In dieser Arbeit untersuche ich den Aufsatz "Wege und Ziele der Theatergeschichte" von Edgar Gross, erstmals veröffentlicht im Jahr 1919. Außerdem beschäftige ich mich mit dem von Julius Petersen verfassten Artikel "Die Stellung der Theaterwissenschaft". Dieser wurde sechzehn Jahre später im Jahr 1935 veröffentlicht. In beiden Aufsätzen beschreiben die Autoren ihre jeweilige Vorstellung vom damaligen Stand der Theaterwissenschaft.
Diese Arbeit stellt die Frage worin die Autoren bei ihrer Vorstellung von Theaterwissenschaft übereinstimmen und wo sich Differenzen auftun.
Hierzu werden zunächst die beiden Texte zusammengefasst und dabei deren Kernaussagen herausgearbeitet. Dabei bekommt jeder der Aufsätze ein eigenes Kapitel. Danach werden beide Texte in einem dritten Kapitel gegenübergestellt und miteinander verglichen. Zuletzt folgt mit dem letzten Teil dieser Hausarbeit eine Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kapitel I: Beschreibung und Konzept des Textes von Edgar Gross
3. Kapitel II: Beschreibung und Konzept des Textes von Julius Petersen
4. Kapitel III: Gemeinsamkeiten und Differenzen von Edgar Gross und Julius Petersen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die grundlegenden Konzepte der Theaterwissenschaft anhand zweier wegweisender Aufsätze von Edgar Gross (1919) und Julius Petersen (1935), um Gemeinsamkeiten und Differenzen in deren Verständnis der Disziplin aufzuzeigen.
- Vergleich historischer Konzepte der Theaterwissenschaft
- Analyse des Stellenwerts der Theatergeschichte versus Theaterwissenschaft
- Untersuchung der Aufführung als zentralem Forschungsgegenstand
- Methodologische Ansätze zur Rekonstruktion und Untersuchung von Theaterkunst
- Interdisziplinäre Bezüge der Theaterwissenschaft zu anderen Geisteswissenschaften
Auszug aus dem Buch
2. Kapitel I: Beschreibung und Konzept des Textes von Edgar Gross
Vor nun fast hundert Jahren schreibt Edgar Gross im hier vorliegenden Aufsatz Wege und Ziele der Theatergeschichte, dass die Theaterwissenschaft bis dato noch keine fest umrissene Form hat, da es schwer ist eine methodische Festlegung für diese zu finden. Dennoch besteht für ihn kein Zweifel daran, dass die Theaterwissenschaft bereits einen festen Platz neben anderen Kunstwissenschaften einnehmen konnte.
Für Gross geht es bei der jungen Disziplin in erster Linie um eine theatergeschichtliche Wissenschaft. Aus diesem Grund verwendet er in seinem Aufsatz sehr häufig das Wort Theatergeschichte, das er mit dem Begriff der Theaterwissenschaft gleichsetzt. Für Gross ist Theater ein Ausdruck der jeweiligen Kultur, wodurch Theatergeschichte seiner Meinung nach als Kulturgeschichte angesehen werden kann. Diese Verknüpfung dient ihm als Berechtigung für diese Wissenschaft. Um den Begriff der Theaterwissenschaft schärfer einzugrenzen, beruft er sich auf Max Herrmann. Dieser gilt heute als der Begründer der Theaterwissenschaft, da er 1923 das weltweit erste theaterwissenschaftliche Institut in Berlin eröffnete. Gross stimmt mit Herrmanns Ansicht überein, dass erst das, was zur Umsetzung des Dramas in seine szenische „Escheinungsform“ gehört, die Aufgabe der Theatergeschichte ist. Es ist also sowohl für Hermann als auch für Gross nicht die Literatur entscheidend, sondern die Aufführung: „[...] die Aufführung ist das Wichtigste [...].“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden zu untersuchenden Texte von Edgar Gross und Julius Petersen vor und formuliert das Ziel, Gemeinsamkeiten und Differenzen in deren Auffassungen der Theaterwissenschaft zu identifizieren.
2. Kapitel I: Beschreibung und Konzept des Textes von Edgar Gross: Dieses Kapitel erläutert Gross' Verständnis der Theaterwissenschaft als theatergeschichtliche Disziplin, die sich durch die Rekonstruktion von Aufführungen und eine Abgrenzung von der bloßen Literaturgeschichte definiert.
3. Kapitel II: Beschreibung und Konzept des Textes von Julius Petersen: Hier wird Petersens Konzept dargelegt, der die Theaterwissenschaft als eine zwischen Wissenschaft und Kunst pendelnde Disziplin begreift, deren Ausgangspunkt in der Gegenwart und der Wirkung der Aufführung liegt.
4. Kapitel III: Gemeinsamkeiten und Differenzen von Edgar Gross und Julius Petersen: Dieser Abschnitt vergleicht die Ansätze der beiden Autoren und arbeitet heraus, dass sie zwar beide die Aufführung als zentralen Gegenstand anerkennen, jedoch grundverschiedene methodische Wege in Bezug auf die Bedeutung von Vergangenheit und Gegenwart verfolgen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass trotz der Einigkeit über die Notwendigkeit einer eigenständigen Theaterwissenschaft die methodischen Differenzen zwischen Gross und Petersen signifikant bleiben.
Schlüsselwörter
Theaterwissenschaft, Theatergeschichte, Aufführung, Max Herrmann, Edgar Gross, Julius Petersen, Dramatische Dichtung, Theatermuseum, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Theaterpraxis, Methodik, Inszenierung, Soziologie, Geistesgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die theoretischen Ansätze zur Definition und Ausrichtung der Theaterwissenschaft anhand von zwei historischen Aufsätzen aus den Jahren 1919 und 1935.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Abgrenzung der Theaterwissenschaft von der Literaturgeschichte, der Stellenwert der Aufführung und die wissenschaftliche Methode zur Erforschung von Theaterkunst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vorstellung von Theaterwissenschaft bei Edgar Gross und Julius Petersen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Textanalyse angewandt, um die Kernaussagen der beiden Autoren zu extrahieren und in einem dritten Schritt einander gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt zunächst separat die Konzepte von Gross und Petersen und stellt diese anschließend in Bezug auf ihre methodischen Ansätze und disziplinären Verknüpfungen gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Theaterwissenschaft, Aufführungsanalyse, Theatergeschichte und die historische Entwicklung der Disziplin charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Gross hinsichtlich des historischen Materials?
Gross favorisiert die Rekonstruktion vergangener Aufführungen durch das Sammeln von Bühnenmaterial, etwa in Form eines Theatermuseums, um die Theatergeschichte als Kulturgeschichte zu begründen.
Warum lehnt Petersen den Ansatz einer Rekonstruktion ab?
Petersen glaubt, dass Theaterkunst keine dauerhafte materielle Form besitzt, sondern allein in ihrer unmittelbaren Wirkung in der Gegenwart existiert, weshalb eine rein historische Rekonstruktion für ihn zweitrangig ist.
- Arbeit zitieren
- Holger Köhler-Kaeß (Autor:in), 2012, Was ist Theaterwissenschaft? Ein Vergleich der Ansätze von Edgar Gross und Julius Petersen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292798