Das veränderte Bewusstsein der Menschen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hatte dazu geführt, dass die Forderung nach der Sicherung des Friedens an erster Stelle zugunsten europäischer Einigungsbestrebungen stand. Insbesondere die Erfahrungen aus der Zeit zwischen 1939 und 1945 haben dazu beigetragen, dass die Völker Europas den Entschluss fassten, näher zusammenzurücken und sich um eine gemeinsame Politik zu bemühen.
Der Binnenmarkt, für dessen vollständige Verwirklichung ursprünglich das Datum 31. Dezember 1992 festgesetzt worden war, stellt heute einen wesentlichen Bestandteil der Europäischen Union dar. Die noch anhaltende Entwicklung dieses Programms wird in der Literatur auch als Prozess „fortdauernder Schöpfung“ 1 bezeichnet. Auf der Grundlage dieser vorangestellten Überlegen wird im ersten Schritt die historische Entwicklung des Binnenmarktes dargestellt. Im zweiten Schritt wird auf die Bedeutung des Binnenmarktes mit seinen vier Grundfreiheiten eingegangen. Die letzten beiden Kapitel dienen der zurückhaltenden wertenden Zusammenfassung der Ausführungen und einem Ausblick bezogen auf die aktuelle Situation.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Überblick
2.1 Die historische Entwicklung des Binnenmarktes
2.2 Die Bedeutung des Binnenmarktes mit seinen vier Grundfreiheiten
2.2.1 Keine Grenzen für Personen
2.2.2 Keine Grenzen für Waren
2.2.3 Keine Grenzen für Dienstleistungen
2.2.4 Keine Grenzen für Kapital
3 Wertende Zusammenfassung
4 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung sowie die zentrale Bedeutung des Europäischen Binnenmarktes. Dabei wird analysiert, wie durch die vier Grundfreiheiten ein grenzenloser Raum geschaffen wurde und welche Herausforderungen im Integrationsprozess noch bestehen.
- Historische Meilensteine der europäischen Einigung
- Die vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes
- Wirtschaftliche Auswirkungen und Kennzahlen
- Aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung von Richtlinien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Keine Grenzen für Personen
Der freie Personenverkehr im Binnenmarkt beinhaltet die folgenden Punkte: freie Einreise, freie Arbeitsplatzwahl, Niederlassungsfreiheit und freies Wohnrecht. Diese Rechte gelten für alle Arbeitnehmer, Selbständigen, Studenten, Rentner und auch deren Angehörige, wenn sie beweisen können, dass sie über finanzielle Mittel für ihren Lebensunterhalt verfügen und eine Krankenversicherung abgeschlossen haben.
Gemäß des Art. 12 des EG Vertrages „... ist jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit verboten“. Als Beispiel sei ein wegweisender Entscheid des EUGH aufgeführt, das sog. „Bosman-Urteil“. Der belgische Fußballprofi Jean- Marc Bosman klagte darin gegen die Regel des Deutschen Fußballbundes, die verbot, mehr als drei ausländische Spieler bei einem Spiel einzusetzen. Der Fußballprofi hatte Erfolg mit seiner Klage. Der EUGH erklärte die Bestimmung 1995 für unwirksam.
Ein wichtiger Meilenstein im Sektor „Freier Personenverkehr“ war das im Juni 1985 unterzeichnete Schengener Abkommen, das den Wegfall der Personen- und Zollkontrollen an den gemeinsamen Grenzen bis zum 01.Januar 1993 herbeiführen sollte. Zum Schutz der Bürger mussten die Mitgliedsstaaten jedoch noch ergänzende Sicherheitsmaßnahmen bestimmen, was dazu führte, dass die tatsächliche Abschaffung der Personenkontrollen erst im Frühjahr 1995 in die Tat umgesetzt werden konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Notwendigkeit europäischer Einigungsbestrebungen nach dem Zweiten Weltkrieg und führt in die Thematik des Binnenmarktes als zentrales Projekt der Europäischen Union ein.
2 Historischer Überblick: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von der Montanunion bis zur Europäischen Union nach und erläutert die Funktionsweise der vier Grundfreiheiten.
3 Wertende Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bewertet die bisherigen Erfolge des Binnenmarktes anhand wirtschaftlicher Kennzahlen und identifiziert gleichzeitig noch bestehende Defizite bei der rechtlichen Umsetzung.
4 Ausblick: Der Ausblick erörtert die künftigen Herausforderungen und Chancen, insbesondere im Hinblick auf die EU-Erweiterung und die Notwendigkeit einer tieferen sozialen Integration.
Schlüsselwörter
Europäischer Binnenmarkt, Grundfreiheiten, Europäische Union, Zollunion, Integration, Schengener Abkommen, Warenverkehr, Dienstleistungsfreiheit, Kapitalverkehr, Personenfreizügigkeit, EG-Vertrag, Wettbewerbsfähigkeit, Richtlinien, Harmonisierung, EU-Erweiterung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit thematisiert den Europäischen Binnenmarkt, dessen historische Entwicklung und die Bedeutung der vier Grundfreiheiten für den europäischen Wirtschaftsraum.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie der europäischen Einigung, den rechtlichen Grundlagen des Binnenmarktes und der Analyse seiner vier Säulen: Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Aufbau des Binnenmarktes darzustellen und kritisch zu bewerten, inwieweit die gesetzten Ziele zur Vollendung dieses Marktes erreicht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die unter Einbeziehung von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten der Europäischen Kommission und relevanter Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs erstellt wurde.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Integrationsschritte seit 1949 sowie eine detaillierte Erläuterung der vier Grundfreiheiten mit Praxisbeispielen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wesentlichen Begriffe sind Europäischer Binnenmarkt, Grundfreiheiten, Integration, Wettbewerbsfähigkeit und Harmonisierung.
Welche Bedeutung hat das „Bosman-Urteil“ in diesem Kontext?
Das Urteil wird als Beispiel für die Durchsetzung der Personenfreizügigkeit angeführt, da es diskriminierende nationale Regelungen (hier im Sportbereich) im Einklang mit EU-Recht für unwirksam erklärte.
Warum wird die Steuerharmonisierung als problematisch bewertet?
Die Harmonisierung stößt auf Widerstand, da sie die nationalen Finanzhoheiten berührt und für viele Mitgliedsstaaten schwierige Anpassungen ihrer Steuerstrukturen erfordern würde.
- Quote paper
- Johanna Collin (Author), 2003, Der Europäische Binnenmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29237