Das Konzept der somatischen Marker nach Antonio R. Damasio


Seminararbeit, 2001

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Tendenzapparat
Ursprünge somatischer Marker
Unbewußte Ebene somatischer Marker

Die Glücksspielexperimente
Erster Versuch
Zweiter Versuch
Rückschlüsse

Neurobiologische Hintergründe
Der präfrontale Cortex und seine Verbindungen
Weitere wichtige Gehirnareale

Schlußbemerkung
Literaturverzeichnis

Im Gegensatz zur "klassischen" Annahme, jede Handlungsentscheidung des Menschen würde aufgrund von logischen Operationen im Gehirn getroffen, unter Ausschluß des Körpers, widerspricht Antonio R. Damasio dieser Überzeugung. Er führt das Modell der somatischen Marker ein, um seine Ansichten über die Entscheidungsfindung des Menschen zu erläutern. Zuerst soll dieser "Apparat" beschreiben werden. Weiter wird die Entstehungsweise dieser somatischen Marker beschrieben. Dem folgt eine Schilderung der sogennanten "Glücksspielexperimente" und deren Schlußfolgerungen. Im letzten Abschnitt wird kurz eine mögliche neurobiologische Lokalisierung der somatischen Marker erläutert.

Der Tendenzapparat

Mit Hilfe von "somatischen Markern" werden die wahrscheinlichen Szenarien, die sich durch eine Entscheidung ergeben würden, mit einem körperlichen Zustand (Empfindungen) verknüpft, sozusagen markiert. Diese Empfindung hilft das angenehmste Szenario zu ergründen. Das bedeutet aber nicht, daß immer nur der Weg des geringsten Widerstandes, mit einer besonders positiven Empfindung einhergeht. Es kann sich auch durchaus um weiter entfernte Ziele handeln, wie beispielsweise Beruflicher Erfolg als Fernziel eines geeigneten Studiums und einer damit verknüpften positiven Empfindung, obgleich die Vorstellung des Arbeitsaufwandes während des Studiums eher eine unangenehme Empfindung erzeugen mag. Natürlich sind somatische Marker kein Ersatz für logische Denkprozesse, sondern vielmehr muß man alles zusammen als Einheit betrachten. Es handelt sich lediglich um einen Tendenzapparat, er leistet jedoch bemerkenswertes. Die Genauigkeit/Nützlichkeit unserer Gedanken wird durch die somatischen Marker gesteigert. Unsere Aufmerksamkeit wird durch sie auf das Wesentliche gelenkt.

Ursprünge somatischer Marker

Woher stammt nun dieser Tendenzapparat? Somatische Marker stellen eine Verknüpfung zwischen erlebten Reizen - bzw. auch mit nur miterlebten, also durch Erfahrung anderer - und Empfindungen des eigenen Organismus dar. Diese Empfindungen sind ein Sonderfall der sekundären Gefühle, wie sie A. Damasio bezeichnet. Jenen Gefühlen die aus einer Empfindung eines somatischen Zustandes resultieren, der sich bei der Vorstellung von Ereignissen / Szenarien einstellt. Es erfolgt einerseits durch Erziehung und Sozialisation sozusagen eine Prägung der somatischen Zustände. Wobei insbesondere frühkindliche Erfahrungen weitreichendere Auswirkungen auf unseren Tendenzapparat haben. Andererseits spielen die angeborenen, regulatorischen Dispositionen eine große Rolle, so etwa das Konzept des Überlebenswillen oder das Schmerz - Lust - Prinzip.

Unbewußte Ebene der somatischen Marker

Bei unseren Vorstellungen werden körperliche Zustände entsprechend unseren "Erinnerungen" ausgelöst. Sie treten durch Empfindungen in unser Bewußtsein und modulieren unsere Gefühle. Beispielsweise bei dem Gedanken an eine sehr schwere Prüfung, wenn die Anspannung, die man verspürte, tatsächlich wieder nachvollziehbar -da "präsent"- wird.

Aber auch unbewußte Marker sind denkbar. Viele Entscheidungen verlaufen, ohne das wir bewußt eine Veränderung unserer Empfindungen erfahren hätten. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine somatischen Veränderungen stattgefunden hätten. Unser Appetenz/Aversionsverhalten kann immerwährend auf "somatische Entscheidungsprozesse" zurückgeführt werden. Dies läßt sich aus Beobachtungen der Evolution schließen. Bereits bei unbewußten Tieren mit einem unspezifischen Neurotransmittersystem, wie z.B. Bienen, werden scheinbar bewußte Entscheidungen gefällt. Jedoch lassen sich diese Entscheidungen durch reines Appetenzverhalten erklären. Das motorische System ist eher "geneigt" auf einer Blüte zu landen, wenn es Gewinnaussichten gibt.

Auf unbewußter Ebene gibt uns der Tendenzapparat Hinweise auf richtige Lösungswege, bei denen mit einer schnellen Lösung gerechnet werden darf, vielleicht nicht mit der besten Lösung zumindest aber mit der Erstbesten. (H. Simon: The New Science of Managment Decision. New York: Harper 1960 aus: Grundlagen der Psychologie) Durch diese Handlungsimpulse ergibt sich ein enormer Zeitgewinn. Diese unbewußte Ebene könnte man als Konzept zur Erklärung der Intuition bezeichnen. Zeichnet sich Intuition doch insbesondere dadurch aus, unbewußt zu einer Lösung zu gelangen. Meist geschieht das durch Minimierung der möglichen Lösungswege auf einige wenige "richtige". Wie es z.B. in der Mathematik oft nicht wirklich ersichtlich ist, welchen Lösungsweg man einschlagen soll. So macht es gerade diejenigen zu Genies, die in der Lage sind, die Ansätze auszuschließen, die wenig Aussicht auf Erfolg haben und sich auf ihr Gespür für die richtige verlassen können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der somatischen Marker nach Antonio R. Damasio
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl Psychologie)
Veranstaltung
Messung und Diagnostik Emotionaler Intelligenz
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V2925
ISBN (eBook)
9783638117579
ISBN (Buch)
9783640202454
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
somatischer Marker, Damasio, Pinel, Biopsychologie
Arbeit zitieren
Felix Kapohl (Autor), 2001, Das Konzept der somatischen Marker nach Antonio R. Damasio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2925

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