Mehr-Wissen für alle? Die Onliner in Deutschland 2004 - wer sie sind, und ihre Nutzungsmotive. Wo sind die Nutzungs-Unterschiede zwischen den Gesellschafts-Milieus?


Hausarbeit, 2004

36 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Analyse der Internet-Nutzung in Deutschland
2.1 Das Internet expandiert – und etabliert sich in der Gesellschaft
2.1.1 Wachstum des deutschsprachigen Internets
2.1.2 Entwicklung der WWW-Nutzerquote in Deutschland, 1994 bis 2004
2.1.3 Exkurs: Der Begriff der „Digital Divide“
2.2 Die historischen demografischen Messgrößen (Schichtenmodelle)
2.2.1 Die soziale Schichtung der 50’er und 60’er Jahre
2.2.2 Weiterentwicklung des Modells seit Mitte der 60’er Jahre
2.3 Das gängige demografische Modell: die Sinus-Milieus ™
2.3.1 Entstehung, Definition und Entwicklung der Sinus-Milieus
2.3.2 Die zehn Einzel-Milieus
2.3.3 Kritik an den Sinus-Milieus™
2.4 Neue medien- und onlinespezifische Gesellschaftsmodelle
2.4.1 MedienNutzerTypologie (MNT)
2.4.2 @facts Online-Nutzer-Typen

3 Motivations-Aspekte für die Internet-Nutzung
3.1 Vergleich der untersuchten Modelle und Typologien
3.2 Zusammenstellung der Typen und ihrer Nutzungsmotive

4 Fazit

5 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Wir schreiben das Jahr 2004. In den letzten zehn Jahren hat sich das WWW weitgehend in der Gesellschaft etabliert. Der New-Economy-Börsencrash ab März 2000 bis Mitte 2001, dem zahlreiche Internet-Start-Up’s zum Opfer fielen, hat an der steigenden Bedeutung des Internets nichts ändern können; im Gegenteil, die Anzahl der registrierten Sites und der User stieg trotz alledem weiter an. Auch jetzt, im Jahre 2004, befindet sich das Internet in Deutschland immer noch im Wachstum, wenn auch langsamer als noch vor einigen Jahren. Die Zahl der Nutzer steigt ebenfalls weiter an. Immer mehr Unternehmen, Behörden, Institutionen, Vereine und auch Privatpersonen haben sich eine Präsenz im Internet geschaffen, und täglich kommen neue hinzu.

„Online zu sein“ wird immer wichtiger für den Alltag und verspricht viele Vorteile, einen Zeitgewinn und außerdem ganz neue Möglichkeiten. Homebanking-Funktionen ersetzen beispielsweise viele lästige Wege zur Bank oder Sparkasse. Es gibt bereits Produkte und Dienstleistungen, die exklusiv online erhältlich sind – oft werden auch dem „Online“-Kunden bessere Konditionen gewährt als im herkömmlichen Filialvertrieb oder per Telefon­verkauf. Das Medium Internet ist auch bestens geeignet, um sich über ein Produkt oder eine Dienstleistung näher zu informieren, oder verschiedene Angebote zu vergleichen, da die ins Netz gestellten Informationen zu jeder Zeit abrufbar und ausdruckbar sind. „E-Commerce“ ist hier das Schlagwort.

Auch viele Zeitungen sind „online“ gegangen. Google bietet bereits eine News-Suche auf Nachrichten-Sites, zahlreiche Online-Archive bieten sich für eine Themen-Recherche an. Der Internet-Auftritt ergänzt heute bei den meisten Zeitungsverlagen die Printausgabe in einer dem neuen Medium angepassten und sinnvollen Form und bietet dem Leser zahlreiche Zusatzfunktionen und –nutzen. Die Utopie der späten 60er und 70er Jahre, in sogenannten „Fachinformations-Zentren“ ein Maximum an Wissen für jedermann zu bevorraten (was aufgrund der immer schneller anwachsenden Informationsmenge scheitern musste), scheint nun – ermöglicht durch das Internet – in greifbare Nähe zu rücken.

Außerdem zeichnet sich das WWW als Medium mit einem sehr niederschwelligen Zugang aus, das heißt, dass es keiner großen Anstrengungen – hinsichtlich Mobilität oder Zeit­aufwand – bedarf, Informationen aus dem Netz zu beziehen. Dies gilt sowohl in räumlicher Hinsicht, da alle Web-Sites ohne räumliche Diskrepanzen weltweit abrufbar sind, als auch auf den Zeitaspekt bezogen – alle Informationen sind in der Regel in Sekundenschnelle er­hältlich. Außerdem ist ein großer Teil der Informationsquellen im WWW (noch) gratis abrufbar, es fallen dort nur die Verbindungsentgelte für die Einwahl ins, oder den Breitband-Zugang zum Internet an, respektive: die Nutzungsgebühren an öffentlichen Terminals. Wenn man diese drei Punkte mit „traditionellen“ Recherchequellen wie Bibliotheken, Archiven oder Auskunfteien vergleicht, werden diese Aspekte besonders deutlich und anschaulich.

Gleichzeitig haben sich neue Formen der Freizeitgestaltung im Internet entwickelt. Chats und Foren laden ein, via des neuen Mediums mit Gleichgesinnten zu kommunizieren, Kontakte und Bekanntschaften zu machen, ganz zu schweigen von den beliebten Erotik-Angeboten. Weiterhin bietet das Internet ein breites Angebot von Spielesoftware, die down­geloadet werden kann. Einige dieser Spiele können auch mit anderen Teilnehmern direkt über das Internet gespielt werden – die vollendete Form der Vernetzung, sozusagen.

Zusammengefasst heißt das: Es gibt also – ganz verschiedene – gute Gründe, die für das Me­dium Internet sprechen. Trotzdem nutzen derzeit in Deutschland weit über vierzig Pro­zent der Bevölkerung ab 14 Jahre das Internet nicht oder noch nicht. Woran kann dies liegen?

Dies ist aber nur der eine Punkt. Gleichzeitig liegt eine Vermutung nahe, dass die Onliner in Deutschland das Internet höchst unterschiedlich nutzen, also dass der Nutzerkreis von – etwa – Informations- und Unterhaltungsangeboten nicht identisch ist – andererseits gelten Inter­netnutzer insgesamt als vielseitiger interessiert als Nichtnutzer. Hier besteht Bedarf zu differenzieren. Eine besondere Rolle kommt bei dieser Ausarbeitung deshalb auch und gerade den verschiedenen sozialen Milieu-Modellen in Deutschland zu, und zwar wie die einzelnen modellhaft beschriebenen Gruppen mit dem neuen Medium umgehen. Eine Schlüsselfunktion bekommen hier die Sinus-Milieus™, sowie die neueren und spezifisierten Ansätze der „MedienNutzerTypologie (MNT)“ und der „@facts Online-Nutzer-Typen“. Es soll untersucht werden, inwieweit diese Studien für eine Untersuchung geeignet sind.

Die Frage, die vor allem interessant ist, lautet also: Kann das Internet in der nächsten Zukunft dazu beitragen, die Wissensklüfte in der Gesellschaft zu glätten? Oder nützt das Internet vor allem denjenigen Usern, die ohnehin schon einen Wissens- und Bildungsvorsprung vor den bisher „Unterprivilegierten“ hatten?

2 Analyse der Internet-Nutzung in Deutschland

In diesem Kapitel soll zunächst beschrieben werden, wie sich das Internet – insbesondere das WWW – weltweit, besonders in Deutschland entwickelt hat. Danach werden verschiedene Gesellschaftsmodelle erläutert, die versuchen, die deutsche Gesellschaft möglichst reali­tätstreu abzubilden – die Bandbreite reicht hierbei von allgemein soziologisch anwendbaren Modellen bishin zu solchen, die sich explizit mit Internetzugang und –nutzung befassen. Zu­sammen bildet dies dann die Grundlage für die Analyse, die in Kapitel 3 durchgeführt wird.

2.1 Das Internet expandiert – und etabliert sich in der Gesellschaft

Im Jahre 1990 entwickelten Tim Berners-Lee und Robert Cailliau vom schweizerischen Kernforschungszentrum CERN den ersten WWW-Server und –Browser: dies gilt als die Geburtsstunde des WWW. Mit dem ersten Browser mit grafischer Benutzeroberfläche, dem NC-SA Mosaic, war es ab Ende 1993 dann endlich auch den Nichtfachleuten möglich, das WWW zu nutzen (Meinel und Sack: 34).

Zunächst fand das Internet vor allem in den USA Beachtung; die Universitäten des Landes nutzten mit als erstes die Vorzüge des neuen Mediums, und schnell waren College-Studenten mit der Möglichkeit vertraut, das Internet für sich und ihre Studienzwecke zu nutzen. Später sollte dann das ursprüng­lich nur für die militärische, administrative und universitäre Kommunikation gedachte Internet seinen weltweiten Siegeszug antreten: 1994 war das Jahr, in dem sich das WWW endgültig etablierte – in den Medien fand die Technik immer öfter Beachtung, Netscape wurde gegründet, brachte den Weg weisenden Browser „Navigator“ auf den Markt, wenig später stieg auch Microsoft mit dem „Internet Explorer“ in die Browser-Entwicklung ein. Der in der folgenden Zeit als „Browser War“ bekannte Entwicklungs-Wettlauf zwischen Netscape und Microsoft, der die Browser-Standards immer mehr verbesserte, brachte das WWW durch beiderseitige Neuerungen in Funktionalität und „Usability“ immer weiter voran. Die dadurch geschaffenen Standards wurden vom – neu gegründeten – World Wide Web Consortium (W3C) für die zukünftigen Entwick­lungen verbindlich festgeschrieben.

Danach gab es für die Expansion „kein Halten“ mehr, die weltweite Nutzerzahl stieg, laut des ECIN-Berichts, von 16 Mio. Menschen (Dezember 1995) auf 55 Mio. ein Jahr später. Im Dezember 1997 hatte sich diese Zahl mit 101 Mio. Usern annähernd verdoppelt. Die 200-Millionen-Grenze fiel dann im September 1999 (ECIN-Bericht). Und dies ist erst der Anfang: Zur Zeit sind bereits über 600 Millionen Menschen weltweit online – die Landesanstalt für Medien NRW merkt an: „Im Jahre 2005, so wird prognostiziert, werden rund um den Globus eine Billion Menschen [gemeint ist sicher eine Milliarde] online sein“ (Groebel 2002: 15). Bestätigt wird diese Auffassung außerdem von mehreren Organisationen, wie der irischen Nua Ltd. oder dem Internet Software Consortium (ISC).

Diese Zahl scheint auf den ersten Blick hochgegriffen, aber sie ist nicht „utopisch“: Ende Juli 2004 waren es weltweit bereits rund 795 Mio. User, davon kommen zur Zeit fast noch 90 % aus Asien, Nordamerika und Europa – aber gerade die Entwicklungs- und Schwellenländer in Mittel- und Südamerika, dem Mittleren Osten und Afrika sind es, die die stolzesten Nutzer-Zuwachsraten von 2000 bis 2004 aufweisen. Das bevölkerungsreiche China stellt bereits – nach den USA – die zweithöchste absolute Zahl von Internetnutzern, in den weiteren Top-20 der Welt finden sich immerhin bereits weitere „Riesen“ wie Brasilien (Rang 10), Indien (Rang 11) und Indonesien (Rang 19) – jeweils mit ebenfalls beachtlichen Zuwächsen und einem ungeheuren Wachstumspotenzial. (Internetworldstats.com) Das Internet wird also immer globaler und multikultureller.

Laut einer Pressemitteilung der US-amerikanischen VeriSign Inc., welche u. a. die im WWW wichtigsten Top-Level-Domains „.com“ und „.net“ verwaltet, sind weltweit zur Zeit über 63 Millionen Websites registriert. Während „.com“ mit 45 % aller weltweit registrierten Domains die unangefochten meist verbreitete Top-Level-Domain ist, versammelt „.net“ 44 % der ans Internet angeschlossenen Hosts: Laut VeriSign sind die Mehrheit der „.net“-Registranten Netzprovider und Infrastruktur-Unternehmen. (VeriSign Domain Name Brief: 4) Neue Hoffnungen für den Domain-Markt und die Ausbreitung des Internets ergeben sich außerdem aus der Tendenz, dass zur Zeit ein Trend zur Registration von mehreren Domains herrscht. Raynor Dahlquist von VeriSign, Inc. führt an: „Wir erkennen auch ein Wachstum bei den Registrierungen von [Leuten, die bereits] Kunden [sind], die zurück kommen, um Zweit- und Dritt-Domains zu erwerben“ (Kuchinskas 2004: 1).

Was die konkrete Anzahl der einzelnen Seiten im Internet betrifft, so ist es schwer zu einer Aussage zu kommen, da keine Suchmaschine der Welt das gesamte WWW indexieren kann. Laut eines Artikels der „Stuttgarter Zeitung“ dürften es bereits im letztem Jahr 550 Milliarden Seiten gewesen sein. (Gangloff 2003: 10) Ein Anhaltspunkt für die tägliche Praxis: Die zur Zeit populärste Such­maschine, Google, hat momen­tan laut einer Pressemitteilung von der Website Golem.de „nur“ knapp 4,3 Milliarden einzelne WWW-Seiten im Index – dies macht also nur einen verschwindend geringen Teil des gesamten WWW aus. (Klaß: 1) Dieser Teil des WWW scheint aber erfahrungsgemäß auszureichen, um die wichtigsten Inhalte einzuschließen. Daraus folgt also: Für den User ist das Internet praktisch unbegrenzt, da niemand voraussichtlich je in der Lage sein wird, sämtliche WWW-Sites und -Seiten besuchen zu können, die Anzahl außerdem immer noch ständig ansteigt und ohne Unterstützung von Such-Hilfsmitteln kaum auffindbar ist.

Nun wird es aber endlich Zeit, einen Blick auf die Situation in Deutschland zu werfen. Was bedeuten diese weltweiten Zahlen für die Entwicklung und Verbreitung des Internets auf der nationalen Ebene?

2.1.1 Wachstum des deutschsprachigen Internets

Ab 1994 nahm die Entwicklungs des Internets auch in Deutschland ein atemberaubendes Tempo an.. Die Zahl der bei der für die deutsche Top-Level-Domain „.de“ seit Dezember 1996 zuständigen DENIC angemeldeten Domains stieg explosionsartig an, so verzehnfachte sich die Zahl unter der Top-Level-Domain „.de“ angemeldeten Sites von Januar 1994 bis Januar 1996 von 1.000 auf rund 10.000 Domains. Knappe zwei Jahre später hatte sich ihre Zahl wieder verzehnfacht: die erste Million war erreicht. Die nächsten Millionen-Marken wurden nach jeweils einigen Monaten erreicht, am 1. August 2004 waren es rund 7,8 Millionen (DENIC 2004: N.N.), und noch immer kommen derzeit im Verzeichnis der DENIC täglich etwa 2.000 bis 3.000 neue Domains hinzu. Die „.de“-Domain ist bereits jetzt, hinter „.com“, die zweithäufigste Domain der Welt, und die mit einigem Abstand vor „.uk“ wichtigste Countrycode-Toplevel-Domain (ccTLD).

Mit großer Mehrheit, nämlich in 80 % der Fälle werden nunmehr Domains, die auf „.de“ lauten, von Privatpersonen bei der DENIC oder ihren Mitglieds-Organisationen (wie etwa T-Online, AOL Deutschland oder Freenet) registriert – dies ist ein Indiz für die große Motiva­tion der Deutschen, am Internet zu partizipieren. Mit Abstand dahinter folgen mit ca. 16 – 17 % Firmen-Domains, den Rest machen sonstige Körperschaften wie gemein­nützige oder private Vereine, Behörden oder Nicht-Regierungs-Organisationen und Verbände aus.

Das Internet und das WWW sind also in Deutschland sehr weit entwickelt, und immer noch ist Potenzial zu erkennen. Eine Frage, die sich aber für die Zukunft stellt ist, wie schnell weite Teile an die neue Breitband-Technologie DSL ange­schlossen werden, um das WWW schneller und effizienter nutzen zu können. „Zugeschrie­ben wird der Technik eine Kraft, die das ganze Land voran bringen kann. Sie hat das Zeug dazu, neue Märkte zu öffnen, die Produktivität zu erhöhen, die Effizienz von Verwaltungen zu steigern und die Lebens­qualität zu verbessern“ (Lütge 2004: 18). Nur ein schneller Zu­gang macht Multimedia-Inhalte wie Videosequenzen attraktiv – deshalb wird dies wohl die nächste Herausforderung in Deutschland sein. Jedoch stellt sich die Frage, wie die User in Deutschland diese neue Technologie annehmen – hier ist Deutschland im internationalen Ver­gleich etwas zurückgefallen, weil bisher zu wenige User diese Technik nutzen: „Deutschland liegt bei der Breitband-Versorgung sogar knapp unter dem westeuropäischen Durchschnitt“ (Lütke 2004: 19), gegenwärtig haben erst 6 % der Bevölkerung Zugang zu DSL.

2.1.2 Entwicklung der WWW-Nutzerquote in Deutschland, 1994 bis 2004

Auch die Nutzerzahl in Deutschland begann ab 1994 stark zuzunehmen. Von 4 Mio. Usern, bzw. 4,7 % der Bevölkerung 1997 schnellte ihre Zahl bis 1999 auf 12,3 Mio. bzw. 15 % hoch. Inzwischen sind laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2003 34,4 Mio. oder 53,5 % der Deutschen online (Von Eimeren et al. 2003: 339).

Die Gründe der noch verbleibenden Offliner-Gruppe sind vielfältig: In einer Studie von 2002 der Landesanstalt für Medien NRW kristallisierte sich als Hauptgrund, das Internet nicht zu nutzen, eine mangelnde Interessen- und Motivationslage heraus, gefolgt von finanziellen Gründen, einer zu niedrig eingeschätzten (technischen) Medienkompetenz für Computer und Internet und sicherheitstechnischen Bedenken (Groebel und Gehrke: 67).

Was kann angesichts dieser Vorbehalte getan werden? Groebel und Gehrke merken an: „Für die Diskussion um die Durchsetzung neuer Medien in Deutschland und die Frage nach der Sättigungsgrenze bei der Nutzung sind die vorliegenden Ergebnisse eher ernüchternd“ (Groebel und Gehrke 2002: 74). Allerdings liegt der Zeitpunkt ihrer Studie schon zwei Jahre zurück, und es gibt inzwischen Anlass zur Hoffnung, weil in der Zwischenzeit viele Frauen und Senioren – die bisher im Internet unterrepräsentierten Gruppen – den Weg ins WWW gefunden haben.

Beachtlich ist außerdem, dass direkt nach dem vermeintlichen „K.O.-Argument“ des fehlenden Interesses für das Internet, ebenfalls relativ häufig, finanzielle Gründe genannt wurden. Hier liegt eine Aufgabe für Politik und Wirtschaft: die öffentliche Verwaltung ist auf­gefordert, Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen, wie auch Welling ausführt: „Nichts­destotrotz ist die Schaffung öffentlichen Internetzugangs in allen Öffentlichen Bibliotheken eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, damit die Bibliotheken auch im Bereich der Internetnutzung zu Sicherung der Informationsfreiheit beitragen können“ (Welling 2000: 22) – dies gilt übrigens auch für die Verbreitung von Medienkompetenz, dem am dritthäufigsten genannten Grund, das Internet nicht zu nutzen; dies kann beispielsweise in Schulungen und zielgruppenabgestimmten Initiativen wie dem „Girl’s Day“ oder der „Initiative D21“ geschehen. Außerdem sollte das „E-Government“ weiter ausgebaut werden: Zwar werden bereits zahlreiche Formblätter und Antragsformulare im Internet zum Download angeboten – aber „von E-Government im engeren Sinne sprechen Experten aber erst, wenn zum Beispiel ein Antrag gleich online abgewickelt werden kann“ (Schultz 2004: 8).

Die Wirtschaft kann insofern beitragen, attraktive DSL-Anschlüsse möglichst flächen­deckend anzubieten. Natürlich sind auch Content-Ersteller aufgefordert, noch attraktivere Inhalte im Internet, die eine noch höhere Zahl von Nutzern aktivieren und generieren. „Dieser Meinung ist auch die Deutsche Breitbandinitiative, die von Vertretern aus Politik und Wirtschaft koordiniert wird“ (Lütke 2004: 19). Auch der E-Commerce bietet einen Grund zur Hoffnung. Zwei Drittel der Onliner haben bereits, laut der AGIREV-Erhebung, im letzten Jahr E-Commerce genutzt – die beliebtesten Produkte sind demnach Bücher, CD’s, Kleidung und Schuhe, ebenfalls beliebt ist es, an Online-Auktionen teilzunehmen oder Reisen und Fahr-/Flugtickets zu erwerben; in diesem Bereich liegt noch ein großes Potenzial, vor allem bei Reisebuchungen, Eintrittskarten und Medien (Frase 2003: 25 – 27).

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Mehr-Wissen für alle? Die Onliner in Deutschland 2004 - wer sie sind, und ihre Nutzungsmotive. Wo sind die Nutzungs-Unterschiede zwischen den Gesellschafts-Milieus?
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Strukturen und Arbeitsweisen von Online-Redaktionen
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
36
Katalognummer
V29032
ISBN (eBook)
9783638306591
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Verbreitung des WWW von den Anfängen bis heute. Es versucht zu beantworten, ob das Internet beitragen kann, einen "Wissenszuwachs für alle" zu liefern und Informationsdefizite in der Gesellschaft zu glätten - oder ist es eher so, dass vor allem die ohnehin höher gebildeten Kreise von dieser neuen Technik profitieren? Die Hausarbeit liefert ebenso einen Überblick über diverse Gesellschafts- und Milieumodelle, welche die Basis für die Ausarbeitung bilden
Schlagworte
Mehr-Wissen, Onliner, Deutschland, Nutzungsmotive, Nutzungs-Unterschiede, Gesellschafts-Milieus, Strukturen, Arbeitsweisen, Online-Redaktionen
Arbeit zitieren
Bernd Schöneck (Autor), 2004, Mehr-Wissen für alle? Die Onliner in Deutschland 2004 - wer sie sind, und ihre Nutzungsmotive. Wo sind die Nutzungs-Unterschiede zwischen den Gesellschafts-Milieus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29032

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