Die Entwicklung der Mediation und Konfliktmanagement


Akademische Arbeit, 2014
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Um unsere Gegenwart zu verstehen kann es nützlich sein, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Mediation und Konfliktmanagement haben in Deutschland seit den 1980er Jahren eine weite Verbreitung erfahren und werden nicht zuletzt mithilfe des Mediationsgesetzes fest in der Gesellschaft verankert. Auch wenn die Mediation hierzulande eine recht neue Errungenschaft darstellt, greift sie auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, in der sich Vermittler für die Lösung von Konflikten einbringen. Diese Praktiken lassen sich in vielen Kulturen in verschiedenen Ausprägungen beobachten.

Auf den folgenden Seiten wird der Versuch unternommen, einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung von Mediation und Konfliktmanagement zu geben, ihren Weg von der Antike über Asien und den USA bis hin zu Europa zu zeichnen, in der Hoffnung, so vielleicht ein anderes Licht auf die Mediation in unseren Breiten zu werfen und ihr eine zusätzliche Legitimation zu verschaffen.

Konflikte sind uns auch in der modernen Welt nicht fremd: Der Nahost-Konflikt beherrscht seit Jahrzehnten die Berichterstattung. Konfliktberater und MediatorInnen werden auch auf großer politischer Bühne für Konsultationen herangezogen und versuchen für Annäherungen bei verhärteten Fronten zu sorgen. Weltweit scheinen sich Konflikte auszuweiten, Völker der arabischen Welt widersetzen sich im sogenannten „Arabischen Frühling“ ihren Regimen, in Syrien tobt seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg und die Ost-Ukraine votiert in Referenden für die Abspaltung vom Rest des Landes. Konflikte scheinen unausweichlich.

Mediation und Konfliktmanagement im Antiken Griechenland

Platon würde diese Entwicklung vermutlich nicht überraschen. Er sah den Krieg als zum Menschen gehörig, ja eigentlich als zutiefst menschlich an. Insbesondere den Kampf um Ressourcen wie z.B. Land sah er als Auslöser für Konflikte. Eine große Errungenschaft der Antike jedoch ist die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, die in der Polis eine konkrete Form fand. In der Polis galt jeder freie, männliche Bürger prinzipiell als gleichberechtigt und öffentliche Debatten prägten den Alltag der griechischen Politik. Diese Umgebung der offenen Kommunikation und des Ideals der Gleichheit, schufen eine Atmosphäre, in der Konflikte - nach unserem heutigen Sinne - auf humanem Wege, ohne Waffengewalt, gelöst werden konnten. Hier wurden bereits die Grundlagen für die moderne Mediation gelegt, auch wenn es Vermittler zwischen Interessensgruppen sicherlich seit Anbeginn der Menschheit gegeben hat.

Platon behandelt die Existenz und Notwendigkeit von Krieg und Frieden in seinen Werken Politeia und Nomoi. Krieg betrachtet er, wie bereits erwähnt, als ein unabänderliches Faktum, Frieden hingegen „war ein Segen für den Bürger eines Staates, der es möglich machte, ein gutes und sittsames Leben zu führen“ (vgl. Spiegel, S. 203). Während äußere Bedingungen der Polis, die Begegnung mit Barbaren, zu Kriegen führen können, gelten Platon und Aristoteles das Innere der Polis, der Disput und die Diskussion unter zivilisierten Menschen als Voraussetzung von friedlichem Leben. Die Herstellung von Ruhe und Frieden gilt in der Athener Gesellschaft als „das Beste“, an dem der Gesetzgeber sich orientieren sollte (Newman, S. 234). Somit überrascht es nicht, dass die Herkunft des Wortes Mediation, dem griechischen Wort für „Vermittlung“ entstammt.

Mediation in Asien

Die Mediation strebt seit jeher einem Ausgleich, den Zustand der Harmonie an, die in vielen Kulturen ein Ideal mit einer langen Tradition darstellt. Während hierzulande ein Ursprung der Mediation oft in den Vereinigten Staaten gesehen wird, nicht zuletzt auch wegen des so populären Harvard-Konzeptes von Roger Fisher und William L. Ury (vgl. Fisher / Ury 1981), ist diese Art der Verhandlungsführung ein Export aus Fernost. Chinesische Einwanderer regelten die Konflikte in ihren neuen Gemeinden, wie sie es aus der Heimat gewohnt waren. Eine ausgleichende und harmonische Geisteshaltung stellt in vielen asiatischen Gesellschaften ein hohes Ideal dar. Der größte chinesische Philosoph, Konfuzius (ca. 500 v. Chr.), prägte das asiatische Sozialleben wie kein anderer. Nach der Öffnung der chinesischen Märkte für den internationalen Handel wird die konfuzianische Lehre oftmals zur Begründung der starren sozialen Hierarchien herangezogen, hierbei wird verkannt, dass Konfuzius insbesondere die soziale Bewegung zum Ideal erhoben hat.

Als höchstes Ziel der konfuzianischen Lehre gilt der Zustand der Harmonie, erreicht durch die Achtung der Menschen voreinander (vgl. Zotz, S. 98 f.). Eine achtsame Geisteshaltung und gegenseitiger Respekt sind bis zum heutigen Tage wichtige Voraussetzungen für das Gelingen einer Mediation. Das Streben nach Harmonie stellt auch heute noch einen wichtigen Aspekt in vielen asiatischen Gesellschaften dar. Insbesondere in China und Japan sind Konflikte negativ konnotiert; somit können offen ausgetragene Konflikte zum Gesichtsverlust beider Seiten führen. Seit jeher bietet sich der ausgleichende, lösungsorientierte Ansatz der Media-tion, indem die Gesichtswahrung beider Parteien an oberster Stelle steht, in konfuzianisch geprägten Gesellschaften an. Kompromisse sind, aufgrund des hohen Stellenwertes des Gemeinwohls, erstrebenswerter, als das persönliche Recht durchzusetzen. Der Ausbruch von offenem Streit gilt gar als Zeichen der Bildungsferne und der Zugehörigkeit zu niederen Gesellschaftsschichten. Die Einleitung eines offiziellen Gerichtsverfahrens stellt eine Beleidigung des Gegenübers dar, daher sind Mediatoren und Schlichtungsstellen, z.B. in den asiatischen Gesellschaftsformen weit verbreitet. Ähnliche Mediationsgedanken sind aus den gleichen Gründen in Japan verwurzelt, wobei sich der Einsatz einer Mediation auf den privaten und auch auf den geschäftlichen Bereich erstreckt. Hier fungieren firmeninterne Anlaufstellen und Konfliktberater als Alternative zu den als ineffizient empfundenen Zivilgerichten. Mediation bedeutet hier Eigenverantwortung und Diskretion, in der ökonomische und persönliche Gesichtspunkte berücksichtig werden können.

Ursprünge der Mediation in Europa

Der europäische Kontinent blickt auf Jahrhunderte kriegerischer Auseinandersetzungen zurück, die zumeist aus territorialen Ansprüchen einzelner Herrschaftshäuser entstanden sind. Die starke Macht der Kirche brachte einen zusätzlichen Konkurrenten um die Ressourcen auf den Plan. Eine große Friedensbewegung der europäischen Geschichte sah einen von der Katholischen Kirche entsandten Mediatoren vor: Fabio Chigi - der spätere Papst Alexander VII - wurde 1648 vom damaligen Papst Innozenz X. nach Westfalen geschickt, um als Vermittler zwischen den am 30-jährigen Krieg beteiligten weltlichen Mächten zu fungieren. In zähen Verhandlungen, die sich über Monate hinweg zogen, kamen die europäischen Herrscher erstmals zu einer Gesamtkonferenz zusammen. Chigi beriet sich abwechselnd in Münster und Osnabrück mit den jeweiligen Herrschern, bis schließlich zwei Friedensverträge zwischen Kaiser Ferdinand II und König Ludwig XIV von Frankreich und Christina, der Königin von Schweden, geschlossen wurden (vgl. Ortlieb u. Durchhardt, S.120 ff.).

Der sogenannte Westfälische Frieden markiert einen Meilenstein in der Mediationsgeschichte und nimmt vielleicht auch die sogenannte „Shuttle-Mediation“ (vgl. Faller, K. / Attari, S, S.38) vorweg, in der der Mediator zwischen den räumlich getrennten Medianden vermittelt. Flavio Chigi ging jedoch nicht mit den Friedensverträgen d’accord, bedeuteten sie doch auch Kompromisse für die Katholische Kirche, denen sich sein Auftraggeber, der Papst, entschieden verweigerte. Chigi befand sich demnach in einer misslichen Lage, vor der sich auch heutige Mediatoren noch hüten müssen: zum Spielball der Mächte und somit zu einem Teil des Konfliktes zu werden. Irland ist das erste europäische Land, in dem sich der Mediationsgedanke zu verbreiten begann. Da nach der Neuordnung der englischen Zivilprozessordnung (Civil Procedure Rules) von 1999 der Gerichtsprozess nur ultima ratio sein darf, sind die Parteien und Gerichte verpflichtet, alle Möglichkeiten einer außergerichtlichen Einigung, einschließlich der Mediation auszuschöpfen. In Frankreich wurde das 1995 erlassene Media-tionsgesetz ein Jahr später in die französische Prozessordnung integriert. In Österreich wurde 2002 ein Mediationsgesetz erlassen.

Entwicklung in den USA

Mediative Gedanken sind keine Erfindung der US-Amerikaner, wie bereits gezeigt wurde, reichen die Ursprünge der Streitvermittlung über 2000 Jahre zurück und wurzeln in mehreren Ländern und Kulturen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Mediation in den USA als alternative Konfliktlösungsmethode wiederentdeckt und nimmt dort heute einen breiten Raum in der außergerichtlichen Konfliktbeilegung ein.[1] In den Vereinigten Staaten ist das Media-tionsverfahren bereits zur Zeit der Kolonialisierung Bestandteil der Streitkultur. Bei außergerichtlichen Streitbeilegungen gab es anerkannte Mitglieder der Gesellschaft, die in Streitfällen Vermittler-Rollen übernahmen (Duve, 1998).

Diese Form der alternativen Konfliktbeilegung (im Englischen die sog. „Alternative Dispute Resolution“, kurz ADR) entwickelte sich aufgrund von wachsender Kritik beim Umgang mit Konflikten. Kritisiert wurde in den USA insbesondere, dass durch die Entscheidung von oftmals langen und kostspieligen Gerichtsverfahren wiederum neue Kontroversen entstanden, die nochmals gerichtlich geklärt werden mussten. In einem Mediationsverfahren hingegen, können sämtliche (Neben-) Aspekte eines Konflikts geklärt werden.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung von Mediation in den USA war ursprünglich die Suche nach einer Alternative zu Gerichtsprozessen. Der US-amerikanische Kongress hat folglich die ersten gesetzlichen Grundlagen geschaffen, damit auch bei Arbeitskonflikten Mediation erfolgreich eingesetzt werden konnte. Inzwischen hat sich in den Vereinigten Staaten die Mediation als Methode zur Konfliktlösung soweit etabliert, dass sie sogar teilweise als Vorverfahren zur gerichtlichen Auseinandersetzung gesetzlich vorgeschrieben wird. Der Verfahrensweg über die Gerichte wird dagegen meist als zu langwierig, kostenintensiv, starr und unpersönlich angesehen.[2] Zusätzliche wichtige Einflüsse waren zum einen die Bürgerrechtsbewegung, die nach einer Möglichkeit zur schnellen Beilegung von Streitigkeiten außerhalb des staatlichen Systems suchte, und zum anderen eine Reihe von heftigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern/-gebern (Barauch Bush / Folger, 1994) die dazu führten, dass die Mediation verstärkt in der politischen Konfliktbeilegung (wie z.B. Bürgerrechtsbewegung) angewandt wurde.

[...]


[1] Was ist Mediation? Kurzer Exkurs in die Geschichte: http://www.kanzlei-silke-vogel.de/

[2] http://www.geschichte-der-mediation.de/hp5/Geschichte-der-Mediation.htm

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Mediation und Konfliktmanagement
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V292690
ISBN (eBook)
9783656898023
ISBN (Buch)
9783656898030
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Konfliktmanagement
Arbeit zitieren
Cemal Sari (Autor), 2014, Die Entwicklung der Mediation und Konfliktmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292690

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