Gehörlose Menschen rücken immer mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft. Auf Phoenix werden die Nachrichten in die Gebärdensprache übersetzt, die Sendung "Sehen statt Hören" wird auf mehreren Sendern ausgestrahlt, Gebärdensprache ist in Deutschland inzwischen auch rechtlich als vollwertige Sprache anerkannt worden… Doch welche Sprache lernen gehörlose Kinder? Die deutsche Lautsprache oder die Deutsche Gebärdensprache (DGS)? Welche Auswirkungen hat der Spracherwerb der Lautsprache auf die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung der gehörlosen Kinder und Jugendlichen? Und wie sieht es mit den Folgen beim Erwerb der Deutschen Gebärdensprache als Muttersprache aus? Kann die Gebärdensprache wirklich als voll- und gleichwertige Sprache bezeichnet werden? Die Antworten auf diese Fragen sollen allen Lehrern, Erziehern, Sonderpädagogen und Sozialpädagogen in ihrem Umgang mit gehörlosen Kinder helfen um dadurch das Ziel der Bildung gehörloser Kinder und Jugendlicher zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
B) Was ist Sprache?
C) Der Lautspracherwerb
I. Die Entwicklung der Lautsprache in ihrem zeitlichen Verlauf
II. Die Schwierigkeiten beim Erwerb der Lautsprache für das gehörlose Kind
III. Die Folgen einer unvollständigen Sprache für die Entwicklung des Kindes
D) Die Deutsche Gebärdensprache – eine Alternative zur Lautsprache?
I. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine Sprache!
II. Vorteile bei dem Erwerb der Deutschen Gebärdensprache als Erstsprache
E) Ungeklärte Fragen
F) Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Entwicklung gehörloser Kinder und hinterfragt die Effektivität der rein lautsprachorientierten Erziehung. Ziel ist es zu erörtern, ob die bilinguale Erziehung, welche die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als Erstsprache integriert, eine sinnvollere Alternative für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung gehörloser Kinder darstellt.
- Spracherwerbsprozesse bei hörenden versus gehörlosen Kindern
- Die Auswirkungen unzureichender sprachlicher Förderung auf die kindliche Entwicklung
- Wissenschaftliche Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache als vollwertige Sprache
- Vorteile der bilingualen Erziehung und Identitätsbildung Gehörloser
- Diskussion von Integrationsansätzen in der Hörgeschädigtenpädagogik
Auszug aus dem Buch
II. Die Schwierigkeiten beim Erwerb der Lautsprache für das gehörlose Kind
Die logische Konsequenz aus der obigen Beschreibung der Sprachentwicklung mit Hilfe des Gehörs lautet: Lautsprache kann von gehörlosen Kindern selbst bei einer sehr guten auditiven und oralen Förderung und unter größter Anstrengung und zeitlichem Aufwand nur unvollständig und unzureichend erlernt werden. Welche Argumente und wissenschaftlichen Beweise stützen diese Aussage?
Zunächst einmal gehe ich auf die frühkindliche Entwicklung des Lautspracherwerbs ein. Wie oben beschrieben, versucht ein Kleinkind wahrgenommene Geräusche und Stimmen nachzuahmen. „Auch fängt es ... an mitzuplappern, wenn die Eltern mit ihm reden” (WENDLANDT 2000, S. 32). Da ein gehörloses Kind jedoch weder irgendwelche Geräusche noch die Stimmen der Eltern wahrnehmen kann, wird es diese auch nicht nachahmen können. Interessanterweise gibt sogar ein gehörloses Kleinkind in den ersten Monaten nach der Geburt Laute von sich, die den Lauten hörender Kinder ähneln. „Das Kind braucht zur Entfaltung seiner Sprachentwicklung nach dem 6. Lebensmonat unbedingt die Wahrnehmung seiner eigenen Lautproduktion” (WENDLANDT 2000, S. 32). Doch weil es diese Laute nicht wahrnehmen kann, hört es damit auch bald wieder auf.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Erziehung Gehörloser ein, stellt die zentrale Frage nach der geeigneten Erstsprache und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
B) Was ist Sprache?: Dieses Kapitel definiert Sprache als konventionelles Zeichensystem und beleuchtet deren fundamentale Bedeutung für das Denken und die soziale Integration.
C) Der Lautspracherwerb: Hier wird der normale Spracherwerb dargestellt sowie die Schwierigkeiten und negativen Folgen einer unvollständigen Sprachentwicklung für gehörlose Kinder aufgezeigt.
D) Die Deutsche Gebärdensprache – eine Alternative zur Lautsprache?: Dieser Teil belegt die Komplexität der DGS und argumentiert für die Vorteile einer bilingualen Erziehung als Grundlage für eine erfolgreiche Integration.
E) Ungeklärte Fragen: Abschließend werden offene Problemstellungen hinsichtlich der praktischen Umsetzung einer bilingualen Erziehung und einer gelungenen Integration formuliert.
F) Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Fachbücher und Zeitschriftenartikel.
Schlüsselwörter
Gehörlosigkeit, Lautsprache, Gebärdensprache, DGS, bilinguale Erziehung, Spracherwerb, Hörgeschädigtenpädagogik, Kognitive Entwicklung, Soziale Integration, Identitätsbildung, Kommunikation, Früherziehung, Sprachdefizit, auditiv-orale Methode, Gebärden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprachentwicklung gehörloser Kinder und dem Methodenstreit in der Hörgeschädigtenpädagogik zwischen lautsprachorientierter und bilingualer Erziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der kognitiven und sozialen Defizite bei rein lautsprachlich erzogenen Kindern sowie dem Nachweis, dass die Gebärdensprache eine vollwertige, komplexe Sprache ist.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, Argumente für die bilinguale Erziehung zu liefern, da diese eine gesündere kognitive und emotionale Entwicklung gehörloser Kinder fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, pädagogischen Studien und neurologischen Forschungsergebnissen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Sprache, den Vergleich des Spracherwerbs hörender und gehörloser Kinder sowie den Nachweis der linguistischen und neurologischen Gleichwertigkeit der Gebärdensprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Gehörlosigkeit, bilinguale Erziehung, Deutsche Gebärdensprache (DGS), Spracherwerb und Identitätsbildung.
Warum ist die auditive Förderung für gehörlose Kinder oft unzureichend?
Aufgrund des mangelnden Hörvermögens können gehörlose Kinder trotz intensiven Trainings nur einen Bruchteil der Lautsprache visuell (Lippenlesen) wahrnehmen, was zu einem stark eingeschränkten Wortschatz führt.
Welche Rolle spielt die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind?
Die Kommunikation stellt bei gehörlosen Kindern oft eine Barriere dar. Eine fehlende gemeinsame Sprache kann die Eltern-Kind-Beziehung belasten und zu Entwicklungsstörungen sowie Isolation führen.
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- Frank Alibegovic (Author), 2004, Die Entwicklung der Sprache beim gehörlosen Kind. Ein Argumentationsversuch für die bilinguale Erziehung Gehörloser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29228