Astana. Die synthetische Hauptstadt Kasachstans


Seminararbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Geschichtlicher Kontext Astanas
2.2 Gründe der Hauptstadtverlagerung

3 Astana – die neue kasachische Hauptstadt
3.1 Astanas Masterplan
3.2 Die gegenwärtige Situation in Astana
3.3 Kritische Würdigung

4 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

Abb. 1: Stadtstruktur Astanas

Abb. 2: Masterplan für Astana von Kisho Kurokawa. Entwicklung bis 2030.

Abb. 3: Die Magistrale der Regierungscity von Astana als Symbol des modernen Kasachstan

Abb. 4: Abu Dhabi Plaza, nach einem Entwurf von Norman Forster

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Durch einen Erlass des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew wurde im Jahr 1997 die Hauptstadt Kasachstans von Almaty nach Akmola verlegt. Allerdings ließ sich der Name Akmola, aufgrund seiner Bedeutung – „Weißes Grab“ – international nicht etablieren, worauf ein Jahr später Akmola in Astana umbenannt wurde. Astana ist schlicht das kasachische Wort für Hauptstadt. Die Stadt ist mit 780.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Die am Reißbrett geplante „künstliche“ Stadt beansprucht bis zum Jahr 2030 zu einer der weltweit führendsten Metropolen aufzusteigen (Mischk 2002: 28, Köppen 2009: 41, BdRK 2011: 76, Gniwotta 2013).

Aufgrund der zentralen Lage Astanas mitten in der kasachischen Steppe, zogen die ehrgeizigen Pläne der Hauptstadtverlegung des Präsidenten rasch nationale wie auch internationale Aufmerksamkeit auf sich. Denn die Stadt Akmola galt zuvor lediglich als kleines unattraktives Provinzzentrum und war nicht mit der ehemaligen Hauptstadt Almaty zu vergleichen (Köppen 2009: 41).

Das Phänomen der Hauptstadtverlegung ist dabei nicht neu. Denn bereits in Russland, Brasilien und zahlreichen anderen Staaten wurden die Hauptstädte verlegt (Bizeul 2009: 227).

An dieser Stelle stellt sich die Frage, was die Beweggründe der Hauptstadtverlegung in Kasachstan waren. Zudem fragt sich ob die Hauptstadtverlegung erfolgreich gewesen ist und ob die „neue“ kasachische Identität in umfassender Weise repräsentiert wird. Diese Fragen sollen im Verlauf der zugrunde liegenden Arbeit beantwortet werden.

Vor diesem Hintergrund befasst sich die vorliegende Arbeit zunächst mit dem historischen Kontext Astanas. Das anschließende Kapitel befasst sich mit den Gründen der Hauptstadtverlegung. Daraufhin erfolgt eine umfassende Darstellung der neuen Hauptstadt und ihrer gegenwärtigen Situation. Schließlich erfolgt eine autonome und kritische Würdigung der Thematik.

2 Geschichtlicher Hintergrund

2.1 Geschichtlicher Kontext Astanas

Die Stadt Astana hat eine recht junge Geschichte vorzuweisen. Denn erst im Jahr 1830 errichteten Truppen des russischen Zaren eine Garnison am Fluss Ishim, die aufgrund der günstigen Lage der Karawanen Route zwischen Sibirien und Zentralasien von Bedeutung war. Bereits zwei Jahre später erhielt die einstige Garnison den Namen Akmolinsk und wurde zum wirtschaftlichen Zentrum der Region. Die günstige Lage sowie die Militärpräsens der russischen Truppen, verhalfen Akmolinsk sich zu einem Warenumschlagplatz für Russland, Zentralasien sowie Indien zu etablieren. Die zaristische Ansiedlungspolitik „die landlosen Zuwanderern aus Russland und der Ukraine scheinbar ungenutztes Land in der Steppe zuwies“, führte zwar zu einer Erhöhung der Bevölkerungszahlen, gleichzeitig begann hiermit auch die ethnische Durchmischung der Bevölkerung. Akmolinsk gewann um 1890 zunehmend an Bedeutung und wurde daraufhin zur Hauptstadt des gleichnamigen Oblasts ernannt (Mischk 2002: 32f.).

Im Zuge der Oktoberrevolution 1917 propagierten kasachische Nationalisten die Unabhängigkeit Kasachstan, wobei diese Bemühungen durch die Einverleibung in die Sowjetunion verworfen wurden (Mischk 2002: 33). Dabei geriet die Blütezeit der Stadt durch den Bürgerkrieg und die Revolution zum Stillstand. Die darauf folgende schlechte wirtschaftliche Lage und die Hungersnöte, welche aus der Kollektivierung der Landwirtschaft und der zwangsweisen Sesshaftmachung der Nomaden resultierten, führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer vermehrten Abwanderung aus der gesamten Region, wodurch Akmolinsk an Bevölkerung einbüßte (Mischk 2002: 33; Harfmann 2003: 2).

Ab den 1920er Jahren förderte die Sowjetunion den Ausbau der Infrastruktur, wodurch Akmolinsk 1929 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. 1936 wurde Akmolinsk zum Verwaltungs- und Provinzzentrum des gleichnamigen Oblast (Harfmann 2003: 2, Köppen 2009: 42). Die Bevölkerung wuchs bis zum zweiten Weltkrieg auf 50.000 Einwohner an (Harfmann 2003: 2).

Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in den 1930er Jahren die Anzahl der Deportationen von v.a. Kaukasier, Ukrainer sowie Deutschen in die kasachische SSR1 anstieg. Diese wurden gezwungen beim Aufbau der Infrastruktur und der Industrie in Akmolinsk mitzuarbeiten. Zu jener Zeit entstanden in Akmolinsk die ersten Betriebe die vor allem aufgrund des zweiten Weltkrieges einen erhöhten Produktionsanstieg vermeldeten. Hauptsächlich entstanden Stahlfabriken sowie Waffen und Baumaterial. Aber auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Industrialisierung in Akmolinsk vorangetrieben. Bis 1959 wuchs die Bevölkerungszahl auf 100.000 an (Harfmann 2003: 2).

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde die Stadt Akmolinsk in Tselinograd umbenannt, was soviel wie „Neulandstadt“ bedeutet. Die Umbenennung verlief im Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Ausbau der kasachischen Steppe als „zweite Kornkammer der Sowjetunion“ (Mischk 2002: 31f., Köppen 2009: 42, Akimat of Astana 2013a). Insgesamt entwickelte sich Kasachstan somit zum Getreidelieferanten für die gesamte Sowjetunion. Tselinograd, welches das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Zentrum der Neulandbewegung darstellte, erhielt 1962 vom Leningrader Institut für Stadtplanung einen Generalbebauungsplan. Der Bebauungsplan wurde nach dem damals neusten Stand der Forschung entwickelt und war „im Sinne damaliger Planungsparadigmen einer sozialistischen Stadt“ (Harfmann 2003: 3, Köppen 2009: 42). Schon zu dieser Zeit wurde der Hauptstadtwechsel von Alma-Ata2 nach Tselinograd diskutiert, aber wieder verworfen (Harfmann 2003: 3, Köppen 2009: 42).

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Kasachstans 1991, wurde Tselinograd erneut umbenannt. Diesmal wählte man den kasachischen Namen von Akmolinsk, welcher Akmola lautete (Harfmann 2003: 5). Auf Initiative des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew fasste das kasachische Parlament 1994 den Beschluss, die Hauptstadt bis zum Jahr 2000 von Almaty nach Akmola zu verlegen. Der Entschluss wurde dabei 1995 formal bestätigt. Bereits 1997 wurde Akmola zur neuen Hauptstadt Kasachstans und im Dezember 1997 nahm das Parlament in Akmola seine Arbeit auf (Harfmann 2003: 5). Ein Jahr später wurde der Name der Stadt erneut geändert und somit erhielt die Stadt ihren vorläufig letzten Namen, Astana. Insgesamt wurde der Name der Stadt in den letzten 40 Jahren somit viermal geändert (Mischk 2002: 35, Harfmann 2003: 5, Köppen 2009: 41, BdRK 2011: 16).

2.2 Gründe der Hauptstadtverlagerung

Wie eingangs in Kapitel 1 erwähnt, stellt sich die Frage warum die kasachische Hauptstadt verlegt wurde. Schatz konstatiert, dass wie in allen politischen Belangen eine Hauptstadtverlegung nicht „einfach“ erklärt werden kann, vielmehr resultiert die Verlegung aus dem Zusammenfluss mehrerer Faktoren (Schatz 2003: 5). Es herrscht insgesamt Einigkeit darüber, dass neben den offiziellen Gründen für die Verlegung auch „inoffizielle“ Gründe bestehen. Im Folgenden sollen eben diese Gründe umfassend vorgestellt werden.

Einer der offiziellen Hauptgründe für die Verlegung der Hauptstadt besteht in der geographischen Lage der ehemaligen Hauptstadt Almaty. Diese liegt in einer Zone mit erhöhter seismischer Aktivität, sodass mit einem verheerenden Erdbeben in den nächsten Jahrzehnten gerechnet wird. Des Weiteren ist Almaty naturräumlich durch die umliegenden Berge begrenzt, die eine Stadterweiterung verhindern. Ferner sei die bisherige Hauptstadt an ihre Grenzen der „Belastbarkeit“ und „Entwicklungsmöglichkeit“ angelangt (Schatz 2003: 12, Köppen 2009: 42). Gegen Almaty sprachen insbesondere die geographische Randlage innerhalb des Staatsgebietes Kasachstans und eine damit einhergehende mögliche Bedrohung im Falle ausländischer „Aggressionen“. Weiterhin werden in Bezug auf Almaty die Überbevölkerung, die schlechte Lage im Verkehrsnetz sowie Smog genannt (Schatz 2003: 12, Köppen 2009: 42).

Für Akmola bzw. Astana sprachen dagegen mehrere Faktoren. Offiziell wurden insgesamt 32 Indikatoren in Betracht gezogen, um den optimalen Standort für die neue Hauptstadt zu ermitteln. Dabei wurden von der kasachischen Regierung die Indikatoren nicht weiter benannt (Köppen 2009: 42, Akimat of Astana 2013a). Insgesamt jedoch sprachen für Astana als neue Hauptstadt die geographisch zentrale Lage innerhalb Kasachstans, die Nähe zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zentren des Landes, das demographische Potential, die große Flächenverfügbarkeit, die Verkehrsgunst, eine geologische Stabilität sowie das flache Relief (Köppen 2009: 42, Akimat of Astana 2013a).

Schatz stellt jedoch fest, dass obwohl die geographischen Gründe alleine schon für eine Hauptstadtverlegung sprechen, sie dennoch nicht die einzigen Gründe sein können (Schatz 2003: 12). So gibt auch Köppen an: „Tatsächlich dürften weitere politisch-symbolische sowie taktische Faktoren nicht minder ausschlaggebend gewesen sein“ (Köppen 2009: 42).

Die inoffiziellen Gründe lassen sich mit der Aussage auf der Homepage von Astana gut einleiten, denn dort heißt es: „The new largest Eurasian nation needed a new national symbol – a new capital, a city oft he 21 st century, which could reflect the spirit of creation, innovation and the role of Kazakhstan as a place, where the West meets the East“ (Akimat of Astana 2013a). Damit wird die Rolle der neuen Hauptstadt als Symbol und Quelle der nationalen Identität des unabhängigen Kasachstans ziemlich deutlich. Denn insbesondere nach der Unabhängigkeit Kasachstans 1991 galt die ehemalige Hauptstadt Almaty als „unkasachische“ Stadt, die es im Zuge des kasachischen „Nation Building“ zu ersetzen galt (Koch 2012: 132). Hierbei erscheinen laut Köppen der Bruch mit der alten sowjetisch bestimmten Hauptstadt und ein symbolträchtiger Neuanfang als durchaus nachvollziehbar (Köppen 2009: 42). Des Weiteren begünstigt die Verlegung der Hauptstadt nach Astana insgesamt einen „ethno-demographischen Ausgleich“ im Norden, welcher von russischen Bürgern geprägt ist. Da Kasachstan ein multiethnischer Staat ist, indem Kasachen nur 40 % der Bevölkerung darstellen, ist die Besorgnis darüber groß, dass die russische Minderheit (30 %) versucht russische Interessen durchzusetzen bzw. Autonomie oder auch Separation der russisch dominierten Gebiete Kasachstans anzustreben (Köppen 2009: 42, Koch 2012: 132). Durch die Hauptstadtverlegung nach Astana, wird dem russisch geprägten Norden Kasachstans durch die Migration ethnischer Kasachen in die neue Hauptstadt ein Gegenwicht gesetzt. Darüber hinaus wird der Einfluss „alter Eliten“ aus Almaty geschwächt (Köppen 2009: 42).

Mischk konstatiert ferner, dass Kasachstan sich mit der Verlegung der Hauptstadt „symbolisch“ in der Mitte zwischen Russland und China positioniert (Mischk 2002: 33).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hauptstadtverlegung durchaus geographische Gründe vorzuweisen hatte, aber diese nicht völlig im Vordergrund standen. Vielmehr lässt sich feststellen, dass die „Nation Building“ und politische Interessen bei der Hauptstadtverlegung eine entscheidende Rolle spielten.

[...]


1 SSR = Sovjet Socialist Republic

2 Die Stadt ist mittlerweile in Almaty umbenannt worden.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Astana. Die synthetische Hauptstadt Kasachstans
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V292826
ISBN (eBook)
9783656900009
ISBN (Buch)
9783656900016
Dateigröße
2258 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
astana, hauptstadt, kasachstans
Arbeit zitieren
Ahmed Yasin (Autor), 2013, Astana. Die synthetische Hauptstadt Kasachstans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292826

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