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Die soziale Dimension von Suizidraten

Am Beispiel der Staaten der Europäischen Union

Title: Die soziale Dimension von Suizidraten

Bachelor Thesis , 2014 , 44 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Robin Ostrowski (Author)

Sociology - Medicine and Health
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Kurt Cobain, Robert Enke, Robin Williams.
Diese Namen stehen für ein Thema, das in der Öffentlichkeit nur sehr selten diskutiert wird: Suizid. In der Debatte um die Ursachen werden dabei fast immer psychologische Erklärungen gegeben. Konsequent zu Ende gedacht wäre Suizid damit ein rein individuelles Problem. Dabei handelt es sich keineswegs um Einzelfälle, wie es die meist selektive Aufmerksamkeit der Medien nahe legt.
Im Jahr 2010 starben nach Angaben der WHO Todesursachenstatistik 58.847 Menschen in den Staaten der Europäischen Union durch eine vorsätzliche Selbsttötung.1 In der Todesursachenstatistik machte Suizid in diesem Jahr damit etwa 1% aller, bzw. etwa 25% aller externen Todesursachen aus. Folgt man der Annahme der WHO, dass von einem Suizid im Durchschnitt mindestens sechs weitere Personen betroffen sind (vgl. Schmidtke et al. 2012: 50), so verloren im selben Jahr über 353.000 Menschen in der EU eine ihnen nahe stehende Person durch Suizid. Dies legt bereits nahe, dass das Phänomen keine Erscheinung außerhalb der Gesellschaft ist.

Begreift man Suizid in einem größeren Zusammenhang, können mögliche Gemeinsamkeiten untersucht werden. In den folgenden Kapiteln werden zentrale Theorien dargestellt und spezifisch soziologische Fragestellungen zum Suizid behandelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Maßzahlen in der Epidemiologie

2.1. Prävalenz, Inzidenz und Mortalität

2.2. Spezifische Suizidraten und Altersstandardisierungen

3. Problemstellung: Suizidraten in Europa

4. Soziologische Theorie: Von Durkheims „Le Suicide“ bis heute

4.1. Emile Durkheim: Soziale Integration und die soziale Ordnung

4.2. Kritik an Durkheim

4.3. Integration, Anomie und sozialer Wandel

4.4. Soziale Integration und geschlechtsspezifische Suizidraten

4.5. Alter und soziale Integration

5. Analyse

5.1. Geschlechtsspezifische Suizidraten

5.2. Altersspezifische Suizidraten

5.3. Zusammenfassung und Interpretation der Zusammenhänge

6. Suizidraten und Soziologie im 20. und 21. Jahrhundert: Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die These, dass Suizidraten nicht primär individuell, sondern als Phänomen im sozialen Kontext zu begreifen sind. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen soziologischen Indikatoren und Suizidraten in den Staaten der Europäischen Union unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen und altersspezifischen Faktoren zu analysieren.

  • Soziologische Suizidtheorien von Emile Durkheim im modernen Kontext
  • Analyse geschlechtsspezifischer Suizidraten und sozialer Integration
  • Einfluss des Alters und lebensphasenspezifischer Herausforderungen auf Suizidalität
  • Empirische Untersuchung anhand von Daten der WHO und der European Values Study

Auszug aus dem Buch

4.1. Emile Durkheim: Soziale Integration und die soziale Ordnung

Im 19. Jahrhundert erfährt der Suizid nach einer langen Episode der Tabuisierung ein gesteigertes Interesse, sowohl in der natur-, als auch in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Während einige Erklärungsansätze dieser Zeit insbesondere auf organische Hirnstörungen oder eine psychische Bedingtheit von Suiziden fokussieren, stellt Durkheim eine Alternativhypothese entgegen (vgl. Bieri 2005: 22). Beim Vergleich der Suizidraten verschiedener Gesellschaften kommt er zu dem Schluss, dass die Gesamtzahl der Suizide einer einzelnen Gesellschaft nicht einfach „die Summe voneinander unabhängiger Einzelfälle“ darstelle, sondern eine Tatsache sui generis schaffe (vgl. Durkheim 1983: 30).

Auf diese Weise betrachtet ist Suizid lediglich scheinbar eine individuelle Handlung, die Suizidrate jedoch vielmehr Indikator der gesellschaftlichen Verfassung und des sozialen Wandels (vgl. Feldmann 2013: 3; Bieri 2005: 28f.). Das bedeutet keinesfalls, dass die Individuen durch die Gesellschaft gesteuert werden. Vielmehr wird hier eine soziale Realität außerhalb der Individuen beschrieben, die sich auf die subjektiven Erfahrungen der Einzelnen auswirkt (vgl. Taylor 1982: 18f.). Um die Suizidrate als soziales Phänomen zu erklären rückt Durkheim daher das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Theorie. Von einem späteren Autor zusammengefasst, wird Suizid in einer Gesellschaft dann häufig, „wenn das Leben des Einzelnen in der Gemeinschaft [...] wenig Bedeutung hat“ (vgl. Watzka 2008: 49). Das anthropologische Konzept dahinter begreift den Menschen als ein Wesen, dessen Bedürfnisse gesellschaftlich geregelt werden müssen (vgl. Feldmann 2013: 5). Gemäß diesen Einschätzungen orientiert Durkheim seine Suizidtypologie an zwei Konzepten, die im Wesentlichen das eben genannte Verhältnis von Individuum und Gesellschaft beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Suizids als soziales Phänomen und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.

2. Die Maßzahlen in der Epidemiologie: Erläuterung grundlegender statistischer Begriffe wie Prävalenz, Inzidenz und Mortalität zur Vorbereitung der Analyse.

3. Problemstellung: Suizidraten in Europa: Übersicht über die heterogene Verteilung der Suizidraten in den EU-Staaten und Diskussion von Auffälligkeiten.

4. Soziologische Theorie: Von Durkheims „Le Suicide“ bis heute: Theoretische Auseinandersetzung mit Durkheims Konzepten der sozialen Integration und Anomie sowie deren moderner Kritik.

5. Analyse: Empirische Untersuchung der Zusammenhänge zwischen sozialen Indikatoren, Geschlecht, Alter und Suizidraten.

6. Suizidraten und Soziologie im 20. und 21. Jahrhundert: Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung.

Schlüsselwörter

Suizid, Suizidrate, soziale Integration, Anomie, Epidemiologie, Mortalität, Durkheim, Europäische Union, soziale Tatsachen, Lebensalter, Geschlechtsunterschiede, Arbeitsmarkt, soziale Ordnung, Wertewandel, European Values Study.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Suizid nicht als rein individuelles oder psychologisches Problem, sondern analysiert ihn als ein soziales Phänomen, das durch gesellschaftliche Strukturen beeinflusst wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die soziologische Suizidtheorie, die Bedeutung von sozialer Integration sowie der Einfluss von Lebensbereichen wie Arbeit und Familie auf die Suizidalität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, statistische Zusammenhänge zwischen sozialen, ökonomischen und demographischen Indikatoren und den Suizidraten in den EU-Staaten aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden theoretische Ansätze (insb. Durkheim) mit einer quantitativen Datenanalyse kombiniert, wobei Daten der WHO-Todesursachenstatistik und der European Values Study genutzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse geschlechtsspezifischer Differenzen sowie eine differenzierte Untersuchung altersspezifischer Suizidmuster.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem soziale Integration, Anomie, Suizidrate, Mortalität und der Einfluss des gesellschaftlichen Wertesystems.

Warum unterscheidet die Arbeit zwischen männlichen und weiblichen Suizidraten?

Da sich in allen westlichen Gesellschaften deutlich unterschiedliche Suizidraten zwischen den Geschlechtern zeigen, analysiert die Arbeit die dahinterstehenden sozialen Rollen und Integrationsmechanismen.

Welche Rolle spielt das Alter bei der Suizidgefahr laut der Analyse?

Die Analyse zeigt, dass die Suizidrate in vielen Staaten mit dem Alter ansteigt, stellt jedoch die Pauschalität dieser Annahme infrage und verweist auf variierende Herausforderungen in verschiedenen Lebensphasen.

Kann Erwerbslosigkeit als alleiniger Erklärungsfaktor für Suizidraten dienen?

Nein, die Arbeit zeigt, dass Erwerbslosigkeit zwar einen negativen Einfluss hat, dieser jedoch durch andere soziale Auffangstrukturen wie Familie, Religion oder staatliche Sozialleistungen kompensiert werden kann.

Wie bewertet der Autor Durkheims Theorien heute?

Der Autor erkennt Durkheims Pionierleistung und die Komplexität seiner Theorie an, kritisiert jedoch die empirische Schwammigkeit und die zu starke Reduktion auf soziale Umweltfaktoren.

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Details

Title
Die soziale Dimension von Suizidraten
Subtitle
Am Beispiel der Staaten der Europäischen Union
College
University of Tubingen  (Institut für Soziologie)
Grade
1,7
Author
Robin Ostrowski (Author)
Publication Year
2014
Pages
44
Catalog Number
V293237
ISBN (eBook)
9783656906612
ISBN (Book)
9783656906629
Language
German
Tags
Suizid Suizidraten Durkheim WHO Altersspezifische Suizidraten Geschlechtssepzifische Suizidraten Epidemiologie Soziale Integration Sozialer Wandel Soziale Ordnung Todesursachenstatistik Anomie Europa Europäische Union Werte Normen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robin Ostrowski (Author), 2014, Die soziale Dimension von Suizidraten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293237
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