Argumente für das Betriebliche Gesundheitsmanagement und seine Ziele


Akademische Arbeit, 2010
16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Gründe für ein BGM
1.1 Der demografische Wandel
1.2 Veränderungen in der Gesellschaft
1.3 Veränderungen in der Arbeitswelt
1.4 BGM zahlt sich aus

2 Ziele des BGM
2.1 Senkung von Krankheitskosten
2.2 Verbesserung der Mitarbeitermotivation
2.3 Verbesserung des Unternehmensimages
2.4 Verbesserung von Wohlbefinden und Gesundheit

3 Literaturverzeichnis (inklusiver weiterführender Literatur)

4 Abbildungsverzeichnis

In dieser Arbeit soll die Bedeutung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, Gründe dafür sowie seine Ziele dargestellt werden. Dabei wird der eher klassische Ansatz des Arbeitsschutzes nicht so stark behandelt, sondern bereits als Grundlage für das Betriebliche Gesundheitsmanagement gesehen.

1 Gründe für ein BGM

Widerstände gegen ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gibt es in vielen Unternehmen. Argumente sind dann die Kosten und Ressourcen oder auch die Zeit, die für ein solches System aufgewendet werden müssen. Viele Unternehmen sehen die Gesunderhaltung in der alleinigen Pflicht ihrer Mitarbeiter und des Gesundheitssystems der Bundesrepublik. Dabei ist die Ge-

sundheit, gemeinsam mit Bildung und Qualifikation, zentrale Voraussetzung für hohe Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Die folgenden Kapitel zeigen auf, warum ein Betriebliches Gesundheitsmanagement in einer, sich veränderten, Arbeitswelt sinnvoll und notwendig ist.

1.1 Der demografische Wandel

In Deutschland, wie auch in anderen weit entwickelten Gesellschaften, ist der demografische Wandel in vollem Gange. Die Menschen werden immer älter. Grund dafür ist eine seit 150 Jahren stetig steigende Lebenserwartung. Die Gesellschaft schrumpft auch durch eine sinkende Geburtenrate. Dies signalisiert, dass der Kinderwunsch nachlässt oder er sich mit den Arbeits- und Lebensbedingungen hierzulande wenig vereinbaren lässt. Außerdem ist zu beobachten, dass die Lebenserwartungen in der Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Industrienationen, trotz sehr hoher Aufwendungen für Prävention und insbesondere Krankenversorgung, nicht sehr hoch ist.

Die Alterung der Bevölkerung erzeugt eine Alterung der Erwerbstätigen und damit der Beschäftigten in den Betrieben. Wie in Abbildung 1 ersichtlich ist, wird erwartet, dass der Anteil der Beschäftigten über 50 Jahre in der Bundesrepublik im Jahr 2020 bei 39 Prozent liegen wird. Damit wird diese Altersgruppe die stärkste sein.

Abbildung 1

Die Personalpolitik der Unternehmen der vergangenen Jahre, als das vorzeitige Ausgliedern älterer Mitarbeiter jüngere Belegschaften erzeugte, scheint nicht mehr durchsetzungsfähig zu sein, betrachtet man den bevorstehenden Arbeitskräftemangel, besonders von Fachkräften. Der demografische Gesellschaftswandel gilt als eine der größten Herausforderungen in der Bundesrepublik Deutschland insbesondere für Politik und Wirtschaft. Für die Unternehmen ergeben sich daraus Konsequenzen für die Personalbeschaffung, die Qualifizierung und natürlich für die Gesundheitspolitik. Es drohen den Unternehmen Verluste des Know-hows durch das Ausscheiden und krankheitsbedingte Fehlen von älteren Mitarbeitern.

Generell muss man davon ausgehen, dass ältere Mitarbeiter höhere Krankheitskosten erzeugen. Es lässt sich nicht unbedingt eine signifikant höhere Anzahl von Abwesenheiten feststellen, jedoch dauern die Abwesenheiten meist länger als bei jüngeren Mitarbeitern. Die Anfälligkeit für vorzeitigen Verschleiß der Leistungsfähigkeit ist abhängig von der Qualifikation und der Bildung der Mitarbeiter zum einen und zum anderen von den psychischen und physischen Zuständen am Arbeitsplatz. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für Unternehmen durch professionelles, systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement die Arbeitsbelastungen zu mindern und die Mitarbeiter zu einem gesundheitsbewussteren Verhalten zu befähigen.

1.2 Veränderungen in der Gesellschaft

Neben der älter werdenden Bevölkerung lassen sich auch Veränderungen in der Gesellschaft feststellen, die sich nachteilig auf den Gesundheitszustand auswirken. Immer stärker verändert sich das Familienbild. Single- und Zwei Personen-Haushalte sowie Patchwork-Familien sind keine Seltenheit mehr. Des Weiteren steigt die Anzahl der berufstätigen Frauen stetig. Diese Aspekte des Privatlebens haben sicherlich Auswirkungen auf die psychischen Belastungen von Arbeitnehmern und tragen so zu einem veränderten Umgang mit Ernährung, Bewegung und Suchtverhalten bei.

Gerade das Thema Ernährung ist immer wieder in den Medien präsent und eigentlich für nahezu jeden Menschen relevant, da die Folgen von falscher Ernährung schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen oder Krebs sein können. Ungeachtet dessen hat sich das Essverhalten von vielen Deutschen verändert – mit gravierenden Folgen: so sind bereits über 50 Prozent der Deutschen übergewichtig. Fast-Food Ketten stampfen immer wieder neue Filialen aus dem Boden und die Fertigprodukteindustrie freut sich über hervorragenden Absatz. Resultat dieses Verhaltens ist die Zunahme von Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen, Erkrankungen der Verdauungsorgane und vieles mehr. Diese Krankheitsbilder machen einen großen Anteil der Erkrankungen der in Deutschland Beschäftigten aus.[1]

Die steigende Zahl der oben genannten beobachteten Erkrankungen wird sicherlich auch durch ein verändertes Bewegungsverhalten begünstigt. So bewegen sich, insbesondere jüngere Menschen, immer weniger, was ihrer natürlichen Beschaffenheit widerspricht. Der Mensch war noch vor wenigen tausend Jahren ein Langstreckenläufer, welcher seine Beute über große Distanzen verfolgte. Dementsprechend besitzt er auch heute noch einen ausgeprägten Bewegungsdrang. In der modernen, mobilisierten Welt wird dieser Drang unterdrückt, Distanzen werden mit Auto, Bus oder Bahn zurückgelegt und Sport als Freizeitprogramm wird häufig durch Fernsehen, Internet oder Konsolenspiele verdrängt. Paradoxerweise steigt die Zahl der Mitglieder von Fitnesscentern und Sportvereinen dauerhaft, dies ist ein Resultat der „Fit und Schön“ Gesellschaft. Jedoch wird oft falsch, nicht ausreichend oder gar übermäßig trainiert und damit auch der Körper geschädigt.[2]

In der heutigen Gesellschaft treten immer wieder Fälle von Suchtverhalten auf. Dabei ist zu beobachten, dass dieses Thema immer noch für viele Menschen ein Tabu ist und Suchtverhalten sogar toleriert wird. Sucht hat meist neben den gesundheitlichen Folgen, soziale Folgen sowie Folgen für die Arbeitssituation Betroffener. Es sind besonders Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit, die in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Jedoch haben auch nicht stoffgebundene Süchte, wie etwa Spielsucht, Arbeitssucht oder Essstörungen, negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Verstärkter Konsum von Zigaretten wird in der Gesellschaft geduldet, obwohl die Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit verheerend sind und dies auch allgemein bekannt ist. Die Zahl der Diagnosen von Suchtkrankheiten und den damit verbundenen Folgeerkrankungen ist in den letzten Jahren angestiegen. Hier wird deutlich, dass viele Beschäftigte suchtgefährdet oder gar schon suchtkrank sind. Dies erklärt die Notwendigkeit für Unternehmen ihre Mitarbeiter aufzuklären und Sucht fördernde Arbeitsbedingungen abzubauen.[3] [4]

Diese Problematiken zeigen, dass ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement nicht am Werkstor aufhören sollte sondern seinen Präventionsauftrag mit in das Privatleben der Beschäftigten zu gestalten hat.

1.3 Veränderungen in der Arbeitswelt

Durch die Globalisierung wird die Arbeitswelt immer unübersichtlicher. Das Belastungsniveau ist gestiegen, immer mehr Arbeit muss von immer weniger, älter werdenden Beschäftigten bewältigt werden. Unter Termindruck müssen viele Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen als früher. Durch mehr Druck und Zukunftsängste, bedingt durch Krisen und drohende Arbeitslosigkeit, ist zu beobachten, dass die Unsicherheit der Beschäftigten wächst. Für Unternehmen entwickelt sich daraus ein Risiko des zunehmenden gesundheitlichen Verschleißes durch psychische Überforderung und einem dadurch bedingten Leistungsabfall.

Es ist also erkennbar, dass die psychische Belastung am Arbeitsplatz für viele Beschäftigte zugenommen hat. Dies hat auch Auswirkungen auf die festgestellten Erkrankungen von in Deutschland Beschäftigten, denn emotionale Belastungen wie Unzufriedenheit, Angst und Stress können zu Krankheiten führen. So ist die Anzahl diagnostizierter geistiger Erkrankungen im Zeitraum von 2006 bis 2009 um 39 Prozent gestiegen. Prognosen zufolge wird im Jahr 2020 die depressive Verstimmung nach den Herzerkrankungen an zweiter Stelle der am meisten diagnostizierten Erkrankungen liegen. Es ist auch zu beachten, dass psychische Belastungen nicht nur auf den mentalen Zustand Einfluss haben, sondern auch auf den körperlichen, wie zum Beispiel bei Rückenschmerzen. Phänomene wie Mobbing und Burnout werden weiter an Bedeutung gewinnen und dies kann nicht nur durch erhöhte Sensibilität der Ärzte und Beschäftigten begründet werden.[5]

Seit den 1960er Jahren verändern sich die direkt auf die Beschäftigten einwirkenden Belastungen positiv. Die physischen, physikalischen, chemischen oder biologischen Einflüsse konnten seit dieser Zeit durch die fortlaufende Verbesserung von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit gemindert werden. So ist auch eine rückläufige Zahl von Arbeitsunfällen zu beobachten. Grund dafür ist auch die zunehmende Automatisierung und Mechanisierung, weshalb technisch-manuelle Tätigkeiten in vielen Betrieben entfallen sind. Trotz dieser positiven Entwicklung haben die Erkrankungen des Muskel- Skelett-Systems den größten Anteil an den krankheitsbedingten Ausfalltagen. Es wird also deutlich, dass gerade in diesem Bereich die Notwendigkeit eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements besteht und welche Potentiale für Unternehmen darin zu sehen sind. Dabei darf die zunehmende psychische Belastung am Arbeitsplatz keinesfalls außer Acht gelassen werden.

1.4 BGM zahlt sich aus

Wie in vorangegangen Unterkapiteln aufgezeigt wurde, hat die Implementierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements viele aktuelle Gründe. Jedoch sticht ein Beweggrund hervor: Betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt sich für Unternehmen auch in finanzieller Hinsicht. Sicherlich hängt der wirtschaftliche Erfolg von der Höhe der Aufwendungen, der Organisationsstruktur und anderen individuellen Faktoren eines Unternehmens ab und kann somit erst nach der Einführung bemessen werden. Jedoch zeigen Studien, dass das Kosten Nutzen-Verhältnis bei der Vermeidung fehlzeitenbedingter Kosten in etwa bei 1:2,5 bis 1:6 liegt. Wie eine weitere US- amerikanische Studie festgestellt hat, sinken die Krankheitskosten nach erfolgreicher Einführung betrieblicher Gesundheitsförderung im Durchschnitt um 26 Prozent. Geht man davon aus, dass ein Betriebliches Gesundheitsmanagement positive Auswirkungen auf die Qualität der Arbeit und die Produktivität hat, ist der Nutzen wohl noch höher. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist noch erfolgreicher, wenn es sich an die verschiedenen Gegebenheiten im Betrieb und den individuellen Mitarbeitersituationen orientiert. Langfristig können so auch eine erhöhte Mitarbeitermotivation, eine verringerte Fluktuation und eine verringerte Anzahl von Arbeitsunfällen erreicht werden.

Nicht nur Unternehmen und die Mitarbeiter haben einen Nutzen durch die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements, denn die gesamte Volkswirtschaft profitiert von sinkenden Fehlzeiten. Besonders interessiert an der Thematik sind die Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung, denn sie sind die Träger der Behandlung der Beschäftigten.

Nach dieser Aufstellung schlüssiger Argumente stellt sich eigentlich die Frage, wieso Betriebliches Gesundheitsmanagement noch nicht in allen Unternehmen verbreitet ist. Viele Unternehmen, gerade klein- und mittelständische, lehnen eine Einführung mit den Begründungen, es würde aufgrund der Größe, des fehlenden Kapitals, der Zeit oder des Know-hows keinen Sinn machen, ab. Dies ist eine Fehleinschätzung, denn ein professionelles Betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt sich für alle Unternehmen und das auch in Krisenzeiten.

[...]


[1] Vgl. Grobe; Dörning (2010)

[2] Vgl. Riechenhagen (2007) S. 2 -4

[3] Vgl. Faller (2010) S. 210, 211

[4] Vgl. Badura; Walter (2010) S. 400-402

[5] Vgl. Arbeitssicherheit kompakt, Ausgabe Nr. 13 (2010)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Argumente für das Betriebliche Gesundheitsmanagement und seine Ziele
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V293229
ISBN (eBook)
9783656903215
ISBN (Buch)
9783656906919
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
argumente, betriebliche, gesundheitsmanagement, ziele
Arbeit zitieren
Benjamin Vaupel (Autor), 2010, Argumente für das Betriebliche Gesundheitsmanagement und seine Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293229

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