Dass Deutschlands Bildungssystem trotz ausreichenden finanziellen Mitteln und starkem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zu anderen Ländern wesentliche Mängel aufweist, zeigen die Ergebnisse der PISA-Studie 2000. Die Kompetenzen der deutschen Schüler lagen in allen Bereichen unter dem OECD Durchschnittswert.
Außerdem zeigten die Ergebnisse einen großen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Deutschland scheint in diesem Fall Spitzenreiter von der Koppelung zwischen Herkunft des Schülers und seinen Kompetenzen zu sein. Kein anderes Land habe so sehr mit diesem Problem zu kämpfen wie Deutschland.
Bei einem so hochentwickelten, modernen und demokratischen Staat dürfen solche Bildungskatastrophen nicht entstehen. Denn Deutschland steht für Gerechtigkeit und somit auch Gerechtigkeit in der Bildung. Was könnten also mögliche Lösungsansätze sein?
Nach diesem schockierenden Befund wurden die Diskussionen über Lösungsmöglichkeiten weiter ausgeweitet. Mit Blick auf andere Länder, die besser in der PISA-Studie abgeschnitten haben, wurde der Grund für das Versagen der deutschen Schüler schnell erkannt: Halbtagsschulen. Demnach stellt die Bundesregierung einen Ausbau von Ganztagsschulen für so relevant, dass sie bereit war knapp vier Milliarden Euro darin zu investieren (Vgl. Kiper 2005:175).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung & Fragestellung
2. Ergebnisse der PISA Studie 2000
3. Soziale Ungleichheit und Bildung
3.1. Der Begriff "soziale Ungleichheit"
3.2. Bildung als Basisdimension von sozialer Ungleichheit
4. Chancengleichheit durch Ganztagsschule?
4.1. Konzept der Ganztagschulen
4.1.1 Bildungspolitische Einordung& Ziele
4.2. Wissenschaftliche Begleitstudie zu Ganztagtagschulen
4.2.1.Studie zur Entwicklung von Ganztagschulen (StEG)
4.2.1. Ergebnisse der StEG
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Ganztagsschulen einen Beitrag zur Bewältigung sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem leisten können. Im Fokus steht dabei die Analyse, ob durch ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote benachteiligte Schülergruppen gezielter gefördert und Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft verbessert werden können.
- Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg (PISA-Studie 2000)
- Soziologische Definitionen von sozialer Ungleichheit und Bildungsdimensionen
- Konzeptuelle Grundlagen und bildungspolitische Ziele von Ganztagsschulen
- Empirische Erkenntnisse der "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG)
- Effekte der Ganztagsbetreuung auf die Förderung benachteiligter Schüler
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Begriff „soziale Ungleichheit“
Um die Fragestellung, die schon zu Beginn dieser Arbeit gestellt wurde, besser ausarbeiten zu können, muss zunächst der Begriff „soziale Ungleichheit“ erklärt und in diesen Kontext zugeordnet werden. Menschen, die zusammen in einer Gesellschaft leben, sind sehr unterschiedlich in ihrer Lebensweise und haben untereinander verschiedene Merkmale. Sie lassen sich in Alter, Religion, Ethnie, Beruf oder sogar Geschlecht voneinander unterteilen. Doch wann findet soziale Ungleichheit statt? Mit dieser Frage beschäftigten sich viele Soziologen. Darunter der deutsche Soziologe und Experte im Bereich soziale Schichtung und Milieubildung Stefan Hradil, der eine gängige Definition zu dem Begriff „soziale Ungleichheit“ stellte:
„Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer sozialen Beziehungsgefügen von den ‚wertvollen Gütern‘ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.“
„ Wer von ‚sozialer Ungleichheit‘ spricht, kann damit zum einen die strukturierte ungleiche Verteilung ‚wertvoller‘ Güter unter allen betroffenen Menschen schlechthin meinen (zum Beispiel die ungleiche Verteilung von Erwerbseinkommen unter allen Erwerbstätigen). Zum andern kann damit die Ungleichheit zwischen bestimmten Gruppen innerhalb dieser ungleichen Verteilung gemeint sein (beispielsweise die Einkommenschancen von erwerbstätigen Frauen im Vergleich zu Männern, die Einkommensungleichheit zwischen In- und Ausländern, die Diskrepanz der Arbeitslosigkeitsrisiken in Ost- und Westdeutschland etc.)“ (Hradil 2001:30)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung & Fragestellung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Debatte nach der PISA-Studie 2000 und formuliert das Ziel der Arbeit, den Beitrag von Ganztagsschulen zur Reduzierung sozialer Ungleichheit kritisch zu prüfen.
2. Ergebnisse der PISA Studie 2000: Dieses Kapitel fasst die zentralen Befunde der PISA-Studie 2000 zusammen, die den starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland verdeutlichten.
3. Soziale Ungleichheit und Bildung: Hier werden theoretische Grundlagen zur sozialen Ungleichheit definiert und Bildung als zentrale Basisdimension für gesellschaftliche Teilhabe und Status verankert.
4. Chancengleichheit durch Ganztagsschule?: Dieser Abschnitt analysiert das Konzept der Ganztagsschule, deren bildungspolitische Zielsetzungen und evaluiert anhand der StEG-Studie die tatsächlichen Auswirkungen auf benachteiligte Schülerschichten.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Ganztagsschulen zwar positive Effekte auf die Förderung benachteiligter Kinder haben können, die strukturelle soziale Ungleichheit jedoch nur durch eine hohe Qualität und gebundene Konzeptionen effektiv adressiert wird.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Soziale Ungleichheit, PISA-Studie, Bildungschancen, Chancengleichheit, StEG-Studie, Bildungsreform, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Sozialisation, Schulerfolg, Bildungspolitik, Ganztagsangebot, Hausaufgabenhilfe, Sozioökonomischer Status
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Frage, ob der Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland dazu beitragen kann, die durch soziale Herkunft bedingte Bildungsungleichheit abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg, die theoretische Einordnung sozialer Ungleichheit sowie die empirische Evaluierung der Ganztagsschulforschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, kritisch zu bewerten, inwieweit das Ganztagsschulkonzept als pädagogische Lösung für Bildungsgerechtigkeit fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf die Sekundärauswertung empirischer Daten der Längsschnittstudie StEG (Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Ungleichheit, die Vorstellung des Ganztagsschulkonzepts und eine ausführliche Auswertung der StEG-Studienergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ganztagsschule, soziale Ungleichheit, Chancengleichheit, StEG, PISA-Studie und Bildungsbenachteiligung.
Inwiefern unterscheidet sich die Qualität der Ganztagsbetreuung laut Studie?
Die Studie hebt die Vielfalt der Angebote und die pädagogische Qualifikation des Personals als wichtige Qualitätsmerkmale hervor, die sich von reinen Lehrkräften an Halbtagsschulen abheben.
Warum spielt das Alter bei der Nutzung von Ganztagsangeboten eine Rolle?
Die StEG zeigt, dass die Teilnahmequote mit steigendem Alter der Schüler abnimmt, was eine Herausforderung für die flächendeckende Wirksamkeit des Konzepts darstellt.
Welche Bedeutung haben gebundene Ganztagsschulen in diesem Zusammenhang?
Die Autorin schlussfolgert, dass gebundene Ganztagsschulen, an denen die Teilnahme verpflichtend ist, eine höhere Wirksamkeit bei der Förderung benachteiligter Kinder entfalten können.
- Arbeit zitieren
- Manel Gasmi (Autor:in), 2013, Leistet die Ganztagsschule einen Beitrag zur Bewältigung von sozialer Ungleichheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293417