Jugendsprachliche Wortbildungsmittel anhand ausgewählter französischer Jugendzeitschriften


Seminararbeit, 2004

35 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Welche Sprache spricht die Jugend?
2.1. Bestimmung des Begriffes Jugend
2.2. Zur Problematik einer Definition von Jugendsprache
2.3. Der Forschungsstand

3. Eigenständige Untersuchung verschriftlichter Jugendsprache
3.1. Vorhaben, Arbeitshypothese, Vorgehensweise
3.2. Die untersuchten französischen Jugendzeitschriften
3.3. Linguistische Analyse
3.3.1. Lexikon
3.3.1.1. Wortentlehnung: Fremdwörter - Lehnwörter
3.3.1.2. Wortbildung
3.3.1.2.1. Komposition
3.3.1.2.2. Derivation
3.3.1.2.3. Wortkürzungen
3.3.1.2.4. Onomatopoetika
3.3.2. Semantik
3.3.2.1. Das Jules Phänomen
3.3.2.2. Français argotique et populaire
3.3.2.3. Verlan
3.3.2.4. Sprachliche Bilder
3.3.2.5. Wortspiele
3.4. Ergebnisse zusammengefaßt
3.4.1. Was unterscheidet Jugendsprache von Erwachsenensprache?
3.4.2. Bestehende Probleme
3.4.2.1. Wie schnell erfolgt der jugendsprachliche Wandel?
3.4.2.2. Welche Sprache spricht die Jugend?
3.4.2.3. Sprechen alle Jugendlichen dieselbe Sprache?

4. Schlußbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Franzosen sind berühmt - oder auch berüchtigt - dafür, sehr stolz auf ihre Sprache zu sein. Der Frankreichurlauber, der dazu in der Lage ist auch nur ein paar Wörter Französisch zu sprechen, ist viel mehr willkommen als jener, welcher sich mit seinem Schulenglisch zu helfen versucht; dreht er das Radio auf, so wird er bemerken, daß überwiegend Lieder in französischer Sprache gespielt werden, obwohl zumindest die österreichischen Jugendlichen derzeit englische Lieder viel „cooler“ finden. Da der Geschmack zwischen Erwachsenen und Jugendlichen in sehr vielen Bereichen oft getrennte Wege geht, stellt sich die Frage, welchen Wert die französischen Jugendlichen ihrer Sprache beimessen und wo sie selbst sich im Sprachsystem bewegen.

2. Welche Sprache spricht die Jugend?

2.1. Bestimmung des Begriffs Jugend

Zu Beginn meiner Seminararbeit möchte ich mich zunächst mit der Frage: Was ist Jugendsprache? beschäftigen. Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach: Jugendsprache ist die Sprache der Jugend. Doch diese Definition veranlaßt mich zu glauben, es gäbe eine Sprache, deren Besitzer ausschließlich die Jugend wäre und die nur von Jugendlichen gesprochen würde. Von Sprachwissenschaftlern wird Jugendsprache jedoch heute als komplexes sprachliches Register betrachtet (Vgl. Schlobinski, Kohl, Ludewigt 1993, 12). Diese Definition wirft eine weitere Frage auf: Was ist Jugend selbst überhaupt? Je nachdem, was in der Jugendzeit im Vordergrund steht, verwendet man in der Wissenschaft verschiedene Begriffe, um diese Lebensphase zu beschreiben. Psychologen sprechen eher von der Adoleszenz, Biologen von der Pubertät, Jugend ist ein soziologischer Begriff. In der Soziologie steht „die historische Bedingtheit einer nach Alter sortierten Gruppe von Menschen“ (Fend 2000, 22) im Vordergrund. Kinder, Jugendliche, Erwachsene usw. werden als soziale Gruppen voneinander unterschieden (Vgl. Fend 2000, 22f.). Von dieser Theorie geht die Jugendsprachforschung aus. Viele Wissenschaftler bezeichnen den Lebensabschnitt zwischen zwölf und 25 Jahren als Jugendphase (Vgl. z. Bsp. Fend 2000, 91-93). Diese Phase ist vor allem von der Suche nach der eigenen Identität und der Ausbildung individueller Persönlichkeit geprägt.

2.2. Zur Problematik einer Definition von Jugendsprache

Es ist bereits kompliziert, den Begriff Jugend zufriedenstellend abzuklären. Dazu kommt noch, daß oft übersehen wird, daß Jugend in unserer heutigen Gesellschaft einen ganz besonderen Stellenwert innehat. Viele Menschen, die im entwicklungspsychologischen Sinne nicht mehr als Jugendliche gelten, fühlen sich dennoch jung und jugendlich, was sie durch ihre Kleidung, ihre Umgangsformen und auch durch ihre Sprache ausdrücken. Somit ist es vorstellbar, daß das Streben nach ewiger Jugend die Benutzergruppe der Jugendsprache erweitert. Fragwürdig ist nur, ob die Jugendsprache der Erwachsenen mit der Sprache, die Jugendliche tagtäglich verwenden und auch ständig abwandeln (schließlich ist ein Zweck der Jugendsprache die Abgrenzung von den Erwachsenen), überhaupt vergleichbar ist. Tatsache ist, daß man sich die kommerzialisierte Form von Jugendsprache sogar schon aus eigens angelegten Wörterbüchern – welche in großer Anzahl sogar im Internet angeboten werden - aneignen kann.

Hinzu kommt noch, daß Jugendliche (wie auch alle anderen sozialen Gruppen) ihren sprachlichen Ausdruck je nach Gesprächspartner variieren, womöglich ihre Jugendsprache innerhalb ihrer Gruppe noch intensivieren. Die Sprache einiger Gruppen von Jugendlichen könnte stärker von der Sprache der Erwachsenen abweichen, als die von anderen Gruppen von Jugendlichen. Weiters ist der mit Jugend bezeichnete Lebensabschnitt sehr weit gesteckt, woraus sich ergeben könnte, daß sich auch altersbedingte Unterschiede in der Jugendsprache ergeben.

Hier wurden nur einige Probleme aufgezeigt, welche die Definition von Jugendsprache erschweren. Zusammenfassend ist festzuhalten, daß es – auch in der Wissenschaft - keine einheitliche Definition von Jugendsprache gibt.

2.3. Der Forschungsstand

Untersuchungen zum Thema Jugendsprache stimmen generell darin überein, daß sich der Sprachgebrauch im sozialen Alter der Jugend von dem Sprachgebrauch anderer Altersgruppen sowie von der Standardvarietät der jeweiligen Einzelsprache in der einen oder anderen Weise unterscheidet.

Umstritten ist aber die Konzeptualisierung von Jugendsprache und der Sprachphänomene, die sie bestimmen. Wenn die Auffassung von Jugendsprache als Sondersprache, Slang oder Argot den Blickwinkel auf den Wortschatz einschränkt, so macht die Auffassung von Jugendsprache als Varietät den Weg frei für Phänomene auf anderen Beschreibungsebenen (Phonologie, Morphosyntax), beansprucht aber für den Forschungsgegenstand eine soziolinguistische Komplexität.

Im Gegensatz dazu steht die Auflösung von einer abstrakten Jugendsprache in eine Vielzahl von konkreten gruppenspezifischen Sprechstilen, die sich nicht strukturell, sondern durch Diskursphänomene in weitesten Sinn kennzeichnen. Man sollte nämlich gar nicht von einer einheitlichen Jugendsprache sprechen, zumal die Jugend nicht als homogene Gruppe betrachtet werden kann. Daher kann man auch behaupten, daß eine Vielzahl von Sprechstilen vorherrscht.

Grundsätzlich läßt sich eine Spaltung des Forschungsgegenstandes Jugendsprache in verschiedene Richtungen und Einzelfragen beobachten, die zwar als Bestandteile einer weit verstandenen Soziolinguistik miteinander verwandt sind, jedoch in der Literatur kaum aufeinander bezogen werden. (Vgl. Androutsopoulos, 1998, S.1)

3. Eigenständige Untersuchung verschriftlicher Jugendsprache

3.1. Vorhaben, Arbeitshypothese, Vorgehensweise

Grundsätzlich gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Jugendsprachforschung und Erforschung fremder Sprachen beziehungsweise Varietäten. Während die Erforschung fremder Sprachen und Varietäten vor allem ihr Augenmerk darauf richtet, unverständliche Ausdrucksformen mit Hilfe von grammatikalischen und lexikalischen Regeln verständlich und lernbar zu machen, sieht die Jugendsprachforschung ihre Aufgabe darin, bereits verstehbare Ausdrucksformen bezüglich ihrer Bedeutungsnuancen präziser zu erklären. Ich stimme mit Januschek überein, welcher hervorhebt, daß hierbei keine Sprachanalyse, sondern Diskursanalyse vorliegt (Vgl. Januschek 1989: 125- 155).

Meine eigene Untersuchung soll die geschriebene Sprache in französischen Jugendzeitschriften behandeln. Kennzeichnend für diese Arbeit ist, daß mein Forschungsmaterial von Autoren verschiedenen Alters, welche auch aus unterschiedlichen sozialen Schichten und regionalen Gebieten stammen, zusammengesetzt ist.

In den Zeitschriften befinden sich natürlich in erster Linie Artikel von Redaktionsmitgliedern der Zeitschriften, unter welchen sich sowohl Jugendliche, als auch Erwachsene befinden, welche ihre Sprache offensichtlich jener der Jugendlichen anpassen. Einen beachtlichen Teil der Zeitschriften nehmen Leserbriefe von Jugendlichen ein (wobei die Leser in Bezug auf das Alter alle Abschnitte der Jugendphase abdecken). Daneben werden in Jugendzeitschriften immer wieder Interviews mit (meist jugendlichen) Stars abgedruckt, was uns erlaubt, auch einen kleinen Eindruck von Literatur zu gewinnen, die stark an die Mündlichkeit gebunden ist.

3.2. Die untersuchten französischen Jugendzeitschriften

1. Jeune & Jolie:

Es handelt sich dabei um eine Mädchenzeitschrift, die seit 1995 monatlich herausgegeben wird. Der Preis der Zeitschrift beläuft sich auf 2,30 Euro. 1995 wurden bereits 196171 Ausgaben verkauft. Die Zeitschrift umfaßt etwa 105 Seiten. Vergleichen könnte man Jeune & Jolie mit den deutschen Mädchenzeitschriften Mädchen und Bravo Girl.

2. Vingt ans:

Diese Mädchenzeitschrift erscheint seit 1960 monatlich, kostet 2,40 Euro. 1993 wurden 157075 Exemplare verkauft. Die Zeitschrift umfaßt etwa 115 Seiten.

3. Star Club:

Hierbei handelt es sich um eine Musikzeitschrift, die seit 1994 monatlich erscheint. Der Kostenpunkt dieser Zeitschrift beträgt 2,50 Euro. 1996 wurden 309599 Ausgaben verkauft. Die Zeitschrift umfaßt circa 95 Seiten und würde beispielsweise den deutschen Jugendzeitschriften Bravo, Rennbahn Express und Popcorn entsprechen.

4. miss Starclub:

miss Starclub erscheint monatlich und kostet ebenso wie Starclub 2,50 Euro. Wie der Name verrät handelt es sich dabei um eine Mädchenzeitschrift. Ein Exemplar hat ungefähr 90 Seiten. Es liegt nahe, eine Parallele zwischen Star Club und Bravo, sowie zwischen miss Starclub und Bravo Girl zu ziehen.

Die Zeitschrift Jeune & Jolie kürze ich mit JJ, Star Club mit SC, Vingt Ans mit VA und miss Starclub mit mSC ab. Sie werden nach folgendem Schema zitiert:

(Abkürzung des Titels, Zeitschriftnummer, Seite).

3.3. Linguistische Analyse

3.3.1. LEXIKON

3.3.1.1.Wortentlehnung: Fremdwörter-Lehnwörter

Die Verwendung von Fremdwörtern hat für viele Jugendliche eine spielerische beziehungsweise ironische Komponente. Internationalismen werden bewußt verwendet und ersetzen übliche traditionelle Ausdrücke. Die Jugendsprache, genauer genommen die Studentensprache vom siebzehnten Jahrhundert bis ungefähr 1930, wurde hauptsächlich vom Lateinischen und Griechischen geprägt. Später wirkte sich der Einfluß der französischen Sprache deutlich aus. Heutzutage spielen Anglizismen eine tragende Rolle, vor allem aufgrund der Tatsache, daß sich Englisch zu einer Weltsprache entwickelt hat. Mit dem Begriff Anglizismus meint man Entlehnungen aus dem britischen und amerikanischen Englisch. Die Amerikanisierung in der Verhaltensweise, in der Musik, in der europäischen Jugendkultur ist ein makroskopisches Phänomen, das die zahlreichen Anglo- Amerikanismen in den europäischen Jugendsprachen erklärt. Der Einfluß des Englischen auf die französische Sprache ist nicht zu übersehen. Die sehr häufig eingesetzten Pseudoanglizismen sind unter Jugendlichen sehr beliebt und führen zu interessanten Wortbildungen.

a) Entlehnungen

In den untersuchten Zeitschriften finden sich hinsichtlich der Jugendsprache eine große Anzahl von entlehnten Wörtern. Dabei treten nur wenige Ausdrücke aus dem Bereich Verlan auf. Häufig zu finden sind aber vor allem Entlehnungen aus dem Englischen sowie aus dem français argotique und dem français populaire.

b) Substandard-Entlehnung

Substandard-Entlehnungen sind nicht das Ergebnis des Kontaktes zwischen den Standardvarietäten der Nehmer- und Gebersprache, sondern zwischen Non- bzw. Substandardvarietäten derselben.

Slang und kolloquialer Wortschatz:

Slang: z.B: baby, bitch, cool, girlie, hip, joint.

Coarse Slang (= Tabuwörter): fuck

Colloquial: groupie, kids, too much, quickie, trip.

Diese Lexeme werden auf unterschiedliche Weisen morphologisch integriert und gehören zu verschiedenen semantischen Bereichen. Die zwei wichtigsten Kategorien des entlehnten Substandardwortschatzes sind Kurzwörter und phrasal verbs. Die Kurzwortbildung ist charakteristisch für das American English und wird von den Jugendlichen häufig übernommen. Phrasal verbs sind Verben mit präpositionalem Zusatz und werden eher in der Umgangssprache und in informellen Situationen verwendet. Z.B: check something out, chill out, be fucked up, piss off.

Anglizismen:

Motive für die Entlehnung von Anglizismen sind vor allem: Expressivität, sprachökonomische Faktoren (wobei man bemüht ist, ständig etwas Neues zu bezeichnen), Euphemisierung beziehungsweise Tabuisierung und Ausdrucksvariation. Anglizismen in der Alltagskommunikation Jugendlicher dienen dazu, eine bekannte Sache auf originelle Weise zu sagen. Die Äußerung gewinnt durch den Anglizismusgebrauch einen gewissen Anreiz, einen nicht-alltäglichen Ton. Der Anglizismusgebrauch in der Jugendsprache ist geprägt von zwei Tendenzen, nämlich: Loyalität und Kreativität. Die erste Tendenz zeigt sich dadurch, daß sozialistisch markierte Anglizismen semantisch und pragmatisch mit einer bemerkenswerten Treue verwendet werden. Die zweite Tendenz zeigt sich auf Ebene der Sprachstruktur und des Sprachgebrauchs. Der Grund, weswegen Anglizismen in Jugendzeitschriften so häufig verwendet werden ist der, daß in den Bereichen Film und Musik englischsprachige Länder eine führende Rolle einnehmen. Viele englische Ausdrücke dringen somit in den Wortschatz französischer Jugendlicher ein.

Jugendliche verwenden Anglizismen also sehr häufig. Im Wortschatz der Jugendlichen finden sich darüber hinaus zahlreiche Anglizismen, die das français cultivé nicht akzeptieren will und für die im français cultivé andere Wörter vorgesehen sind. Als Beispiele wären hier anzuführen: news (VA, 208, 3) im Unterschied zu nouvelles und star (JJ, 199, 5) im Unterschied zu vedette sowie feeling (JJ, 199, 62) im Unterschied zu sentiment.

Hinsichtlich der Anglizismen wäre hervorzuheben, daß sie in zwei verschiedenen Formen erscheinen: Zunächst einmal existieren englische Wörter, die französisiert werden. So entstehen aus englischen Substantiven beispielsweise neue französische Verben durch Beigabe der Endung – er. Verbneubildungen geschehen zumeist mit der Endung –er, sodaß nur neue Verben der premier groupe entstehen. Als Beispiel wäre hier anzuführen:

flasher: Quand je flashe sur une pièce, je suis capable de ne mettre que ça pendant toute une

semaine. (VA, 208, 53), mixer : Pour la plupart de mes chansons, j’utilise des paroles en anglais que je mixe avec un jargon jamaïcain très prononcé. (SC, 194 24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Jugendsprachliche Wortbildungsmittel anhand ausgewählter französischer Jugendzeitschriften
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Romanistik)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
35
Katalognummer
V29044
ISBN (eBook)
9783638306706
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprachliche, Wortbildungsmittel, Jugendzeitschriften
Arbeit zitieren
Michael Guntschnigg (Autor), 2004, Jugendsprachliche Wortbildungsmittel anhand ausgewählter französischer Jugendzeitschriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29044

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