Die Deutsche Revolution von 1918/19 - Die Sozialisierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

18 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Sozialisierung in Theorie und Praxis
2.1. Definition
2.2. Die Idee der Sozialisierung vor 1918
2.3. 1918/19 – Die Sozialisierung marschiert?
2.4. Die Entwicklungen im Ruhrgebiet 1918/19
2.5. Die Entwicklungen in Mitteldeutschland

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die meisten Völker unserer Erde haben sich im Laufe ihrer Geschichte wenigstens einmal, wenn nicht öfter, in einer Phase der Revolution befunden. Bis heute sind den Menschen bestimmte Schlagwort zu diesen Ereignissen im Gedächtnis. Der Sturm auf die Bastille, der Signalschuss aus dem Panzerkreuzer Aurora oder die Boston Tea Party zum Beispiel.

Wir Deutschen können in unserer neueren und neuesten Geschichte gleich auf mehrere Revolutionen zurückblicken.

Fast genau in der Mitte zwischen der Revolution von 1848/49 und dem friedlichen Umbruch von 1989/90 finden wir die Ereignisse von 1918/19 wieder, die mir aus meiner eigenen Schulzeit noch unter der Bezeichnung „Novemberrevolution“ geläufig sind.

Da die DDR immer noch bestand, als ich die 10. Klasse einer Polytechnischen Oberschule abschloss, war eines der maßgeblichen Schlagwörter, das ich damit verband, der Begriff des „Spartakusaufstandes“.

Ich glaube, hier beginnt schon ein Teil des Problems, welches wir Deutschen mit dieser Revolution haben. Viele Historiker der DDR betrachteten diese für sie im Schatten der russischen „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ stehenden Ereignisse als eine „ihrem Charakter nach [...] bürgerlich-demokratische Revolution, die in gewissem Umfange mit proletarischen Mitteln und Methoden geführt wurde“.[1]

Somit stellte sie für die marxistisch-leninistische Historiographie keine „proletarische Revolution“ dar und wurde aus diesem Grunde einseitig betrachtet und m.E. historisch nicht richtig bewertet, gerade indem Aktivitäten radikal linker Gruppierungen, vor allem der Spartakusgruppe, stilisiert und deren Möglichkeiten überbewertet wurden. So wurde die MSPD des Verrats bezichtigt, um im Endeffekt die Existenz einer Einheitspartei auch damit zu rechtfertigen.

Leider wurde aber auch im westlichen Teil Deutschlands nach Meinung vieler Historiker die Auseinandersetzung mit der Revolution von 1918/19 über viele Jahre, gar Jahrzehnte, hinweg von keinem großen Interesse begleitet.[2]

Unter diesem Desinteresse hatte auch das Thema der vorliegenden Hausarbeit zu leiden, bzw. leidet zum Teil immer noch darunter.

In der Tat habe ich festgestellt, dass Veröffentlichungen zur Geschichte der Weimarer Republik, insbesondere über die Endphase dieser ersten deutschen Demokratie, Legion sind. Befriedigende Literatur zur Revolution von 1918/19 ist schon etwas schwieriger zu finden. Sucht man aber nach Beiträgen zum Komplex „Sozialisierung“ muss man mit einer kleinen Anzahl von Autoren vorlieb nehmen. Selbst in einigen Lexika sucht man den Begriff oder seine Definition vergebens. Dies finde ich insbesondere dahingehend bedauerlich, dass wenn man selbst den Weg in die deutsche Katastrophe verstehen will, und diesen als angehender Geschichtslehrer natürlich auch der jüngeren Generation verdeutlichen möchte, man nicht allein das Ende der Weimarer Zeit betrachten sollte.

Entscheidende Weichen für das Ansehen und das Funktionieren der ersten Demokratie auf deutsche, Boden wurden schließlich in den Winter und Frühjahrsmonaten der Jahre 1918 und 1919 gestellt.

Eine wichtige dieser Weichen ist meiner Meinung nach die Sozialisierung. Ob, wie oder warum sie nicht oder nicht richtig gestellt wurde, das möchte ich in dieser Arbeit versuchen zu erörtern. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen möchte ich meinen Blick dabei insbesondere auf zwei wichtige deutsche Industrieregionen richten.

2. Die Bedeutung der Sozialisierung in Theorie und Praxis

2.1. Definition

Sozialisierung, Form der Vergesellschaftung, d. h. der Überführung von beispielsweise Grund und Boden, Naturschätzen und Produktionsmitteln in Eigentum der Allgemeinheit.“[3]

2.2. Die Idee der Sozialisierung vor 1918

Sozialisierung ist kein Schlagwort, was erst gegen Ende des Ersten Weltkriegs erfunden wurde. Vielmehr gehört seit jeher die Idee einer Vergesellschaftung von Produktionsmitteln zum Kernbestand sozialistischer und sozialdemokratischer Zielvorstellungen. So schreibt August Bebel: „Alle gesellschaftlichen Übel haben ohne Ausnahme ihre Quelle in der sozialen Ordnung der Dinge, die gegenwärtig [...] auf dem Kapitalismus, auf kapitalistischer Produktionsweise beruht [...]. Demgemäß wäre also der kürzeste und rascheste Schritt, durch eine allgemeine Expropriation dieses kapitalistische Eigentum in gesellschaftliches Eigentum (Gemeineigentum) zu verwandeln. [...] Die Umwandlung aller Arbeitsmittel in Gemeineigentum schafft der Gesellschaft die neue Grundlage.“[4]

Dieser Grundgedanke der Beseitigung des Privateigentums wird von den unzähligen Fabrik- und Industriearbeitern, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch unter zum Teil erbärmlichsten Bedingungen existieren müssen nur zu gern als eine Art Heil und Erlösung angesehen.

Mit dem Knüpfen erster Fäden eines sozialen Netzes in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Deutschland beginnt allerdings das Interesse an dieser Idee bei der breiteren Masse der Bevölkerung zu sinken. In den Kriegsmonaten der Jahre 1914-1918 plagen die Deutschen andere große Probleme, so dass in dieser Zeit kaum über die Sozialisierung gesprochen oder geschrieben wird.

2.2. 1918/19 – Die Sozialisierung marschiert?

Dies ändert sich jedoch schlagartig im Dezember 1918. Der Begriff der Sozialisierung scheint plötzlich in aller Munde zu sein. Einerseits ging dies von den Arbeitern aus. So forderten streikende Bergleute am 21. Dezember 1918 auf einer Versammlung in Hamborn erstmals die sofortige Sozialisierung des Kohlenbergbaus. Diese Forderung richteten sie an den Rat der Volksbeauftragten, der sich im November des Jahres gegründet hatte und sich paritätisch zusammensetzte aus den USPD-Anhängern Barth, Dittmann und Haase sowie den MSPD-Mitgliedern Ebert, Landsberg und Scheidemann. Dieser Rat der Volksbeauftragten hatte bereits im November eine Sozialisierungskommission eingesetzt, die aus Politikern und Ökonomen bestand. Den Vorsitz hatte Karl Kautsky (USPD) inne. Desweiteren bestand die Kommission aus Rudolf Hilferding (USPD), Emil Lederer und Curt Ballock (Ökonomen), Heinrich Cunow (Freie Gewerkschaften) und vier weiteren Personen. Diese Kommission stellte schließlich Mitte Februar 1919 fest, dass eine Sozialisierung des Kohlenbergbaus wirtschaftlich und politisch notwendig sei, da die Kohle einerseits die Grundlage der Gesamtwirtschaft sei und sie andererseits eine „monopolistische Stellung innehat, die schon längst mehr öffentliche Kontrolle erfordere“.[5]

Die Sozialisierungskommission stellte ein Konzept vor, in dem es primär jedoch nicht um die Verstaatlichung, sondern um die Bildung eines neuen Wirtschaftskörpers ging. Dieser neuzubildende Wirtschaftskörper, die sog. „Deutsche Kohlegemeinschaft“ sollte ähnlich einer GmbH oder einer AG eine juristische Person sein.

So wie die Unternehmen einer bestimmten Größe in der heutigen Zeit über Kontrollorgane verfügen, war etwas ähnliches auch für die „Deutsche Kohlegemeinschaft“ geplant. Dieses Kontrollorgan sollte der sog. „Reichskohlenrat“ bilden, der zu je einem Viertel aus Vertretern der Betriebsleitungen, der Arbeiter, des Reiches und der Konsumenten bestand. Insgesamt sollte der „Reichskohlenrat“ aus 100 Mitgliedern bestehen, so dass die einzelnen Gruppierungen jeweils 25 Personen stelen sollten. Bei den Vertretern des Reichs galt die Vorstellung, dass 10 vom ihnen durch das Parlament und 15 durch den Reichsministerpräsidenten gewählt werden sollten und höchstens fünf dieser Personen durften Beamte sein.

Die Konsumenten waren Vertreter der kommunalen Werke, der Verbraucherorganisationen sowie der Abnehmer aus der Industrie.

Dieser „Reichskohlenrat“ wiederum sollte die Exekutive der Kohlegemeinschaft wählen, das sog. „Reichskohledirektorium“.

[...]


[1] Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 6, 1958. Sonderheft S. 1-27;

Kolb, E.: Die Weimarer Republik. (Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Bd. 16). München ³1993. S. 159

[2] Kolb, E.: Die Weimarer Republik. (Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Bd. 16). München ³1993. S. 157ff.;

Rürup, R. (Hg.): Arbeiter- und Soldatenräte im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Studien zur Geschichte der Revolution 1918/19. Wuppertal 1975. S. 11

[3] "Sozialisierung."Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[4] Bebel, A.: Die Frau und der Sozialismus. (Ausgewählte Reden und Schriften Bd. 10/2). Stuttgart 501910.

[5] Winkler, H.-A.: Von der Revolution zur Stabilisierung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1918-1924. Berlin, Bonn 1984. S. 191

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Revolution von 1918/19 - Die Sozialisierung
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Revolution 1918/19 in Deutschland
Note
2.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V29293
ISBN (eBook)
9783638308489
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Revolution, Sozialisierung, Revolution, Deutschland
Arbeit zitieren
Sven Ebel (Autor), 2003, Die Deutsche Revolution von 1918/19 - Die Sozialisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29293

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