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Autoritäre Staatsvorstellungen der Deutschen Volkspartei in der Krise der Weimarer Republik

Title: Autoritäre Staatsvorstellungen der Deutschen Volkspartei in der Krise der Weimarer Republik

Term Paper (Advanced seminar) , 1981 , 49 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alois Walter Teodoruk (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Während die Anfänge der DVP untersucht, Person und Politik ihres langjährigen prominenten Vorsitzenden, Gustav Stresemann, gewürdigt und die vor allem im Zusammenhang seiner Außenpolitik auf die Partei zurückwirkenden Aspekte analysiert sind, fehlt eine Darstellung der DVP nach dem Tod Stresemanns, vor allem für die Zeit der Krise der Weimarer Republik, sieht man von dem knappen Beitrag H. Booms ab.

So liegt trotz der für den einzelnen nicht mehr zu überblickenden Forschungsliteratur zur Weimarer Republik , noch immer keine umfassende Darstellung über die DVP vor, deren Anfang und Ende mit jenen der Weimarer Republik zusammenfallen.
Die meist kurzen, eher dem raschen Überblick dienenden Beiträge im Rahmen von Veröffentlichungen zur Parteienlandschaft oder ihre Behandlung unter ideengeschichtlichem Blickwinkel vermögen dieses Desiderat nur unvollkommen auszugleichen.

Angesichts dieser Forschungslage ist auch das hier zur Diskussion gestellte Thema noch nicht im Zusammenhang erörtert worden. Die Haltung der DVP zum Parlamentarismus von Weimar, die, je tiefer die Republik in die Krise geriet, desto deutlicher von der schon seit ihren Anfängen latent vorhandenen autoritären Staatsvorstellungen bestimmt wurde, welche nach Stresemanns Tod die politische Praxis der Partei mehr und mehr dominierten und sich schließlich auch in ihrer Programmatik niederschlugen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einführende Bemerkungen

I.1 Zum Forschungsstand

I.2 Zur Methodik der Untersuchung

II Die Haltung der DVP im politisch-parlamentarischen Raum der Weimarer Republik

II.1 Parteigründung und Weimarer Reichsverfassung: Die DVP zwischen Programmatik und Pragmatismus

II.2 Obstruktion und Rechtsdrang der Reichstagsfraktion während der Kanzlerschaft Stresemanns

II.3 Parteispaltung und ihre Folgen: die DVP zwischen Staats- und Parteiräson vor dem Hintergrund ihrer Interessenstruktur

II.4 Die Rolle der DVP beim Sturz des Kabinetts Müller

II.5 Die DVP und Brünings Präsidialkabinette: auf dem Weg zur Industrielobby

II.6 Von der Industrielobby zur Splitterpartei

II.7 Zusammenfassung und Ergebnis

III Ideologische und programmatische Positionen der DVP

III.1 Ansätze zu einer Verfassungsänderung

III.2 Liberale Ideologie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Entwicklung der Deutschen Volkspartei (DVP) während der Krise der Weimarer Republik und analysiert dabei insbesondere, wie die Partei von ihrer ursprünglichen Rolle als liberale Kraft hin zu einer Interessenvertretung für industriepolitische Ziele und autoritäre Staatsvorstellungen driftete.

  • Die Transformation der DVP von der Ära Stresemann zur Industrielobby.
  • Die Rolle der Partei bei der Destabilisierung parlamentarischer Kabinette.
  • Die ideologische Annäherung an autoritäre Staatskonzepte.
  • Die Auswirkungen der Interessenstruktur auf das parlamentarische Handeln.
  • Der schleichende Zerfall der Partei in der Endphase der Weimarer Republik.

Auszug aus dem Buch

II.2 Obstruktion und Rechtsdrang der Reichstagsfraktion während der Kanzlerschaft Stresemanns

Wenn auch innerhalb der DVP - und diese Feststellung trifft wohl auf die Mehrheit der Mitglieder zu - grundsätzlich die Tendenz zu einer „nationalen“, d. h. restaurativen Politik vorherrschte, die sich in der weitgehenden Übereinstimmung ihrer Ziele mit denen der DNVP dokumentierte, so lehnte die DVP die von einflußreichen Kreisen der DNVP geforderte gewaltsame Umwälzung des „Systems“ jedoch ab. Sie gab den Forderungen der praktischen Politik den Primat vor den Fernzielen der Partei, die, wie in den „Grundsätzen“ niedergelegt, zwar antirepublikanischen Charakters waren, aber nur durch legale Verfassungsänderungen auf evolutionäre Weise verwirklicht werden sollten.31 In der Situation, in der sich die Weimarer Republik in den ersten Jahren befand, hieß das Annäherung und Kompromißbereitschaft zur Mitte hin unter Einschluß der SPD, die im Reichstag mit 102 Sitzen die stärkste Fraktion bildete.32 Exponent dieser Haltung war der Parteivorsitzende Gustav Stresemann, der, rascher als noch 1920 vorauszusehen, die Aussichtslosigkeit einer restaurativen Politik erkannte und sich vom nationalistischen Machtpolitiker zum realistischen Verhand-lungspolitiker entwickelt hatte.33 Er zielte die Verständigung mit den Sozial-demokraten an und setzte sich für eine Zusammenarbeit mit ihnen ein, für die er auf dem Parteitag im Dezember 1920 - wenn auch zurückhaltend - plädiert hatte.34 Wie stark jedoch der Widerstand gegen die von Stresemann eingeleitete Politik in der Reichstagsfraktion und in einigen Landesverbänden der Partei war, zeigen die Ereignisse des Krisenjahres 1923, an dessen Ende das Kabinett Stresemann durch das Verhalten der eigenen Fraktion zur Demission gezwungen worden war.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einführende Bemerkungen: Ein Überblick über den Forschungsstand zur DVP und die Darlegung der methodischen Vorgehensweise durch Reduktion der Analyse auf Zentralvorstand und Reichstagsfraktion.

II Die Haltung der DVP im politisch-parlamentarischen Raum der Weimarer Republik: Eine detaillierte Untersuchung der parteiinternen Konflikte, der Rolle beim Sturz parlamentarischer Regierungen und der Transformation zur Industrielobby.

II.1 Parteigründung und Weimarer Reichsverfassung: Die DVP zwischen Programmatik und Pragmatismus: Analyse der DVP-Gründung und ihres ambivalenten Verhältnisses zur Reichsverfassung zwischen restaurativen Zielen und pragmatischer Regierungsbeteiligung.

II.2 Obstruktion und Rechtsdrang der Reichstagsfraktion während der Kanzlerschaft Stresemanns: Darstellung der Spannungen zwischen Stresemanns Realpolitik und der Opposition der Fraktionsmehrheit.

II.3 Parteispaltung und ihre Folgen: die DVP zwischen Staats- und Parteiräson vor dem Hintergrund ihrer Interessenstruktur: Erörterung der Auswirkungen der "Nationalliberalen Vereinigung" und der zunehmenden Bindung an Industriebelange.

II.4 Die Rolle der DVP beim Sturz des Kabinetts Müller: Untersuchung des bewussten Provokationskurses der DVP, der den Sturz der großen Koalition herbeiführte.

II.5 Die DVP und Brünings Präsidialkabinette: auf dem Weg zur Industrielobby: Analyse der zunehmenden Entfremdung von der parlamentarischen Demokratie zugunsten präsidialer Autorisierung.

II.6 Von der Industrielobby zur Splitterpartei: Darstellung des finalen Zerfallsprozesses der Partei unter Dingeldey und ihres Scheiterns als politische Kraft.

II.7 Zusammenfassung und Ergebnis: Abschließende Synthese der DVP-Entwicklung in zwei Phasen, geprägt durch das Ende des konstruktiven Pragmatismus nach Stresemanns Tod.

III Ideologische und programmatische Positionen der DVP: Untersuchung der verfassungsrechtlichen Zielsetzungen der Partei und ihrer ideologischen Rückbesinnung.

III.1 Ansätze zu einer Verfassungsänderung: Analyse der Forderungen nach einer Stärkung der Macht des Reichspräsidenten auf Kosten des Parlaments.

III.2 Liberale Ideologie: Darstellung des Wandels des liberalen Verständnisses hin zu einer individualistischen Verteidigung des Privateigentums und autoritärer Strukturen.

Schlüsselwörter

Deutsche Volkspartei, DVP, Weimarer Republik, Gustav Stresemann, Industriepolitik, Parlamentarismus, Präsidialkabinette, Rechtsdrang, Verfassungsänderung, Wirtschaftsinteressen, Industrielobby, Nationaler Liberalismus, autoritärer Staat, Parteispaltung, Krisenjahre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politische Entwicklung der Deutschen Volkspartei (DVP) während der Weimarer Republik und untersucht, wie die Partei zunehmend ihre liberale Identität verlor und zu einer Industrielobby und einem Verfechter autoritärer Staatsstrukturen wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen parlamentarischer Demokratie und restaurativen Tendenzen, der Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf parteipolitische Entscheidungen sowie die Rolle der DVP beim Zusammenbruch der parlamentarischen Regierungssysteme.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Motive und Hintergründe für den Rechtsdrang der DVP und ihre aktive Rolle bei der Destabilisierung der Weimarer Demokratie durch eine Analyse des Verhaltens von Zentralvorstand und Reichstagsfraktion herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt die Methode der Reduktion, indem er die Analyse des DVP-Handelns gezielt auf den Zentralvorstand und die Reichstagsfraktion fokussiert, um die internen Machtstrukturen und Entscheidungsprozesse in Relation zur Gesamtpartei und den Interessenverbänden zu beleuchten.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Chronologie von der Parteigründung über die Ära Stresemann bis hin zum Zerfall der Partei in der Endphase der Republik, unterbrochen von einer ideologischen Untersuchung ihrer Verfassungs- und Wirtschaftsprogrammatik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie DVP, Weimarer Republik, Industrielobby, autoritärer Staatsumbau und das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und parlamentarischer Regierungsführung charakterisiert.

Warum war der Tod Stresemanns ein Wendepunkt für die DVP?

Mit dem Tod Stresemanns fehlte die Integrationsfigur, die einen konstruktiven Pragmatismus und die Kompromissbereitschaft innerhalb der Partei aufrechterhalten konnte, wodurch der radikale, industriell geprägte Flügel an dominierendem Einfluss gewann.

Inwiefern beeinflusste die "Schwerindustrie" die Politik der DVP?

Die DVP agierte zunehmend als politische Vertretung der industriellen pressure groups, deren Ziel es war, staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zu unterbinden und die parlamentarische Demokratie zugunsten autoritärer, exekutivlastiger Regierungsformen zu schwächen.

Welche Rolle spielte der "stille Verfassungswandel" für die Argumentation der DVP?

Die DVP nutzte die verfassungstheoretischen Diskussionen und den "stillen Verfassungswandel" (u.a. durch die Stärkung des Reichspräsidenten), um ihre eigenen antirepublikanischen Vorstellungen zu legitimieren und den Weg in die "autoritäre Präsidialmonarchie" zu bereiten.

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Details

Title
Autoritäre Staatsvorstellungen der Deutschen Volkspartei in der Krise der Weimarer Republik
College
University of Münster  (Historisches Seminar)
Course
Hauptsemar - Ausgewählte Probleme zur Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland
Grade
1,0
Author
Alois Walter Teodoruk (Author)
Publication Year
1981
Pages
49
Catalog Number
V293238
ISBN (eBook)
9783656904663
ISBN (Book)
9783656904670
Language
German
Tags
"System" von Weimar Parlamentarismus Staatsverfassung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alois Walter Teodoruk (Author), 1981, Autoritäre Staatsvorstellungen der Deutschen Volkspartei in der Krise der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293238
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