Mit dem Zusammenbruch des amerikanischen Energiekonzerns Enron im Jahre 2001 rückte unter anderem die Bilanzierungspraxis bezüglich der Verwendung von Zweckgesellschaften in den Vordergrund. Enron hatte aus Finanzierungsgründen Vermögensgegenstände und Schulden aus der Konzernbilanz ausgelagert, um die tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage gegenüber den Abschlussadressaten zu verschleiern. Dieses Motiv ist in der Konzernrechnungslegung auch weiterhin ein beliebtes Mittel, um zum Beispiel bestimmte bilanzpolitische Ziele (unter anderem eine Verbesserung der Eigenkapitalquote) zu erreichen.
Neben der Verschleierung der wahren Verhältnisse können Zweckgesellschaften aber auch eingesetzt werden, um alternative Finanzierungswege zu ermöglichen. [...]
Die folgende Arbeit erläutert die Grundlagen zu Zweckgesellschaften. Neben der Begriffsbestimmung beabsichtigt der Verfasser vor allem den Blick auf die Vorteile und die Problematiken eines Einsatzes zu richten. Zur Verdeutlichung sollen dabei drei häufig in der Praxis anzutreffende Anwendungsgebiete (Leasingobjektgesellschaften, Asset-Backed-Securities-Transaktionen, Projektgesellschaften) vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Merkmale
2 Motive für den Einsatz
2.1 Optimierung der Unternehmensfinanzierung
2.2 Konzernbilanzpolitik
2.3 Steueroptimierung
3 Beispielhafte Einsatzgebiete
3.1 Leasingobjektgesellschaften
3.2 Asset-Backed-Finanzierungen
3.3 Projektfinanzierungen
4 Problematiken der Off-Balance-Sheet-Konstruktionen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Grundlagen, Motive und praktischen Anwendungsbereiche von Zweckgesellschaften (Special Purpose Entities) und untersucht kritisch die Problematik der Off-Balance-Sheet-Bilanzierung im Kontext der Konzernrechnungslegung.
- Merkmale und Strukturmerkmale von Zweckgesellschaften
- Finanzielle Motive wie Optimierung der Unternehmensfinanzierung und Bilanzpolitik
- Steuerliche Aspekte beim Einsatz von Zweckgesellschaften
- Leasingobjektgesellschaften, Asset-Backed-Finanzierungen und Projektfinanzierungen als Praxisbeispiele
- Kritische Würdigung der Off-Balance-Sheet-Bilanzierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Asset-Backed-Finanzierungen
Diese alternative Form der Unternehmensfinanzierung ist verwandt mit dem Factoring und erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit. Wurde noch 2004 in Deutschland ein Gesamtvolumen von ABS-Transaktionen in Höhe von 8,0 Mrd. EUR gemessen, so stieg diese Summe im Jahre 2006 auf 37,7 Mrd. EUR.
Bei Asset-Backed-Finanzierungen werden Forderungsbestände, die auf verschiedenen Vereinbarungen beruhen und abtretbar sind – unter anderem Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (aus der originären Geschäftstätigkeit), aus Darlehen, aus sonstigen Verträgen –, gebündelt und in Form von Wertpapieren oder Schuldscheindarlehen verbrieft und an den Kapitalmärkten platziert. Das Unternehmen, welches seine Forderungen veräußern möchte, stellt dabei einen Forderungspool nach bestimmten Kriterien zusammen. Neben der Ermittlung von sicher prognostizierbaren Cashflows auf der Basis von Vergangenheitsdaten sollte es sich um homogene, gegenüber diversen Schuldnern bestehende Forderungen handeln. Damit wird dem Aspekt der Risikodiversifikation Rechnung getragen und die Auswirkungen von ausfallenden Forderungen werden minimiert.
Das zusammengestellte Forderungsportfolio wird an eine neu gegründete SPE verkauft, deren Zweck darin besteht, die Emission der Wertpapiere durchzuführen. Durch den Verkauf geht das Kreditrisiko auf diese Gesellschaft über. Um eine Konsolidierungspflicht beim Sponsor auszuschließen, handelt es sich bei den Eigentümern der SPE um unabhängige Dritte, wodurch eine gesellschaftsrechtliche Verbindung zwischen SPE und Forderungsverkäufer ausgeschlossen wird. Für die Abwicklung dieser Transaktionen sind vor allem Investmentbanken zuständig, die aufgrund von besonders günstigen steuer- und bankaufsichtsrechtlichen Bedingungen den Sitz der Zweckgesellschaft auf die englischen Kanalinseln oder die Cayman Islands legen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Merkmale: Dieses Kapitel definiert Zweckgesellschaften (SPEs) als autonome Einheiten, die zur Erreichung eines eng abgegrenzten Ziels gegründet werden und durch eine vorbestimmte Governance-Struktur charakterisiert sind.
2 Motive für den Einsatz: Hier werden die wesentlichen Gründe für die Nutzung von SPEs beleuchtet, insbesondere die Optimierung der Unternehmensfinanzierung, bilanzpolitische Ziele zur Verbesserung von Kennzahlen und die Steueroptimierung.
3 Beispielhafte Einsatzgebiete: Das Kapitel veranschaulicht den Einsatz von Zweckgesellschaften anhand der drei Praxismodelle Leasingobjektgesellschaften, Asset-Backed-Finanzierungen und Projektfinanzierungen.
4 Problematiken der Off-Balance-Sheet-Konstruktionen: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit der Off-Balance-Sheet-Bilanzierung statt, wobei die Auswirkungen auf die Aussagekraft des Konzernabschlusses und die Konsolidierungsproblematik analysiert werden.
Schlüsselwörter
Zweckgesellschaft, Special Purpose Entity, SPE, Off-Balance-Sheet, Konzernbilanzpolitik, Leasingobjektgesellschaft, Asset-Backed-Finanzierung, Projektfinanzierung, Bilanzneutralität, Konsolidierung, Forderungsverbriefung, Risikodiversifikation, Finanzmarktinstrumente, Unternehmensfinanzierung, Basel II.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Grundlagen, Gestaltungsformen und den damit verbundenen bilanziellen Fragestellungen von Zweckgesellschaften, auch bekannt als Special Purpose Entities (SPEs).
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von SPEs, deren Einsatzmotive in der Unternehmensfinanzierung, die steuerliche Optimierung sowie die Abgrenzung der Bilanzierung zwischen On- und Off-Balance-Sheet-Konstruktionen.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Erläuterung der Grundlagen von Zweckgesellschaften und die kritische Analyse der Vorteile sowie der Problematiken ihres Einsatzes im Kontext der Konzernrechnungslegung.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse internationaler Rechnungslegungsstandards (insbesondere IFRS und US-GAAP) sowie auf die Auswertung von Fachpublikationen und Rechtsprechung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Merkmale von SPEs, die Analyse der Motive (Finanzierung, Bilanzpolitik, Steuern) und die detaillierte Vorstellung von drei Anwendungsgebieten: Leasing, Asset-Backed-Finanzierungen und Projektfinanzierungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Special Purpose Entity, Off-Balance-Sheet-Finanzierung, Bilanzneutralität, Konsolidierungskreis und Projektfinanzierung charakterisiert.
Wie wirkt sich die Nutzung einer Zweckgesellschaft auf die Bilanz eines Unternehmens aus?
Durch die Auslagerung von Vermögenswerten und Schulden auf eine SPE kann das Unternehmen eine bilanzverkürzende Wirkung erzielen, was die Bilanzkennzahlen verbessert, sofern keine Konsolidierungspflicht besteht.
Welche Rolle spielen Rating-Agenturen bei Asset-Backed-Finanzierungen?
Rating-Agenturen bewerten die Qualität des Forderungspools in der SPE, was den Anlegern ein notwendiges Sicherungsinstrument bietet, um Renditeerwartungen und Risiken realistisch einschätzen zu können.
Warum ist das Thema "Konsolidierung" so entscheidend für Zweckgesellschaften?
Die Konsolidierung entscheidet darüber, ob die SPE in den Konzernabschluss einbezogen werden muss. Geschieht dies, entfällt der gewünschte Off-Balance-Sheet-Effekt, weshalb Sponsoren die SPE oft gezielt außerhalb des Konsolidierungskreises gestalten.
Welche Bedeutung hat der Fall Enron für dieses Thema?
Der Zusammenbruch von Enron im Jahr 2001 rückte die missbräuchliche Nutzung von Zweckgesellschaften zur Verschleierung der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in das öffentliche und regulatorische Bewusstsein.
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- Ane Govers (Author), 2007, Grundlagen der Zweckgesellschaft. Merkmale und beispielhafte Einsatzgebiete, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292612