Lernen, Unterricht zu beobachten. Aus Unterrichtsbeobachtungen lernen


Hausarbeit, 2013
10 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Videos als Beobachtungsmethode

3. Unterrichtsmerkmale beobachten
3.1 Unterrichtliche Aktivitäten
3.2 Zielorientierung
3.3 Fehlerkultur
3.4 Prozessorientierte Lernbegleitung

4. Videoarbeit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften
4.1 Hintergrund zur Beobachtung in der Aus- und Weiterbildung
4.2 Umsetzung der Beobachtung in der Praxis

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem Thema Unterrichtsbeobachtungen stellt sich die grundlegende Frage, weshalb es sinnvoll ist, solche Situationen zu beobachten. Als ein wichtiger Punkt ist hier die kritische Reflexion des eigenen Unterrichts zu nennen. Unterrichtsbeobachtungen ermöglichen es Lehrkräften, sich mit ihrem eigenen Unterricht und auch ihrem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Ziel sollte sein, eigene Defizite aufzuklären und damit den Unterricht zu verbessern und womöglich auch weiterzuentwickeln. Gelernt werden kann jedoch nicht nur durch das Beobachten des eigenen Unterrichts. Auch durch Hospitationen im Unterricht anderer Lehrkräfte lassen sich Rückschlüsse für den eigenen Unterricht ziehen (vgl. Dalehefte Kobarg, 2013).

2. Videos als Beobachtungsmethode

Werden Videos als Methode zur Unterrichtsbeobachtung verwendet, spielt die Forschungsfrage hierbei eine wichtige Rolle. Durch eine genau formulierte Fragestellung sind exakte und detaillierte Beobachtungen möglich. Ist eine entsprechende Theorie vorhanden, wissen die Beobachter auf welche Handlungen im Unterricht geachtet werden soll. In diesem Fall spricht man von der systematischen Beobachtung. Das Gegenstück hierzu stellt die unsystematische Beobachtung dar, bei der nicht auf bestimmte Handlungen, sondern auf die gesamte Unterrichtseinheit geachtet wird.

Vor einer systematischen Videoanalyse ist es wichtig, sich entsprechende Gedanken über Stichprobenpläne und Beobachtungssysteme zu machen. Zunächst ist festzulegen, was in der Unterrichtssequenz beobachtet werden soll. Weiterhin ist zu entscheiden, ob offen oder verdeckt beobachtet werden soll. Wichtig zu erwähnen ist, dass nicht alle Beobachtungsformen für alle Fragestellungen geeignet sind, beispielsweise können Emotionen der Lehrpersonen bzw. der Schüler[1] auf Video nur sehr schwer dokumentiert werden.

Als Beobachtungssysteme können Zeichensysteme, Kategoriensysteme und Schätzverfahren genannt werden. Bei Zeichensystemen werden eine oder mehrere Verhaltensweisen und deren Dauer dokumentiert. Wird ein Kategoriensystem gewählt bedeutet dies, dass das auftretende Verhalten nach bestimmten Kategorien klassifiziert wird. Wird nicht das Verhalten an sich, sondern seine Ausprägung kategorisiert, spricht man von Schätzverfahren. Für alle Beobachtungsformen werden aus Gründen der Objektivität, Reliabilität, Validität immer mehrere Beobachter benötigt.

Die Auswertung der Beobachtungen erfolgt nach der Art des Verfahrens. Dies kann zum einen niedrig-inferent erfolgen, was bedeutet, dass die Auswertung in Form von Häufigkeitsverteilungen in Tabellen, Grafiken oder Verlaufsdiagrammen erfolgt. Zum anderen kann hoch-inferent ausgewertet werden. Dies erfolgt, indem Mittelwerte ohne Rückschlüsse auf konkrete Rückschlüsse im Unterricht getroffen werden (vgl. Dalehefte Kobarg, 2011).

3. Unterrichtsmerkmale beobachten

3.1 Unterrichtliche Aktivitäten

Unter dem Begriff unterrichtliche Aktivitäten versteht man nach Jurik, Seidel Gröschner (2012) Elemente der Unterrichtsorganisation, die im Verhalten der beteiligten Personen sichtbar und beobachtbar sind. Es wird zwischen Lehraktivitäten und Lernaktivitäten unterschieden. Während bei Lehraktivitäten die Handlungen und das Verhalten der Lehrperson im Vordergrund stehen, kommt es bei den Lernaktivitäten auf die aktive Auseinandersetzung der Lernenden mit dem Unterrichtsstoff an.

Unterrichtliche Aktivitäten werden nach Seidel (2003) auch als Sichtstrukturen bezeichnet, da sie sich rein auf die in den Videoanalysten zu beobachtenden Aktivitäten und Verhaltensweisen konzentrieren. Sie untersuchen die für Unterricht typischen Aktivitäten und Organisationsformen, wie zum Beispiel die Sozialformen des Unterrichts. Ein direkter Zusammenhang zwischen unterrichtlichen Aktivitäten und dem Lernen der Schüler kann nicht hergestellt werden. Ausschlaggeben für die Umsetzung bestimmter Organisationsformen ist einzig und alleine die Qualität der Aktivitäten. Diese müssen immer in Verbindung mit anderen Qualitätsmerkmalen betrachtet werden.

Empirische Befunde der IPN-Videostudie im Physikunterricht in 9. Klassen zeigen, dass in Deutschland der Schulunterricht überwiegend als Unterrichtsgespräch stattfindet, wobei die Unterrichtseinheiten hauptsächlich lehrerzentriert sind. Versuche und Versuchsreihen, beispielsweise in den naturwissenschaftlichen Fächern, finden sehr häufig als Demonstrationsversuche statt, sehr selten nur als Schülerversuche (vgl. Prenzel, Duit Lehrke 2003).

3.2 Zielorientierung

Der Begriff Zielorientierung beinhaltet mehrere Bedeutungen. Man versteht darunter zum einen die genaue Zielerklärung, zum anderen auch die Transparenz und die Klarheit des Ziels. Weiterhin fallen unter den Begriff auch die strukturierte Organisation des Unterrichts an den Zielen und die zielorientierte Verankerung der Lerninhalte.

Zielorientierung ist von besonderer Bedeutung. Eine Strukturierung der Unterrichtseinheit ist beispielsweise ohne eine genaue Zielvorgabe nicht möglich. Weiterhin wird dadurch eine gewisse Zweckrationalität und Kontrollierbarkeit des Unterrichts ermöglicht. Ein sinnvoll geplanter und zielorientierter Unterricht ist für Schüler einfacher zu verfolgen, als ein ungeplanter. Die Lernenden haben auch die Möglichkeit, den Unterrichtserfolg selbst zu erfassen. Sind Schüler zu stark mit der Suche nach dem Unterrichtsziel beschäftigt, fällt ihnen häufig die Konzentration auf die eigentlichen Themen der Stunde sehr schwer.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Lernen, Unterricht zu beobachten. Aus Unterrichtsbeobachtungen lernen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Psychologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V292913
ISBN (eBook)
9783656902331
ISBN (Buch)
9783656902348
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lernen, unterricht, unterrichtsbeobachtungen
Arbeit zitieren
Christian Haas (Autor), 2013, Lernen, Unterricht zu beobachten. Aus Unterrichtsbeobachtungen lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292913

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