Ich möchte mit der vorliegenden Arbeit zeigen, dass der Einsatz von erlebnis- und handlungsorientierten Methoden im Unterricht einen Einfluss auf die Beziehungsstruktur einer Gruppe von Schülern der Sekundarstufe hat. Die darüber aufgestellten Hypothesen habe ich mit Hilfe der Soziometrie, als wissenschaftliche Untersuchungsmethode analysiert und anschließend in Form von Soziogrammen dargestellt. Beobachtungen von Studierenden ergänzen den qualitativen Forschungsteil der vorliegenden Arbeit.
Im pädagogischen Diskurs steht neben dem „klassischen“ erlebnispädagogischen Konzept von Kurt Hahn das Lernmodel der Abenteuerpädagogik, welches als Ziel die kontinuierliche Arbeit mit Schülerinnen und Schülern hat. Ich werde das Konzept der Abenteuerpädagogik (Project Adventure) in der vorliegenden Arbeit in Theorie und Praxis vorstellen.
Heckmair und Michl beschreiben die Erlebnispädagogik als einen Beitrag zur zwischenmenschlichen Beziehung, da sie durch die oft notwendige persönliche Nähe neue Sichtweisen der Fremd- und Selbstwahrnehmung eröffnet, weil bisher feste Einstellungen und Urteile ins Wanken kommen können.
Die Bedeutung des Menschenbildes soll für Lehrerinnen und Lehrer handlungsleitend in ihrer pädagogischen Arbeit sein. Theoretische Konzepte zur Menschenbildtheorie beschreiben in der vorliegenden Arbeit mögliche Verknüpfungen mit erlebnis- und handlungsorientierten Interventionsmaßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
Der Autor
Vorwort
Einleitung
1. Konzepte der Erlebnispädagogik
1.1 Kurt Hahn und die Geschichte der Erlebnispädagogik
1.1.1 Das Menschenbild Kurt Hahns
1.1.2 Gesellschafts- und Konsumkritik Kurt Hahns
1.1.3 Die vier Elemente der „Erlebnistherapie“ Kurt Hahns
1.1.4 Kommentare zum Erziehungskonzept Kurt Hahns
1.2 Von der Erlebnispädagogik zur Abenteuerpädagogik
1.2.1 Erlebnispädagogik – eine Modeerscheinung?
1.2.2 Mögliche erlebnis- und handlungsorientierte Ansätze im schulischen Kontext
1.2.3 Grundlagen des Konzepts der Abenteuerpädagogik - Project Adventure
1.2.4 Schlüsselkompetenzen für ein erfolgreiches Leben
1.2.5 Ziele der Abenteuerpädagogik
1.2.6 Das Lernzonenmodell der Abenteuerpädagogik
1.2.7 Der Prozess des Lernens im Lernzonenmodell der Abenteuerpädagogik
1.3 Handlungs- und erlebnisorientiertes Lernen im pädagogischen Handlungsfeld Schule
1.3.1 Der Einsatz von erlebnis- und handlungsorientierten Methoden im Unterricht – im Bewusstsein der Bedeutung des Menschenbildes für die Erlebnispädagogik
2. Die Erkenntnisse und Postulate der humanistischen Psychologie im Diskurs mit den Zielen der Erlebnispädagogik
2.1 Carl R. Rogers als bedeutender Vertreter der Humanistischen Psychologie
2.1.1 Das Menschenbild Carl R. Rogers`
2.1.2 Die Persönlichkeitstheorie von Carl R. Rogers
2.1.3 Die Bedeutung des Menschenbildes in der Erlebnispädagogik - in Verbindung mit der der Theorie von Carl R. Rogers
2.1.4 Die vier „Basisvariablen“ - therapeutische Grundhaltungen von Carl Rogers - als mögliche Kernkompetenzen bei der Arbeit im erlebnispädagogischen Setting
2.1.5 Kommentar zu Carl R. Rogers Persönlichkeitstheorie von Cornelius Fiedler unter dem Aspekt einer konstruktivistischen Betrachtung
2.2 Wolfgang Mutzeck (1946 – 2009) und sein handlungstheoretisches Modell
2.2.1 Das Menschenbild von Wolfgang Mutzeck
2.2.2 Mutzecks Wirklichkeitskonzeption des Menschen als ein konstruktivistisches Denkmodell
2.2.3 Mutzecks Bild vom Menschen und die daraus entstehenden möglichen Einflussfaktoren auf erlebnispädagogische Maßnahmen
3. Soziometrische Untersuchung
3.1 Stichprobenbeschreibung
3.2 Inhalt der Untersuchung
3.3 Zielsetzung der Untersuchung
3.4 Durchführung der Untersuchung
3.5 Eingesetzte Befragungsinstrumente zur Datenerhebung
3.6 Aufstellung der Soziogramme
3.7 Interpretation der soziometrischen Analyse vor dem Einsatz von erlebnis- und handlungsorientierten Methoden
3.8 Interpretation der empirischen Daten nach dem Einsatz von erlebnis- und handlungsorientierten Methoden
3.9 Auswertung der empirischen Daten drei Monate nach dem Einsatz von erlebnis- und handlungsorientierten Methoden
3.10 Fragestellungen und Hypothesen
3.11 Qualitative Untersuchung des Projektes „Abenteuer im Turnsaal“
3.11.1 Interpretation der Ergebnisse
3.11.2 Darstellung der Beobachtungen über das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler der 4* Klasse als Diagramm und in Tabellenform
4. Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis untersucht den Einfluss erlebnis- und handlungsorientierter Methoden auf die Beziehungsstruktur innerhalb einer Schülergruppe der Sekundarstufe. Ziel der Arbeit ist es, empirisch aufzuzeigen, ob derartige Interventionsmaßnahmen zu einer Verbesserung des sozialen Status einzelner Schüler und zur Steigerung der Kooperationsbereitschaft sowie der Nachhaltigkeit von sozialen Lernprozessen beitragen können.
- Erlebnispädagogik und Abenteuerpädagogik im schulischen Kontext
- Humanistische Psychologie (insb. Carl R. Rogers) als theoretisches Fundament
- Soziometrische Analyse von Schülergruppen mittels Soziogrammen
- Transfer erlebnisorientierter Methoden in den Schulalltag
- Evaluation von Interventionsmaßnahmen hinsichtlich Sozialverhalten und Gruppenkohäsion
Auszug aus dem Buch
1.2.6 Das Lernzonenmodell der Abenteuerpädagogik
„Wenn du dich sicher fühlen willst, dann tu, was du schon immer konntest. Aber wenn du wachsen willst, dann gehe bis zum äußersten Ende deiner Kompetenz: Und das heißt, dass du für kurze Zeit deine Sicherheit verlierst. Wann immer du also nicht genau weißt, was du gerade tust, weißt du, dass du wächst.“ (Project Adventure, 1995)
Das Ziel jeder lernpädagogischen Aktion ist es, den Schülerinnen und Schülern mit Hilfe geeigneter Methoden Möglichkeiten zu schaffen, etwas lernen zu können. Ein gezieltes Erfassen von Zusammenhängen kann hilfreich sein, sich in der Wirklichkeit besser zurecht zu finden, bzw. die eigene Wirklichkeit bewusst mitzugestalten (Senninger 2000, S. 18).
Um in einen Lernprozess gehen zu können, müssen drei Vorbedingungen gegeben sein:
Lernvoraussetzungen in der Abenteuerpädagogik:
Notwendigkeit: Erste Vorbedingung für das Lernen ist ein gewisses Maß an Unzufriedenheit, Problembewusstsein, Irritation oder Chaos. Gerade die Unzufriedenheit wird von Senninger als Motivationsgrundlage zur Veränderung gesehen (2000, S. 19). Um neue Erfahrungen machen zu können und zu wollen, bedarf es somit des Zweifels an bisher Erlebtem und Erfahrenem. Dadurch wird ein „Vergleich zwischen Begriff und Gegenstand“ angestellt und aus dieser Differenz eine Kritik gegenüber dem selbst Erlebten aufgebaut (Schenz 2006; nach Kessler et al. 1973, S. 381). Für Mutzeck erlangt der Mensch ein subjektives Wohlbefinden durch Handlungen, die Bedürfnisse befriedigen. Diese Handlungen entwickeln sich aus dem Erleben eines Mangels und der daraus resultierenden Intention und aus dem Wollen, an diesem Zustand etwas zu ändern (2000, S. 55). „Lernen findet an dem Punkt statt, wo das Individuum seinen „Komfortbereich“ gerade verlässt und in unerforschtes Territorium vordringt. In diesem Moment wagt sich die Person an die eigenen Grenzen: Sie kommt an den - kritischen Moment -“ (Senninger 2000, S. 19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konzepte der Erlebnispädagogik: Dieses Kapitel führt in die historischen und theoretischen Grundlagen der Erlebnispädagogik ein, insbesondere das Konzept von Kurt Hahn sowie die Abenteuerpädagogik nach dem Modell von Project Adventure.
2. Die Erkenntnisse und Postulate der humanistischen Psychologie im Diskurs mit den Zielen der Erlebnispädagogik: Hier werden die Persönlichkeitstheorien von Carl R. Rogers und das handlungstheoretische Modell von Wolfgang Mutzeck als Fundament für ein wertschätzendes und autonomieförderndes pädagogisches Handeln analysiert.
3. Soziometrische Untersuchung: Dieser empirische Teil beschreibt die Durchführung soziometrischer Erhebungen zur Beziehungsstruktur in Schülergruppen vor und nach gezielten erlebnispädagogischen Interventionen, visualisiert durch Soziogramme.
4. Fazit:: Im Fazit werden die Ergebnisse der Untersuchung reflektiert, wobei die Wirksamkeit erlebnispädagogischer Methoden zur Stärkung sozialer Kompetenzen und zur Sensibilisierung für Gruppenbeziehungen hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Abenteuerpädagogik, Soziometrie, Gruppenkohäsion, Lernzonenmodell, Carl R. Rogers, Menschenbild, Sozialverhalten, Intervention, Kooperationsbereitschaft, Schulerziehung, Reflexion, Selbstwirksamkeit, Interaktionsspiele, Persönlichkeitsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis primär?
Die Arbeit untersucht den Einsatz erlebnis- und handlungsorientierter Methoden im Schulunterricht und deren Auswirkungen auf die Beziehungsstrukturen und das Sozialverhalten innerhalb einer Schülergruppe.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der empirische Teil stützt sich auf die Soziometrie, um die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe vor und nach den Interventionen quantitativ zu erfassen und mittels Soziogrammen grafisch darzustellen.
Was ist das Ziel des „Lernzonenmodells“?
Es dient dazu, Lernprozesse durch das Verlassen der Komfortzone und das bewusste Eintreten in den Grenzbereich (Wachstumszone) zu initiieren, um neue Erfahrungen und Kompetenzen zu ermöglichen.
Welche Theoretiker bilden die Grundlage der Arbeit?
Als theoretisches Fundament dienen die Erlebnispädagogik von Kurt Hahn sowie die humanistische Psychologie von Carl R. Rogers und das handlungstheoretische Modell von Wolfgang Mutzeck.
Was untersuchte der Autor im Projekt „Abenteuer im Turnsaal“?
Es wurde qualitativ untersucht, inwiefern dieses schülerzentrierte Projekt positive Einflüsse auf das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler einer Regelklasse im Kontakt mit einer Sonderschulklasse hatte.
Wie definiert die Arbeit den „kritischen Moment“?
Der kritische Moment ist die Übergangsphase von der Komfort- zur Wachstumszone, in der Unsicherheit und Angst auftreten, die jedoch für echtes Wachstum notwendig sind.
Welche Bedeutung kommt der Rolle der Lehrperson zu?
Die Lehrperson fungiert als empathische Prozessbegleiterin, die durch Basisvariablen wie bedingungsfreie Wertschätzung und Authentizität ein sicheres Lernumfeld schafft, ohne die Autonomie der Schüler einzuschränken.
Welche Rolle spielt die „Cliquenbildung“ bei der Interpretation der Daten?
Die Cliquenbildung wird als möglicher Erklärungsfaktor für auftretende Spannungen innerhalb der Gruppe identifiziert und mittels soziometrischer Netzwerkanalyse visualisiert.
- Quote paper
- Norbert Zauner (Author), 2013, Abenteuerpädagogik im Sportunterricht. Erlebnis- und handlungsorientierte Methoden als Interventionsmaßnahmen in pädagogischen Handlungsfeldern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292940