Das Asperger-Syndrom stellt eine leichte Form des Autismus dar und wird dem Spektrum autistischer Störungen zugeordnet. „Menschen im Autismus-Spektrum brauchen einen möglichst barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem, denn sie leiden häufiger als die Durchschnittsbevölkerung zusätzlich an psychischen oder körperlichen Krankheiten.“ (Sappok 2011, A2326) In dieser Hausarbeit soll die Fragestellung: „Wie können professionell Pflegende im Setting Krankenhaus, einem Menschen mit Asperger-Syndrom den stationären Aufenthalt barrierefrei gestalten?“ bearbeitet werden.
Diese Hausarbeit beleuchtet die spezielle Situation von Menschen mit AS im Setting Krankenhaus. Insbesondere die inneren und äußeren isolierenden Bedingungen im Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion von AS-Betroffenen werden dargestellt. Sie werden in der vorliegenden Arbeit mit Hilfe der theoretischen Grundlagen zu Autismus-Spektrum-Störungen aufgezeigt. Anhand dieser Erkenntnisse werden die wichtigsten Problemfelder abgeleitet, die sich in der pflegerischen Begleitung eines Krankenhausaufenthaltes ergeben können. Es sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, welche das Pflegepersonal ergreifen kann, um die Situation im Setting Krankenhaus für alle Beteiligten optimal zu gestalten. Speziell, um dem Patienten einen stressfreien, seinem Krankheitsbild gerecht werdenden Aufenthalt zu ermöglichen, aber auch, um der UN-Behindertenrechtskonvention mit ihrer Forderung nach Barrierefreiheit Rechnung zu tragen.
Nach der Einleitung wird das methodische Vorgehen zu der Erstellung dieser Hausarbeit beschrieben. Anschließend erfolgt ein Einblick in die Grundlagen der Autismus-Spektrum-Störungen und einer speziellen Form, dem AS. Es wird dargestellt, welche Personengruppe als AS diagnostiziert wird, welche Bedeutung ihre andersartige Wahrnehmung für sie darstellt und welche Bedingungen sich daraus in ihrer Interaktion mit der Umwelt ergeben. Das vierte Kapitel beschreibt zunächst was unter Barrierefreiheit zu verstehen ist, um dann die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Auswirkungen für die Pflege im Setting Krankenhaus abzuleiten. Schließlich sollen Maßnahmen für die praktische Arbeit mit Patienten, die mit dem AS leben, im Krankenhaus vorgeschlagen werden. Das darauffolgende letzte Kapitel ist ein Resümee.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methode der Literaturrecherche
3 Autismus
3.1 Autismus-Spektrum-Störungen
3.2 Asperger-Syndrom
3.2.1 Charakteristische Merkmale
3.2.1.1 Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
3.2.1.2 Beeinträchtigung der Kommunikation
3.2.1.3 Beschränkte repetitive und stereotype Verhaltensmuster
4 Der stationäre Aufenthalt
4.1 Barrierefreiheit
4.2 Die pflegerische Gestaltung der Versorgung eines Menschen mit Asperger-Syndrom
5 Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die speziellen Herausforderungen von Menschen mit Asperger-Syndrom während eines stationären Krankenhausaufenthaltes und entwickelt daraus konkrete Handlungsempfehlungen für das Pflegepersonal, um eine barrierefreie und stressarme Versorgung zu gewährleisten.
- Grundlagen zu Autismus-Spektrum-Störungen und Asperger-Syndrom
- Analyse der Barrieren in der zwischenmenschlichen Interaktion im klinischen Setting
- Pflegerische Strategien zur Gestaltung einer reizarmen und strukturierten Umgebung
- Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention im Kontext der medizinischen Versorgung
- Optimierung der Kommunikation zwischen Pflegekräften und autistischen Patienten
Auszug aus dem Buch
Die pflegerische Gestaltung der Versorgung eines Menschen mit Asperger-Syndrom
Die Planung des stationären Aufenthaltes beginnt für das Klinikpersonal bereits vor dem Aufnahmetag, sofern es sich hier um einen elektiven Eingriff handelt. Hier kann also bereits mit der Organisation angefangen werden, die erheblichen Einfluss auf das Gelingen einer positiven Interaktion mit einem Menschen der mit AS lebt, beiträgt. So kann durch das Pflegepersonal (im Idealfall seine künftige Bezugspflegekraft) schon Kontakt mit dem Patienten, seinem Betreuer oder der Familie aufgenommen werden, um im Vorfeld patientenspezifische Eigenheiten abzuklären. Da es einem Menschen mit AS schwer fällt zu telefonieren, (vgl. Kapitel 3.2.1.1) ist die Kontaktaufnahme per E-Mail oder Fax günstiger. Hier kann auf die Daten zurückgegriffen werden, die in der Ambulanzsprechstunde angelegt wurde.
Ist die stationäre Aufnahme des Patienten erfolgt, ist zu berücksichtigen, dass Menschen mit AS körperliche Nähe zu anderen als unangenehm empfinden und es ihnen schwer fällt, an sozialen Interaktionen teilzunehmen (Gawronski 2012, 68). Daher sollte ein Einzelzimmer eingeplant werden. Da ein Warten auf die Aufnahmeroutine, Untersuchungen und die ggf. geplante OP in der Klinik oft unumgänglich sind, sollten vorab alle an der Versorgung des Patienten beteiligten Fachabteilungen über die Notwendigkeit einer stringenten Einhaltung gemachter Termine hingewiesen werden. Denn durch lange Wartezeiten des Patienten kann Stress durch zeitliche Unsicherheit entstehen. Daher ist es auch zwingend erforderlich, dem Patienten eine gut geplante Struktur zu geben, um eben diese Unsicherheiten und den aufkommenden Stress zu vermeiden. In allen Gesprächen soll ihm genau erklärt werden, wie lange geplante Interventionen, inklusive der Pflegeanamnese, dauern und wofür sie wichtig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der Forschungsfrage zur barrierefreien Gestaltung des Krankenhausaufenthaltes für Menschen mit Asperger-Syndrom.
2 Methode der Literaturrecherche: Darstellung der genutzten Suchstrategien in Datenbanken, Fachbüchern und Fachportalen.
3 Autismus: Theoretische Einordnung der Autismus-Spektrum-Störungen und detaillierte Betrachtung der Symptomatik des Asperger-Syndroms.
4 Der stationäre Aufenthalt: Analyse der Barrieren im Krankenhaus und Ableitung pflegerischer Maßnahmen zur Verbesserung der Patientenversorgung.
5 Schluss: Resümee der Ergebnisse und Appell an den Gesetzgeber zur Schaffung strukturierter Rahmenbedingungen für eine bessere Inklusion im Gesundheitswesen.
Schlüsselwörter
Asperger-Syndrom, Autismus-Spektrum-Störung, Barrierefreiheit, Pflege, Krankenhaus, stationärer Aufenthalt, Kommunikation, Theory of Mind, zentrale Kohärenz, exekutive Funktionen, Patientenversorgung, Inklusion, UN-Behindertenrechtskonvention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den speziellen Bedürfnissen von Menschen mit Asperger-Syndrom im Krankenhaus und wie Pflegekräfte Barrieren abbauen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen medizinische Grundlagen des Autismus, die Analyse von Kommunikationsbarrieren sowie praktische Empfehlungen für das klinische Personal.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie ein stationärer Aufenthalt für Patienten mit Asperger-Syndrom barrierefrei gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Fachbüchern, Zeitschriftenartikeln, Internetrecherchen und Ergebnissen von Autismus-Verbänden basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Störungsbild und eine angewandte pflegerische Perspektive zur Gestaltung der Krankenhausumgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Asperger-Syndrom, Barrierefreiheit, Pflege, Kommunikation und klinische Patientenversorgung.
Warum ist ein Einzelzimmer für diese Patienten oft notwendig?
Da Menschen mit Asperger-Syndrom körperliche Nähe oft als unangenehm empfinden und soziale Interaktionen mit Unbekannten schwierig sind, bietet ein Einzelzimmer einen geschützten Raum.
Welche Rolle spielt die "zentrale Kohärenz" bei der Pflege?
Da betroffene Menschen oft eine schwache zentrale Kohärenz aufweisen, hilft Struktur, Vorhersehbarkeit und Routine dabei, Sicherheit zu vermitteln und Ängste zu reduzieren.
- Arbeit zitieren
- Andrea Frech (Autor:in), 2014, Barrierefreier Aufenthalt für Menschen mit Asperger-Syndrom im Krankenhaus. Eine Anleitung für Pfleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293247