In dieser Arbeit sollen die Bilanzierungsregeln zur Einbeziehung von Zweckgesellschaften nach US-GAAP vorgestellt werden. Dieser Rechtskreis besteht aus einer Ansammlung von Einzelregelungen, die von den Institutionen Securities and Exchange Commission (SEC) und Financial Accounting Standards Board (FASB) entwickelt werden und rechtlich bindend sind. Der wesentliche Zweck der US-GAAP besteht – wie auch nach IFRS – in der Bereitstellung von entscheidungsrelevanten Informationen über die VFE-Lage für die (potentiellen) Investoren. Um diesen Anspruch, der aufgrund von zahlreichen Bilanzskandalen auch in Bezug auf die Bilanzierung von Zweckgesellschaften Schaden nahm, wieder gerecht werden zu können, wurde 2003 vom FASB unter anderem die Financial Interpretation No. 46 (revised) (FIN 46(R)): „Consolidation of Variable Interest Entities“ veröffentlicht. Bevor ausführlich auf diese Norm eingegangen werden soll, wird das allgemeine Anknüpfungsmerkmal für die Konsolidierungspflicht nach US-GAAP erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach US-GAAP
2. Von der Special Purpose Entity (SPE) zur Variable Interest Entity (VIE)
2.1 Konsolidierung von SPEs vor FIN 46(R)
2.2 Definition einer Variable Interest Entity (VIE) nach FIN 46(R)
3. Abgrenzung einer VIE von einer Qualifying-SPE
4. Prüfungsschema zur Konsolidierung einer VIE
4.1 Ausnahmetatbestände
4.2 Identifikation einer VIE
4.3 Bestimmung der Variable Interests an der betrachteten Entity
4.4 Identifikation eines Meistbegünstigten einer VIE
4.5 Ergebnis und kritische Anmerkungen
5. Anhangsangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den Bilanzierungsregeln für Zweckgesellschaften nach US-GAAP, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen der Financial Interpretation No. 46 (revised) (FIN 46(R)). Das primäre Ziel ist es, das Prüfungsschema zur Identifizierung und Konsolidierung von sogenannten Variable Interest Entities (VIE) zu erläutern und kritisch zu hinterfragen, um die Transparenz und Vergleichbarkeit in der Konzernrechnungslegung zu verbessern.
- Grundlagen der Konzernrechnungslegung nach US-GAAP
- Entwicklung von der Special Purpose Entity (SPE) zur Variable Interest Entity (VIE)
- Abgrenzung zwischen Qualifying-SPEs und VIEs
- Detaillierte Analyse des Prüfungsschemas zur Konsolidierung einer VIE
- Anforderungen an Anhangsangaben bei Zweckgesellschaften
Auszug aus dem Buch
2.2 Definition einer Variable Interest Entity (VIE) nach FIN 46(R)
Das FASB begründete die Einführung der FIN 46(R) Anfang 2003 damit, dass das Voting Interest Model nicht alle Fallkonstruktionen erfassen würde und zusätzlich ein Bezug auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten (Variable Interests) zur Feststellung der Beherrschung (Controlling Financial Interest) genommen werden müsse. Die Interpretation soll in den Situationen helfen, in denen bewusst unklare Eigentumsverhältnisse vorliegen. Auf der Basis von Variable Interests, worunter schuld-, eigentumsrechtliche und andere finanzielle Interessen zu verstehen sind, suggeriert es ein Mutter-Tochter-Verhältnis. Das Unternehmen, dass die Mehrheit dieser Variable Interests erhält, wird als „Primary Beneficiary“ (Meistbegünstigter) identifiziert und ist zur Konsolidierung der VIE angehalten.
Ziel der Erweiterung des Control-Begriffs ist eine Verbesserung der Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen in ähnlichen Geschäftsfeldern, vor allem wenn eine Unternehmung Tätigkeiten durch Zweckgesellschaften, die sonst nicht einbezogen werden würden, durchführen lässt.
Eine genaue Definition einer VIE wurde, wie auch bei einer SPE, durch das FASB nicht vorgenommen, vielmehr wurden Kriterien geschaffen, mit denen (jeweils unabhängig voneinander) eine VIE gemäß FIN 46(R).5 identifiziert werden kann:
• Selbständige Überlebensfähigkeit
• Treuhand-Kriterium
• Nicht-proportionale Verteilung der Stimmrechte
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach US-GAAP: Dieses Kapitel legt die Basis für das Verständnis der externen Rechnungslegung nach US-GAAP, wobei das Weltabschlussprinzip und die Notwendigkeit des Konzernabschlusses hervorgehoben werden.
2. Von der Special Purpose Entity (SPE) zur Variable Interest Entity (VIE): Hier wird die historische Entwicklung der SPE-Bilanzierung unter dem Einfluss des Enron-Skandals bis hin zur Einführung der FIN 46(R) zur Identifizierung von VIEs beschrieben.
3. Abgrenzung einer VIE von einer Qualifying-SPE: Dieses Kapitel erläutert, wie zwischen den bisherigen Qualifying-SPEs (nach SFAS 140) und den unter FIN 46(R) fallenden VIEs unterschieden wird.
4. Prüfungsschema zur Konsolidierung einer VIE: Das Kernkapitel erläutert schrittweise den Prozess zur Identifizierung einer VIE und zur Bestimmung des Meistbegünstigten, inklusive kritischer Anmerkungen zur Anwendung.
5. Anhangsangaben: Abschließend werden die spezifischen Informationspflichten im Anhang dargelegt, die Unternehmen erfüllen müssen, wenn sie eine VIE konsolidieren oder wesentliche Beziehungen zu einer solchen unterhalten.
Schlüsselwörter
Zweckgesellschaften, US-GAAP, Konzernabschluss, Variable Interest Entity, VIE, FIN 46(R), Konsolidierung, Special Purpose Entity, SPE, Controlling Financial Interest, Primary Beneficiary, Meistbegünstigter, Risikobeurteilung, Bilanzierung, Cashflow-Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Bilanzierungsregeln für Zweckgesellschaften unter US-GAAP, insbesondere unter Berücksichtigung der strengeren Konsolidierungsvorschriften durch FIN 46(R).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von Zweckgesellschaften, die Identifikation von Variable Interest Entities (VIEs) und die Bestimmung eines Meistbegünstigten für die Konsolidierungspflicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Prüfungsschema zur Konsolidierung von Zweckgesellschaften transparent darzustellen und die praktische Anwendbarkeit sowie die Auswirkungen der US-amerikanischen Regelungen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf der Auswertung von Rechnungslegungsstandards (FIN 46(R), SFAS 140) und relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundsätze der Konzernrechnungslegung, die Entwicklung hin zur VIE-Bilanzierung, die Differenzierung von QSPEs sowie eine detaillierte schrittweise Erläuterung des Prüfungsschemas zur Konsolidierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zweckgesellschaften, US-GAAP, FIN 46(R), Konsolidierung, Variable Interest Entity und der Meistbegünstigten-Ansatz.
Warum wurde die FIN 46(R) eingeführt?
Die Interpretation wurde als Reaktion auf Bilanzskandale wie Enron eingeführt, da die vorherigen Regelungen Konstruktionen ermöglichten, die eine unzulässige Vermeidung der Konsolidierung von Zweckgesellschaften erlaubten.
Was bedeutet das "Treuhand-Kriterium" im Zusammenhang mit einer VIE?
Es beschreibt einen Zustand, in dem den Eigenkapitalgebern einer Gesellschaft die klassischen Merkmale der Beherrschung (Kontrolle, Verlusttragung, Recht auf Überschüsse) fehlen, wodurch sie de facto als Treuhänder für andere Parteien agieren.
Welche kritische Anmerkung äußert der Verfasser zum quantitativen Konzept?
Der Verfasser ist skeptisch, ob das regelbasierte System Manipulationen vollständig ausschließen kann, und plädiert daher für eine ganzheitliche Betrachtung von qualitativen und quantitativen Merkmalen.
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- Ane Govers (Author), 2007, Die Bilanzierung von Zweckgesellschaften nach US-GAAP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292614