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Der Lobbyismus der Pharmaindustrie in Deutschland

Titel: Der Lobbyismus der Pharmaindustrie in Deutschland

Hausarbeit , 2009 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: M. A. Alexander Gajewski (Autor:in)

Politik - Grundlagen und Allgemeines
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„Wenn du dir die Macht im Staate sichern willst, dann fange damit im Gesundheitswesen an“.
So zitierte der langjährige Präsident der Bundesärztekammer Karsten Vilmar sinngemäß den Gründer der Sowjetunion Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin).

Solch ein Zitat ist bezeichnend und stellt eindrucksvoll das Bewusstsein dar, welches von den wichtigsten Akteuren im deutschen Gesundheitswesen entwickelt wurde.
Denn in Deutschland gilt das Gesundheitswesen als typisches Beispiel für ein neokorporatistisches System, welches sich weitgehend selbst verwaltet. Wichtig dabei ist, dass der „Gemeinsame Bundesausschuss“ als Entscheidungsorgan der verschiedenen relevanten Akteure seit Januar 2004 den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung ohne Einmischung des Staates gestalten kann.

Dieser setzt sich zusammen aus den Kostenträgern, repräsentiert durch den Spitzenverband Bund der Krankenkassen einerseits und den Leistungserbringern, repräsentiert durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft andererseits. Der Staat gibt also bezüglich der Gestaltung des Leistungskataloges der Gesetzlichen Krankenversicherung, sowie der Mittelverteilung, die nun ausschließlich im Gemeinsamen Bundesausschuss stattfindet, lediglich die Rahmenbedingungen vor, zieht sich somit also zunehmend als Akteur aus der Gesundheitspolitik zurück und stärkt damit gleichzeitig den Einfluss der erwähnten Verbände im Gesundheitswesen.

Problematisch ist dies vor allem, da die Verbände die Gestaltungsmacht über 230 bis 250 Mrd. € im Jahr und die Beschäftigung von 4,2 Mio. Menschen übernehmen.
Die Verfügungsgewalt über solch hohe Summen und über derart viele Beschäftigte müsste die Verbände zu sozialer Verantwortung verpflichten. Diese wird aufgrund der schweren Kontrollierbarkeit von Prozessen im Gesundheitssystem und dem starken Lobbyismus verschiedener Akteure unterlaufen. Dabei geht es nicht mehr um das Gemeinwohl der Patienten, sondern um die speziellen Interessen einzelner Unternehmen und Verbände. Durch Lobbyismus und Korruption geht im Gesundheitssystem so jedes Jahr viel Geld verloren, welches eigentlich einer besseren Versorgung der Patienten, die dieses System durch Kassenbeiträge finanzieren, zu Gute kommen sollte [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und Interessen der Pharmaindustrie

3. Pharmalobbyismus und seine Adressaten

3.1 Einfluss der Industrie auf die Politik

3.2 Einfluss der Industrie auf Ärzte und Apotheker

3.3 Einfluss der Industrie auf Medien und Selbsthilfegruppen

4. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Lobbyismus der Pharmaindustrie in Deutschland und analysiert, inwieweit Pharmaverbände und Unternehmen auf politische Entscheidungsprozesse sowie Akteure im Gesundheitswesen Einfluss nehmen, um ihre spezifischen Interessen zu wahren.

  • Die Verbändelandschaft und die strategischen Interessen der Pharmaindustrie
  • Methoden der Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger
  • Die Beeinflussung des ärztlichen und pharmazeutischen Verschreibungsverhaltens
  • Manipulationsstrategien gegenüber Medien und Selbsthilfegruppen
  • Die Problematik der Korruption im Gesundheitssystem

Auszug aus dem Buch

3.1 Einfluss der Industrie auf die Politik

Dass der Lobbyismus gegenüber der Politik sehr stark ist und Entscheidungen zu Gunsten der Pharmafirmen beeinflussen kann, zeigen vielfache Beispiele, von denen einige hier angeführt werden. Besondere Bedeutung erlangte dabei die Einführung einer Positivliste, die vom ehemaligen CDU-Gesundheitsminister Horst Seehofer erstmalig in den 90er Jahren geplant wurde. Eine Positivliste hätte für die Finanzierung und Qualität des Gesundheitssystems weitgehend positive Folgen gehabt. Lediglich Medikamente, die nachweislich bei Krankheiten helfen, würden auf eine solche Liste aufgenommen werden und müssten demnach von den Kassen erstattet werden. Die Folge wäre, dass Kassen und Patienten finanziell entlastet und die Qualität der Versorgung erheblich verbessert würde.

Die Pharmaindustrie, die an einer solchen Liste in keinster Weise Interesse haben konnte, entsendete ihre Lobbyisten zu einflussreichen Politikern, die das Gesetzeswerk im Bundesrat zu Fall bringen sollten. Hans Eichel, Wolfgang Clement und der damals niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder wurden unter Druck gesetzt und stimmten schließlich gegen den Entwurf, was die Chancen auf die Einführung der Positivliste beendete.

Beeindruckend zeigt dieses Beispiel wie die Pharmavertreter Politiker für ihre Ziele instrumentalisieren können. Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bekam den Einfluss der Industrie am eigenen Leib zu spüren. Sie hatte 2001 einen gesetzlich fundierten vierprozentigen Preisnachlass für patentgeschützte Medikamente vorbereitet. Dadurch sollten Kassen und Patienten Millionen einsparen. Allerdings agierte die Pharmaindustrie in diesem Fall über internationale Akteure. So mischte sich selbst die US-Botschaft in die Angelegenheiten ein, da sich die USA Sorgen um die Firma Pfizer machten, ihren Branchenführer bei Medikamenten. Nachdem auch noch der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie beim Kanzler vorgesprochen hatte, wurde das Gesetz von Bundeskanzler Schröder persönlich, obwohl es im Bundestag bereits beschlossen wurde, gekippt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das neokorporatistische System des deutschen Gesundheitswesens ein und beleuchtet die Machtkonzentration sowie die Problematik des Lobbyismus als Gegenpol zum Gemeinwohl.

2. Aufbau und Interessen der Pharmaindustrie: Dieses Kapitel stellt die bedeutendsten Pharmaverbände in Deutschland vor und arbeitet das vorrangige Ziel der Branche heraus: Gewinnmaximierung durch Absatzsicherung und Einflussnahme auf Zulassungsverfahren.

3. Pharmalobbyismus und seine Adressaten: Das zentrale Kapitel analysiert die verschiedenen Strategien der Pharmalobby, um Politik, Ärzte, Apotheker, Medien und Selbsthilfegruppen gezielt zu beeinflussen.

3.1 Einfluss der Industrie auf die Politik: Es wird dargelegt, wie durch Lobbyarbeit politische Gesetzesinitiativen, wie Positivlisten oder Höchstpreise, verhindert werden, um den freien Absatz zu sichern.

3.2 Einfluss der Industrie auf Ärzte und Apotheker: Hier steht die finanzielle Beeinflussung des Verschreibungsverhaltens durch Geschenke, Honorare und Fortbildungen sowie die Rolle der Apotheker nach der Aut-Idem Regel im Mittelpunkt.

3.3 Einfluss der Industrie auf Medien und Selbsthilfegruppen: Dieses Kapitel zeigt auf, wie durch PR-Strategien und Sponsoring eine positive öffentliche Wahrnehmung erzeugt und die Meinung kritisch beeinflusst wird.

4. Zusammenfassung und Ausblick: Diese Zusammenfassung resümiert das Ausmaß des Lobbyismus und fordert Transparenz sowie wirksame Sanktionen zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen.

Schlüsselwörter

Pharmaindustrie, Lobbyismus, Gesundheitswesen, Politikberatung, Korruption, Absatzsteigerung, Pharmaverbände, Arzneimittel, Zulassungsverfahren, Ärzte, Apotheker, Medienmanipulation, Selbsthilfegruppen, Gesundheitsreform, Interessensvertretung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Mechanismen und den Einfluss des Lobbyismus der Pharmaindustrie auf das deutsche Gesundheitssystem und dessen Akteure.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Beeinflussung der Politik, die Korruption im ärztlichen Bereich, die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Medien und die Instrumentalisierung von Selbsthilfegruppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Machtverhältnisse zwischen der Pharmabranche und dem Staat aufzudecken und zu hinterfragen, warum Pharmaverbände trotz gesundheitspolitischer Reformbemühungen so erfolgreich ihre Interessen durchsetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung journalistischer Dokumentationen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert die verschiedenen Zielgruppen des Pharmalobbyismus, angefangen bei den politischen Entscheidungsträgern bis hin zur medizinischen Fachwelt und den Medien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Pharmalobbyismus, Einflussnahme, Gesundheitswesen, Korruption und Lobbyarbeit stehen im Zentrum der Analyse.

Welche Rolle spielen die sogenannten "Kontaktwaren" bei Ärzten?

Kontaktwaren sind Gratismedikamente, die an Patienten weitergegeben werden, um diese an bestimmte Präparate zu gewöhnen und so den Absatz für die Pharmaindustrie zu steigern.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Fortbildungsveranstaltungen?

Die Arbeit kritisiert, dass viele Fortbildungen von der Pharmaindustrie finanziert und inhaltlich vorgegeben werden, was zu einer einseitigen und wissenschaftlich fragwürdigen Einflussnahme auf das ärztliche Verschreibungsverhalten führt.

Warum scheiterten bisher Versuche einer strengeren politischen Regulierung?

Laut Autorin liegt dies am massiven Druck der Industrie, die mit Abwanderung und dem Verlust von Arbeitsplätzen droht, sowie an der engen personellen und finanziellen Verflechtung zwischen Industrie und politischen Entscheidungsträgern.

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Details

Titel
Der Lobbyismus der Pharmaindustrie in Deutschland
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Lobbyismus als Politikberatung?
Note
1,3
Autor
M. A. Alexander Gajewski (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V292894
ISBN (eBook)
9783656900382
ISBN (Buch)
9783656900399
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lobbyismus pharmaindustrie deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M. A. Alexander Gajewski (Autor:in), 2009, Der Lobbyismus der Pharmaindustrie in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292894
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Leseprobe aus  20  Seiten
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