„Da mi basia mille!“ Gib mir tausend Küsse. „Deinde centum!“ Daraufhin hundert!
„Deinde mille altera, deinde secunda centum!“ Dann weiter tausend, dann ein zweites mal hundert!
Der römische Dichter Catull verlangt nach Küssen. Seine geliebte Lesbia fordert er auf, ihm abertausende Küsse zu geben.
Nun ist Catull wahrlich nicht der einzige, gewiss nicht der erste und auch bestimmt nicht der letzte, der dem Kuss seine Aufmerksamkeit schenkt.
Durch die Jahrtausende hinweg ist er Thematik und Teil von Literatur, Malerei, Bildhauerei und jeder anderen Sparte der Kunst. Über Jahrmillionen ist er Teil der Natur des Menschen.
Seit Jahrhunderten ist er aus den sozialen Gepflogenheiten und gesellschaftlichen Konventionen nicht mehr wegzudenken.
Diese Arbeit soll einen kurzen Einblick in die Geschichte des Kusses geben und einen groben Überblick über den Kuss in der Welt und Literatur der Antike verschaffen. Abschließend wird speziell auf eine mythologisch-religiöse Symbolik des Kusses eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes
2. Die Ursprünge des Kusses
3. Der Kuss in der antiken Welt und Literatur
4. Der Kuss als Symbol in antiker Mythologie und christlicher Religion
5. Abschließendes
6. Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kuss als vielschichtiges Phänomen, das weit über eine rein physische Berührung hinausgeht. Ziel ist es, einen Überblick über die historische Entwicklung des Küssens, seine literarische Darstellung in der Antike sowie seine tiefe mythologische und religiöse Symbolik als lebensspendende Geste aufzuzeigen.
- Anthropologische Ursprungstheorien des Küssens
- Literarische Kussmotive in der griechischen und römischen Antike
- Terminologie und Nuancen des Küssens in der lateinischen Sprache
- Der Kuss als Symbol für Schöpfung, Beseelung und göttliches Leben
- Kontinuität und Wandel der Kuss-Symbolik vom Altertum bis in die Neuzeit
Auszug aus dem Buch
3. Der Kuss in der antiken Welt und Literatur
Ebenso wie es in der Gegenwart Unterschiede in der Praxis des Küssens gibt, die sich je nach Land, Kultur, Alter und Gelegenheit zeigen, weiß auch die Antike um mehrere Arten des Küssens, verschiedenste Gelegenheiten für einen Kuss und Unterschiede je nach geographischer Lage, sozialem Status und bestimmter Epoche.
Es ist also nicht anzunehmen, dass überall zur selben Zeit auf dieselbe Art und Weise geküsst wurde. Im allgemeinen schrieb man dem Kuss in der Antike eine persische Herkunft zu, darunter ist zu verstehen, dass diese Sitte sich in der Öffentlichkeit zu küssen aus den orientalischen Gebieten ihren Weg nach Griechenland und Rom gefunden hat. Vergleichbar ist dieser Tatbestand mit dem heutigen klischeehaftem Bild eines Mittelmeerbewohners, vorzugsweise Süditaliener, dem diese Praxis des ständigen Küssens von Freunden und Verwandten auf Wange und Mund sehr eigen ist. Salopp formuliert kann man behaupten, das frequentierte Küssen wandere die Jahrtausende hindurch von Süden nach Norden. So ist es zum Beispiel im Baltikum heutzutage für die Menschen typisch sich nicht in der Öffentlichkeit zu küssen.
Aber nun gut. Zurück nach Griechenland. Der Grieche kennt für den Kuss das Substantiv „το φιλημα“ und verwendet das Verbum „κυνειν“. Belege für eine erste Erwähnung gibt es nicht. Diese Arbeit nennt als erstes Beispiel für einen Kuss einen Auszug aus Homers Ilias.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes: Einführung in die Allgegenwärtigkeit des Kusses in der Kunst und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit, einen Überblick über dessen Geschichte und Symbolik in der Antike zu geben.
2. Die Ursprünge des Kusses: Diskussion anthropologischer Theorien zur Entstehung des Kusses, insbesondere als ritualisierte Form der Mund-zu-Mund-Fütterung und Ausdruck sozialer Bindung.
3. Der Kuss in der antiken Welt und Literatur: Analyse der verschiedenen Kuss-Praktiken in Griechenland und Rom sowie deren literarische Verarbeitung bei Autoren wie Homer, Catull, Ovid und Martial.
4. Der Kuss als Symbol in antiker Mythologie und christlicher Religion: Untersuchung des Kusses als lebensspendendes, schöpferisches Symbol, das vom ägyptischen Mythos über biblische Texte bis hin zu Märchen reicht.
5. Abschließendes: Fazit zur Vielseitigkeit des Kuss-Motivs als Ausdruck körperlicher Zuneigung, gesellschaftlicher Praxis und spiritueller Symbolik.
6. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten literarischen Quellen und wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Kuss, Philematologie, Antike, Literaturgeschichte, Catull, Mythologie, Schöpfung, Mund-zu-Mund-Fütterung, Symbolik, Erotik, Lebensodem, Antike Philologie, soziale Geste, Versöhnung, Kulturanthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beleuchtet den Kuss als historisches, literarisches und symbolisches Phänomen in der antiken Welt und dessen Bedeutung als Ausdruck von Nähe und Leben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf anthropologischen Erklärungsansätzen, literarischen Belegen in der Antike und der metaphysischen Deutung als „Schöpferkuss“.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Kuss von einer biologisch motivierten Geste zu einem komplexen kulturellen, literarischen und religiösen Symbol in der antiken Geschichte gewandelt hat.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Der Autor verbindet eine Literaturanalyse antiker Primärquellen mit anthropologischen und kulturwissenschaftlichen Deutungsmustern, um die verschiedenen Facetten des Kusses aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kuss-Darstellungen bei antiken Autoren wie Homer, Catull und Martial sowie die symbolische Aufladung des Kusses in mythologischen und biblischen Kontexten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind die Philematologie (Kussforschung), das antike Kuss-Verständnis, die Schöpfungssymbolik sowie der Wandel der Kuss-Praktiken im historischen Kontext.
Wie unterscheidet sich der lateinische Begriff „osculum“ von „suavium“?
„Osculum“ bezeichnet den neutralen, familiären Kuss, während „suavium“ die leidenschaftliche, erotische und bisweilen als obszön wahrgenommene Form des Kusses beschreibt.
Was versteht der Autor unter einem „Schöpferkuss“?
Es ist die symbolische Darstellung des Kusses oder Hauches als Medium, durch das göttliches Leben, Weisheit oder Lebensgeist auf ein Individuum übertragen werden.
Warum wird der Kuss bei Martial kritisch betrachtet?
Martial beklagt in seinen Epigrammen die inflationäre und aufdringliche Praxis des Küssens im römischen Alltag, die er als lästig und fremd empfindet.
Welche Rolle spielt die Szene aus dem zweiten Buch der Könige in der Arbeit?
Die Szene dient als Beispiel für eine lebensspendende Handlung, bei der durch den Mund-zu-Mund-Kontakt Wärme und Lebenskraft auf ein verstorbenes Kind übertragen werden.
- Arbeit zitieren
- Gregor Bazzanella (Autor:in), 2013, Der Kuss in der antiken Welt und Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292778