Praktische Erfahrungen und philosophische Reflexionen über Schönheit

Mit Beispielen


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

I. Was ist Schönheit?

II. Schönheit in der Kunst
1. Schönheit vs. Hässlichkeit
2. Schön trotz Hintergrund?

III. Schönheit im Alltag
1. Natur
2. Kunst

IV. Zusammenfassung und persönlicher Kommentar

V. Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Literaturverzeichnis
2. Internetquellen

I. Was ist Schönheit?

Schon seit wir denken können ist die Frage „Was ist Schönheit?“ oder „Was ist Kunst?“ da gewesen. Und bis heute konnte man keine klare Antwort darauf finden. Wenn man also die Ästhetik aus philosophischer Sicht betrachten will, muss man erst einmal feststellen, was ist schön und was nicht. Somit muss man sich leider zu Anfangs schon mit einer der schwierigsten Fragen beschäftigen, um sich anderen Themen oder Fragen anzunähern. Schnell wird jedoch klar, dass man nicht der erste Mensch auf Erden sein wird, der die Antwort in zwei Sätzen zusammenfassen kann. Deshalb ist es geschickter zunächst zu definieren welche Punkte zu beachten sind. Wenn man mehrere Personen von verschiedenen Orten diese Frage stellt, bemerkt man als Erstes, dass Schönheit gewiss kulturabhängig ist. Während zum Beispiel bei uns weiße Zähne als absolutes Schönheitsideal gelten und wir alles dafür tun, ist es „n icht so beispielsweise im Japan der Heian-Zeit; schwarze Zähne waren dort gewollt und ein Attribut von Schönheit“1. Und das ist nur einer von vielen Unterschieden zu anderen Kulturen.

Doch nicht nur die verschiedenen Orte sind entscheidend. Ebenso spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Was heute als schön gilt, kann früher abstoßend gewesen sein. Diese Schnelllebigkeit zeigt sich vor Allem natürlich in der Mode und in Trends. Aber auch in der Kunst sieht man eine große Veränderung. Früher wurde noch versucht alles genau nach dem Original abzubilden oder nur minimal zu verändern. So galten detailgetreue Porträts als Meisterwerke. Im Laufe der Zeit und durch Expressionismus, Kubismus und viele weiteren Kunstrichtungen hat sich das bis heute geändert. War es im Barock beispielsweise noch undenkbar gewesen ein blaues Viereck als Kunstobjekt zu bezeichnen, ist genau diese Freiheit, seine eigenen Gedanken hinein zu interpretieren zu können, ein Zeichen für ein gelungenes Kunstwerk. Folglich ist nicht nur die Kultur sondern ebenfalls die Zeit zu beachten.

Wenn man nun beide Punkte betrachtet ist der wichtigste Faktor nicht mehr verwunderlich: Schönheit ist subjektiv. Zwar werden einige Meinungen von der Gesellschaft oder den Medien beeinflusst, trotzdem ist Schönheit ein Geschmacksurteil und über „Geschmack kann man streiten, das liegt in der Natur der Sache“2. Also müssen die Meinung nicht immer übereinstimmen.

So wurden auch in unserem Seminar „Schönheit?! Einführung in die Grundfragen philosophischer Ästhetik“ über verschiedene Meinungen zahlreiche Diskussionen geführt. Auf einige möchte ich nun näher eingehen und versuchen der Fragestellung zumindest ein wenig auf den Grund zu gehen.

II. Schönheit in der Kunst

1. Schönheit vs. Hässlichkeit

Meist hat jeder eine Meinung ob er etwas schön oder hässlich findet. Doch was ist nun mit zum Beispiel Gemälden, die mit Absicht nicht „schön“ im Sinne der gesellschaftlichen Vorstellungen sind?

Sieht man sich „Guernica“ von Pablo Picasso aus dem Jahre 1937 genauer an, bemerkt man auf den ersten Blick, dass er hier nicht der Schönheit im klassischen Sinne folgt.

Auf Anhieb fällt einem die fehlende Farbe auf. Alles wirkt sehr grau und düster. Man erkennt keinen wirklichen Raum, sondern Tiere, Figuren, Menschen und Dinge. Sie scheinen einfach übereinander gemalt worden zu sein. Die einzige Lichtquelle in diesem Zimmer ist eine Lampe an der Decke und ein kleines Fenster an der rechten Wand. Dort versuchen sich Flammen in den Raum zu zwängen, was bedeutet, dass nicht nur Innen sondern auch Außen Chaos herrscht. Links hält eine verzweifelte Frau ihr totes Kind in den Armen, während Rechts eine Person in Panik ausbricht. Auf dem Boden liegt eine zerbrochene Statue, die ein Symbol für viele gestorbene Menschen ist. Der Körper des Pferdes in der Mitte scheint aus Zeitungsartikeln zu bestehen. Aus einer Tür oder einem Fenster erstreckt sich eine Hand in den Raum und hält eine Kerze in der Hand. Man hat das Gefühl, diese Person, zu der diese Hand gehört, möchte nach dem Rechten sehen. Doch in Ordnung ist hier nichts. Das gesamte Bild strahlt pure Verzweiflung, Durcheinander und Trauer aus. Eine zarte Blume wächst aus den Händen der zerstörten Statue - das einzige Schöne an diesem Gemälde.

Allerdings ist es genau das, was Picasso auch ausdrücken wollte. „Die Deutungen der einzelnen Figuren gehen bei den verschiedenen Interpreten weit auseinander“4. Jedoch „schön“ sollte dieses Bild auf keinen Fall wirken. Picasso wollte den Schmerz der Opfer im Guernica-Krieg festhalten und der Welt zeigen. Und genau das schafft er mit diesem Bild. Ist es also dennoch künstlerisch wertvoll, wenn nicht sogar trostspendend, obwohl es nicht ästhetisch ist? Kann es sein, „dass ein Objekt also schön sein kann, gerade weil es unmoralisch [...]“5 oder einfach nur „anders“ ist?. Hier haben wir ein Gemälde das den Idealen keineswegs entspricht und dennoch gilt es als eines der Meisterwerke Picassos. Er hätte genauso gut das Schrecken des Kampfes dokumentieren können, indem er eine Szene zwischen Krieger festhält, diese jedoch im klassischen Sinne malt. Allerdings wollte er genau mit dieser Maltechnik, mit diesem „perspektivisch verzogenen“6 Raum und dem „monochrom wirkenden Bildes“7 nicht im gewohnten Sinne malen, sondern eben, durch den Einfluss des Kubismus, die Menschen aufwecken, wachrütteln und auf eine andere Art begeistern als ein Bild einer schönen Blumenwiese.

So stellten wir uns auch im Seminar der Frage, wie das nun mit Schönheit und Hässlichkeit ist.

Zunächst einmal kamen wir zu dem Entschluss, dass man nicht alles als „schön“ betiteln kann. Es gibt viele verschiedene Adjektive, die „Schönheit“ beinhalten: interessant, gut, spannend oder auch attraktiv. So kann eine entspannte und ruhige Landschaft genauso beeindruckend für jemanden sein wie ein melancholisches aber zugleich tröstendes Lied. Zum Beispiel gibt es „schlechte“ Dinge, wie den persönlichen Druck, den man aber auch als „gut“ empfinden kann, da man sich sonst nicht aufraffen würde. Also kann man nicht sagen der Druck ist an sich „schön“, dennoch ist er nützlich, anspornend und fördernd. Und somit kann man letztendlich sagen ein Kriegsbild ist nicht schön, aber voller Kraft und Energie. Jedoch kann der Druck genauso blockieren, das Gemälde, das von Krieg handelt, erdrückend sein.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er als schön oder eher positiv beziehungsweise hässlich oder eher negativ sieht.

2. Schön trotz Hintergrund?

Wie bei der Frage „Was ist Schönheit“ schon angeschnitten wurde, ist es ein Fakt, dass jeder Gegenstand oder jede Person einen Hintergrund hat. Dieser kann räumlich, zeitlich oder ebenso kulturell sein. Gehen wir noch einmal zurück zu Picasso und „Guernica“. Denn das „Bild […] hat eine bewegte Wirkungsgeschichte [...]“8: „Guernica ist der Name einer baskischen Kleinstadt, deren Bewohner am 26. April 1937 Opfer eines massiven Flugzeugangriffs der mit den Franco-Truppen verbündeten deutschen „Legion Condor“ wurden. Picasso, der den Auftrag hatte, zur Weltausstellung 1937 ein großes Wandbild für den spanischen Pavillon zu malen, machte die Erinnerungen an Guernica und die Schrecken des Krieges zum Inhalt seines Bildes“.9

Dass Picassos Werk interessant und ergreifend ist, ist unumstritten. Ist es nun aber trotz oder genau wegen diesem Hintergrund so spannend? Wenn keine historische Geschichte dahinterstecken würde, wie würden es die Menschen dann betrachten? Leider kann man das im Nachhinein nicht feststellen. Eines weiß man jedoch trotzdem: Trotz dem schlimmen Schicksal, dass das Gemälde thematisiert, zeigt es nicht nur Schmerz sondern ebenso eine Dynamik, die das Bild so aufregend macht. Vereinfacht gesagt: Picassos „Guernica“ ist schön, obwohl es einen traurigen Inhalt hat.

Aber dies ist nur ein Beispiel. Deshalb haben wir im Seminar versucht die Frage grundlegend, und nicht nur auf ein Objekt anlehnend, zu beantworten. Jedoch tauchte statt einer Antwort sofort weitere Fragen auf:

„Ist ein Gemälde weniger künstlerisch wenn es vielleicht ein Nationalsozialist erschaffen hat?“ Oder in der anderen Richtung: „ist ein abstraktes Bild noch ästhetischer wenn es eine Autistin gemalt hat, wie bei Donna Williams10 “?

Rein objektiv muss man sagen: ein Kunstwerk findet man schön oder nicht, egal welchen kulturellen, zeitlichen oder persönlichen Hintergrund es hat.

[...]


1 Siehe http://scienceblogs.de/beauty-full-science/2010/10/03/ganz-schon-verruckt-bizarre-schonheitsideale/ (Stand: 19.03.2013).

2 Siehe R. Scruton: Schönheit. Eine Ästhetik. 2012, S. 8.

3 Bildquelle: http://www.artquotes.net/masters/picasso/picasso_guernica1937.jpg (Stand: 19.03.2013).

4 Siehe Kammerlohr: Kunst im Überblick. Stile - Künstler - Werke. 2004, S. 388.

5 Siehe R. Scruton: Schönheit. Eine Ästhetik. 2012, S. 7.

6 Siehe Kammerlohr: Kunst im Überblick. Stile - Künstler - Werke. 2004, S. 388.

7 Siehe Kammerlohr: Kunst im Überblick. Stile - Künstler - Werke. 2004, S. 388.

8 Siehe Kammerlohr: Epochen der Kunst. Vom Expressionismus zur Postmoderne. 1995, S. 72.

9 Siehe Kammerlohr: Epochen der Kunst. Vom Expressionismus zur Postmoderne. 1995, S. 71.

10 Vgl. http://www.donnawilliams.net/artist.0.html (Stand: 19.03.2012).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Praktische Erfahrungen und philosophische Reflexionen über Schönheit
Untertitel
Mit Beispielen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
„Schönheit“ ?!: Einführung in die Grundfragen philosophischer Ästhetik
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V292704
ISBN (eBook)
9783656898245
ISBN (Buch)
9783656898252
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schönheit, Ästhetik, Kunst, Philosophie
Arbeit zitieren
Lisa Demmel (Autor:in), 2013, Praktische Erfahrungen und philosophische Reflexionen über Schönheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292704

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