„Musik macht klug“
„Musik macht kreativ und leistungsstark“
„Musik fördert Intelligenz und soziale Kompetenz“
Schlagzeilen dieser Art waren in den letzten Jahren immer wieder zu lesen. Eine Reihe von Medienberichten suggerierte, dass durch eine wissenschaftliche Studie positive Auswirkungen von Musikunterricht auf die verschiedensten Bereiche der Persönlichkeit nachgewiesen werden könnten. In Zeiten eines „stetig darbenden Musikunterrichts an unseren Schulen“ wirken solche Meldungen wie Balsam für die Seelen vieler Musikpädagogen. Dem ständig wachsenden Legitimationsdruck des Musikunterrichts im Schulcurriculum könnten somit u.U. wissenschaftlich abgesicherte Argumente entgegengesetzt werden. Trotzdem scheint Vorsicht angebracht zu sein. Was sind die genauen Hintergründe dieser Meldungen von segensreichen Auswirkungen der Musik?
Im April 2000 wurde das Buch Musik (-erziehung) und ihre Wirkung veröffentlicht. Der Musikpädagoge Hans Günther Bastian dokumentiert darin die Ergebnisse seines sechsjährigen Forschungsprojekts an Berliner Grundschulen. Diese Studie bildet den Ausgangspunkt für die oben genannten Meldungen, sowie für vorliegende Arbeit. Richter beschreibt die sogenannte Bastian- Studie als das wichtigste Thema des musikpädagogischen Diskurses im Jahr 2000. Die Studie fand jedoch nicht nur Beachtung im wissenschaftlichen Kontext. Für eine musikpädagogische Forschungsarbeit nicht gerade selbstverständlich, wurde die Studie von einem überaus breiten Medieninteresse begleitet.
Damit sind bereits die beiden Hauptbereiche des öffentlichen Diskurses genannt, welcher im Zentrum dieser Arbeit steht. Der Schwerpunkt liegt also auf der Rezeption der Bastian-Studie. Es ist somit nicht das Ziel vorliegender Arbeit, die Studie in ihren methodischen Einzelheiten oder die daraus resultierenden Ergebnisse umfassend darzustellen. Es werden neben einigen allgemeineren Ausführungen explizit die Punkte der Studie besprochen, die für den öffentlichen Diskurs von Relevanz sind.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Grundlagen
1.1 Die Studie Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern
1.1.1 Genese der Studie
1.1.2 Aufgabenstellung und Forschungshypothesen
1.1.3 Datenerhebung und Beschreibung der Stichprobe
1.1.4 Ziele der Studie
1.2 Das Konzept der ‚Musikbetonung’ an Berliner Grundschulen
1.3 Eine Transferstudie – definitorische Vorbemerkungen
2. Rezeption I: Die Studie in den populärwissenschaftlichen Medien
2.1 Studienbegleitende Berichte
2.2 Mediale Verarbeitung der Studienergebnisse
2.3 Hintergründe des Medieninteresses
3. Rezeption II: Diskurs und Kritik in der Fachliteratur
3.1 Forschungsmethoden
3.1.1 Versuchsdesign und Treatment
3.1.2 Die Stichprobe
3.1.2.1 Stichprobengröße und Relation der Versuchsgruppen
3.1.2.2 Qualitative Unterschiede der Versuchsgruppen
3.1.3 Leistungs- und Qualifikationsprofil der Lehrkräfte
3.2 Interpretation der Studienergebnisse
3.3 Präsentation der Studienergebnisse
3.3.1 Einseitige Darstellung der Ergebnisse
3.3.2 Darstellung der Ergebnisse im Taschenbuch Kinder optimal fördern – mit Musik
3.4 Bildungspolitischer Hintergrund
3.4.1 Zur Situation des Musikunterrichts im Schulwesen
3.4.2 Politische Intention der Studie
3.4.3 Auswirkung der politischen Intention auf die Studie
3.4.4 Kritik an der schulpolitischen Argumentation der Studie
4. Wirkung: Aufnahme und Folgen der Studie
4.1 Aufnahme in den Verbänden
4.2 Politische Auswirkungen
4.3 Aufnahme der Studie in Schulen und die Auswirkung auf das öffentliche Bewusstsein
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption und die tatsächliche bildungspolitische Wirkung der „Bastian-Studie“ (2000), die den Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die Entwicklung von Grundschulkindern erforschte. Im Zentrum steht die Frage, wie wissenschaftliche Ergebnisse in populärwissenschaftlichen Medien und der Fachliteratur verarbeitet wurden und welche Konsequenzen diese Rezeption für den Stellenwert des Musikunterrichts im deutschen Schulwesen hatte.
- Methodenkritik des Forschungsdesigns und der Interpretation der Bastian-Studie
- Analyse der medialen Berichterstattung und ihrer Vereinfachungstendenzen
- Untersuchung der Verknüpfung zwischen bildungspolitischer Motivation und wissenschaftlicher Forschung
- Evaluation der tatsächlichen bildungspolitischen Auswirkungen der Studie in Schulen und Verbänden
Auszug aus dem Buch
Die Studie Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern
Das als Langzeit- und Evaluationsstudie konzipierte Forschungsprojekt Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern wurde von Schuljahresbeginn 1992 bis zum Schuljahresende 1998 unter der Leitung von Hans Günther Bastian an Grundschulen in Berlin durchgeführt. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie war die Studie ursprünglich auf drei Jahre angelegt, wurde 1995 jedoch um weitere drei Jahre verlängert. Somit ergab sich eine Gesamtlaufzeit von sechs Jahren. Nachdem 1998 die Datenerhebung abgeschlossen war, wurden die Studienergebnisse Anfang 2000 in Form der Abschlusspublikation Musik(erziehung) und ihre Wirkung (Bastian 2000) veröffentlicht.
Bastian hat jedoch bereits vor dieser Zeit Forschungen über die Auswirkungen eines intensiven Umgangs mit Musik betrieben. Die daraus resultierenden Arbeiten stehen in direktem Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Studie.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert den Fokus auf die Rezeption der Bastian-Studie und legt den Aufbau der Arbeit dar, die den wissenschaftlichen sowie den öffentlichen Diskurs umfasst.
1. Grundlagen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über Entstehung, Konzeption und Ziele der Bastian-Studie sowie definitorische Vorbemerkungen zu zentralen Begriffen wie „Musikbetonung“.
2. Rezeption I: Die Studie in den populärwissenschaftlichen Medien: Hier wird untersucht, wie Medien die Studie aufgriffen, wobei eine Tendenz zur oberflächlichen und plakativen Berichterstattung festgestellt wird.
3. Rezeption II: Diskurs und Kritik in der Fachliteratur: Dieses Kapitel analysiert kritisch die Forschungsmethoden, das Versuchsdesign, die Interpretation der Ergebnisse und die bildungspolitische Argumentation der Studie innerhalb der Fachwelt.
4. Wirkung: Aufnahme und Folgen der Studie: Die Untersuchung der realen Auswirkungen der Studie in Verbänden, Politik und Schulen zeigt, dass eine direkte bildungspolitische Steuerung kaum nachweisbar ist.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die Kritikpunkte gebündelt und Perspektiven für eine zukünftige, inhaltlich-qualitative Ausrichtung des Musikunterrichts aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Bastian-Studie, Musikerziehung, Musikunterricht, Transferstudie, Schulentwicklung, Bildungspolitik, Bildungsforschung, Medienrezeption, Musikpädagogik, Empirische Forschung, Evaluationsstudie, Schulklima, Intelligenz, Soziale Kompetenz, Grundschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Rezeption, Interpretation und tatsächliche Wirkung der Bastian-Studie (2000), die den Zusammenhang zwischen erweiterter Musikerziehung und der Entwicklung von Kindern untersuchte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die methodische Fundierung der Studie, die mediale Aufbereitung, die kritische Diskussion in der Fachliteratur sowie die bildungspolitischen Folgen des vermeintlichen „Wundermittels“ Musik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, wie die Bastian-Studie in Politik und Medien instrumentalisiert wurde und ob die propagierten Wirkungen durch die vorgelegten Daten wissenschaftlich haltbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methodik einer klassischen Literaturarbeit, ergänzt durch eine qualitative Befragung von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Bildungswesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Methodenkritik, die Analyse der Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Anspruch und medialer Verkürzung sowie eine Untersuchung der bildungspolitischen Realität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Bastian-Studie, Musikerziehung, Transferstudie, methodische Kritik, Bildungsforschung und die bildungspolitische Instrumentalisierung von Musik.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Interpretation der Studienergebnisse?
Die Arbeit zeigt, dass Bastian eine „bildungspolitische Motivation“ verfolgte, um den Musikunterricht zu legitimieren, was jedoch zu einer wissenschaftlich fragwürdigen einseitigen Interpretation der Ergebnisse führte.
Was ist die zentrale Schlussfolgerung in Bezug auf die „Rettung“ der Schulmusik?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Versuch, Musik über Transfererfolge (wie Intelligenzsteigerung) zu rechtfertigen, die „Zweitrangigkeit“ des Faches eher zementiert, anstatt dessen ästhetischen Eigenwert zu stärken.
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- Jens Knigge (Author), 2004, Die Bastian-Studie im öffentlichen Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29193