EZB und FED. Aufbau, Entscheidungsbefugnisse und Unabhängigkeit


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur und Organe
2.1. Die Europäische Zentralbank
2.1.1. Das Eurosystem und das Europäisches System der Zentralbanken
2.1.2. Die Beschlussorgane der EZB
2.2. Federal Reserve System
2.2.1. Board Of Governors
2.2.2. Federal Open Market Committee
2.2.3. Twelve Federal Reserve Banks

3. Unabhängigkeit
3.1. Gründe für Unabhängigkeit
3.1.1. Theorien
3.1.2. Empirie
3.2. Die Europäische Zentralbank
3.2.1. Institutionelle Unabhängigkeit
3.2.2. Personelle Unabhängigkeit
3.2.3. Finanzielle Unabhängigkeit
3.2.4. Funktionelle Unabhängigkeit
3.3. FED – Die Rolle des Kongresses und des US-Präsidenten

4. Ziele
4.1. Ziele der EZB
4.1.1. Preisstabilität als vorrangiges Ziel
4.1.2. Sonstige Ziele
4.2. Ziele der FED – Maximum emplyoment, stable prices, and moderate long-term interest rates

5. Strategien
5.1. Die Zwei-Säulen Strategie der EZB
5.2. Der Multi-Indikatoren-Ansatz der FED

6. Die Rolle der Stabilitätskultur für Inflation

7. Unterschiedliche Zentralbankordnungen

8. Fazit

9. Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Denn überall in der Welt haben Herrscher und unabhängige Staaten in ihrer Habsucht und Ungerechtigkeit das Vertrauen der Menschen missbraucht, indem sie nach und nach den ursprünglichen Metallgehalt ihrer Münzen herabgesetzt haben“[1]

Mit diesen drastischen Worten begründete Adam Smith schon vor über 200 Jahren die Notwenigkeit für eine unabhängige Zentralbank. Diese Forderung ist auch heutzutage noch aktuell, wie man z.B. an den Diskussionen über den Verkauf der Goldreserven der Bundesbank oder an der Forderung einiger europäischer Staatsoberhäupter an die Europäische Zentralbank die Leitzinsen zu senken, erkennen kann.

Es stellen sich also die Fragen: Wo bieten sich Angriffsstellen für politische Einflussnahme in der Struktur einer Notenbank?

Wie unabhängig sind die Notenbanken der größten Wirtschaftsgebiete USA und Europa wirklich und in wieweit unterscheiden sie sich?

Nicht nur in der Struktur, auch in der Zielvorgabe und in den Strategien zur Erreichung des Zieles gibt es teilweise weitreichende Unterschiede zwischen der Europäischen Zentralbank und dem Federal Reserve System, so dass ein ausführlicher Vergleich der beiden Notenbanken notwenig ist.

Fraglich ist auch, ob vielleicht nicht doch noch andere Faktoren, neben der oft beschworenen Unabhängigkeit einer Zentralbank, die Inflationsrate einer Währungsregion beeinflussen.

Abschließend habe ich noch untersucht, wie sich das Modell einer unabhängige Zentralbank von anderen Zentralbankordnungen unterscheidet und wo Stärken und Schwächen dieser anderen Zentralbankordnungen liegen.

2. Struktur und Organe

2.1. Die Europäische Zentralbank

2.1.1. Das Eurosystem und das Europäische System der Zentralbanken

Dem Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) gehören die rechtlich selbständigen Nationalen Zentralbanken (NZBen) aller EU-Mitgliedsstaaten an, sowie die rechtliche selbständige Europäische Zentralbank (EZB). Das Eurosystem hingegen besteht aus den zwölf NZBen der Länder, die dem Euro-Währungsraum angehören und der EZB. Die EZB ist das Herzstück des Eurosystems und wird von den Teilnehmerländern über ihre Zentralbanken getragen. Sie ist dafür verantwortlich, dass alle Aufgaben des Eurosystems entweder durch ihre eigene Tätigkeit oder durch die Tätigkeit der NZBen erfüllt werden. Die NZBen sind dabei der EZB funktional untergeordnet „womit sichergestellt wird, dass das Eurosystem mit Blick auf die Umsetzung der Ziele des EG-Vertrages als Einheit effizient agieren kann (…) Als integrale Bestandteile des Eurosystems stellen die NZBen die operativen Organe des ESZB dar und führen die dem Eurosystem übertragenen Aufgaben gemäß den von der EZB festgelegten Regeln aus“.[2] Im Gegensatz zur EZB und den NZBen haben sowohl das Eurosystem als auch das ESZB keine Rechtspersönlichkeit und keine Beschlussorgane und müssen daher von den Beschlussorganen der EZB geleitet werden.[3]

2.1.2. Die Beschlussorgane der EZB

Wesentliches Beschlussorgan der EZB ist der EZB-Rat, der das Eurosystem leitet. Er besteht aus den Präsidenten der 12 NZBen, dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der EZB sowie vier weiteren Direktoriumsmitgliedern der EZB und tagt in der Regel alle 14 Tage[4].

Die Ernennung der Präsidenten der NZBen liegt bei den Mitgliedsstaaten, die Berufung der Mitglieder des Direktoriums resultiert einvernehmlich durch die

Regierungen der Mitgliedsstaaten auf der Basis der Staats- und Regierungschefs. Jedes Mitglied im EZB-Rat besitzt eine Stimme. Beschlüsse werden durch einfache Mehrheit der persönlich anwesenden Mitglieder gefasst. Die Durchführung der Geldpolitik jedoch obliegt den NZBen[5].

Das sechsköpfige Direktorium leitet die EZB. Es besteht aus dem Präsidenten der EZB, dem Vizepräsidenten sowie vier weiten Mitgliedern. Die Mitglieder werden einstimmig von den Staats- und Regierungschefs der Teilnehmerstaaten auf Empfehlung der Finanz- und Wirtschaftsminister gewählt. Ihre Ernennung erfolgt auf acht Jahre und kann nicht verlängert werden.[6]

Da nicht alle EU-Mitgliedsstaaten der Währungsunion beigetreten sind, fungiert als beratendes Gremium noch der Erweiterte Rat. Dieser dient lediglich der geldpolitischen Koordination und verfügt über keine geldpolitische Kompetenz. Er leitet das ESZB. Im Erweiterten Rat sitzen die 15 Präsidenten der NZBen, der Präsident und der Vizepräsident der EZB.

2.2. Federal Reserve System

2.2.1. Board of Governors

Der Board of Governors (BoG) besteht aus sieben Governors die vom US-Präsidenten bestimmt werden und von dem Senat bestätigt werden müssen. Ihre Amtszeit beträgt 14 Jahre, eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Die Governors müssen aus unterschiedlichen Federal Reserve Districts kommen, so dass gewährleistet wird, dass die einzelnen Distrikte nicht überrepräsentiert sind. Der Chairman sowie der Vice-Chairman des BoG werden vom Präsidenten aus den sieben Mitgliedern des Boards ernannt. Ihre Amtszeit beträgt jeweils vier Jahre, wobei eine Wiederernennung möglich ist. Ein Chairman, der nicht wieder ernannt wird, scheidet aus dem BoG aus. Alle sieben Mitglieder des BoG sind auch im Federal Open Market Committee (FOMC) vertreten.[7]

2.2.2. Federal Open Market Committee

Dem FOMC, das zuständig für die Offenmarktpolitik ist, gehören die sieben Mitglieder des BoG und der Präsident der Federal Reserve Bank von New York als ständige Mitglieder an. Die restlichen vier Plätze teilen die verbleibenden elf Präsidenten der FRBs unter sich auf, wobei ein Wechsel im jährlichen Rhythmus erfolgt. An den alle sechs Wochen stattfindenden Sitzungen nehmen auch die Präsidenten der FRBs teil, die kein Stimmrecht besitzen. Sie informieren über die wirtschaftliche Entwicklung in ihrem Distrikt.

Der Chairman des BoG ist gleichzeitig auch Vorsitzender des FOMC. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass das BoG die Stimmenmehrheit im FOMC besitzt.

2.2.3. Twelve Federal Reserve Banks

Die zwölf Federal Reserve Banks (FRBs) sind jeweils für einen bestimmten Distrikt zuständig und bestimmen den Diskontsatz.[8] Der Federal Reserve Bank Of New York fällt dabei eine besondere Rolle zu, da sie aktiv in den Aktienmarkt eingebunden ist, ein Großteil der einflussreichsten kommerziellen Banken der USA ihren Sitz in diesem Distrikt haben und sie einen ständigen Sitz im Bank for International Settlements (BIS) besitzt.[9] Der Präsident jeder FRB wird von den neun Direktoren der Mitgliedsbanken (jede kommerzielle Bank ist eine Mitgliedsbank der FRBs) der FRB mit Zustimmung des BoG ernannt. Die Amtszeit der Präsidenten läuft über fünf Jahre, wobei eine Wiederernennung möglich ist. Sechs der Direktoren werden von den Mitgliedsbanken direkt ernannt, wobei drei aus dem Bankenbereich und drei aus dem Nichtbankenbereich stammen müssen. Drei Direktoren bestimmt das BoG, sie dürfen nicht in einer Bank arbeiten oder Aktien einer Bank halten.

[...]


[1] Adam Smith, 1789

[2] www.ecb.int/pub/pdf/mb199907en.pdf Der institutionelle Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken, Monatesbericht Juli 99

[3] Görgens, Ruckriegel, Seitz, Europäische Geldpolitik 2003 S.64

[4] www.ezb.de Organisation des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) S.1

[5] Gischer, Herz, Menkhoff 2004 S.133

[6] www.ezb.de Organisation des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) S.1

[7] Pollack, Mishkin 2003 Kapitel 14 S. 340 f.

[8] Pollack, Mishkin 2003 S. 337 f.

[9] Pollack, Mishkin 2003 S.339 The Special Role of the Federal Reserve Bank of New York

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
EZB und FED. Aufbau, Entscheidungsbefugnisse und Unabhängigkeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Geldpolitik, Zentralbanken und ihre Strategien
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V29210
ISBN (eBook)
9783638307789
ISBN (Buch)
9783638748445
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufbau, Entscheidungsbefugnisse, Unabhängigkeit, Geldpolitik, Zentralbanken, Strategien
Arbeit zitieren
Diplom-Ökonom Andreas Höffgen (Autor), 2004, EZB und FED. Aufbau, Entscheidungsbefugnisse und Unabhängigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29210

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