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Die Freiheit und das Böse bei Kant

Title: Die Freiheit und das Böse bei Kant

Thesis (M.A.) , 2004 , 97 Pages , Grade: Gut

Autor:in: Jong Yop Kim (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Das Problem, mit dem ich mich hier beschäftigen will, ist in Kants Wesensbestimmung des Menschen als freies Wesens die Dissoziation aufzugreifen, denn das Freiheitsgeschehen impliziert für ihn nicht nur die Möglichkeit des Guten, sondern auch die des Bösen. Kant führt den Versuch der Auflösung dieser Aporie nicht in theoretischer Geschlossenheit seiner Freiheitslehre durch, sondern es bleibt ihm vielmehr unerforschlich, wie das Böse seine transzendentale Bedeutung in der Wesensbestimmung des Menschen gewinnen kann. Diese lockere Verbindung des Begriffs des Bösen mit dem System der Wissenschaft steht aber mit Kants religiös-anthropologischem Verständnis des Menschen selbst in Verbindung, wonach er die Grundbedingungen, in denen die menschliche Person sich jeweils befindet, nicht aus dem Blick verlieren und die menschliche Existenz im polaren Spannungsgefüge der seelischen Elemente erblicken möchte. Das Verhältnis der Freiheit zum Bösen ist darum eines jener Probleme, die in der Interpretation Kants heftige philosophische Kontroversen ausgelöst haben.

Der schon von Goethe im Brief an Herder vom 7.6.1793 erhobene Vorwur wird von A. Schweizer dadurch auf äußerste verschärft, indem er die Differenz betont, die für ihn zwischen der kritischen Ethik und der Religionsschrift Kants besteht. Der Vorwurf bezieht sich hauptsächlich auf den Gesichtspunkt, Kants wahren Verdienst darin zu erblicken, dass die Freiheit, als die natürliche Ausstattung des von Gott geschaffenen Menschen, für Kant ursprünglich nur die Freiheit zum Guten sei: Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Auffassung, dass sich das radikal Böse in der menschlichen Natur mit der Freiheit nur schwer vereinbaren lasse. Wenn dem freien Willen das moralische Böse zugeschrieben werden kann, dann könne er nicht mit Autonomie gleichbedeutend sein, weil Autonomie Selbstbestimmung zur Moralität ist. Und Kants These über das moralische Böse widerspricht scheinbar seinem früheren Argument über das Verhältnis des freien Willens zur Sittlichkeit, zu dessen Klärung er in der GMS die "Identitätsthese" heranzieht: "Also ist ein freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen einerlei." (GMS, IV 447) Diese scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen der Freiheit und dem Bösen veranlasst Kantinterpreten wie z.B. G. Prauss und C. Schulte dazu, sich intensiv mit den logischen Schwierigkeiten der Freiheitslehre Kants auseinanderzusetzen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. PROBLEMSTELLUNG

II. DIE FREIHEIT UND DAS GUTE

1. TRANSZENDENTALE FREIHEIT

1.1 Das Freiheitsproblem in der Antinomie und ihre Auflösung

1.2 Die Monade

2. TRANSZENDENTALE FREIHEIT UND MORALPHILOSOPHIE

2.1 Antithesis

2.2 Thesis

3. FREIHEIT UND SITTENGESETZ

3.1 Das Verhältnis von Freiheit und Sittengesetz

3.2 Faktum der Vernunft

4. ZUSAMMENFASSENDE THESE

III. DIE FREIHEIT UND DAS BÖSE

1. MAXIMEN

1.1 Die Maxime als die Gesetzgebung der Vernunft

1.2 Die Maxime als das Tätigsein der Willkür

2. DIE NATUR DES MENSCHEN

2.1. Die Anlage zum Guten

2.1.1 Das Interesse der Vernunft

2.1.2 Das heteronome Handeln

2.2 Der Hang zum Bösen

3. PECCATUM ORIGINARIUM

3.1 Die Schwäche des menschlichen Herzens

3.2 Die Unlauterkeit

3.3 Das radikal Böse

3.3.1 Die Grenze der praktischen Vernunft

3.3.2 Die Verkehrtheit des Willens

3.4 Die Würde des Menschen und das Böse

4. DER URSPRUNG DES BÖSEN

4.1 Die Freiheit und das Böse

4.2 Das Selbstsein und das Böse

5. ZUSAMMENFASSENDE THESE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Freiheit und Bösem in Kants Hauptschriften. Das zentrale Ziel ist es, zu analysieren, wie Kant die menschliche Sittlichkeit unter der Bedingung der Freiheit denkt, wobei die Möglichkeit des radikal Bösen nicht als bloße logische Aporie, sondern als konstitutiver Aspekt menschlicher Existenz begriffen wird.

  • Die Rekonstruktion des Freiheitsbegriffs bei Kant.
  • Das Verhältnis von Freiheit und Sittengesetz.
  • Die Analyse der Entstehung des Bösen im Menschen.
  • Die Bedeutung der Würde des Menschen im Kontext des Bösen.
  • Die Rolle der transzendentalen Freiheit im praktischen Vernunftgebrauch.

Auszug aus dem Buch

1.2 Die Maxime als das Tätigsein der Willkür

Diese Schwierigkeit scheint Kant wahrscheinlich ins Auge gefasst zu haben und ist wohl der Grund, weshalb Kant in der MST die grundlegende Unterscheidung von Willen und Willkür vorgenommen hat. Während Kant in der KpV ausdrücklich vom freien Willen für die Selbstbestimmung spricht, der als "Autonomie" charakterisiert wird und vom unterworfenen Willen, der den Gesetzen der Naturkausalität unterliegt, verschiebt sich stattdessen in der MSR der Schwerpunkt nun in die menschliche Willkür, wodurch er deutlich machen will, wie eine böse Tat durch menschliche Freiheit erklärt werden kann: Hier steht nicht der Wille, sondern die menschliche Willkür im Vordergrund: "Das Begehrungsvermögen nach Begriffen, sofern der Bestimmungsgrund desselben zur Handlung in ihm selbst, nicht in dem Objekte angetroffen wird, heißt ein Vermögen nach Belieben zu tun oder zu lassen. Sofern es mit dem Bewußtsein des Vermögens seiner Handlung zur Hervorbringung des Objekts verbunden ist, heißt es Willkür; ist es aber damit nicht verbunden, so heißt der Aktus desselben ein Wunsch. Das Begehrungsvermögen, dessen innerer Bestimmungsgrund, folglich selbst das Belieben in der Vernunft des Subjekts angetroffen wird, heißt der Wille. Der Wille ist also das Begehrungsvermögen, nicht sowohl (wie die Willkür) in Beziehung auf die Handlung, als vielmehr auf den Bestimmungsgrund der Willkür zur Handlung betrachtet, und hat selber vor sich eigentlich keinen Bestimmungsgrund, sondern ist, sofern sie die Willkür bestimmen kann, die praktische Vernunft selbst." (MSR, VI 213) Die Unterscheidung zwischen Willen und Willkür betrifft nun das Verständnis des Bestimmungsgrundes des Vermögens des Subjekts. Als Wille gilt für Kant die Instanz des Subjekts, die keinen anderen Bestimmungsgrund als sich selbst hat, indem sie als das Begehrungsvermögen in sich die Beziehung auf die reine Vernunft trägt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. PROBLEMSTELLUNG: Die Einleitung führt in die Aporie ein, wie das Böse in Kants Freiheitslehre integriert werden kann, ohne die Autonomie des menschlichen Willens zu gefährden.

II. DIE FREIHEIT UND DAS GUTE: Dieses Kapitel erläutert die transzendentale Freiheit als Grundlage der Sollenswelt und die Verbindung von Vernunft, Autonomie und Sittengesetz.

III. DIE FREIHEIT UND DAS BÖSE: Hier wird der Fokus auf die Maxime als subjektives Prinzip, den Hang zum Bösen und die Problematik des radikal Bösen in der menschlichen Natur gelegt.

Schlüsselwörter

Freiheit, das Böse, Kant, Autonomie, Sittengesetz, radikal Böses, Willkür, Wille, Maximen, praktische Vernunft, Pflicht, Menschenwürde, Endlichkeit, Kategorischer Imperativ, Selbstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Rekonstruktion des Verhältnisses von menschlicher Freiheit und dem Phänomen des Bösen im Denken Immanuel Kants.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Schwerpunkte sind der Begriff der Freiheit, die Funktion von Maximen, der Hang des Menschen zum Bösen und die moralische Bestimmung der Menschenwürde.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, wie Kant die Integrierbarkeit des Bösen in ein moralisches Konzept der menschlichen Freiheit denkt, ohne dabei in unlösbare logische Widersprüche zu geraten.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse der relevanten Primärtexte Kants und eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zur kantischen Freiheits- und Moralphilosophie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der transzendentalen Freiheit und des Guten sowie die detaillierte Analyse der Freiheit im Kontext des Bösen, unterteilt in Maximen, die Natur des Menschen und das radikal Böse.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Autonomie", "radikal Böses", "Willkürfreiheit", "Sittengesetz" und "praktische Vernunft" definiert.

Wie unterscheidet Kant in dieser Arbeit zwischen Wille und Willkür?

Kant definiert den Willen als das Begehrungsvermögen, das nach vernünftigen Grundsätzen handelt, während die Willkür als das Vermögen zur freien Wahl zwischen Handlungen verstanden wird, was die Zurechenbarkeit des Bösen erst ermöglicht.

Warum ist das radikal Böse für Kant unvermeidlich?

Das radikal Böse ist für Kant kein bloßes Fehlen des Guten, sondern ein tief in der menschlichen Natur verankerter Hang, bei dem die Selbstliebe über das Sittengesetz gestellt wird; da dies eine Entscheidung der Freiheit ist, kann es nicht als bloßes Naturereignis wegerklärt werden.

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Details

Title
Die Freiheit und das Böse bei Kant
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
Gut
Author
Jong Yop Kim (Author)
Publication Year
2004
Pages
97
Catalog Number
V29143
ISBN (eBook)
9783638307338
ISBN (Book)
9783638702935
Language
German
Tags
Freiheit Böse Kant Thema Kant
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jong Yop Kim (Author), 2004, Die Freiheit und das Böse bei Kant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29143
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