Die Besicherung von Unternehmensfinanzierungen. Bedeutung und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Covenants


Seminararbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klassifizierung von Covenants und deren Ausgestaltung
2.1 General Covenants
2.2 Information Covenants
2.3 Financial Covenants

3. Financial Covenants in der Finanzierungspraxis
3.1 Festlegung von Financial Covenants
3.2 Sanktionsmaßnahmen bei Covenantverstößen
3.3 Rechtliche Grenzen und Risiken aus Financial Covenants

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die zurückliegende Wirtschafts- und Finanzkrise und die neu eingeführten Regularien zur stärkeren Bindung von Eigenkapital haben eine Vielzahl deutscher Kreditinstitute dazu bewogen, eine gewisse Risikoaversion bei der Kreditvergabe zu entwickeln.[1] Gemäß einer Studie des Deloitte-Mittelstandsprogrammes[2] stellen die Institute die Belastbarkeit bilanzieller Kennzahlen (81% der befragten Unternehmen) und ein funktionierendes Reporting (74%) zunehmend in den Fokus ihrer Risikobeurteilung. Die Finanzierungsmittel sind bei der aktuellen Kapitalmarktsituation zu sehr zinsgünstigen Konditionen verfügbar. Dagegen wird vorausgesetzt, dass seitens der Unternehmen angemessene und möglichst Basel III-konforme Sicherheiten (69%) gestellt werden. In einer jährlichen Studie des DIHK[3] geben aktuell 55% (2011: 43%) der befragten Unternehmen fehlende Sicherheiten als Grund für schlechtere Finanzierungsbedingungen an.[4] Die Verschärfung der Anforderungen an die Kreditvergabe ist an der zunehmenden Vereinbarung von Covenants als Ersatzsicherheiten ersichtlich.[5]

Covenants (engl. für Verpflichtung/bindende Zusage, eine gängige Sicherungsmethode ursprünglich aus dem anglo-amerikanischen Kreditwesen)[6] stellen Verpflichtungserklärungen des Schuldners dar, die sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Ausprägung auftreten. Diese Verpflichtungen werden in Form individueller Nebenabreden zwischen Kreditinstitut und Kreditnehmer vereinbart.

Als originäres Ziel verfolgen die Kreditinstitute bei der Einigung auf Covenants die Minimierung ihrer Kreditausfallrisiken in Verbindung mit umfassenden Kündigungsrechten. Durch regelmäßige Überwachung dieser Covenants gilt es, den Kreditgeber frühzeitig auf wirtschaftliche Veränderungen und Probleme des Kreditnehmers hinzuweisen.[7] Dahingegen können zu weit gefasste Covenantvereinbarungen mit dem Risiko rechtlicher Konsequenzen verbunden sein.

Für den Schuldner beinhalten die kreditvertraglichen Nebenabreden die Pflicht, die eigenen wirtschaftlichen Leistungen verstärkt zu fokussieren, um sich den eingeräumten Liquiditätsrahmen zu erhalten.[8] Mitunter belasten die vereinbarten Covenants das Management und die strategische Ausrichtung einer Unternehmung angesichts der stetigen Pflicht zur Einhaltung der Kennzahlen erheblich.

Insgesamt erachten jedoch lediglich 29 % der Unternehmen den von Kreditinstituten ausgeübten Druck als hoch bis sehr hoch, 40 % der Unternehmen nehmen die Einflussnahme mittels Covenants nur als gering wahr.[9]

Diese Ausarbeitung stellt einen Überblick über die verschiedenen Ausgestaltungsformen von Covenants dar. Als Schwerpunkt werden die weit verbreiteten Financial Covenants, deren konkrete Festlegung in der Praxis und mögliche Sanktionsmaßnahmen bei deren Verletzung beleuchtet. Weiter wird die Frage erörtert, inwieweit Financial Covenants als Risiko- und Krisenfrühwarnsystem geeignet erscheinen und die Grenze zum beträchtlichen Eingriff in die Geschäftsführung überschritten wird.

2. Klassifizierung von Covenants und deren Ausgestaltung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Covenants in der Finanzierungspraxis, eigene Darstellung in Anlehnung an Haghani u.a., 2009, S. 8.

In der Praxis sind vor allem drei Arten qualitativer und quantitativer Covenants als Bestandteile in Kreditverträgen mit Firmenkunden etabliert. Eine Abgrenzung erfolgt wie in Abbildung 1 dargestellt in General Covenants, Information Covenants und Financial Covenants. Deren explizite Ausgestaltung wird nachfolgend erläutert.

2.1 General Covenants

Als General Covenants werden allgemeine Handlungsverpflichtungen und qualitative Regelungen, die für die Kreditbeziehung von Bedeutung sind, verstanden. Als Untergliederung definieren sich positive (oder auch affirmative) Covenants sowie negative Covenants.

Positive Covenants verpflichten den Kreditnehmer zu bestimmten Handlungen, die unterschiedlicher Natur sein können. Beispielhaft zu erwähnen ist die Pflicht zum Abschluss von Versicherungen, zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (z.B. maßgeblicher Rechnungslegungsstandards und Betriebsgenehmigungen) wie auch zur Erfüllung von (Steuer-) Verbindlichkeiten.[10] Solche Klauseln finden sich fast in jedem Kreditvertrag (96%) wieder.[11]

Im Gegensatz dazu beinhalten negative Covenants für den Kreditnehmer (in 76% der Kreditverträge vereinbart)[12] in der Regel unterschiedliche Verhaltensverbote, deren Durchbrechung der Zustimmung des Kreditgebers bedarf. Zu diesen Unterlassungserklärungen gehören Negativerklärungen, die eine Belastung von Sicherungsgütern durch andere Gläubiger sowie deren Veräußerung untersagen. Zudem weit verbreitet ist die Change-of-Control-Klausel (CoC-Klausel). Diese kennzeichnet die Verpflichtung, einen Wechsel des Hauptgesellschafters wie auch die Veräußerung des Unternehmens erst nach ausdrücklicher Zustimmung des Kreditgebers zu vollziehen. Auch findet die Gleichstellungsverpflichtung (Pari-Passu-Klausel) Anwendung: eine Erklärung, für sämtliche Gläubiger identische Sicherheiten (auch Bürgschaften oder Garantien) zu bestellen bzw. im Insolvenzfall alle Gläubiger gleichrangig zu behandeln. Ferner werden Beschränkungen zur weiteren Kreditaufnahme sowie zur Ausschüttung von Unternehmensgewinnen (mit Blick auf eine Schwächung der Kapitalausstattung) den negativen Covenants zugeordnet.[13]

Die Pflichten aus General Covenants sind für den Kreditnehmer „regelmäßig eindeutig erkennbar und ihre Einhaltung hängt meist ausschließlich von dem entsprechenden Willen des Kreditnehmers ab.“[14] Für die praktische Einhaltung dieser Covenants bedarf es vornehmlich der umsichtigen Geschäftsführung, die generell vorausgesetzt wird und bereits im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung entsprechende Berücksichtigung findet. Ungeachtet dieser Tatsache ist es für den Kreditgläubiger vorrangig von Bedeutung, dass die finanzierte Unternehmung mit den handelnden Personen und dem bekannten Geschäftszweck langfristig fortgeführt wird und sich somit das operative Risiko nicht verändert.

2.2 Information Covenants

Während dem Kreditnehmer durch die zuvor dargestellten General Covenants bestimmte vertragliche Verhaltensweisen obliegen, zielen Information Covenants oder Monitoring Covenants auf die regelmäßige und zeitnahe Einreichung wirtschaftlicher Berichtsunterlagen ab. Die Offenlegungspflichten, auch begründet aus § 18 KWG[15], beziehen sich auf die Bereitstellung von Jahresabschlüssen, Quartals- bzw. Monatsabschlüssen (i.d.R. in Form von betriebswirtschaftlichen Auswertungen) oder eines Business-Plans mit Planbilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen. Auch zählt bei großen Unternehmen eine Mitteilung über Veränderungen des externen Ratings zu den in der Praxis vereinbarten Klauseln.[16] Information Covenants dienen dem Kreditgeber zur laufenden Überwachung und Auswertung der Financial Covenants.[17] Die Überwachung findet bei der Mehrzahl der Kreditgeber (66 %) im vierteljährlichen Rhythmus statt.[18] Auch wird über die Gestaltung von Monitoring Covenants versucht, die Risiken der asymmetrischen Informationsverteilung aus der Principal-Agent-Beziehung[19] zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer zu reduzieren.

2.3 Financial Covenants

Der Vereinbarung von Financial Covenants, genauer von quantitativen Finanzkennzahlen, zielt auf die wirtschaftlichen Strukturen des Kreditnehmers ab. Vielfach werden die Klauseln demzufolge als Kreditstrukturauflagen beschrieben.[20] Die Ausgestaltung ist besonders vielfältig und kann in die Bereiche Bilanzstruktur, Ertragslage und Liquiditätsausstattung des Unternehmens untergliedert werden (siehe Abbildung 1). Die Festlegung erfolgt in Form von Verhältniszahlen oder absoluten Kennzahlen.[21]

Häufige Anwendung zur Beurteilung der Kapitalstruktur einer Bilanz findet die Eigenkapitalklausel. Diese schreibt vor, dass der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme / am Gesamtkapital die beauflagte Quote nicht unterschreiten darf. Weiterhin besteht auch die Möglichkeit eine Mindestkapitalausstattung, die teilweise an Thesaurierungsvorgaben geknüpft wird, als absoluten Wert zu vereinbaren.[22] Indirekt fordert diese Klausel damit eine Ausschüttungsbegrenzung. Während der Kreditgeber sein Finanzierungsrisiko begrenzen will, ermöglicht eine hohe Eigenkapitalausstattung es dem Kreditnehmer, operative Verluste zunächst aufzufangen. Folglich sinkt tendenziell mit zunehmender Eigenkapitalquote auch das Insolvenzrisiko.[23]

Die Beurteilung der relativen bilanziellen Verschuldung des Kreditnehmers erfolgt anhand der Verschuldungsgradkennziffer (Debt Equity Ratio oder Gearing Ratio).

Ziel sollte es sein, die Debt Equity Ratio des Kreditnehmers möglichst niedrig und respektive stabil zu halten, um so das Ausfallrisiko zu begrenzen. Die absolute Obergrenze der Verschuldung ist auch hier an die Eigenkapitalausstattung geknüpft. Bei vorgenannten Eigenkapital- und Verschuldungscovenants steht die Fähigkeit des Kreditnehmers zur Rückführung des Kreditvolumens zu einem fiktiven endfälligen Zeitpunkt im Vordergrund.[24]

In der Praxis ist zudem der Nettoverschuldungsgrad (Leverage Ratio) als ertragsorientierte Variante der Verschuldungskennziffer gebräuchlich.

Die Leverage Ratio trifft eine Aussage über die Fähigkeit des Schuldners, seinen wiederkehrenden Kapitaldienst (Zins- und Tilgungsleistung) zu erbringen.[25] Die Aussagekraft der Kennzahl ist dahin begrenzt, dass die Ertragslage kurzfristig schwanken kann, wohingegen die Verschuldung in der Regel langfristig angelegt ist.

[...]


[1] Vgl. Schumann u.a., 2013, S. 4.

[2] Vgl. Reker/Ukens, Studie „Finanzierung im Mittelstand“, 2012, S. 29 f.

[3] Deutscher Industrie- und Handelskammertag, kurz DIHK

[4] Vgl. Schumann u.a., 2013, S. 4.

[5] Vgl. Nouvertné, 2012, S. 2140 ff.

[6] Vgl. Runge, 2010, S. 5 ff.

[7] Vgl. Haghani u.a., 2008, S. 3 ff.

[8] Vgl. Haghani u.a., 2008, S. 5.

[9] Vgl. Reker/Ukens, 2012, S. 31. Der Wahrnehmungswiderspruch bezogen auf die vertraglich fixierten Sanktionen lässt auf eine Unterschätzung durch die befragten Unternehmen der Studie schließen, wovon in der zitierten Quelle ausgegangen wird.

[10] Vgl. Runge, 2010, S. 26 ff.

[11] Vgl. Haghani, 2009, S. 14.

[12] Vgl. Haghani, 2009, S. 14.

[13] Vgl. Runge, 2010, S. 10 ff.

[14] Nouvertné, 2012, S. 2141.

[15] Gesetz über das Kreditwesen, im Folgenden KWG

[16] Vgl. Haghani u.a., 2009, S. 9.

[17] Vgl. Runge, 2010, S. 32.

[18] Vgl. Haghani, 2008, S. 15 und o.V., 2012, Darlehensvertrag, S. 17 f.

[19] Vgl. Brost u.a., 2012, S. 43 ff. Principal-Agent-Beziehung: Zusammentreffen zweier Interessengruppen, bei dem ein Agent (Kunde) unternehmerische Entscheidungen trifft, die auch den Nutzen des Principals (Fremdkapitalgeber) beeinflussen. Die Informationsasymmetrie liegt dabei im Informationsvorsprung der Geschäftsführung gegenüber der finanzierenden Bank u.a. bezogen auf geplante Investitionstätigkeiten begründet.

[20] Vgl. Haghani u.a., 2008, S. 5 ff.

[21] Vgl. Runge, 2010, S. 30.

[22] Vgl. Runge, 2010, S. 35 ff.

[23] Vgl. Tauber, 2011, S. 117.

[24] Vgl. Haghani u.a., 2009, S. 10.

[25] Vgl. Runge, 2010, S. 43.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Besicherung von Unternehmensfinanzierungen. Bedeutung und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Covenants
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Bankbetriebswirt
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V293052
ISBN (eBook)
9783656902119
ISBN (Buch)
9783656902126
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, ausgestaltungsmöglichkeiten, covenants, rahmen, besicherung, unternehmensfinanzierungen
Arbeit zitieren
Sven-Hajo Schmidt (Autor), 2014, Die Besicherung von Unternehmensfinanzierungen. Bedeutung und Ausgestaltungsmöglichkeiten von Covenants, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293052

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