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Der "Cento Nuptialis" des Ausonius. Ein Beispiel für Modernität und Subversion in der Literatur der Spätantike

Titel: Der "Cento Nuptialis" des Ausonius. Ein Beispiel für Modernität und Subversion in der Literatur der Spätantike

Hausarbeit , 2013 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Karsten Kleber (Autor:in)

Latinistik - Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausonius' "Cento Nuptialis" ist eines der bemerkenswertesten Zeugnisse der römischen Literatur der Spätantike. Kunstvoll komponiert aus Vergilversen, beinhaltet der Cento eine der ausführlichsten pornographischen Szenen der lateinischen Literatur überhaupt und kann als Zeugnis intellektueller Libertinage und gelehrten Witzes in einer Epoche gelesen werden, in der die Geisteskultur immer stärker von christlich begründeter moralischer Rigidität geprägt wurde.
Die Arbeit beginnt mit einer Skizze zur Biographie des gallischen Dichters Ausonius, bei der die Frage nach seiner Religiosität im Mittelpunkt steht. Der literaturwissenschaftliche Forschungsstand zur Cento-Technik wird überblicksweise dargestellt und auf den "Cento Nuptialis" angewandt. Schließlich stehen Deutungsansätze zur Debatte, die einander nicht ausschließen müssen. Insbesondere könnte es sich bei Ausonius' Werk um eine direkte Reaktion auf den christlich-apologetischen "Cento Probae" handeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vita Ausonii: (werk-)biographische Übersicht

2. Zur Überlieferungslage, Situierung des Cento nuptialis

3. Zur Theorie des Cento

4. Der Aufbau des Cento nuptialis

4.1. Übersicht

4.2. Quellen

4.3. Rekodierung

5. Ansätze zur Deutung

5.1. Die Selbstauskünfte des Dichters / des lyrischen Ichs

5.2. Pornographie

5.3. Ausonius als Kakemphatist

5.4. Cento nuptialis und Cento Probae

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Cento nuptialis des spätantiken Dichters Ausonius als ein hochgradig ambivalentes Werk, das einerseits den Gattungsanforderungen eines Hochzeitsgedichts entspricht, andererseits durch eine parodistische, teils obszöne Neuordnung vergilischer Versfragmente subversives Potenzial entfaltet und eine literarisch-gelehrte Auseinandersetzung mit christlich-rigoristischen Tendenzen seiner Zeit darstellt.

  • Analyse der literarischen Technik der "Centonisierung" als intertextuelles Produktionsverfahren.
  • Untersuchung der Spannungsfelder zwischen Gattungstradition (Epithalamium) und pornographischer Darstellung in der Imminutio.
  • Kritische Würdigung der biographischen Selbstauskünfte des Autors vor dem Hintergrund antiker Topoi.
  • Interpretation des Werkes als geistreich-polemische Replik auf christliche Cento-Dichtungen, insbesondere den Cento Probae.

Auszug aus dem Buch

3. Zur Theorie des Cento

Der Cento ist nach Formisano/Sogno keine literarische Gattung im eigentlichen Sinne, sondern eine literarische (Produktions-)Technik. Er tritt in der frühen Kaiserzeit sowohl im griechischen Osten wie im lateinischen Westen erstmals auf und erlebt in der Spätantike, insbesondere im 4. Jahrhundert, eine ausgesprochene Blüte. Als Material für die „Centonisierung“ werden dabei vorrangig die kanonischen Werke der großen Epiker verwendet: also Ilias und Odyssee im Osten, Aeneis, Georgica und Eklogen im Westen.

Die Etymologie des lateinischen Wortes cento ist umstritten. Gemeinhin wird von einer Herkunft aus dem Griechischen ausgegangen, wo ὁ κέντρων ursprünglich ‚das Flickwerk, den Lumpenrock, den Lumpenteppich‘ bezeichnet. Dieses Nomen stellt man zu κεντρίζω/κεντέω (‚das κέντρον gebrauchen‘), wobei τὸ κέντρον ‚den Stachel, das Stichgerät‘ bezeichnet; ἐγ κεντρίζω, heißt 1) ‚anfachen, anspornen‘, 2) ‚in einen Spalt einstecken, pfropfen (von Bäumen)‘. Für die Erklärung der r-losen lateinischen Form machen Verweyen/Witting (unter Verweis auf den Pauly) m.E. allzu leichtfertig eine angebliche „vulgar Greek“-Form κέντων namhaft.

Von einigen Forschern wird Gérard Genettes intertextualitätstheoretische Unterscheidung zwischen Hypotext und Hypertext für die Theorie des Centos fruchtbar gemacht. Quelle des Cento ist ein Hypotext (also im Falle der Spätantike Verse Homers oder Vergils), der in einen Hypertext überführt wird, welchem ein neuer plot zugrunde liegt. Von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren des Centos ist, daß der Hypotext den Lesern gut bekannt sein, daß er kanonischen Status haben muß. Denn der Cento funktioniert durch die gleichzeitige Reproduktion und Destruktion des Hypotextes; er bestätigt dessen kanonische Geltung ebenso, wie er sie in Frage stellt. Ferner ist mit einer durchgängigen „kommentierenden“ Funktion des Centos mit Blick auf den Hypotext zu rechnen – es handelt sich um „spätzeitliche“ Gelehrten-Literatur par excellence.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vita Ausonii: (werk-)biographische Übersicht: Skizziert den Lebensweg des Dichters sowie die Kontroverse um die Qualität seines Christentums.

2. Zur Überlieferungslage, Situierung des Cento nuptialis: Erläutert die schwierige handschriftliche Überlieferung und den historischen Entstehungskontext am Hofe Gratians.

3. Zur Theorie des Cento: Definiert den Cento als literarische Produktionstechnik und untersucht dessen intertextuelle Funktionsweise.

4. Der Aufbau des Cento nuptialis: Bietet einen Überblick über die Struktur des Werkes, die verwendeten Quellen und die semantische Rekodierung.

5. Ansätze zur Deutung: Analysiert das Werk als Spiel mit literarischen Topoi, pornographischen Elementen, kakemphatistischer Tradition und als mögliche Replik auf den Cento der Proba.

Schlüsselwörter

Ausonius, Cento nuptialis, Spätantike, Vergil, Intertextualität, Epithalamium, Imminutio, Kakemphaton, Pornographie, Excusatio, Christentum, Proba, Gattungstheorie, literarische Technik, Spätantike Literatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Cento nuptialis des spätantiken Autors Ausonius, ein Werk, das vollständig aus vergilischen Versfragmenten zusammengesetzt ist, und untersucht dessen literarische sowie inhaltliche Ambivalenz.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die literarische Technik der Centonisierung, die Gattungsgeschichte des Epithalamiums, spätantike pornographische Fachsprache, die Rolle von Intertextualität sowie die Debatte um das Christentum des Ausonius.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, das Werk nicht nur als bloßes Gelegenheitsgedicht zu verstehen, sondern als ein hochkomplexes, subversives und intellektuell anspruchsvolles Konstrukt, das mit den Erwartungen des gebildeten Lesers spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Autorin/der Autor nutzt methodische Ansätze der Literaturtheorie (insbesondere Genettes Hypotext-Hypertext-Modell) sowie philologische Analysen zur Intertextualität und Tradition der "Kakemphatisten".

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Überlieferungsgeschichte, die theoretische Verortung der Cento-Technik, die strukturelle Analyse des Werkes sowie eine detaillierte Interpretation des pornographischen Abschnitts Imminutio und der polemischen Auseinandersetzung mit dem Cento Probae.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die wesentlichen Begriffe sind Cento, Intertextualität, Vergil, Subversion, Parodie, Spätantike, Epithalamium und Rekodierung.

In welchem Verhältnis steht die Imminutio zum Rest des Werkes?

Die Imminutio bildet einen bewussten Bruch mit den vorangegangenen sieben Abschnitten: Während diese die Gattungskonventionen eines Hochzeitsgedichts einhalten, wechselt die Imminutio zu einer expliziten, pornographischen Darstellung, die parodistisch-satirische Absichten verfolgt.

Wie deutet der Autor die Aussage "Lasciva est nobis pagina, vita proba"?

Der Autor interpretiert diesen Satz nicht nur als konventionellen Bescheidenheitstopos, sondern sieht darin eine tiefere Dimension: Die Äußerung könnte eine polemische Replik auf die christlich-moralisierende Dichtung der Proba und ein Ausdruck der inneren Zerrissenheit des Ausonius zwischen traditionellem Heidentum und christlichem Rigorismus sein.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der "Cento Nuptialis" des Ausonius. Ein Beispiel für Modernität und Subversion in der Literatur der Spätantike
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Seminar "Geschlechterrollen, Sexualität und Erotik in der römischen Literatur"
Note
1,0
Autor
M.A. Karsten Kleber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V292743
ISBN (eBook)
9783656898368
ISBN (Buch)
9783656898375
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cento nuptialis ausonius beispiel modernität subversion literatur spätantike
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Karsten Kleber (Autor:in), 2013, Der "Cento Nuptialis" des Ausonius. Ein Beispiel für Modernität und Subversion in der Literatur der Spätantike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292743
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Leseprobe aus  20  Seiten
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