Im Gegensatz zur "klassischen" Annahme, jede Handlungsentscheidung des Menschen würde aufgrund von logischen Operationen im Gehirn getroffen, unter Ausschluß des Körpers, widerspricht Antonio R. Damasio dieser Überzeugung. Er führt das Modell der somatischen Marker ein, um seine Ansichten über die Entscheidungsfindung des Menschen zu erläutern. Zuerst soll dieser "Apparat" beschreiben werden. Weiter wird die Entstehungsweise dieser somatischen Marker beschrieben. Dem folgt eine Schilderung der sogennanten "Glücksspielexperimente" und deren Schlußfolgerungen. Im letzten Abschnitt wird kurz eine mögliche neurobiologische Lokalisierung der somatischen Marker erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Der Tendenzapparat
1.1 Ursprünge somatischer Marker
1.2 Unbewußte Ebene somatischer Marker
2. Die Glücksspielexperimente
2.1 Erster Versuch
2.2 Zweiter Versuch
2.3 Rückschlüsse
3. Neurobiologische Hintergründe
3.1 Der präfrontale Cortex und seine Verbindungen
3.2 Weitere wichtige Gehirnareale
4. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das von Antonio R. Damasio entwickelte Modell der somatischen Marker, um die Prozesse der menschlichen Entscheidungsfindung zu ergründen und die klassische Trennung von Logik und Körperlichkeit zu hinterfragen.
- Das Konzept des "Tendenzapparats" als Entscheidungshilfe
- Die Entstehungsweise und unbewusste Funktion somatischer Marker
- Analyse der sogenannten "Glücksspielexperimente"
- Neurobiologische Lokalisierung und Grundlagen im Gehirn
Auszug aus dem Buch
Der Tendenzapparat
Während unseres gesamten Lebens werden wir vor Entscheidungen gestellt. Scheidewege an denen sich verschiedene Alternativen anbieten. Zu viele chaotische Elemente des Lebens vereiteln eine rationale Herangehensweise. Sicherlich ist es möglich innerlich eine Pro und Kontra Liste zu erstellen. Doch die individuell richtige Bewertung der einzelnen Punkte führt oft genug zu einer Entscheidungssackgasse. Auch würde ein Mensch unnötig viel Zeit verbringen, wenn er beständig alles gegeneinander abzuwägen hätte und seien es so alltägliche Entscheidungen wie: "gehe ich erst zum Einkaufen, oder erst zum Friseur?". Viele Entscheidungen werden dann aufgrund von "Intention" oder "Gefühlsmäßig" getroffen. Was steckt hinter diesem "Gefühl"?
Mit Hilfe von "somatischen Markern" werden die wahrscheinlichen Szenarien, die sich durch eine Entscheidung ergeben würden, mit einem körperlichen Zustand (Empfindungen) verknüpft, sozusagen markiert. Diese Empfindung hilft das angenehmste Szenario zu ergründen. Das bedeutet aber nicht, daß immer nur der Weg des geringsten Widerstandes, mit einer besonders positiven Empfindung einhergeht. Es kann sich auch durchaus um weiter entfernte Ziele handeln, wie beispielsweise Beruflicher Erfolg als Fernziel eines geeigneten Studiums und einer damit verknüpften positiven Empfindung, obgleich die Vorstellung des Arbeitsaufwandes während des Studiums eher eine unangenehme Empfindung erzeugen mag. Natürlich sind somatische Marker kein Ersatz für logische Denkprozesse, sondern vielmehr muß man alles zusammen als Einheit betrachten. Es handelt sich lediglich um einen Tendenzapparat, er leistet jedoch bemerkenswertes. Die Genauigkeit/Nützlichkeit unserer Gedanken wird durch die somatischen Marker gesteigert. Unsere Aufmerksamkeit wird durch sie auf das Wesentliche gelenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Tendenzapparat: Das Kapitel führt den Begriff der somatischen Marker ein, die als intuitiver Entscheidungsmechanismus fungieren und rationale Prozesse sinnvoll ergänzen.
Die Glücksspielexperimente: Hier werden experimentelle Anordnungen beschrieben, die belegen, dass Patienten mit Schädigungen des präfrontalen Cortex Schwierigkeiten haben, aus Risiken zu lernen, obwohl sie logische Regeln verstehen.
Neurobiologische Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert die anatomischen Strukturen, insbesondere den präfrontalen Cortex und die Amygdala, die für die Bewertung von Erfahrungen und die Umsetzung in körperliche Zustände maßgeblich sind.
Schlußbemerkung: Der Autor resümiert die Bedeutung von Damasios Theorie für ein besseres Verständnis der Entscheidungsfindung und gibt Ausblicke auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Somatische Marker, Antonio R. Damasio, Entscheidungsfindung, Tendenzapparat, Präfrontaler Cortex, Intuition, Glücksspielexperiment, Biopsychologie, Amygdala, Emotionen, Handlungsentscheidung, Kognitive Bewertung, Gehirnforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der traditionellen Sichtweise auseinander, dass Entscheidungen rein logisch-rational getroffen werden, und stellt das Modell der somatischen Marker von Antonio R. Damasio vor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die neurobiologischen Grundlagen von Emotionen, die Rolle des Körpers bei Entscheidungsprozessen und die empirische Untersuchung von Entscheidungsfindungsstörungen bei hirngeschädigten Patienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Konzept des "Tendenzapparats" zu erklären und aufzuzeigen, wie körperliche Empfindungen (somatische Marker) unsere Aufmerksamkeit lenken und rationale Prozesse bei der Auswahl von Alternativen unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung neuropsychologischer Literatur sowie auf die Auswertung der von Damasio durchgeführten "Glücksspielexperimente".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition somatischer Marker, deren unbewusste Ebene, die methodische Durchführung der Glücksspielexperimente sowie die spezifischen Gehirnareale (insb. präfrontaler Cortex), die diese Funktionen steuern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: somatische Marker, präfrontaler Cortex, Intuition, Entscheidungsfindung und der Tendenzapparat.
Wie unterscheiden sich gesunde Probanden von Frontalhirngeschädigten in den Experimenten?
Während gesunde Spieler nach anfänglichen Verlusten lernen, das Risiko zu minimieren und sich für Stapel mit besserer Gewinnbilanz entscheiden, scheitern Frontalhirngeschädigte an der Kosten-Nutzen-Analyse und verharren bei riskanten, kurzfristig gewinnbringenden Optionen.
Welche Rolle spielt der Gyrus Cinguli nach Ansicht des Autors?
Der Gyrus Cinguli wird als möglicher Vermittler oder Bindeglied zwischen dem präfrontalen Cortex und der Amygdala interpretiert, da seine Reizung ähnliche emotionale Erfahrungen auslöst.
- Quote paper
- Felix Kapohl (Author), 2001, Das Konzept der somatischen Marker nach Antonio R. Damasio, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2925