Glaubwürdigkeit in computervermittelter Kommunikation


Seminararbeit, 2000

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Was ist Glaubwürdigkeit

Glaubwürdigkeit im Internet als Gesamtphänomen

Das WWW - Besonderheiten gegenüber anderen Medien

Vorteile gegenüber anderen Medien

Glaubwürdigkeit computervermittelter Kommunikation

Besonderheiten des Chat

Vorteile des Chat in Bezug zur Glaubwürdigkeit

Besonderheiten der E-Mail

Wege der Evaluierung von Informationsquellen im Internet

Evaluierungskriterien im WWW

Hilfe bei Kettenbriefen, Hoaxes, Viruswarnungen

Fazit, Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Internet Euphorie ist ein Schlagwort mit dem sich nach wie vor alle „alten“ Medien gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Internet als Gesamtbegriff für das WWW, Newsgroups, Mailinglisten und Email. Immer wenn ein Medium neu ist und noch keine Etablierung gefunden hat zieht das auch Probleme mit sich. Von der Faszination „Information at your fingertips“ benebelt neigen viele Nutzer des Internets dazu alles zu glauben was im Netz steht. Der „Gullibility Virus“1 trifft aber anscheinend nicht nur Medienneulinge sondern auch Journalisten und andere Berufsgruppen, die eigentlich den Umgang mit zweifelhaften Informationen gewöhnt sein sollten. Das kann nur bedeuten, dass erst Evaluierungsrichtlinien ersonnen werden müssen.

Obgleich viel über Glaubwürdigkeit geschrieben wurde, meist ohne klares Ergebnis, gibt es zu diesem Thema in Verbindung mit dem Medienneuling Internet nur wenig kompetente Literatur. Das Problembewusstsein erwächst hier erst in letzter Zeit. Die größte Informationsquelle ist das, was das Internet über sich selbst preisgibt und die Nutzererfahrungen, die man im Austausch mit anderen erhalten kann. Zuerst sei hier die Rede von Glaubwürdigkeit als Medienphänomen im Vergleich zu den Besonderheiten der wichtigsten Bereiche des Mediums Internet. Was man Wissen muss und tun sollte um ein kompetenter Internetnutzer zu sein und mit seiner spezifischen Glaubwürdigkeit umgehen zu können soll im letzten Teil ausgeführt werden.

Was ist Glaubwürdigkeit?

„Glaubwürdigkeit ist keine direkte Eigenschaft eines Kommunikators, sondern lediglich eine von Rezipienten zugeschriebene bzw. attribuierte Eigenschaft“2 Und obwohl die meisten Rezipienten sich eine sehr hohe Fähigkeit bezüglich der Einschätzung von Glaubwürdigkeit zuschreiben, ist die Erkennungsrate von Täuschungen selten über 65%3. Wenn man sich nun auf mediatisierte Kommunikation beschränkt und somit Körpersprache und ähnliche Merkmale des Kommunikaten außer Acht lässt, kann man von zwei verschiedenen Arten der Glaubwürdigkeitsbeurteilung sprechen.

Zum einen wäre da die inhaltsorientierte Glaubwürdigkeitsbeurteilung. Eine glaubwürdige Aussage, bzw. besser Information, sollte sowohl qualitativ als auch quantitativ detailreich sein, sowie eine in sich schlüssige und widerspruchsfreie Argumentation aufweisen. Dies bedeutet auch, dass der Kommunikat zu keiner seiner in früherer Zeit gemachten Äußerungen in Widerspruch stehen darf. Darüber hinaus wird vom Rezipienten ein Vergleich zu anderen bekannten Informationen und objektiv erkennbaren Sachverhalten hergestellt.

Zum anderen gibt es die Quellen - und kontextorientierte Glaubwürdigkeitsbeurteilung. In besonderem Maße zählt hier der Ursprung einer Information, die Quelle, d.h. die „mehr oder weniger stabilen Merkmale eines Kommunikators“. Merkmale die insbesondere bezüglich Kompetenz (,expertness‘) und Vertrauenswürdigkeit (,trustworthiness‘) festgemacht werden. Desweiteren scheint die mutmaßliche Ähnlichkeit in Einstellung und Werteansichten (Sympathie) zwischen Publikum und Sprecher ein wichtiges Kriterium zu sein. Es wird auch immer die allgemeine Meinung über ein Medium die in der Gesellschaft vorherrschend ist, ob zutreffend oder irrig, ausschlaggebend für deren Glaubwürdigkeit sein, z.B. „Bild“ / „SZ“.

Der Kontext beeinflusst in erster Linie die Vertrauenswürdigkeit des Mediums welches die Nachricht übermittelt. Ein Kommunikat wird als unglaubwürdig, bzw. besonders Vertrauenswürdig vorgestellt und beeinflusst so die objektive Einschätzung des Rezipienten.

Eine wie ich meine sehr gute Zusammenfassung der möglichen Dimensionen von Glaubwürdigkeit liefert das Diagramm in Abbildung 1. Wobei das nur als exemplarisch zu verstehen ist, da je nach Studie sogar bis zu 16 Faktoren ermittelt wurden. Dies zeigt, dass man offenbar, trotz der anfänglichen Offensichtlichkeit was man unter Glaubwürdigkeit zu verstehen hat, auf große Hindernisse stößt sobald man sich an einer Definition versucht.

Glaubwürdigkeit im Internet als Gesamtphänomen

Da mag es nicht verwundern, dass es noch schwerer fällt über die Glaubwürdigkeit des Internets zu sprechen, in all seiner Komplexität und ,Unerforschtheit‘. Es sei darauf hingewiesen, dass man nicht generell dem Medium Internet Vertrauenswürdigkeit zu- oder absprechen kann. Es gibt als individuell zu betrachtende Systeme innerhalb dieses ,Hybridmediums‘. Da wären das World Wide Web (WWW), die an Bedeutung verlierenden FTP Server und die interpersonellen Kommunikationsmöglichkeiten: Email, Newsforen und der Chat. Wenngleich selbst unterhalb dieser Systeme vielerlei Unterteilungen bezüglich der Wahrheitsliebe vonnöten wären.

Das WWW - Besonderheiten gegenüber anderen Medien Der Hauptunterschied des WWW zu allen anderen Wegen der Informationsverbreitung ist die große Wirkung bei minimalem Aufwand. Es war noch nie so einfach seine Meinung einer sehr großen Zahl von Menschen mitzuteilen. Noch dazu in ansprechender Form, mit Graphiken, Texten, u.U. sogar mit Musik, Tondokumenten, Videos und sogar dreidimensionalen ,begehbaren‘ Räumen (VRML). Ist es faktisch geradezu unmöglich einen eigenen Fernsehsender zu betreiben, in dem natürlich nur das läuft, was einem persönlich als wichtig erscheint, so ist das im Internet mit geringen finanziellen Mitteln möglich. Die große Gefahr dabei: Es gibt keinen Gatekeeper, also niemanden der Inhalte vom WWW ausschließt, bzw. wichtiges von unwichtigem, Recht von Unrecht, unterscheidet. So können falsche oder verbrecherische Inhalte neben privaten Web - Seiten von Familien existieren. Über den Wahrheitsgehalt und die damit verbundene Glaubwürdigkeit ganz zu schweigen. Wahrheiten werden beliebig, zumindest was ihre Verbreitungsmöglichkeit anbelangt. Die bei traditionellen Medien greifenden Kontrollinstanzen und sei es eine freiwillige Kontrolle der Medien, hinken beim WWW hoffnungslos hinterher, bzw. sind erst gar nicht möglich. Die offene Struktur, die andererseits ermöglicht 'negative' Zensur zu umgehen, macht dies sehr schwierig. Aufgrund der Unbeständigkeit die dem System Internet innewohnt ergibt sich, bezüglich der Glaubwürdigkeit, folgendes Problem:

"Information amnesia plights the Internet and erodes its credibility! (. . .) Consider the Web page you use to prove a point in a research paper. Can others go to that page to verify your information, or draw conclusions on their own? Will you have to copy each and every article you like on the Web because there are no guarantee that it will be there tomorrow?"

i „Die ,Informationsamnesie‘ bedroht das Internet und untergräbt seine Glaubwürdigkeit! (. . .) Nehmen sie einmal ihre Seite im Web die sie benutzen um einen Gedanken in ihrer Arbeit zu belegen als Beispiel. Können andere zu dieser Seite gehen um ihre Informationen zu überprüfen, oder um eigene Schlüsse zu ziehen? Muss man nun jeden einzelnen Artikel den man im Web mag kopieren, weil es keine Garantie dafür gibt, dass es ihn morgen noch geben wird.“

Adressen wie „http://www.staatsministerium.de“2 scheinen u.U. eine Vertrauensbasis zu vermitteln, doch erst als regelmäßiger Internetnutzer wird man die Erfahrung machen, dass die so genannten URLs leider schon lange nicht zwingend mehr das bieten, was sie versprechen oder mit ihrem Namen implizieren. Domainnamen können beinahe beliebig gekauft werden (z.T. bereits für 0,49 DM pro Monat). Natürlich ergeben diese Namen bei näherer Betrachtung meist keinen Sinn, aber das Finden von hilfreicher Information wird erschwert. Auch das Suchen von seriösen Seiten über Suchmaschinen, wie z.B. „http://www.hotbot.com“, die über Robots 3 lediglich die Meta - Informationen von Homepages auslesen, also vom Autor der Seite geschriebenen Kurzinformationen über sein Angebot, stößt auf Probleme. Wenn man z.B. die offizielle Seite der Welthandelsorganisation WTO sucht, spukte „Hotbot“ erst an vierter Stelle die offizielle und bereits an siebter Stelle die Klon-Website aus.1 Mike Moor, Generaldirektor der WTO, befürchtet sogar, „dass die Klon- Website die Öffentlichkeit verwirren könnte.“2 Als weiteres Beispiel sei hier noch die Seite von George W. Bush, ein Präsidentschaftskandidat in den USA, angeführt. Neben er offiziellen Seite gibt es eine bis ins Detail perfekte Imitation, bis auf den Inhalt natürlich.3

Nun hätten wir also die freie, unzensierte Verfügbarkeit, die Einfachheit der Informationsdarbietung in professionellem Erscheinungsbild, hinzu kommt noch, dass auch völlig Unausgebildete sich als „Journalisten“ betätigen können. Bekanntestes und wohl auch erfolgreichstes Beispiel ist Matt Drudge.4 Drudge der seine einzige Berufserfahrung in einem CBS Geschenkeladen5 gemacht hat, stellt aus 25 Tageszeitungen und täglich ca. 1000 Hinweisen via Email5 sein Produkt, den „Drudgereport“, zusammen. Von wem diese Hinweise stammen, bzw. ob sie auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen, scheint im egal zu sein. Der Erfolg gibt ihm Recht, er kann über 1.000.000 Webhits pro Tag für seine Homepage verzeichnen. 85.000 haben seinen Newsletter abonniert 5. Natürlich ist nicht alles falsch was in seinem Report steht, schließlich hat er einen Großteil seines Rums der Tatsache zu verdanken, dass er die Clinton Affäre um Monica Lewinsky ins Rollen gebracht hat. Er hat nur kein Interesse nur das überprüfbar Wahre zu melden. Natürlich hat Matt Drudge mittlerweile sogar seine eigene TV-Show in Amerika auf dem Sender FOX.5

„Drudge, like the Net, is right most of the time. With very little in the way of fact verification, he makes no pretense that the information contained in his e-list should be taken as complete an unquestioned truth (...) even though we know that his sources are questionable, at best. Is he worth reading? You decide.“5

[...]


1 Rössler, Glaubwüdigkeit, S.17

2 Rössler, Glaubwürdigkeit, S.27

1 Rössler, Glaubwüdigkeit, S.27

1 Rössler, Glaubwüdigkeit, S.27

1 http://www.december.com/cmcl/mag/1997/nov/dimauro.html (Stand: 27.11.1999)

2 Die Adresse führt zu einem Fax2Mail - Service, die GMX Adresse gibt es tatsächlich. . . (Stand: 15.01.2000)

3 Kleine Softwareprogramme, die die im Quelltext der Webpages versteckten Infos (Meatatags) auslesen und zur Suchmaschine zurücksenden

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Glaubwürdigkeit in computervermittelter Kommunikation
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V2923
ISBN (eBook)
9783638117562
ISBN (Buch)
9783640318797
Dateigröße
1048 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glaubwürdigkeit, Email, Internet, Chat, Hoaxes, Spam
Arbeit zitieren
Felix Kapohl (Autor), 2000, Glaubwürdigkeit in computervermittelter Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2923

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