Psychogramm der Hauptfigur in Alfred Döblins "Die Ermordung einer Butterblume"


Ausarbeitung, 2013

4 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Alfred Döblin - Die Ermordung einer Butterblume

1) An welchen Stellen zeigt sich am deutlichsten, dass es dem Autor um ein „Psychogramm“ seiner Hauptfigur geht?
2) Zeigen Sie, wie die Blume in den Augen des „Täters“ allmählich zu einer Person wird.
3) Wie beurteilen Sie den Ausgang der Erzählung?

Frage 1

Schon zu Beginn der Kurzgeschichte „Die Ermordung einer Butterblume“ von Alfred Döblin, der in mehreren Psychiatrien gearbeitet hatte[1], wird deutlich, dass der Protagonist psychisch labil zu sein scheint. Zuerst wird er als Mensch mit unnatürlichen Bewegungen beschrieben, kurz darauf bekommt er einen gänzlich unbegründeten Wutanfall, als er die Blumen „ermordet“ (vgl. I)[2]. Sowohl die Umgebung (vgl. I) als auch seine Gliedmaßen (vgl. II) scheinen ein von ihm unabhängiges Eigenleben zu führen und bewegen sich autonom. Es fehlen jegliche Possessivpronomen, die Arme und Beine mit ihm in Verbindung bringen. Als Konsequenz seiner eigenständigen Körperteile hat Michael Fischer den Impuls, sich selbst zu verletzen, sticht dann aber in einen Baum - seine Umgebung nimmt er als bedrohlich und entfremdet wahr (vgl. V).

Über Michael Fischer als Menschen erfährt der Rezipient wenig, lediglich Aussehen und Beruf werden andeutungsweise erläutert; sonstige biographische Bezüge gibt es nicht. Herr Fischer ist eine durchschnittliche Alltagsperson, die die Normen der Zeit internalisiert hat. Er bemüht sich um Selbstdisziplinierung und autoritäres Auftreten, das sowohl gegen andere als auch teilweise gegen sich selbst gerichtet wird (vgl. III).

Der anfängliche Ausbruch wird in seinem Kopf schnell auf absurde, verzerrte Art und Weise als Mord an den Blumen uminterpretiert. Die vermeintliche Tat an der speziellen Blume geschiehtjedoch gar nicht, er phantasiert sich den Vorgang zusammen. In seiner subjektiven Empfindung als Ermordung wird der austretende Pflanzensaft zum Blut der Blume. Das endgültige Zeichen dafür, dass es sich bei Herrn Fischer um einen mental instabilen Menschen handelt, ist die Verleihung eines Namens für die ausgedachte, ermordete Butterblume.

Sein Selbstbild und die Gemütslage changieren allerdings stark. Als er „Ellen“, seine Blume, sucht, bezeichnet er sich als „Samariter“ (VI), obgleich sein Verhalten an mehreren Stellen der Geschichte eindeutig sadistische Züge aufzeigt. Dies beweist er kurz darauf, als er erneut auf die Pflanzen einhaut, um Ellen zu finden (vgl. VII) und diese Handlung vor sich selbst als sein gutes Recht legitimiert (vgl. VIII).

Die skurrilen Bewegungen, die er zu Beginn der Geschichte machte, werden später verstärkt dargestellt. Gestik und Mimik Fischers spiegeln seinen Geisteszustand external wieder (vgl. IX). Für ihn ist der Mord an der Blume inzwischen genauso schwerwiegend wie es der Mord an einem Menschen wäre. Er hofft, dass dies alles nur ein Traum war und auch der Leser kann sich nie sicher sein, was in seinem Kopf geschieht und was nicht. Ob es sich hierbei nur um einen Traum handelt ist also offen aber zugleich auch irrelevant, weil die Auswirkungen auf die Psyche des Protagonisten real sind.

Die Blume, die einen Namen erhalten hat, wird weiter vermenschlicht, in dem sie Opfergaben gleich ein Konto und tägliches Essen erhält (vgl. XI). Auch Selbstmordgedanken hegt er auf Grund des Ereignisses. Dennoch hält die tote Blume genauso positive Aspekte für ihn bereit, denn Michael Fischer kann zum ersten Mal seit seiner Kindheit wieder weinen. Er siehtjetzt die Schönheit der Welt und da sie ihm genommen wurde, entwickelt er auf Ellen, die ihm dieser Schönheit beraubte, Hass. So wird sie zur Schuldigen, während er davor die Last der Schuld trug (vgl. XI).

Im Verlauf der Geschichte projiziert er seine Schuldgefühle auf die Ersatzblume, die zur Kompensation und Buße dient. Er räumt ihr Platz in seinem Leben ein, macht sie gar zum Zentrum dessen, hat aber, wie schon bei Ellen, ein sehr ambivalentes Verhältnis zur der zweiten Blume. Er arrangiert sich mit der Situation, freut sich dennoch, wenn eine der beiden Blumen leidet (vgl. XIII).

[...]


[1] vgl. www.alfred-doeblin.de

[2] Da der Autorin dieses Textes nur die pdf-Version vorliegt, werden alle Verweise den Einteilungen mit den römischen Zahlen folgend gemacht und nicht den Seitenzahlen

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Psychogramm der Hauptfigur in Alfred Döblins "Die Ermordung einer Butterblume"
Hochschule
Universitat de Barcelona
Veranstaltung
Viena 1900 - Berlin 1920: Avantguardes Alemanyes
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
4
Katalognummer
V292616
ISBN (eBook)
9783656897781
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alfred, döblin, ermordung, butterblume
Arbeit zitieren
Isabella Caldart (Autor), 2013, Psychogramm der Hauptfigur in Alfred Döblins "Die Ermordung einer Butterblume", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292616

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