Gesetzlicher Mindestlohn. Ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit oder Richtung Abgrund?


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

UNTERNEHMEN, BETRIEB, ARBEIT

Gesetzlicher Mindestlohn

Ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit oder ine Schritt Richtung Abgrund?

Niklas Lohse

Berlin, den 11. März 2013

Inhalt

1. Einleitung... 1

2. Bedarf es gesetzlicher Lohnuntergrenzen in der BRD?... 2

2.1 Definition und Einordnung des Niedriglohnsektors in der BRD... 2

2.2 Ursachen für den expansiven Niedriglohnsektor in der BRD... 2

3. Konsequenzen der Implementierung eines gesetzlichen Mindestlohns... 4

3.1 Das Modell des vollkommenen Arbeitsmarktes... 4

3.2 Weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt... 6

3.3 Blick nach Großbritannien... 7

4. Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn... 8

5. Fazit.. 10

6. Literaturverzeichnis... 12

1. Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den wenigen Ländern in der Europäischen Union, die bislang noch keinen gesetzlich verankerten Mindestlohn eingeführt haben. Von insgesamt 27 Ländern, haben bisher immerhin 20 diesen Schritt gewagt. Durch die im September anstehende Bundestagswahl, ist das Thema in der BRD aktueller als jemals zuvor. Während die Opposition um die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Linke und das Bündnis 90/Die Grünen einen gesetzlichen Mindestlohn fordert und gleichzeitig der Koalition um die Christlich Demokratische Union (CDU) und der Freien Demokratischen Partei (FDP) die ungehinderte Ausbreitung von Lohndumping vorwirft, wollen eben jene an der im Grundgesetz festgelegten Tarifautonomie und der sozialen Moral der Arbeitgeber festhalten.[1]

Bei der allgemeinen Diskussion und der oftmals generellen Befürwortung eines gesetzlichen Mindestlohns, werden häufig die potentiellen Konsequenzen vollständig außer Acht gelassen. Dabei können diese sehr weitreichend sein, sei es für die Arbeitgeber, die Politik, die Gewerkschaften oder für eben jene Gruppe, die von dieser Einführung eigentlich profitieren sollten, nämlich die Arbeitnehmer.

In dieser Arbeit setzt sich der Verfasser intensiv mit den Ursachen für die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn auseinander und analysiert anschließend die potentiellen Folgen auf die Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Berücksichtigung der neoklassischen Theorie. Außerdem wird im letzten Kapitel profund eine Alternative zum gesetzlichen Mindestlohn charakterisiert und erörtert, ob Deutschland sich nicht eher an einer Minderheit von Ländern in der EU als an der breiten Masse orientieren sollte.

2. Bedarf es gesetzlicher Lohnuntergrenzen in der BRD?

2.1 Definition und Einordnung des Niedriglohnsektors in der BRD

Die geforderte Verankerung eines gesetzlichen Mindestlohns in der BRD hat zahlreiche differente Ursachen. Ausgangspunkt ist häufig der expandierende Niedriglohnsektor. Niedriglohn wurde von der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) definiert als Bruttolohn, der zwei Drittel unterhalb des nationalen Bruttomedianlohns liegt. [2] Unter Median versteht man den Wert, der bei einer Sortierung aller Werte nach ihrer Größe genau in der Mitte steht. Gemessen an der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle, also dem Durchschnitt von den Medianlöhnen aus Ost- und Westdeutschland in Höhe von 9,15 EUR pro Stunde, waren 2010 insgesamt 23,1% aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer[3] im Niedriglohnsektor beschäftigt.[4] Dies entspricht 7,92 Millionen Arbeitnehmern. [5] 15 Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 17,7%, was absolut 5,59 Millionen Beschäftigten entspricht. [6] Mit den Werten von 2010 liegt die Bundesrepublik Deutschland im europäischen Vergleich über dem Durchschnitt, was in der Folge auch zu einer über dem Durchschnitt liegenden Einkommensungleichheit führt.[7]

2.2 Ursachen für den expansiven Niedriglohnsektor in der BRD

Eine mögliche Ursache für die zuvor aufgeführten Tatsachen ist, dass die Gewerkschaften aufgrund von zunehmender Schwäche, unter anderem aufgrund des kontinuierlich sinkenden Organisationsgrades, Tarifverträge verhandeln, worin die Entgelte unterhalb des Niedriglohnniveaus angesiedelt sind. [8] Die Bedeutsamkeit des gewerkschaftlichen Organisationsgrades wird der Verfasser in Kapitel 4 (Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn) profund darstellen. Hinzu kommen die von der Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder beschlossenen Hartz-Gesetze sowie die Agenda 2010, die ebenfalls regelmäßig für die Ausweitung des Niedriglohnsektors verantwortlich gemacht werden. Insbesondere die in der Öffentlichkeit als Hartz IV bekannte Regelung zum Arbeitslosengeld II (ALG II) findet sich im Zentrum der Kritik wieder, da Arbeitslose dadurch häufig aus ihren ursprünglich erlernten Berufsfeldern in Niedriglohnsektoren gedrängt werden, weil ihnen andernfalls Kürzungen des Arbeitslosengeldes drohen.

Zu den typischen Niedriglohnbranchen in der BRD zählen zum Beispiel das Gebäudereinigerhandwerk, das Friseurhandwerk, das private Transportgewerbe, das Bewachungsgewerbe und die Floristik.[9] Der Bruttostundenlohn in diesen Branchen beträgt im Durchschnitt 4,62 EUR. Zudem besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Stundenlöhnen in den alten und neuen Bundesländern. So sind die Löhne in Westdeutschland in den genannten Branchen im Durchschnitt um 156% höher als in Ostdeutschland. Analog dazu müsste bei der Mindestlohnforderung der Sozialdemokraten in Höhe von 7,50 EUR in Westdeutschland bei fast jedem siebten, in Ostdeutschland sogar bei jedem fünften Arbeitnehmer der Lohn erhöht werden.[10] Hier zeichnet sich der grundsätzliche Zusammenhang zwischen der Höhe des Mindestlohns und der Anzahl der Mindestlohnempfänger ab. [11] Hinzu kommen unternehmensgrößenabhängige Einkommensdivergenzen.[12] Dem liegt zu Grunde, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad in kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Regel geringer ist als in großen Unternehmen. Ebenso verhält es sich mit der Verfügbarkeit von Betriebsräten. Diese beiden Tatsachen führen dazu, dass in kleinen und mittelständischen Unternehmen die Entlohnung seltener über Tarifverträge geregelt ist.


[1] Bündnis 90/Die Grünen , Mindestlohn muss sein, Online: http://www.gruene-bundestag.de/themen/arbeit/mindestlohn-muss-sein_ID_327851.html ; Download vom 08.03.2013
CDU , Themen: Arbeitsmarkt: Mindestlohn und Zeitarbeit,
Online: http://www.cdu.de/doc/pdfc/110223-Argumente-Mindestlohn-und-Zeitarbeit.pdf ; Download vom 08.03.2013
Die Linke , Mindestlohn, Online: http://www.die-linke.de/politik/themen/ablage/themenaz/io/mindestlohn/ ; Download vom 08.03.2013
Freie Demokratische Partei , Vier Gründe gegen einen Mindestlohn, Online: http://www.fdp-fraktion-nds.de/de/103871-Vier-Gruende-gegen-einen-Mindestlohn Download vom 08.03.2013
Sozialdemokratische Partei Deutschlands , Sozial – Markt – Wirtschaft, Online: http://www.spd.de/themen/76366/arbeit_wirtschaft_und_energie.html; Download vom 08.03.2013

[2] Vgl. Lohmann, Henning: Armut von Erwerbstätigen in europäischen Wohlfahrtsstaaten. Niedriglöhne, staatliche Transfers und die Rolle der Familie, 1. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 109

[3] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und

weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für

beiderlei Geschlecht.

[4] Vgl. Statista 2010, Online: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/220398/umfrage/anteil-der-beschaeftigten-mit-niedriglohn-in-deutschland/ , download vom 08.03.2013

[5] Vgl. Statista 2010, Online: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/161881/umfrage/niedriglohnbeschaeftigte-in-deutschland-seit-1995/ , download vom 08.03.2013

[6] Vgl. Dr. Weinkopf, Claudia: Entwicklung und Struktur des Niedriglohnsektors in Deutschland, Online: http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2012/report2012-01.pdf, download vom 08.03.2013

[7] Vgl. George, Roman: Gesetzlicher Mindestlohn, 1. Auflage, Tectum Verlag, Marburg 2007, S. 6-7

[8] Vgl. im Folgenden: ebd.

[9] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Niedriglohnsektor, Online: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/55316/niedriglohnsektor?p=all , Download vom 08.03.2013

[10] Vgl. DIW Berlin (2007): Mindestlohn für Deutschland nicht sinnvoll, Online: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/55794/07-9-1.pdf, Download vom 09.03.2013

[11] Vgl. George, Roman: a.a.O., S. 50

[12] Vgl. im Folgenden: George, Roman: a.a.O., S. 71 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gesetzlicher Mindestlohn. Ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit oder Richtung Abgrund?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
200501.05
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V292604
ISBN (eBook)
9783656896968
ISBN (Buch)
9783656896975
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mindestlohn, gesetzlicher Mindestlohn, Alternativen zum gesetzlichen Mindestlohn
Arbeit zitieren
Niklas Lohse (Autor), 2012, Gesetzlicher Mindestlohn. Ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit oder Richtung Abgrund?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292604

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