Die Funktionalisierung von städtischer Kultur in den Dienstleistungsmetropolen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt:

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Kultur
2.2 Stadtkultur
2.3 Kultur und Kulturökonomie

3 Auswirkungen von Tertiärisierung und Globalisierung auf die Kommunen

4 Die Rolle von Kultur in der Stadtentwicklungspolitik

5 Kommunale wirtschaftliche und politische Strategien
5.1 Die Ökonomie der Symbole
5.2 Gentrification
5.3 Die Festivalisierung von Stadtkultur

6 Fazit

7 Conclusion

Literatur

1 Einleitung

Die Städte stehen in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft untereinander in globaler Konkurrenz um Investitionen. Nicht zuletzt aufgrund immer knapper werdender kommunaler Finanzressourcen sind Stadtpolitiker bemüht, ihre Stadt im globalen Wettbewerb so zu positionieren, dass Unternehmenszentralen und Touristen angelockt, die Einnahmesituation verbessert und das Wachstum angekurbelt wird. Hierbei haben sich eine Reihe von global übertragbaren Strategien im Wettbewerb der Dienstleistungsmetropolen herauskristallisiert, deren Anwendung in allen großen Städten der postfordistischen Welt zu beobachten ist und bei denen der städtischen Kultur eine zentrale Rolle zukommt.

In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, was in Anbetracht der oben skizzierten Entwicklung Kultur in der Stadt heute bedeutet, welchen Veränderungen ihre Rahmenbedingungen ausgesetzt sind und welche Funktionen Stadtkultur in einer sich zunehmend in zahllose unterschiedliche Lebensstile ausdifferenzierenden, polarisierenden und räumlich wie sozial segregierenden Stadtgesellschaft erfüllt.

Die Beschäftigung mit Stadtkultur bzw. Kultur in der Stadt erfordert zur besseren Unterscheidung zunächst eine Begriffsbestimmung von Kultur und Stadtkultur, außerdem ist eine Unterscheidung zwischen Kultur und Kulturwirtschaft zu machen und ihr Zusammenhang zu verdeutlichen.

In den beiden folgenden Kapiteln werden die allgemeinen Auswirkungen der Globalisierung und Tertiärisierung auf die kommunale Ebene behandelt, und gezeigt, welche Rolle der Kultur im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen im städtischen Kontext zukommt.

Anschließend werden die wesentlichen im Zuge dieser globalen Entwicklung entstandenen kommunalen Strategien mit ihren Folgen erläutert. Dazu gehören die Gentrification, die Auswirkungen der Tertiärisierung, Festivalisierung, die Ökonomie der Symbole und die Segregation. Im Fordergrund steht dabei ihr Zusammenhang zur städtischen Kultur und ihre Folgen für diese.

2 Begriffsbestimmungen

Um Eingangs ein klareres Bild vom Untersuchungsgegenstand zu erhalten, ist es notwendig, die Begriffe Kultur, Stadtkultur und Kulturökonomie gegeneinander abzugrenzen, wobei die besondere Schwierigkeit darin liegt, die Begriffe Kultur und Stadtkultur genau zu definieren.

Der Begriff „Kultur“ wird vor allem im Alltagsgebrauch sehr allgemein und für die verschiedensten Dinge verwendet, von den schönen Künsten bis hin zu Begriffen wie Esskultur, Unkultur, Kulturlandschaft. Ähnlich verhält es sich mit dem Terminus „Stadtkultur“, dessen Gebrauch auch in der wissenschaftlichen Literatur oft nicht eindeutig ist, da Stadtkultur mehr bezeichnet als nur die Veranstaltungskultur, sondern auch alle soziologischen Aspekte stadtspezifischer Lebensführung beinhalten kann und in diesem Bedeutungssinn oft zusammen mit dem Begriff der Urbanität genannt wird, von dessen Verständnis und Definition es allerdings auch zahlreiche Auffassungen gibt (vergl. Häussermann 1994). Es erscheint also nötig, eine möglichst genaue Begriffsbestimmung dessen zu liefern, was im Rahmen dieser Arbeit unter Kultur bzw. Stadtkultur verstanden werden soll.

Im Teil 2.3 sollen dann die besonders unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten relevanten Unterschiede und Zusammenhänge von (Veranstaltungs-)Kultur und Kulturökonomie kurz dargestellt werden.

2.1 Kultur

In der soziologischen Forschung wird Kultur als „Gestalt und Ausdruck einer Gruppe von Menschen verstanden, die sich nach Wertvorstellungen, Symbolen und sozialen Formen unterscheidet“. Es wird differenziert „zwischen Alltagskultur, der Gestaltung des alltäglichen Lebens und der Lebensbereiche (Lebensstile, Subkulturen, Wohn-, Körper- und Esskultur) und besondere Kultur, die besondere Gestaltung in Ästhetik und institutionalisierten Formen, etwa die Hochkultur und die repräsentative Kultur“. In dieser zuletzt genannten Form stellt Kultur eine „gestaltete Überhöhung des Alltags“ dar (vgl. Luger 1994: 19).

2.2 Stadtkultur

Der Begriff der Stadtkultur meint mehr als die reine Veranstaltungskultur oder „besondere Kultur“, da „die spezifischen urbanen Gegebenheiten und das charakteristische lokaler Bedingungen sich letztlich in unterschiedlichen Lebensformen und Handlungsvollzügen ausdrückt, die das typische lokaler bzw. städtischer Kultur prägen“ (Luger 1994: 20). Es würde jedoch über die dieser Arbeit zugrundeliegende Fragestellung hinausführen, die Betrachtungen auf sämtliche Aspekte des soziokulturellen Systems Stadt mit seinen unzähligen sich gegenseitig bedingenden Einflussfaktoren auszudehnen. Beschrieben werden soll daher in erster Linie, welche Bedeutung die Veranstaltungskultur in bezug auf wirtschaftliche, politische und bestimmte soziale Prozesse in einer Stadt hat.

2.3 Kultur und Kulturökonomie

Bei der Betrachtung der ökonomischen Aspekte von Kultur in der Stadt ist es wichtig, den Unterschied zwischen Kultureinrichtungen und Kulturökonomie zu verdeutlichen. Zu ersterer Gruppe zählen die Orte der Veranstaltungskultur wie Theater, Museen, Konzertsäle, Bühnen, also Einrichtungen in denen Kulturveranstaltungen stattfinden. Die Kulturökonomie, zu der Unternehmen aus den alten und neuen Medien (Presse, Radio, Film und Fernsehen, Internet, Software), der Werbebranche, Verlage, Plattenfirmen aber auch Veranstaltungs- und Messeagenturen und viele weitere Unternehmen gehören, ist der Wirtschaftszweig, der Künstler unter Vertrag nimmt, Kulturprodukte herstellt, erwirbt und vermarktet, die Werbung organisiert und für die Distribution verantwortlich ist.

Während die Einrichtungen der ersten Gruppe nur in Ausnahmefällen (Popularkultur, z.B. Musicals) finanziell selbsttragend arbeiten, ist die Kulturökonomie in einigen Städten zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige mit hohen finanziellen Gewinnen und einem großen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften geworden. Allerdings beruht die Ansiedlung oder das bereits Vorhandensein von Unternehmen der Kulturökonomie zu einem nicht unwesentlichen Teil auf der Tatsache, dass durch eine große Zahl kultureller Veranstaltungsorte und eine lebendige Kulturszene die Grundlage für die Tätigkeiten der Kulturökonomie vorhanden ist. Auch in diesem Bereich kann man folglich von Ballungstendenzen und Clusterbildung der kulturellen und kulturwirtschaftlichen Unternehmen und Einrichtungen sprechen, die in besonders hohem Maße miteinander in symbiotischen, Synergieeffekte erzeugenden Wechselbeziehungen stehen.

3 Auswirkungen von Tertiärisierung und Globalisierung auf die Kommunen

In Zeiten einer globalisierten Weltwirtschaft haben sich die politischen Handlungskonzeptionen der städtischen Kommunen verändert. Die globale Herausforderung besteht darin,

„die Firmen und Produkte der eigenen regionalen Ökonomie wettbewerbsfähig zu halten oder zu machen, d.h. insbesondere die Städte als idealen Ort für Investitionen der weltweit immer umfangreicher fließenden Geldströme anzupreisen. Die bisherige Sicherheit über die Kontinuität eines lokal in Anlagen und Know-how der Arbeitskräfte gebundenen Kapitals geht mit der zunehmenden Tendenz zum ‚footloose capital’ verloren und wird durch die neue Herausforderung einer unternehmerischen Führung des Gemeinwesens ‚Stadt’ sowie ein Herausstellen der ‚weichen’ Standortfaktoren unterstützt“ (Dangschat 1996: 41).

Die Aufwertung der Innenstädte durch Kultur, Freizeitangebot und Wohnen mit gehobenem Standart in attraktiven innerstädtischen Quartieren ist in diesem Zusammenhang zu sehen, denn „in einem sich zuspitzenden, überregional geführten Wettbewerb um die Wachstumsindustrien werden [...] zunehmend ‚weiche Standortfaktoren’ (Kultur, Lebensqualität, Wohnqualität, Einkaufserlebnisse) entwickelt, die der Stadt insgesamt ein neues Image verleihen sollen“ (Dangschat 1996: 45). Die Städte sind der Ort, in denen Globalisierung verräumlicht wird (vgl. Dangschat 1996: 41) und in der Tat zielt heutige Stadtentwicklungspolitik vor allem darauf ab, die Position der Stadt „am Markt“ zu halten und zu verbessern.

„Die Definitionsmacht über Raum (Eigentumsverhältnisse, Zugang, Aufenthaltsberechtigung, Gestaltung) wird unter globalen Einflüssen der Städtekonkurrenz zunehmend bedeutend. Hier hat der ‚lokale Staat’ mittels seiner Kulturpolitik, Stadt(teil)entwicklungspolitik, Stadt(teil)planung, Sanierungs- und Modernisierungspolitik entscheidend dazu beigetragen, die innere Stadt aufzuwerten, zu vermarkten und sie nach den Geschmacksstilen der angestrebten Konsumklassen auszugestalten“ (Dangschat 1996: 50).

4 Die Rolle von Kultur in der Stadtentwicklungspolitik

Die Stadt gilt als der Ort, an dem Kultur erzeugt, ausgetauscht und wahrgenommen wird. Die Begriffe Kultur und Urbanität sind eng miteinander verbunden, ist es doch die Vielfalt kultureller Erscheinungsformen, die eine Stadt von der Provinz, eine Metropole von einer bloßen Großstadt unterscheidet. In den Städten konzentrieren sich kulturelle Ressourcen, neue Ausdrucksformen verbreiten sich als Spiegel der subkulturellen Vielfalt einer Stadt, wobei kulturelle Vielfalt auch als Ausdruck einer Ökonomie der Symbole[1], als Teil eines Wettbewerbes zwischen verschiedenen Subkulturen um die Kontrolle über den städtischen Raum und seine Prägung durch die eigene kulturelle Symbolik verstanden werden kann (vgl. Zukin 1998: 27).

Die Kontrolle über die Ökonomie der Symbole und eine möglichst weitreichende Imagewirkung kultureller Aktivitäten in einer Stadt, sichert dieser in Zeiten einer sich verschärfenden Konkurrenz um Prestige zwischen den Städten und Regionen im nationalen wie im internationalen Rahmen Wettbewerbsvorteile im Kampf um Einnahmen bringende Investitionen und Touristenströme. In einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft und im Zuge einer offenbar allgemein vorherrschenden kommunalen Finanznot erscheint für die Städte der Eintritt in die globale Konkurrenz um die Ansiedlung von Unternehmenszentralen und Arbeitsplätze schaffende Investitionen der einzig gangbare Weg zu sein.

[...]


[1] Vgl. Kapitel 4.1

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Funktionalisierung von städtischer Kultur in den Dienstleistungsmetropolen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Medienstadt, Kulturökonomie, Medienwirtschaft, Stadtentwicklung
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V29092
ISBN (eBook)
9783638307086
ISBN (Buch)
9783638702911
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit befasst dich mit Kultur in der Stadt, ihrer Definition, Funktion, Instrumentalisierung und ihrer Wirkung auf Aspekte der Stadtentwicklung, des Standortmarketing, der Gentrification u.a. in Zeiten des globalisierten Wettbewerbs zwischen den Regionen.
Schlagworte
Funktionalisierung, Kultur, Dienstleistungsmetropolen, Medienstadt, Kulturökonomie, Medienwirtschaft, Stadtentwicklung
Arbeit zitieren
Damian Arikas (Autor), 2002, Die Funktionalisierung von städtischer Kultur in den Dienstleistungsmetropolen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29092

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