahren oder auch Lautiermethoden
4.2.2 Die ganzheitlichen Leselehrverfahren
4.2.3 Kritische Betrachtung der beiden klassischen Methoden
4.2.4 Die Methodenintegration: Das analytisch-synthetische Leselehrverfahren
5. Forderungen des Rahmenplans der Grundschule an den Deutschunterricht des ersten Schuljahres
6. Die Bedeutung des Anfangsunterrichts
7. Anfangsunterricht mit oder ohne Fibel?
7.1 Fibelorientierter Anfangsunterricht
7.1.1 Der Lehrgang „Meine liebe Fibel“
7.1.2 Kritik an dem fibelorientierten Unterricht bzw. an dem Lehrgang „Meine liebe Fibel“
7.1.2.1 Allgemeine Kritikpunkte
7.1.2.2 Kritik an „Meine liebe Fibel“
7.1.2.3 Konsequenzen
7.2 Fibelunterricht mit einer offeneren Fibel
7.2.1 Der Lehrgang „Löwenzahn und Pusteblume“
7.2.2 Kritik an den offeneren Fibeln bzw. an dem Lehrgang „Löwenzahn und Pusteblume“
7.3 Fibelunabhängiger Anfangsunterricht
7.3.1 Der Lehrgang „Lesen durch Schreiben“
7.3.2 Kritik an dem fibelunabhängigen Unterricht bzw. an dem Lehrgang „Lesen durch Schreiben“
7.4 Zusammenfassung
8. Exemplarische Beobachtungen in drei Schulklassen
8.1 Kriterien für die Unterrichtsanalyse
8.2 Grundschule Runkel „Meine liebe Fibel“
8.2.1 Ziele der Unterrichtsstunde
8.2.2 Verlaufsübersicht
8.2.3 Einordnung der Unterrichtsstunde in den Ablauf des Lehrgangs
8.2.4 Wie wird die Unterrichtsstunde im Lehrerkommentar beschrieben?
8.2.5 Wie hat die Unterrichtsstunde in der Praxis stattgefunden?
8.2.6 Kritische Betrachtung der Unterrichtsstunde
8.3 Grundschule Obertiefenbach „Löwenzahn und Pusteblume“
8.3.1 Ziele der Unterrichtsstunde
8.3.2 Verlaufsübersicht
8.3.3 Einordnung der Unterrichtsstunde in den Ablauf des Lehrgangs
8.3.4 Wie wird die Unterrichtsstunde im Lehrerkommentar beschrieben?
8.3.5 Wie hat die Unterrichtsstunde in der Praxis stattgefunden?
8.3.6 Kritische Betrachtung der Unterrichtsstunde
8.4 Grundschule Laubach „Lesen durch Schreiben“
8.4.1 Ziele des Unterrichts
8.4.2 Verlaufsübersicht
8.4.3 Einordnung des Unterrichts in den Ablauf des Lehrgangs
8.4.4 Wie wird der Unterricht bei REICHEN beschrieben?
8.4.5 Wie hat der Unterricht in der Praxis stattgefunden?
8.4.6 Kritische Betrachtung des Unterrichts
8.5 Perspektive: Ein halboffener Lehrgang
9. Interviews mit den Lehrerinnen
9.1 Interview mit der Lehrerin, die mit dem Lehrgang „Meine liebe Fibel“ arbeitet
9.2 Interview mit der Lehrerin, die mit dem Lehrgang „Löwenzahn und Pusteblume“ arbeitet
9.3 Interview mit der Lehrerin, die mit dem Lehrgang „Lesen durch Schreiben“ arbeitet
9.4 Kommentar
10. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Faktoren für den Erfolg oder Misserfolg des Lese- und Schreiblernprozesses in der Grundschule und hinterfragt die Effektivität verschiedener Lehrmethoden, um einen kindgerechten und erfolgreichen Anfangsunterricht zu identifizieren.
- Theoretische Grundlagen der Kulturtechniken Lesen und Schreiben
- Entwicklungsstadien des Schriftspracherwerbs
- Kritische Analyse von Fibel-Lehrgängen und fibelunabhängigen Ansätzen
- Empirische Beobachtungen der Unterrichtspraxis in drei Schulklassen
- Interviews mit Lehrkräften über methodische Vorgehensweisen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die geschichtliche Entwicklung der Schrift
„Die Schrift entstand, als der Mensch lernte, seine Gedanken und Gefühle durch sichtbare Zeichen mitzuteilen, die nicht nur er, sondern auch alle anderen Personen, die dieses System kannten, verstanden.“ (GELB 1958, 20)
Die ersten Beweise für diese Fähigkeit des Menschen stammten von den Sumerer aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. und wurden in Mesopotamien, dem heutigen Syrien und Irak, gefunden. Auch in Ägypten und später in China fand man schriftliche Aufzeichnungen, die fast so alt waren wie die sumerischen. Die ersten Schriften waren Bildschriften, bei denen jeweils ein Zeichen für ein Wort stand. Aus der sumerischen Bilderschrift entstand dann nach und nach eine Keilschrift, die von verschiedenen Völkern übernommen wurde.
„Zu Anfang gaben Bilder dem menschlichen Gedanken einen optischen Ausdruck; sie waren zum größten Teil von der Sprache unabhängig, die die menschlichen Gedanken in akustischer Form wiedergibt. Die Beziehung zwischen Schrift und Sprache war in den frühen Stufen der Schrift nur sehr lose, die geschriebene Mitteilung entsprach den sprachlichen Formen nicht exakt. Eine bestimmte Botschaft hatte nur eine einzige Bedeutung und konnte durch den `Leser` nur in einer einzigen Art gedeutet, aber in Worten sogar verschieden ausgedrückt und `gelesen` werden.“ (GELB 1958, 20)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, den Anfangsunterricht im Fach Deutsch zu untersuchen und die Faktoren für erfolgreiches Lese- und Schreibenlernen zu analysieren.
2. Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben: Vermittelt die theoretischen Grundlagen des Lesens und der Schriftsprache, einschließlich historischer Entwicklungen und struktureller Merkmale.
3. Lesen und schreiben lernen: Beleuchtet die individuellen Lernvoraussetzungen, Entwicklungsphasen und den Prozess der Schriftspracheaneignung bei Kindern.
4. Darstellung der Methoden des Lesen- und Schreibenlernens: Bietet einen Überblick über historische und klassische Lehrmethoden, wie synthetische, ganzheitliche und analytisch-synthetische Verfahren.
5. Forderungen des Rahmenplans der Grundschule an den Deutschunterricht des ersten Schuljahres: Fasst die Empfehlungen für einen modernen, entdeckenden Schriftspracherwerb zusammen.
6. Die Bedeutung des Anfangsunterrichts: Hebt die zentrale Rolle des Erstlese- und Schreibunterrichts für die gesamte weitere Schulkarriere und Lernmotivation hervor.
7. Anfangsunterricht mit oder ohne Fibel?: Diskutiert kritisch verschiedene methodische Ansätze von fibelorientiertem bis hin zu fibelunabhängigem Unterricht.
8. Exemplarische Beobachtungen in drei Schulklassen: Analysiert praxisnah drei spezifische Unterrichtsbeispiele und die Anwendung der jeweiligen Lehrmethoden im Schulalltag.
9. Interviews mit den Lehrerinnen: Dokumentiert persönliche Erfahrungen und Haltungen von Lehrkräften gegenüber den angewandten Lehrmethoden und Materialien.
10. Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Bedeutung individueller Förderung sowie der pädagogischen Haltung des Lehrers.
Schlüsselwörter
Anfangsunterricht, Schriftspracherwerb, Lesen lernen, Schreiben lernen, Fibel, Methodenintegration, Lautiermethode, Ganzheitsmethode, offener Unterricht, Werkstattunterricht, Anlauttabelle, Sprachbewusstheit, Lernvoraussetzungen, Differenzierung, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder im Anfangsunterricht die Kulturtechniken Lesen und Schreiben lernen und welche Rolle dabei unterschiedliche Lehrmethoden wie Fibel-Lehrgänge oder der offene Werkstattunterricht spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Schriftsprache, die Analyse klassischer Methoden (synthetisch/ganzheitlich), die Anforderungen des Rahmenplans sowie die praktische Umsetzung in Schulen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Faktoren aufzuzeigen, die zu einem kindgerechten und schülerzentrierten Unterricht beitragen, in dem Kinder erfolgreich lesen und schreiben lernen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer empirischen Untersuchung durch Unterrichtsbeobachtungen in drei verschiedenen Schulklassen und geführte Interviews mit den jeweiligen Lehrerinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Modelle zum Lesen- und Schreibenlernen vorgestellt als auch eine detaillierte Analyse der Unterrichtspraxis in drei Klassen vorgenommen, inklusive der Reflexion durch Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anfangsunterricht, Schriftspracherwerb, Fibel, Methodenintegration, Werkstattunterricht und individuelle Lernwege.
Warum ist das "h" als Längezeichen Gegenstand der Beobachtung in Obertiefenbach?
Das Längezeichen "h" dient als exemplarisches Beispiel, um zu zeigen, wie eine Lehrkraft innerhalb eines strukturierten Lehrgangs ("Löwenzahn und Pusteblume") methodische Entscheidungen zur Einführung von Rechtschreibphänomenen trifft.
Wie unterscheidet sich die "REICHEN-Methode" in der Praxis von fibelgebundenen Ansätzen?
Die Methode "Lesen durch Schreiben" setzt auf einen offenen Werkstattunterricht, in dem Kinder über eine Anlauttabelle selbstständig Wörter verschriften, anstatt strikt vorgegebenen Lektionsabfolgen einer Fibel zu folgen.
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- Julia Schmidt (Author), 2003, Lesen und schreiben lernen. Der Anfangsunterricht: Deutsch., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28980