Um auf das Unheimliche in der Literatur schließen zu können, muss es zunächst einmal erst definiert werden. Eine solche Definition wird durch die Betrachtung der Erkenntnisse von Sigmund Freud möglich.
Sigmund Freud beschreibt das Unheimliche als etwas Schreckhaftes, was für den Menschen Angst und Grauen erregend wirkt. Eigentlich ist es das Gegenteil von heimlich, heimisch und vertraut, jedoch lässt sich genau aus dieser Vertrautheit das Unheimliche erschließen. Denn etwas, was für den Menschen neu ist oder er sich nicht erklären kann, lässt in ihm die Angst vor dem Unheimlichen wachsen. Freud sieht das Unheimliche in dem Fremden, in Dingen in denen wir uns nicht auskennen oder die uns nicht bekannt sind und für die uns das intellektuelle Verständnis fehlt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Unheimliche nach Sigmund Freud
3. Elemente des Übernatürlichen und der Aberglaube im Schimmelreiter
4. Die Naturdarstellung im Schimmelreiter
5. Die Person Hauke Haien und sein Kampf gegen die Natur
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Unheimlichen" nach der Definition von Sigmund Freud und analysiert dessen Anwendung und Wirkung innerhalb von Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter". Dabei wird insbesondere erforscht, wie die Verbindung von Aberglauben, übernatürlichen Elementen und der lebensfeindlichen Darstellung der Natur eine beängstigende Atmosphäre erzeugt.
- Die psychologische Definition des Unheimlichen bei Sigmund Freud.
- Die Funktion von Aberglauben und übernatürlichen Motiven in der Erzählung.
- Die Darstellung des Meeres als lebensfeindliche und unbezwingbare Naturgewalt.
- Die Charakterisierung des Protagonisten Hauke Haien im Spannungsfeld zwischen Rationalität und Schicksal.
- Die enge Verknüpfung von Naturerfahrung und Tod als zentrales Element der Angst.
Auszug aus dem Buch
3. Elemente des Übernatürlichen und der Aberglaube im Schimmelreiter
In der gesamten Novelle werden immer wieder abergläubische Motive thematisiert und es tauchen Elemente des Übernatürlichen auf. Diese Motive und Elemente führen dazu, dass dem Leser das Unheimliche, welches ein stetiger Begleiter in der Novelle ist, immer wieder vor Augen geführt wird.14
Schon zu Beginn der Schilderung ist das Übernatürliche in der Rahmenerzählung vertreten. Denn als das erste Mal die Rede von dem Schimmelreiter ist, nimmt dieser sofort eine gespenstische Gestalt in der Erzählung an. Der Reisende berichtet von seiner Begegnung mit dem Schimmelreiter, während seines Rittes über den Deich, wo ihm eine Gestalt auf einem Pferd entgegen gekommen ist.15 „sie saß auf einem Pferde, einem hochbeinigen hageren Schimmel; ein dunkler Mantel flatterte um ihre Schultern, und im Vorbeifliegen sahen mich zwei brennende Augen aus einem bleichen Antlitz an. […] Und jetzt fiel mir bei, ich hatte keinen Hufschlag, kein Keuchen des Pferdes vernommen; und Roß und Reiter waren doch hart an mir vorbeigefahren!“16 Als er in ein nahe gelegenes Wirtshaus einkehrt und von seinem schaurigen Vorfall berichtet, lässt seine Beschreibung alle Anwesenden erschrecken. Darauf hin beginnt der Schulmeister seine Erzählung über den Schimmelreiter, bricht diese jedoch zwischen durch ab, da die Anwesenden der Meinung sind, dass sie „den Reiter auf seinem Schimmel vorbeisausen“ sahen.17 Als der Schulmeister seine Erzählung fortsetzt, wird er bald darauf ein drittes Mal unterbrochen und wieder ist es eine Begegnung mit dem Schimmelreiter, die die Menschen in Aufruhr versetzt und dem Leser das Gefühl des bedrohlichen Reiters vermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das "Unheimliche" nach Sigmund Freud als Ausgangspunkt für die literarische Analyse der Novelle.
2. Das Unheimliche nach Sigmund Freud: Erläutert Freuds theoretische Herleitung des Unheimlichen aus dem Bereich des Altbekannten, des Verdrängten und der intellektuellen Unsicherheit.
3. Elemente des Übernatürlichen und der Aberglaube im Schimmelreiter: Untersucht die gespenstischen Motive und den Aberglauben der Dorfbewohner als zentrale Angstfaktoren im Werk.
4. Die Naturdarstellung im Schimmelreiter: Analysiert das Meer als lebensfeindliche, übermächtige Naturgewalt, die in enger Verbindung mit dem Tod steht.
5. Die Person Hauke Haien und sein Kampf gegen die Natur: Beleuchtet das Scheitern des rationalen Deichgrafen im Kampf gegen die Naturgewalten und seine letztliche Unterwerfung.
6. Resümee: Führt die Analyseergebnisse zusammen und bestätigt die Wirksamkeit der von Storm eingesetzten Elemente zur Erzeugung eines unheimlichen Gefühls.
Schlüsselwörter
Der Schimmelreiter, Theodor Storm, Sigmund Freud, das Unheimliche, Aberglaube, Übernatürliches, Naturdarstellung, Hauke Haien, Deichbau, Psychologie, Tod, Naturgewalten, Literaturanalyse, Novelle, Angst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Novelle "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm auf Basis der psychologischen Theorien von Sigmund Freud über das Unheimliche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Definition des Unheimlichen, die Rolle des Aberglaubens, die Darstellung der Natur als bedrohliche Macht und die Charakterisierung von Hauke Haien.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Theodor Storm durch die Verknüpfung von übernatürlichen Elementen und Naturgewalten eine Atmosphäre des Unheimlichen beim Leser erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Anwendung von Freuds Theorie des Unheimlichen auf den Text der Novelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Freud, die Untersuchung des Aberglaubens, die Analyse der Naturgewalten und das Porträt des Protagonisten Hauke Haien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Das Unheimliche", "Aberglaube", "Naturgewalten" und "Hauke Haien" beschreiben.
Welche Rolle spielt die Figur des Hauke Haien in Bezug auf das Unheimliche?
Hauke Haien fungiert als rationaler Gegenpol zum Aberglauben, scheitert jedoch am Ende an den Naturgewalten, was seine Geschichte in den Kontext des Unheimlichen und des Unausweichlichen rückt.
Warum wird das Meer in der Novelle als unheimlich wahrgenommen?
Das Meer wird als übermächtiges, fremdes und todbringendes Monster dargestellt, das den Menschen und seine Bestrebungen (wie den Deichbau) stets bedroht.
Inwiefern ist der Tod für die Argumentation der Arbeit wichtig?
Der Tod dient laut Freud als eines der stärksten Symbole für das Unheimliche und zieht sich als roter Faden durch die Schicksale der Charaktere und die Naturgewalt des Meeres.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2013, Thematisierung des Unheimlichen nach Sigmund Freud in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293346