Mediative Gedanken sind keine Erfindung der US-Amerikaner, wie bereits gezeigt wurde, reichen die Ursprünge der Streitvermittlung über 2000 Jahre zurück und wurzeln in mehreren Ländern und Kulturen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Mediation in den USA als alternative Konfliktlösungsmethode wiederentdeckt und nimmt dort heute einen breiten Raum in der außergerichtlichen Konfliktbeilegung ein. In den Vereinigten Staaten ist das Media-tionsverfahren bereits zur Zeit der Kolonialisierung Bestandteil der Streitkultur. Bei außergerichtlichen Streitbeilegungen gab es anerkannte Mitglieder der Gesellschaft, die in Streitfällen Vermittler-Rollen übernahmen (vgl. Duve, 1998).
Inhaltsverzeichnis
Mediation und Konfliktmanagement im Antiken Griechenland
Mediation in Asien
Ursprünge der Mediation in Europa
Entwicklung in den USA
Mediation in Deutschland
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen historischen Überblick über die Entwicklung von Mediation und Konfliktmanagement zu geben, um deren Ursprünge von der Antike über Asien und die USA bis hin zu Europa aufzuzeigen und so die Legitimation dieses Verfahrens in der modernen Gesellschaft zu stärken.
- Historische Herleitung der Mediation aus antiken und konfuzianischen Wurzeln.
- Analyse der Verbreitung und Institutionalisierung der Mediation in den USA.
- Betrachtung der europäischen Entwicklung des Konfliktmanagements.
- Einsatzfelder und Bedeutung der Mediation im deutschen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
Mediation in Asien
Die Mediation strebt seit jeher einem Ausgleich, den Zustand der Harmonie an, die in vielen Kulturen ein Ideal mit einer langen Tradition darstellt. Während hierzulande ein Ursprung der Mediation oft in den Vereinigten Staaten gesehen wird, nicht zuletzt auch wegen des so populären Harvard-Konzeptes von Roger Fisher und William L. Ury (vgl. Fisher / Ury 1981), ist diese Art der Verhandlungsführung ein Export aus Fernost. Chinesische Einwanderer regelten die Konflikte in ihren neuen Gemeinden, wie sie es aus der Heimat gewohnt waren. Eine ausgleichende und harmonische Geisteshaltung stellt in vielen asiatischen Gesellschaften ein hohes Ideal dar. Der größte chinesische Philosoph, Konfuzius (ca. 500 v. Chr.), prägte das asiatische Sozialleben wie kein anderer. Nach der Öffnung der chinesischen Märkte für den internationalen Handel wird die konfuzianische Lehre oftmals zur Begründung der starren sozialen Hierarchien herangezogen, hierbei wird verkannt, dass Konfuzius insbesondere die soziale Bewegung zum Ideal erhoben hat.
Als höchstes Ziel der konfuzianischen Lehre gilt der Zustand der Harmonie, erreicht durch die Achtung der Menschen voreinander (vgl. Zotz, S. 98 f.). Eine achtsame Geisteshaltung und gegenseitiger Respekt sind bis zum heutigen Tage wichtige Voraussetzungen für das Gelingen einer Mediation. Das Streben nach Harmonie stellt auch heute noch einen wichtigen Aspekt in vielen asiatischen Gesellschaften dar. Insbesondere in China und Japan sind Konflikte negativ konnotiert; somit können offen ausgetragene Konflikte zum Gesichtsverlust beider Seiten führen. Seit jeher bietet sich der ausgleichende, lösungsorientierte Ansatz der Mediation, indem die Gesichtswahrung beider Parteien an oberster Stelle steht, in konfuzianisch geprägten Gesellschaften an. Kompromisse sind, aufgrund des hohen Stellenwertes des Gemeinwohls, erstrebenswerter, als das persönliche Recht durchzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Mediation und Konfliktmanagement im Antiken Griechenland: Das Kapitel erläutert die philosophischen Grundlagen der Mediation bei Platon, für den der Disput unter zivilisierten Menschen eine Voraussetzung für ein friedliches Leben darstellte.
Mediation in Asien: Dieser Abschnitt beschreibt das Streben nach Harmonie als zentrales konfuzianisches Ideal, das in asiatischen Kulturen als Grundlage für lösungsorientierte Konfliktvermittlung dient.
Ursprünge der Mediation in Europa: Hier wird der historische Kontext der europäischen Mediation beleuchtet, wobei der Westfälische Friede als bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Vermittlung hervorgehoben wird.
Entwicklung in den USA: Das Kapitel analysiert die Etablierung der Mediation in den Vereinigten Staaten als alternative Konfliktlösungsmethode (ADR) infolge von Bürgerrechtsbewegungen und wirtschaftlicher Notwendigkeit.
Mediation in Deutschland: Dieser Teil beschreibt die zunehmende Verbreitung und Professionalisierung der Mediation in Deutschland seit den 1980er Jahren in verschiedenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktmanagement, Alternative Dispute Resolution, ADR, Westfälischer Friede, Harvard-Konzept, Harmonie, Konfliktlösung, Geschichte, Deutschland, USA, Antike, Konfuzius, Wirtschaftsmediation, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die kulturellen sowie gesellschaftlichen Wurzeln von Mediation und Konfliktmanagement von der Antike bis in die moderne Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die antike Philosophie, die konfuzianische Harmonievorstellung, die Entstehung der ADR-Verfahren in den USA sowie die Etablierung der Mediation in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historische Kontinuität und Legitimation des Mediationsgedankens aufzuzeigen und ein besseres Verständnis für seine Anwendung in der heutigen Gesellschaft zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse und dem Literaturvergleich, um die Entwicklung der Mediation in verschiedenen geographischen und zeitlichen Kontexten nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der antiken Wurzeln, der asiatischen Harmoniekonzepte, der europäischen Friedensgeschichte, der US-amerikanischen ADR-Entwicklung und der aktuellen Situation der Mediation in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediation, Konfliktmanagement, Harvard-Konzept, Geschichte der Mediation, ADR-Verfahren und Harmoniestreben.
Inwiefern hat der Westfälische Friede die Mediation geprägt?
Er gilt als ein Meilenstein der Mediationsgeschichte, da er erstmals die Vermittlung zwischen verfeindeten Mächten durch neutrale Parteien in großem politischen Rahmen institutionalisierte.
Warum spielt das „Harvard-Konzept“ eine so wichtige Rolle?
Es dient als zentrales Leitbild für die moderne Mediation, da es wissenschaftliche Grundlagen für Verhandlungstechniken liefert, die weltweit Anwendung finden.
Welche Rolle spielt die Gesichtswahrung in der asiatischen Mediation?
Da Konflikte in vielen asiatischen Gesellschaften negativ konnotiert sind, ist die Wahrung des Gesichts für beide Parteien ein vorrangiges Ziel, das durch Mediation besser erreicht werden kann als durch gerichtliche Auseinandersetzungen.
Was unterscheidet die moderne Mediation von traditionellen Konfliktlösungen?
Die moderne Mediation fokussiert sich primär auf die Gestaltung des Kommunikationsprozesses (das „Setting“) und die Fairness, während die inhaltliche Verantwortung für eine Lösung bei den Konfliktparteien selbst verbleibt.
- Citation du texte
- Cemal Sari (Auteur), 2014, Die Entwicklung der Mediation und Konfliktmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292690