Die Symbolik in den politischen Plakaten der DDR


Hausarbeit, 2014

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Quellenkritik

1. Die Errichtung eines neuen Staates
1.1 Der ideale Staatsbürger
1.2 Der Neuaufbau

2. Selbstinszenierung und Feindbilder
2.1 Der Vereinigungshandschlag
2.2 Feindbilder

3. Krieg und Friede
3.1 Christliche Symbolik

Schlussbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Es ist der 8. Mai 1945. Das Deutsche Reich kapituliert, der Zweite Weltkrieg ist beendet. Das vom Bombenhagel zerstörte Deutschland wird unter den Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Aus der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde nur vier Jahre später ein zweiter deutscher Staat - die Deutsche Demokratische Republik, oder kurz: die DDR. Alleinherrschende Partei und zentrales Staatsorgan war die 1946 gegründete Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die SED. „Als Staat war die DDR eine sowjetische Konstruktion.“[1] Kurz und prägnant bringt Dieter Vorsteher das 40 Jahre lange Bestehen dieses Staates auf den Punkt. Denn das vorrangige Ziel der DDR-Regierung, die gänzlich der Ideologie der UdSSR unterlag, war die Sowjetisierung der Gesellschaft. Das Land sollte nach den Prinzipien des Sozialismus regiert werden, „eine politische Weltanschauung, die darauf abzielt, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden.“[2]

Zur Propagierung dieser ideologischen Vorstellungen griff die Regierung auf ein Medium zurück, das für die gesamte Gesellschaft zugänglich war: Das Plakat.[3] Da Zeitung und Rundfunk sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erst allmählich wieder etablierten, wurde das Plakat zum zentralen und quantitativ bedeutendsten Kommunikationsmittel der Politik.[4] Die Funktionen des politischen Plakats im öffentlichen Raum der DDR waren in erster Linie die Festigung des Staatsbewusstseins, die Selbstinszenierung der DDR und die Propagierung der Vorzüge einer sozialistischen Gesellschaft.[5] Des Weiteren kam dem Plakat die Aufgabe zu, „politische Tatbestände und Argumente straff zu formulieren und prägnant darzustellen, auf ihre politischen Prinzipien zurückzuführen, um sie plakativ faßbar und sichtbar zu machen, weiterhin komplizierte theoretische gesellschaftliche Erörterungen zu veranschaulichen und den wesentlichen Sinn einer Sache in der Vielfalt ihrer äußeren Erscheinung zu erfassen …“.[6] [sic]

Ein Plakat war also nichts anderes, als ein politischer Appell in Plakatgestalt. Es sollte einen Dialog mit dem Passanten aufbauen und ihn von dessen Aussage überzeugen.

Auch die Abteilung Agitation und Propaganda (AgitProp) der SED-Regierung war sich dem Potenzial von Plakaten bewusst:

„[…] Die politische Idee muß von ihrer Perspektive aus gestaltet werden, um Begeisterung zu wecken. Das Plakat muß offensiv, aktuell, originell und kühn in der Idee und Form sein. Es muß die Aufmerksamkeit erwecken und Verstand und Gefühl des Betrachters zu eigenen Schlußfolgerungen und Taten anregen.“[7] [sic]

Um dies zu gewährleisten, setzten die für die Plakatgestaltung zuständigen Abteilungen und Ämter bestimmte Symbole ein, die in der Geschichte der DDR-Plakate immer wieder auftauchten. Die Hauptfunktion solcher Symbole ist die Reduktion von Komplexität. Das Pars-pro-toto-Prinzip beschreibt den stellvertretenden Bezug eines konkreten Teiles auf ein abstraktes Ganzes.[8] Demnach steht das jeweilige Symbol „stellvertretend für eine Person, Idee oder Institution und strahlt als Bild den Sinn dieser Wirklichkeit aus, es „repräsentiert“, ist Sinn-Bild.“[9] Es gewährleistet die Darstellung eines komplexen, nicht unbedingt fassbaren Sachverhalts durch einzelne Objekte. Denn „mittels symbolischer Reduktionen ließen sich Apelle […] leichter transportieren.“[10] Die Verwendung von Symbolik ersetzte eine verbale Vermittlung, wodurch das gesamte Volk erreicht wurde, ungeachtet des jeweiligen Bildungsstatus. Die illustrativen Symbole evozierten eine emotionale und affektive Wirkung beim Betrachter.[11] Der kontinuierliche Einsatz garantierte ihren Wiedererkennungswert, sodass eine erneute Erklärung des jeweiligen politischen Sachverhalts nicht notwendig war.

Die nachfolgende Arbeit wird die poltischen Plakate der DDR auf diese Symbole hin untersuchen und deren Bedeutung analysieren. Dabei gilt es besonders auf den Zusammenhang zwischen den Illustrationen auf den Plakaten und dem Leben in der DDR einzugehen. Im ersten Kapitel wird gezeigt, inwiefern die Plakate den Aufbau des Staates und die Etablierung des Sozialismus voranzutreiben versuchten. Das zweite Kapitel geht auf die Selbstinszenierung der SED und deren propagierte Feindbilder gegen die Westmächte ein. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Themen Krieg und Friede und dem Einsatz von christlicher Symbolik.

Quellenkritik

Bei der Sichtung der bestehenden deutschen Literatur fällt auf, dass es bisher wenig Auseinandersetzung mit politischen Plakaten in der DDR gibt. Das einzige auffindbare Werk, das sich tiefgehend und ausführlich mit den politischen Plakaten der DDR auseinandersetzt, stammt von Katharina Klotz und bildet die Grundlage dieser Arbeit (Titel: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. Zur politischen Ikonographie der sozialistischen Sichtagitation). Allerdings behandelt es nur die Zeitspanne 1945-1963 und deckt somit nur einen der DDR-Geschichte ab. Daneben gibt es einige Artikel, die sich speziell mit einem Aspekt beschäftigen, zum Beispiel mit der Vermittlung eines Feindbildes durch Plakate, oder die plakative Visualisierung des Vereinigungshandschlags der SED. Diese Artikel bieten eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Forschungsgegenstand; da es sich jedoch immer nur um einen einzigen Aspekt handelt, gestaltet es sich als schwierig, diesen in einen Gesamtkontext einzuordnen und Parallelen zu anderen Punkten zu erkennen. Auch das Internet erweist sich als Quelle für eine fundierte wissenschaftliche Vertiefung dieses Themas als ungeeignet. Die Thematik der politischen Plakate in der DDR wird nur oberflächlich angerissen. Der einzig relevante Artikel ist auf der Homepage des Deutschen Historischen Museums zu finden, der jedoch ebenfalls von Katharina Klotz stammt und daher inhaltlich weitestgehend ihrer bereits oben erwähnten Dissertation entspricht. Zeitzeugen-Quellen, die dokumentieren wie damalige DDR-Bürger die politischen Plakate auffassten, sind bedauerlicherweise nicht verfügbar. Ähnlich steht es um fremdsprachige Literatur. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges hätte ein Amerikaner, Franzose oder Brite die Plakate in der gegnerischen Ostzone bestimmt anders, wenn auch teilweise voreingenommen, interpretiert und beurteilt. Für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung aus heutiger Sicht wären solche Quellen sicherlich nützlich und interessant gewesen.

1. Die Errichtung eines neuen Staates

Die DDR war der selbsternannte Staat der Arbeiter und Bauern. Diese Werktätigen bildeten den Grundstein für die sozialistische Weltanschauung der UdSSR. Die DDR-Bürger sollten nach sowjetischem Vorbild zu sozialistischen Persönlichkeiten erzogen werden, die zum Aufbau des Landes und des Sozialismus ihr Bestmögliches beitragen. Mittels Plakaten versuchte die SED die verheißungsvolle sozialistische Ideologie an das Volk zu tragen und es für die Etablierung des neuen Staates für sich zu gewinnen. Und so verwundert es nicht, dass der Großteil der Plakate unmittelbar an die Zielgruppe der Handwerker, Facharbeiter und Bauern gerichtet war.[12] Plakate, die Bauwerke und den Bau von großen Gebäuden visualisierten, bildeten den zweiten Schwerpunkt der Plakatpropaganda im Hinblick auf die Etablierung des Staates.

1.1 Der ideale Staatsbürger

„Bei der Gewinnung von Anhängern stand für die SED-Führung von Anfang an die Jugend im Zentrum.“[13] Mit der Absicht der Formung eines neuen Menschen im Sinne des Sozialismus, fokussierte die Regierung in erster Linie die Jugendlichen. Sie wurden vom Staat als Hoffnungsträger der Nation betitelt, deren sozialistische Entwicklung es zu fördern galt. Die Jugend wurde zum Sinnbild einer aussichtsreichen und verheißungsvollen Zukunft. Um die jungen Menschen für sich zu gewinnen, entschieden die Parteien und Verwaltungsorgane im März 1946 die Schaffung einer Jugendorganisation mit dem Namen Freie Deutsche Jugendbewegung, oder kurz: FDJ.[14] Meyers Neues Lexikon beschreibt die FDJ wie folgt:

“Die FDJ erzieht die Jugend auf der Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus zur Liebe zur Arbeit, zur Liebe und Achtung der Arbeiterklasse und ihrer Partei, der SED.“[15] Zahlreiche propagandistische Plakate der FDJ riefen die Jugendlichen zum Beitritt auf, der ein besseres Leben und eine bessere Zukunft versprach. Auf den Plakaten (Abb. 1 bis 5) sind zufriedene, kräftige und selbstbewusste junge Menschen zu sehen, die das Wunschbild der FDJ verkörpern. Ein anderes Merkmal ist das FDJ-Logo, das aus einer aufgehenden Sonne oder einem strahlenden Horizont besteht. Die Sonnensymbolik veranschaulicht abstrakte Begriffe wie Freiheit und Zukunft und kündet von einer aufgehenden neuen Zeit.[16] Dass die Jugend explizit in den Aufbau des Staates und die Schaffung einer besseren Zukunft mit eingebunden wurde, zeigen die Plakate 3 bis 5 besonders deutlich.

Neben den Jugendlichen war aber auch die Gruppe der Arbeiter und Bauern auf den Plakaten abgebildet. Die DDR war, wie bereits erwähnt, der selbsternannte Staat der Arbeiter und Bauern und die SED die Partei der Arbeiterklasse. Die herausgegebenen Plakate drückten dabei stets das gewünschte Mitgliederprofil aus - Ein Idealbild, eine visuelle Wunschvorstellung, eine propagandistische Vision.[17] Der auf dem Feld pflügende und säende Bauer wurde durch die Visualisierung auf Plakaten zum Sinnbild des Aufbauhelfers auf dem Lande. Sein Gegenstück war der Werktätige als Trümmerbeseitiger in der Stadt (Abb. 6 bis 15). In den Augen der Sozialisten waren diese beiden Personen die idealen Menschen und Voraussetzung für das Bestehen eines sozialistischen Staates.

„Der Arbeiterherrscher sollte in der SBZ/DDR ein herkulischer und zugleich neuer Mensch, ein freundlich zupackender, den Feind in seine Schranken weisender, guter Sozialist sein.“[18]

Die Arbeiter in der Stadt und auf dem Land sollten sich mit dem auf den Plakaten abgebildeten Menschen identifizieren können und sich gleichzeitig an diesem orientieren. Das Leitbild auf den Plakaten war stets „der selbstbewusste arbeitende Mensch der, überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns, Würde und Menschlichkeit ausstrahlt.“[19] Kennzeichnend für diese Personengruppe waren zum Einen ihre Kopfbedeckungen, die hauptsächlich aus Schirmmützen, Bauhelmen, Strohhüten und Kopftüchern bestanden. Auch Werkzeuge, Geräte und die Abbildung von Industrieanlagen und Landmaschinen sind charakteristisch.

Auffällig ist zudem der erwartungsvolle Blick in die Ferne, der Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt (Abb. 6 bis 12). Das Hauptmotiv auf den Plakaten bildet der Aufbau des Landes, allerdings propagierten die Losungen gleichzeitig Sozialismus, Frieden, und Einheit.

1.2 Der Neuaufbau

In den ersten Nachkriegsjahren spiegelt sich vor allem der Grundgedanke des Fortschritts und des Wiederaufbaus in den Plakaten der SBZ/DDR wieder.[20] Allerdings ist die Errichtung eines neuen Staates nicht direkt in Bildern darstellbar. Die Verwendung von Bau-Metaphorik diente dazu, die abstrakte Staatsgründung in konkret sichtbare Illustrationen umzuwandeln. Die Schuttbeseitigung und die darauffolgende Durchführung von Bauprojekten standen somit symbolisch für den Aufbau eines neuen Staates. Die Darstellung von städtebaulichen Architekturen wie Brücken, Wohnkomplexen oder Fabrikanlagen symbolisierten das technisch Mögliche in der DDR. Der ostdeutschen Bevölkerung sollte bewusst werden, zu welchen Errungenschaften ihr Staat fähig war und dass der Wohlstand des Staates in den Händen des Volkes liegt. Das Bauen als friedensstiftende, gemeinsame Leistung hat seit der Antike eine hohe metaphorische Wertigkeit.[21] Es schafft ein Wir-Gefühl innerhalb der Bevölkerung und stärkt die emotionale Bindung zum Staat, da dieser durch die eigene Kraft mitaufgebaut wird (Abb. 16). Die Plakate waren ein Mittel, um die Bevölkerung unmittelbar zur Mitarbeit aufzurufen und zu animieren, wie die Abbildungen 17 bis 22 zeigen. Der Aufforderungscharakter ist in nahezu jedem Plakat erkennbar. Jeder Einzelne wird durch Losungen wie „Helft alle mit!“ (Abb. 17, 18) und „Auf dich kommt es an!“ (Abb. 20) direkt angesprochen. Auch die Abbildung von Händen stand oft in Verbindung mit der Bau-Symbolik. Hände galten als das wichtigste „Werkzeug“ für den Neuaufbau und wurden somit vielfältig auf Plakaten eingesetzt. (Abb. 23 bis 25)

[...]


[1] Vorsteher: Parteiauftrag: Ein neues Deutschland. Bilder, Rituale und Symbole der frühen DDR. S. 11.

[2] Schubert/Klein: http://www.bpb.de/wissen/2JPF7G.

[3] Vgl. Conrad (et al.): Im Blick der Massen. Plakate in der DDR. http://www.alltagskultur-ddr.de/fileadmin/data/sonderausstellungen/plakate_Lehrerinformation.pdf.

[4] Vgl. Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S. 34.

[5] Vgl. Ebd. S. 2.

[6] Rademacher zitiert nach Langguth: Politik und Plakat. S. 13.

[7] SAPMO, Abteilung Agitation DY 30 IV 2/ 902/ 14 zitiert nach Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S. 4.

[8] Vgl. Klotz: http://www.dhm.de/archiv/magazine/plakate/schluss_damit/spezifik_antikriegsplakat.htm

[9] Friedel: Deutsche Staatssymbole. S.10.

[10] Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S.33.

[11] Vgl. Brunn: Germania und die Entstehung des deutschen Nationalstaates. S. 102f.

[12] Vgl. Langguth: Politik und Plakat. S. 71.

[13] Schütrumpf zitiert nach Artinger: Die Grundrechte im Spiegel des Plakats. S. 88.

[14] Vgl. Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S. 46.

[15] Meyers Neues Lexikon: http://www.ddr-geschichte.de/Bildung/Schule/FDJ/fdj.html.

[16] Vgl. Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S. 63.

[17] Vgl. Ebd. S. 36.

[18] Ebd. S. 110.

[19] Wunderlich: Plakatkunst in der SBZ/DDR 1945/1949 – 1969. S. 188.

[20] Vgl. Vorsteher: Parteiauftrag: Ein neues Deutschland. S. 27.

[21] Vgl. Klotz: Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. S.87.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die Symbolik in den politischen Plakaten der DDR
Hochschule
Universität Regensburg  (Lehrstuhl für Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Das Werbeplakat
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
31
Katalognummer
V293307
ISBN (eBook)
9783656907268
ISBN (Buch)
9783656907275
Dateigröße
5805 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Plakate, Plakatwerbung, Propaganda, politische Symbole
Arbeit zitieren
Sarah Glöckler (Autor), 2014, Die Symbolik in den politischen Plakaten der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293307

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