Zur Sinnhaftigkeit sportlicher Spezialisierung im Kindesalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
32 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung:

1 Vorwort

2 Definition der Begriffe Leistungs- und Hochleistungssport
2.1 Definition des Begriffs Hochleistungssport
2.1.1 Charakteristische Merkmale des Hochleistungssports
2.2 Definition des Begriffs Leistungssport

3 Begriff der Kindheit im allgemeinen

4 Verbindung von Kindheit und Leistungssport

5 Was spricht für eine frühe Spezialisierung

6 Was spricht gegen eine frühe Spezialisierung
6.1 Allgemein Kriterien
6.2 Medizinische Einwendungen gegen eine frühe Spezialisierung
6.3 Einwendungen gegen eine frühe Spezialisierung
6.4 Freizeitkriterien

7 Abwägung der Argumente und Ausblick

8 Mögliche Lösungsansätze
8.1 Altersabhängiges Training im Kindes und Jugendalter
8.1.1 Modell zum systematischen Trainingsaufbau
8.1.2 Inhaltlich-methodische Gestaltung des Trainings

9 Zusammenfassung

10 Ausblick

11 Literaturliste

1 Vorwort:

Das Thema „Leistungsport im Kindesalter“ hat in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft ein steigendes Interesse erfahren und an Bedeutung gewonnen. Dabei gibt es einige Punkte, die sehr kontrovers in der Gesellschaft diskutiert werden. Diese gehen von dem Vorwurf der Kinderarbeit, über das Schlagwort der unkindlichen Kindheit bis hin zu der Meinung, durch den Leistungs- und Hochleistungssport käme es zum Verlust der Kindheit.

Allerdings gibt es auch die Ansicht, dass mit dem Leistungs- und Hochleistungssport nicht früh genug begonnen werden sollte, um möglichst effektive Erfolge erzielen zu können.

Unter diesen Aspekten ist dann einerseits die Pädagogik gefragt, um die Probleme zu erkennen, Fragen aufzuwerfen und Lösungen zu finden, andererseits besteht auch die Forderung, der Gesetzesgeber könnte einen Teil zur Lösung des Konflikts beitragen. Ein Vorschlag ist, man könnte Gesetze erlassen oder bestehende Gesetze, wie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (vgl. Art. 2 Abs. 2 Satz 1GG), ausbauen, um dem Trend des immer früher beginnenden Leistungstrainings im frühen Kindesalter entgegen- zuwirken. Eine weitere wesentliche Gruppe, die in diesem Bereich einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt, sind die Trainer und Eltern. Sie können auf die Jugendlichen steuernd einwirken. Sei es um die Jugendlichen vor zu großen Trainingsumfängen oder zu hohen Intensitäten zu schützen, oder um sie auf das richtige Maß an Training einzuschwören. Natürlich kann auch hier ein Interessenkonflikt auftreten, wenn ehrgeizige Eltern ihre Kinder zum Leistungssport zwingen und unseriöse Trainer nur ihren Erfolg im Vordergrund sehen.

Auch in der Praxis der Sportmedizin gewinnt immer mehr die Frage der Leistungsfähigkeit und der Trainierbarkeit im Kindes- und Jugendalter an Bedeutung. Das Hochleistungstraining hat sich in den letzten Jahren immer mehr in das Kindes- und Jugendalter hinein verlagert. Bei zahlreichen Sportarten wie Turnen, Eiskunstlauf, Schwimmen oder Rhythmische Sportgymnastik ist der Trainingsbeginn im Kindesalter Voraussetzung für das Erreichen der Weltspitze. Was hierbei wiederum erstaunt und verblüfft ist die Tatsache, wie die Öffentlichkeit dieser Entwicklung gegenübersteht. Einerseits setzt die Öffentlichkeit das Hochleistungstraining mit Kinderarbeit gleich, andererseits werden Olympiasieger und Weltmeister an der Grenze zum Kindesalter als Volkshelden gefeiert.

Daher ist neben den Pädagogen, Eltern und Trainern auch der Rat des Mediziners gefragt, um Antworten auf die richtige Belastungsform im Kindesalter zu geben (vgl. Rost, 1993, S. 72).

Nun stellt sich die Frage, was hat der Leser von dieser Themenstellung zu erwarten, welche Schwerpunkte sollen bearbeitet werden?

Ich möchte mich in den Kapiteln 2 und 3 dieser Ausarbeitung mit einigen Definitionen auseinandersetzen, die ich für dieses Thema für wichtig erachte, da diese Hausarbeit im Rahmen des Hauptseminars „Kindheit und Leistungssport“ geschrieben wird. Ich gehe daher auf die Begriffe Leistungssport und Hochleistungssport im zweiten Kapitel ein, um dann im dritten Kapitel die Kindheit in den Mittelpunkt meiner Überlegungen zu stellen. Es werden Veränderungen der Kindheit in den letzten Jahrzehnten vorgestellt, Definitionen und Textausschnitte verschiedener Autoren sollen die Argumentation und Sichtweise dabei betonen.

Im vierten Kapitel wird eine Verbindung zwischen den Begrifflichkeiten aus den Kapiteln zwei und drei hergestellt.

Im fünften Teil werden Argumente für die frühe Spezialisierung näher beleuchtet.

Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit der Contraseite zum Thema. Ich setze mich dabei mit allgemeinen, medizinischen, psychischen und Freizeitkriterien des Sports auseinander, da diese Punkte aus Trainer-, Athleten- und Elternsicht wichtige Gesichtspunkte für die Entscheidung für oder gegen den Leistungssport sein können. Das Kapitel sieben befasst sich mit der Gegenüberstellung der Pro- und Contraseite und einem Ausblick auf die möglichen trainingstheoretischen Lösungsansätze. Diese Ansätze werden im achten Teil der Arbeit noch näher beleuchtet, in diesem Teil der Arbeit werden die trainings-theoretischen Lösungsvorschläge noch stärker thematisiert. Die pädagogischen Ansätze werden dagegen nur sehr kurz dargestellt, da diese aufgrund ihres Umfangs und ihrer Bedeutung in einer eigenständigen Arbeit aufgegriffen werden sollten. Kapitel neun resümiert meine Erkenntnisse in Form einer Zusammenfassung. Der Ausblick auf eine mögliche sinnvolle Hinführung zum Leistungssport beendet dann Kapitel zehn.

2 Definition der Begriffe Leistungs- und Hochleistungssport

Der Begriff des Hochleistungssportes wird sehr häufig in der Literatur verwendet, aber klare Definitionen sind in der gängigen Fachliteratur nur kaum oder gar nicht zu finden. Daher möchte ich mich im Folgendem mit der Definition Kaminskis auseinandersetzen, der in seinem Werk „Kinder und Jugendliche im Hochleistungssport“ einige gute und brauchbare Definitionen gefunden hat.

2.1 Definition Hochleistungssport nach Kaminski

Zu dem Begriff des Hochleistungssportes findet Kaminski eine einfache, aber schlüssige Definition. Er erklärt hierbei, dass beim Hochleistungssport der Athlet sein Training in bestimmter und intensiverer Weise betreibt als ein gängiger Leistungssportler. Zusätzlich stützten sich Trainer und Athlet, laut Kaminski, im Hochleistungssport auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse wie Sportmedizin, Biomechanik und Sportpädagogik. Außerdem legt Kaminski zugrunde, dass der Sportler eventuell Sportinternate besucht, an Trainingsmaßnahmen an Leistungszentren oder an zentralen Lehrgängen teilnimmt. Nach dieser Definition betreiben diejenigen Athleten Hochleistungssport, die dem A-, B-, bzw. C und D- Kader angehören (vgl. Kaminski, 1984, S. 60).

2.1.1 Charakteristische Merkmale des Hochleistungssportes

Wenn der Athlet sich zum Hochleistungssport zugehörig fühlt, so hat er, nach Kaminski, bestimmte Bedingungen zu erfüllen und die daraus resultierenden Einschränkungen auf sich zu nehmen:

a) Der gesamte Lebensablauf muss so gestaltet sein, dass der Athlet nach sportlicher Höchstleistung streben kann. Es müssen dann andere Aktivitäten bzw. Interessen eingeschränkt werden. Dabei sollte der gesamte Tagesablauf langfristig geplant werden. Dies umfasst zum Beispiel den Bereich des sinnvollen Zeitmanagements des Athleten und eine langfristige und planmäßige Festlegung des Trainings.
b) Als zweites muss der Athlet personenbezogene Voraussetzungen mitbringen. Darunter versteht man, dass er bestimmte Interessen für diesen Sport mitbringen sollte und somit von Anfang an eine gewisse intrinsische Motivation an den Tag legt. Darüber hinaus sollten bei ihm die physischen Bedingungen stimmen. Das heißt, er sollte körperliche Voraussetzungen mitbringen, die für einzelne Disziplinen notwendig sind. So sollte ein Diskuswerfer eine gewisse Größe und ein angemessenes Gewicht für diese Sportart haben.
c) Drittens wäre es wünschenswert und enorm förderlich, wenn die ökologischen Bedingungen kompatibel wären. Darunter werden die trainingsnahe Lage der Wohnung, sowie die Finanzierbarkeit der Sportart verstanden. Der Athlet kann insgesamt besser trainieren, wenn er in der Nähe des Trainingszentrums lebt und nicht immer lange Anfahrtswege in Kauf nehmen muss. Bei gesicherter finanzieller Lage kann der Sportler seinen Sport besser, unabhängiger und über einen längeren Zeitraum ausüben.
d) Es ist ebenso wichtig, dass der Athlet dem Leben in der Öffentlichkeit gewachsen ist und nicht beim ersten Bericht in den Massenmedien die Bodenhaftung, so wie den Blick für die oft harte Realität verliert.

Außerdem muss er sich darauf einstellen können, dass er einem enormen Erwartungsdruck ausgesetzt ist, er muss diesem standhalten können (vgl. Kaminski, 1984, S.60-61).

Aufgrund dieser vielfältigen Anforderungen lässt sich sagen, dass ein Athlet nur dann Erfolg im Hochleistungssport haben kann, wenn er sich aus freiem Willen und mit „unbändiger“ Leidenschaft und Hingabe dem Sport verschreibt. Er muss moralisch stark sein und eine Leistungsbereitschaft an den Tag legen, damit er in diesem harten Geschäft bestehen kann.

2.2 Definition des Begriffs Leistungssport (nach Kaminski)

Aus sportlicher Sicht misst Kaminski dem Leistungssport einen nicht so hohen Wert im Vergleich zum Hochleistungssport bei. Das Training zeichnet sich beim Leistungssport im Gegensatz zum Hochleistungstraining dadurch aus, dass ein Streben nach sportlicher Leistung von sehr hohem Niveau angestrebt wird, aber die Sportart nicht so intensiv betrieben wird wie beim Hochleistungssport. Dennoch versucht der Athlet sein Training auf ein Niveau anzuheben, das es ihm ermöglicht, an nationalen und internationalen Wettbewerben teilzunehmen, aber in einem Maße, bei dem das Training und der sonstige Aufwand geringer ist als beim Hochleistungssport.

Kaminski sieht aber eine Vorbildwirkung des Leistungssportes gegenüber dem Breiten- und Freizeitsport. Die Ideale, die der Leistungssport nicht zuletzt durch errungene Erfolge aussendet, sollen den Breiten- bzw. Freizeitsportler zur eigenen Betätigung anspornen und den Weg zu einer sportlichen Laufbahn ebnen (vgl. Kaminski, 1984, S.60-61).

3 Begriff der Kindheit im allgemeinen

Ein kurzes Zitat aus der Brockhaus Enzyklopädie verdeutlicht den Begriff „Kindheit“: Die meines Erachtens schönste zeitliche Definition von Kindheit habe ich der Brockhaus Enzyklopädie von 1970 gefunden, allerdings unter dem Stichwort Kind, nicht unter Kindheit: `Kind, der Mensch von seiner Geburt bis zur beginnenden Reife` (Brockhaus, 1970, S.157). Diese Definition von Kindheit bezieht sich auf den zeitlichen Rahmen der Kindheit. Hier wird das Kindesalter nicht mit einem genauen Zahlenwert abgeschlossen, sondern mit dem Wert „beginnende Reife“. Dieser Zeitpunkt ist bekanntlich bei jedem Menschen verschieden. Laut Brockhaus wird der Begriff „Kind“ auch zeitlich in Lebensabschnitte festgelegt: „Neugeborenes (Geburt bis 10. Lebenstag), Säugling (11. Lebenstag bis 12. Lebensmonat), Kleinkind oder Spielkind (2. – 5. Lebensjahr) Schulkind (6. – 14. Lebensjahr). Darauf folgt die Zeit des Jugendlichen.“ Den Begriff „Kindheit“ definiert der Brockhaus (1970) mit „Kindheit ist ein wichtiger Abschnitt des geistig-seelischen und körperlichen Wachstums.“ Eine qualitative bedürfnisorientierte Definition der Kindheit wird ebenfalls bei Steigerwald beschieben. Er fasst zusammen: „ Was braucht also ein Kind? Es braucht Liebe, am wichtigsten dabei wohl die Liebe der Eltern. Es will spielen und seine eigenen Gefühle zeigen dürfen. Es will anerkannt, in einer dialogischen Beziehung widergespiegelt und bestärkt werden. Es will Raum haben für seine Kreativität und seine Fantasie. Es will schauen und horchen und staunen dürfen. Es braucht Echtheit im Umgang mit ihm. Es will seinen Zorn, seine Wut und seine Trauer zeigen, wenn ihm weh getan wurde. Und es will weinen dürfen, wenn es weinen muss“ (Steigerwald, 1995).

Diese Definition ermöglicht nun eine Anwendung auf den Sport und Leistungssport im Kindesalter. Hier kann nun ein starker Bezug zu den sportlichen Belangen der Kinder gezogen werden. Die Kinder möchten einen Freiraum haben für ihre eigenen sportlichen Fantasien. Wenn man ihnen diesen Raum lässt, können sie diese Fantasien in Kreativität und Leistung umsetzen.

Weitere Definitionen finden sich auch gleich zu Beginn von Fölling-Albers Ausarbeitung “Kindheit im Prozess der Modernisierung und Individualisierung“.

Daraus möchte ich eine Definition von Kindheit verwenden. Sie erwähnt, dass wir über Kinder reden sollen, ihre Spontanität begrüßen müssen, sich Pädagogen aber auch über die soziale Unreife von Kindern beklagen und ihre Unruhe und vielfach auch ihre Aggressivität anprangern. Aber genau an dieser vielfältigen Ausdrucksform kann man den komplexen Wandlungsprozess, der das Kinderleben in der vergangenen Generation geprägt hat, erkennen.

Ein Merkmal für die Attraktivität und den Forschungsboom im Bereich der Kindheit in den 80er Jahren kann sicherlich darin gesehen werden, dass sich in diesem Zeitraum die Gesellschaft und somit die Lebenswelt der Kinder drastisch, ja beinahe dramatisch verändert hat. Es ist nicht zu leugnen, dass dies auch in den Jahrzehnten zuvor passiert ist, jedoch nicht in dieser Dichte und diesem Tempo (vgl. Fölling-Albers, 1997, S. 15):

Es sollen an dieser Stelle einige gesellschaftliche und pädagogische Veränderungen, die laut Fölling-Albers wesentlich sind, kurz angesprochen werden (vgl. Fölling-Albers, 1997, S. 16-17):

1) In der zweiten Hälfte der 70er Jahre ist ein Rückgang der Geburtenrate festzustellen (Pillenknick). Diese Tendenz nahm in den letzten Jahrzehnten noch verstärkt zu. Somit wachsen die Kinder häufig als Einzelkinder auf.
2) Mit der Zunahme der Erwerbstätigkeit der Mütter hat sich auch der Lebensstandard und das Selbstverständnis in den Familien geändert.
3) Auch haben sich ab Ende der 70er Jahre die Erziehungsnormen stark verändert, es gibt und gab eine verstärkte Liberalisierung in die Gesellschaft. Es stand somit nicht mehr in erster Linie Gehorsam, Fleiß und Pünktlichkeit im Vordergrund, sondern eher Fähigkeiten und Normen wie Selbstständigkeit, Kooperation und Kreativität; in der heutigen Pädagogik sind dies wesentliche Schlüsselqualifikationen.
4) Die Zahl der alleinerziehenden Eltern wurde und wird immer größer. So gilt es seit den 70er Jahren nicht mehr als moralisch verwerflich, wenn eine Mutter allein erziehend oder gar ledig ist. Die Abschaffung des sogenannten „Kuppelparagraphen“ in den 70ger Jahren schuf hier wesentliche „Befreiungen“.
5) Das Spielverhalten und die Freizeitbeschäftigungen der Kinder haben sich auch verstärkt gewandelt. Die Kinder verbringen immer weniger Freizeit unbeaufsichtigt in freier Natur, auch sind die Kinder in der Regel während ihrer Freizeit meistens nur zu zweit oder gar alleine, größere Gruppen sind extrem selten. Dabei verabreden sie sich nicht in der freien Natur, sondern im Kinderzimmer. Auch wurde die freie Spielaktivität der Kinder durch die geplante Freizeitaktivität in Vereinen und anderen Anbietern in großem Maße ersetzt. Es ist daher nicht erstaunlich, dass nur 19% der deutschen Jugendlichen keinen festen Termin im Sportverein oder anderen Anbietern haben. Dabei werden von 22% der Jugendlichen drei und mehr Termine innerhalb einer Woche wahrgenommen.
6) Ein weiterer Aspekt der gesellschaftlichen Veränderung ist die Zunahme der inter-kulturellen Erfahrungen, die die Jugendlichen schon von klein auf machen. Kinder aus den verschiedensten Kulturkreisen, Religionen und Sprachen treffen in einer Klasse aufeinander. Sie müssen dort lernen miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu respektieren, d.h. sie müssen einen großen Teil an Respekt und Akzeptanz den anderen gegenüber aufbringen. Gerade hierin besteht heute eine sehr positive Chance, wenn man die fortschreitende Globalisierung betrachtet.
7) Auch mussten Kinder früher in ihrer Freizeit mehr im Garten und Haushalt, beim Abwasch oder bei der Wohnungsreinigung helfen. Diese Verpflichtungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. Auch die Betreuung von kleineren Geschwistern hat immer mehr an Bedeutung verloren, besonders auch heute, weil häufig Geschwister fehlen und / oder die Erziehung stärker institutionalisiert wird.

Es ist somit zu erkennen, dass sich die Kindheit heute verstärkt in einem kleinen begrenzten Rahmen abspielt und sich die freie Entfaltung nur schwer verwirklichen lässt. Deshalb sprechen auch Kindheitsforscher, wie Fölling-Albers, Kurz und Hahn von einer „Verhäuslichung der Kindheit“.

Lotte Rose bietet eine weitere Definition zum Thema „Kindheit“ in ihrem Aufsatz „Die Angst des Pädagogen vor den unkindlichen Kindern“ an. Dabei greift Rose (1991, S.55) ein Zitat von Grupe (1984, S.413, zitiert nach Rose 1991, S.55) auf. „Das Kind wird mit besonderen Rechten und Bedürfnissen definiert. Man geht davon aus, dass Kinder einen Anspruch auf eine eigene Kinderwelt, damit Schutz und Behütung haben, dass die Regeln und Anforderungen des Erwachsenlebens nicht oder nur begrenzt für sie gelten dürfen“.

Betrachtet man dieses Zitat genauer, können zwei verschiedene Interpretationen und Sichtweisen möglich sein. Zum einen kann der Text wie bei Fölling-Albers gedeutet werden. Rose sieht und erkennt den Standpunkt von Gruppe, zieht aber eine andere Schlussfolgerung aus dem Zitat, indem sie eine zu deutliche Idealisierung der Kindheit (vgl. Fölling-Albers, 1991, S.56) sieht. Andererseits übernimmt Rose die Sichtweise Grupes und möchte, dass die Kinder mit besonderen Rechten ausgestattet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Zur Sinnhaftigkeit sportlicher Spezialisierung im Kindesalter
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Kindheit und Sport
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
32
Katalognummer
V29058
ISBN (eBook)
9783638306836
ISBN (Buch)
9783638726771
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sinnhaftigkeit, Spezialisierung, Kindesalter, Hauptseminar, Kindheit, Sport
Arbeit zitieren
Ralf Mutschler (Autor), 2004, Zur Sinnhaftigkeit sportlicher Spezialisierung im Kindesalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29058

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