Internet-Ethik: Netiquetten & Co


Hausarbeit, 2004

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Themenübersicht
1.2 Begriffsklärung «Ethik»

2. Hauptteil
2.1 "Deutsche" Internet-Ethik
2.2 Regulierende Gesetzgebung
2.2.1 Das IuKDG in der Übersicht
2.3 Selbstregulierung
2.4 Netiquette en detail

3. Schluss
3.1 Fazit

4. Erklärung

5. Quellenverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

6. Anhang
6.1 Beispiel einer typischen Netiquette

1. Einleitung

1.1 Themenübersicht

Das Internet hat das Zusammenleben der Menschen vor neue Heraus-forderungen gestellt. Im digitalen Zeitalter erleben wir völlig neue Formen der Kommunikation und Interaktion, die zugleich Chancen und Risiken in sich tragen: Der Globus schrumpft auf einem Bildschirm zusammen, Menschen verschiedener Kulturen sitzen sich gegenüber. Einkaufen, Informieren, Diskutieren – das weltweite Netz hat sich längst unentbehrlich gemacht. Allerdings hat die rasante technische Entwicklung des Internets auch dazu geführt, dass ethische und soziale Aspekte vernachlässigt wurden. So ist der Cyberspace über die Jahre zum Eldorado für das Ausleben krimineller Energien mutiert. Der Missbrauch der Freiheit und Weitläufigkeit des Mediums findet noch wenig Gegenwehr, Kritiker sprechen vom rechtsfreien Raum.

Ich befasse mich daher im Rahmen dieser Hausarbeit mit den verschiedenen Bestrebungen, innerhalb des World Wide Web Regelungen des menschlichen Handelns – quasi eine einheitliche Internetethik – aufzustellen und das Befolgen solcher Vereinbarungen zu gewährleisten. Meine Arbeit soll dabei zum einen die Gesetzeslage zum Thema Internet prüfen, wobei ich mich auf die Bundesrepublik Deutschland beschränke. Zum anderen soll sie auf die Durchsetzungskraft solcher Gesetze eingehen – gerade im Hinblick auf den globalen Charakter des Internets.

Infolgedessen beschäftigen sich meine Ausführungen auch mit dem gesetzesunabhängigen Weg der Selbstregulierung im Netz und freiwilligen Vereinbarungen zu grundlegenden Umgangsformen, welche im ethischen Kontext der Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen entgegentreten (siehe Definition «Ethik»). Dazu wird das Beispiel einer typischen Netiquette analysiert, wie man sie im Internet vielfach findet und wie sie im Anhang beigefügt ist.

Gesetz und ethische Selbstkontrolle stellen dabei keinen Gegensatz dar. Vielmehr sollen sie sich gegenseitig ergänzen (vergl. Schwenk 2002: 13). Denn Recht sollte stets auf ethischen Werten beruhen. Dennoch werden gesetzliche Regelungen als verpflichtend anerkannt, während die Ethik auf Freiwilligkeit basiert. Insofern halte ich es für wichtig, beide Seiten zu beleuchten.

1.2 Begriffsklärung «Ethik»

Das Wort «Ethik» (griechisch ethos) lässt sich auf eine einfache Frage reduzieren, die Immanuel Kant als eine der drei Hauptfragen der Philosophie formulierte: «Was soll ich tun?». Die Ethik stellt Richtlinien auf, an denen sich menschliches Verhalten ausrichten soll. Sie beruft sich dabei auf «ein durch Vernunft erkennbares und somit für jeden Vernunftbegabten einsehbares, oberstes Prinzip» (Encarta 2002: «Ethik»). Dabei geht es grundsätzlich um das Prinzip des sozialen Miteinanders, welches ebenfalls Kant mit seinem Kategorischen Imperativ allgemeingültig formulierte: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde». Weniger intellektuell ausgedrückt taugt eine alte Volksweisheit zur Erklärung der Kant'schen Theorie: «Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem and'ren zu». Nimmt man dies als ethische Norm, lässt sich behaupten, dass Menschen durch ihre Einhaltung zur Gemeinschaft befähigt werden und ein Zusammenleben berechenbar machen.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Zusammenlebens ist die Kommunikation, was den Austausch via Internet natürlich einschließt.

2. hauptteil

2.1 «deutsche» internet-ethik

Ethische Kodizes auf nationaler und internationaler Ebene zu unterscheiden, ist ebenso sinnvoll, wie schwierig. Gerade wenn es um mediale Inhalte geht. Vorstellungen von Ethik und Moral sind nun mal kulturell bedingt und damit alles andere als einheitlich. Im Zusammenhang mit dem dezentralen Medium World Wide Web nationale Regeln aufstellen zu wollen, ist aber praktisch nicht durchführbar. Hier stoßen Gesetze im wahrsten Sinne des Wortes an ihre Grenzen (vergl. Schwenk 2002: 10), räumliche Distanzen verlieren ihre Bedeutung. Für den Online-User ist es schließlich nicht von Bedeutung, «ob die von ihm gesuchten Daten auf einem Server in Berlin oder in New York abgespeichert sind» (Pfammatter 1998: 258).

Für eine Internet-Ethik, zumal eine Deutsche, gibt es theoretische Überlegungen und wissenschaftliche Ansätze (u.a. Debatin, Greis, Sandbothe), die sich eher philosophisch mit der Interpretation von Ethik und Moral sowie daraus resultierenden Grundrechten auseinandersetzen, als tatsächlich zu einer Lösung für die multimediale Praxis beizutragen. Aber auch die Theoretiker sehen nationale Grenzen aufgehoben: «Jeder Sachverhalt, der sich auf dem Internet abspielt, hat Auswirkungen auf verschiedene nationale Rechtsordnungen, denn die transportierten Inhalte kennen keine Landesgrenzen» (Pfammatter 1998: 249).

Auf der weniger hypothetischen Seite steht zunächst die Netiquette – eine von aktiven Online-Nutzern ausgearbeitete, pragmatische Internet-Nutzungsordnung. Sie basiert im Wesentlichen auf Freiwilligkeit und Einsicht durch Vernunft. Die Netiquette hat aber ebensowenig wie abstraktere Formulierungen den Anspruch, einen Verhaltenskodex zu schaffen, der sich auf bundesdeutsches Gebiet beschränkt.

Eine Deutsche Cyberethik beschränkt sich also auf Gesetzesformulierungen und –interpretationen sowie auf deutsche Sprachregelungen der Netiquette.

2.2 regulierende gesetzgebung

In den Anfängen des Internets reagierten Regierungen weltweit kurzschlussartig auf die «Bedrohungen» aus dem Netz. 1996 verbot die US-Amerikanische Legislative kurzerhand die Verbreitung unsittlicher, unzüchtiger und sexuell eindeutiger Materialien über das World Wide Web. Doch dieser Maßnahme fielen wegen der unzureichenden Filtersoftware natürlich auch völlig harmlose und unproblematische Seiten zum Opfer. Die Bundesregierung fand einen anderen und besseren – weil die Informationsfreiheit achtenden – Weg der Regulierung im Internet. Sie erließ sogenannte Rahmengesetze, die jede direkte Einflussnahme des Staates zu vermeiden suchten.

Wie schwer allerdings die verfassungsmäßige Einordnung des Multimediums ist und war, zeigt der Kompetenzstreit zwischen Bund (Kompetenz der Rahmengesetzgebung) und Ländern (Kulturhoheit), der noch heute nicht endgültig beigelegt ist. Übereinkommend wurden zwei Regelungen erlassen: Das Informations- und Kommunikationsdienstegesetz (IuKDG) sowie der Mediendienstestaatsvertrag (MDStV). Daraus ergibt sich in der Praxis ein Zuordnungsproblem: Welcher Online-Dienst fällt unter welches Gesetz bzw. welchen Vertrag (vergl. Schwenk 2002: 35)? Hauptsächlich soll zwischen Massen- und Individualkommunikation unterschieden werden. Öffentliche und für jedermann zugängliche Chatrooms fallen beispielsweise unter den Staatsvertrag, Separées[1] unter das IuKDG. Der MDStV findet generell Anwendung für Mediendienste, die an die Allgemeinheit gerichtet sind. Im folgenden soll ein Auszug aus den elf Artikeln des IuKDG gegeben werden. Da es im Bezug auf die das Internet betreffenden Formulierungen relativ ähnlich zum MDStV ist, soll auf diesen nicht näher eingegangen werden.

[...]


[1] Separée (franz.): Neben-/Sonderraum; Fachbegriff des Chat

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Internet-Ethik: Netiquetten & Co
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V29077
ISBN (eBook)
9783638306959
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet-Ethik, Netiquetten
Arbeit zitieren
Andreas Wolf (Autor:in), 2004, Internet-Ethik: Netiquetten & Co, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29077

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