Wie wurde die Architektur von Mies van der Rohe in den Medien dargestellt?

anhand der Zeitschrift G für Gestaltung und dem Entwurfes für das Bürohaus aus Eisenbeton


Hausarbeit, 2015
20 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Kurzer Historischer Kontext
2.2 Die Zeitschrift G
2.3 Architektureinflüsse in G
2.4 Theoretische Projekte in der Zeitschrift G am Beispiel des Bürohochhaus in Eisenbeton

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

5. Abbildungsteil

1. Einleitung

„Schreibgewandt muss der Architekt sein, damit er durch schriftliche Erklärungen (zu seinem Werk) ein dauerndes Andenken begründen kann.“ Marcus Virtuvius Pollio, Zehn Bücher über die Baukunst, um 30 v. Chr.1

Dieses Zitat war Ludwig Mies van der Rohe sicherlich bekannt, als er 1926 zusammen mit Hans Richter und weiteren die erste Ausgabe der Zeitschrift G herausgebracht hat und sich darin in vielen Artikeln zu seiner Architektur geäußert hat. Im Rahmen des Proseminars „Ludwig Mies van der Rohe“ an der Johann- Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main im Sommersemester 2014 beschäftige ich mich in der vorliegenden Hausarbeit mit dem Thema Architektur und Medien im Zusammenhang der Zeitschrift G. Mies van der Rohe wird heutzutage als „Verfechter der Moderne und Klassiker des 20. Jahrhunderts gefeiert“2 und zeichnet sich durch vielfältige Arbeiten aus. Neben Walter Gropius und Le Corbusier gehört Ludwig Mies van der Rohe zweifellos zu den zentralen Figuren der Architekturmoderne. Bauten wie der Barcelona Pavillon, das Haus Tugendhat und das Farnsworth House gelten noch heute als radikale Modelle einer neuen Architektur, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts Anlass zu zahlreichen, teils kontrovers geführten Diskussionen Anlass gegeben haben. Er prägte den International Style, der bis heute Einflüsse auf zeitgenössische Entwürfe hat. In meiner Arbeit werde ich zunächst die Entstehung der Zeitschrift G erläutern, welche Einflüsse sie hat und unter welchem historischen Hintergrund Sie veröffentlicht wurde. Danach erläutere ich den generellen Aufbau der Zeitung, in formaler sowie thematischer Form. Darauf folgt die Spezialisierung auf das Thema Architektur, welches ich am Beispiel des Artikels van der Rohes in der ersten Ausgabe über das Bürohaus aus Eisenbeton vertiefen werde. Mein Ziel ist es herauszuarbeiten und darzustellen, wie Mies seine Ansichten und Entwürfe im Medium Zeitschrift dargestellt hat. Für das Architektur normalerweise „fassbar“ und dreidimensional ist, wurden in diesem Fall neue Wege gefunden, ohne ein gebautes Objekt zur Ansicht zu benötigen, neue Überlegungen zu zeigen. Fraglich ist dabei jedoch, ob sich dies als gelungen und zukunftsweisend bezeichnen lässt. Für meine Arbeit werde ich mich an verschiedenen Quellen und Literatur bedienen. Über Mies van der Rohe gibt es eine sehr große Auswahl an verschiedenster Literatur, doch besonders die Untersuchungen von Detlef Mertins sind für meine Arbeit sehr wertvoll. Er hat mehrfach Aufsätze über die Zeitschrift G und Mies in Bezug auf die Avantgardebewegung in Berlin veröffentlicht darunter in dem von Terence Riley und Barry Bergdoll herausgegebenen Sammelwerk über Mies in Berlin. Des Weiteren bediene ich mich der umfangeichen Besprechung der Zeitschrift G aus dem Jahre 2013 welche u.a. von Karin Fest herausgegeben wurde unter dem Titel „Mies van der Rohe, Richter, Graeff & Co. Alltag und Design in der Avantgardezeitschrift G“. Außerdem ist die Diskussion von Ruth Cavalcanti Braun in dem Werk „Mies van der Rohe als Gartenarchitekt“ über die Elementare Gestaltung und das Bürohauses aus Eisenbeton sehr treffend für meine Darstellung.

2. Hauptteil

2.1. Kurzer Historischer Kontext

Mit der Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg und die damit zusammenhängenden politischen Veränderungen im Land, wurde eine große Welle kultureller Strömungen in der jungen Weimarer Republik zugelassen.3 Berlin lässt sich als Zentrum der neuen Bewegungen sehen, und wurde neben Paris zum Mittelpunkt aufstrebender Künstler in Europa. Dort befand sich auch Ludwig Mies van der Rohe zu Beginn der 1920er Jahre und sammelte Inspiration durch die „Umwälzung auf künstlerischen Gebiet“4, vor allem durch die Niederländische De Stijl Bewegung, die Bekanntschaft mit Theo von Doesburg, die DADA Bewegung, sowie der Arbeit in der Berliner Novembergruppe als Hauptverantwortlicher der Architekturabteilung.5 In der Literatur wird diese Zeit als eine experimentelle Phase van der Rohes beschrieben, denn weder davor noch danach hat er sich auf eine vergleichbare Art den Entwürfen und neuen Entwicklungen gewidmet.6 Die avantgardistischen Projekte in Berlin sind ein Bruch in seiner Laufbahn und werden als „Neue Architektur“ beschrieben7. Dazu gehören die nicht realisierten Projekte, wie das Hochhaus-Projekt für die Friedrichstraße 1922 und das Bürohaus aus Eisenbeton, dessen Entwurfe in Zeitschriften und Artikeln besprochen wurden, wie in der von Bruno Taut von 1921-22 herausgegebenen Zeitschrift Frühlicht, oder die etwas später die Zeitschrift G.8

2.2 Die Zeitschrift G

Hans Richter, El Lissitzky und Werner Graeff brachten, inspiriert von Vorträgen Van Doesburg am Bauhaus, in Juni 1923 die erste Ausgabe von G- Material für elementare Gestaltung heraus.9 Diese zeitgenössischen Avantgardisten warfen darin einen experimentellen Blick auf Alltagsgegenstände, damals aktuelle Diskurse und Kunstproduktionen und entwickelten Ideen für das produktive Zusammenspiel zwischen Alltagskonsum, Populärkultur und Kunst.10 Sie war eine deutsche Zeitschrift der architektonischen und künstlerischen Avantgarde, die in den Jahren 1923 und 1924 unregelmäßig mit insgesamt sechs Ausgaben in Berlin herausgegeben wurde. Der Titel G wurde vom Wort Gestaltung abgeleitet und steht für elementare Gestaltung. Die Namengebung der Zeitschrift als Zeitschrift G für elementare Gestaltung betont eine generelle kritische Haltung den „etablierten künstlerischen Verfahrensweisen gegenüber“11, denn „G drückt eine Haltung aus, die sich durch experimentelle Zugänge zu Kunst, Architektur, Design und Alltagsobjekte äußert“12. In G erschienen unter anderem die Texte und Darstellungen der Arbeiten von Ludwig Mies van der Rohe, Ludwig Hilberseimer, El Lissitzky, Theo van Doesburg, Hans Arp, Piet Mondrian, George Grosz, Tristan Tzara, Man Ray sowie Kurt Schwitters zusammengekommen als G-Gruppe13. Trotz geringer Auflage und kurzen Erscheinungszeit hat die Zeitschrift eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der modernen Architektur erlangt14. Sie publizierte Projekte, Bildreproduktionen sowie radikale kritische Beiträge, in denen zur Revolution in Kunst und Architektur ausgerufen wurde. Obwohl Lissitzky und Richter radikale politische Einstellungen hatten, haben die Hinweise auf gesellschaftliche Veränderungen vermieden.15 Der Hauptgedanke war, die vielfältigen Zusammenhänge von Alltag und Design aufzugreifen.16. Die Zeitschrift G sollte als eine Art Plattform für verschiedene Kunstbereiche dienen, und diese Absicht sollte die Grundlage für den Weg „zu einer neuen Ästhetik in der Erforschung der ‚elementaren Gestaltung‘“ sein17. In der ersten Ausgabe schreibt Richter daher: „die Aufgabe dieser Zeitschrift ist: Die allgemeine Situation der Kunst und des Lebens zu klären. Im Hinblick darauf wählen wir das Material. Artikel und Werke, die sich um Klarheit- nicht nur um Ausdruck- bemühen“18. Zum Programm der Zeitschrift G gehörte die ästhetische Avantgarde zu thematisieren, Spuren und Formensprache dieser Zeit in Alltag und Kunst widerzuspiegeln, und somit „sich künstlerisch damit auseinanderzusetzen und als Gesamtaufgabe Kunst ins Leben zu überführen.“19 Das Themenspektrum war sehr weit, jedoch mehr auf die Interessengebiete damaliger Männer beschränkt, darunter Architektur, Mode, Mechanik, Komposition, Lebensstil, Film, Gestaltung, Technik.20 Es gab keine Frauen unter den Autoren der Zeitschrift G, obwohl das gesamte Konzept sehr modern und zukunftsorientiert war, und die Gesellschaft revolutionieren wollte.21 Das thematische Gesamtkonzept spiegelt sich auch im Layout und in den Illustrationen wieder und im gesamten Grafikdesign. Die Zeitschrift war schwarz- weiß gedruckt und ab der dritten Ausgabe wurden Rote Elemente zur Markierung benutzt. Die ersten drei Ausgaben hatten das Format und die Größe einer Tageszeitung, und bestanden aus zwei gefalteten Blätter (Abb. 4). Erst ab der dritten Ausgabe wurde das Format in Heftform geändert, der Umfang vergrößert und Farbe verwendet. Charakteristisch waren eine für die Zeit auffällige Graphik und ein ungewöhnliches Layout. In G wurden ausschließlich Serifenlose Schriftarten verwendet, welche dem Bauhaus Stil abgeleitet sind.22 Einzelne Artikel sind mit schwarzen Balken voneinander getrennt und Anzeigen schmal umrandet (Abb. 3,4,7,8). Daneben finden sich regelmäßig auch vertikale Darstellungen, wie beispielsweise Zitate, Aufrufe und ähnliches. Die Illustrationen sind zweckmäßig gestaltet. Auffällig ist, dass regelmäßig eine Handdarstellung benutzt wird, mit ausgestrecktem Zeigefinger, um auf bestimmte Dinge hinzuweisen (Abb.3). Auf eine tiefere Auseinandersetzung mit der Typographie werde ich aus Inhaltlichen Gründen verzichten.23 Mies van der Rohe spielte eine fundamentale Rolle in der Zeitschrift, die von Richter folgendermaßen beschrieben wurde:„ … seine Person, sein Werk und seine aktive Mitarbeit (wurden) mehr als die aller anderen für G unentbehrlich und bestimmend“24. Laut Cohen rechnet Mies in der Zeitschrift G mit seiner Vergangenheit ab, indem er sich kritisch zu Entwürfen anderer Architekten zeigt, wie Beispielsweise indem er ein Bild mit einem Haus von Bruno Paul durchgestrichen illustrierte mit der Überschrift „fundamentale Änderung unserer Wohnformen halten wir für Notwendig“25. Mit den radikalen und kritischen Beiträgen in G, in der neben Doesburg weitere Größen der internationalen Avantgarde publizieren, versucht Richter die Gestaltungsgrundsätze moderner Künstler, Architekten und Filmemacher zu propagieren. Laut einem Beitrag von Karin Fest in dem Sammelwerk bildete die Zeitschrift G eine Schnittstelle „zwischen Alltag und Design, utopischer Architektur und urbaner Raumgestaltung, bildender Kunst und experimentellem Film.“26. Sie war Teil eines internationalen Avantgardistischen Netzwerkes der 1920er Jahre, daher waren einige Autoren der Zeitschrift auch in anderen Avantgarde- und Kunstzeitschriften vertreten etwa El Lissitzky im Dada Magazin.27 Schon ab der ersten Ausgabe zeigte sich der Transgressionscharakter der Zeitschrift, indem sich Annoncen für andere ähnliche auch internationale avantgardistische Zeitschriften fanden, wie beispielsweise De Stijl28.

2.3 Architektureinflüsse in G

Mies van der Rohe war hauptverantwortlicher für das Thema Architektur in der Zeitschrift und hat sich daher mit einigen Artikeln dazu geäußert. Architektur und Baugedanken generell ist ein zentraler Bestandteil der Zeitschrift. Zwei der sechs Ausgaben sind diesem Thema schwerpunktmäßig gewidmet, in denen unter anderem Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer, über Entwürfe urbaner Gestaltung und Architektur schreiben.29 Die Bedeutung der Architektur für die Zeitschrift spielgelt sich auch in der Symbolik wieder. Der Titel G wurde ab der dritten Ausgabe typografisch vor einen Hochhausentwurf gesetzt (Abb. 5). Zudem wurde auch in der Zeitschrift selbst auf andere Zeitschriften verwiesen, die sich überwiegend mit Architektur auseinandergesetzt haben (Abb.7). Ab 1921 hat sich Mies zunehmend theoretisch mit Architekturentwürfen beschäftigt, was zu einem neuen Abschnitt in seinen Arbeiten wurde. Neben den Entwürfen Bürohaus in Eisenbeton, und Hochhaus an der Friedrichstraße, konzipierte er außerdem das Glashochhaus in einer früheren und einer späteren Version, sowie die Landhäuser aus Eisenbeton und Backstein, auf die ich in dieser Arbeit nicht näher eingehen werde. Man könnte vermuten, dass diese neuen Baugedanken etwas mit der November Revolution 1918 und den politischen Umbruch in Deutschland zu tun haben könnten, jedoch nahm Mies offenbar keinen aktiven Anteil daran. 30 Wie bereits erwähnt veröffentlichte er einige theoretische Projekte für die Großstadt. Bereits in der ersten Ausgabe der Zeitschrift G zeigte Mies van der Rohe das von ihm entworfene Bürohaus in Eisenbeton (Abb. 1), welches „in mehrfacher Hinsicht im Gegensatz zu den früheren Hochhäusern steht.“31. Zusammen mit der Vorstellung des gläsernen Wolkenkratzers van der Rohes, sowie bei seinem Text über die industrielle Bauweise erlangte die Zeitschrift besondere architektonische Bedeutung.32 G präsentierte zusammengefasst „Belege einer neuen, technisch vermittelten Sehweise“33, die man als Kontext zum Verständnis zu Mies Entwürfen aus der Zeit betrachten kann. 1923 schieb Mies in der Zeitschrift Innenarchitektur folgendes: „Baukunst ist nicht Gegenstand geistreicher Spekulation, sie ist in Wahrheit nur als Lebensvorgang zu begreifen, sie ist der Ausdruck dafür, wie sich der Mensch gegenüber der Umwelt behauptet und wie er sie zu meistern versteht. Die Kenntnis der Zeit, ihre Aufgaben und Mittel sind notwendige Voraussetzungen baukünstlerischen Schaffens, Baukunst ist immer der räumliche Ausdruck geistiger Entscheidung. […] Wirtschaft beginnt zu herrschen, alles steht im Dienste ihre Nutzung. Rentabilität wird Gesetz. Technik bringt ökonomische Haltung, verwandelt Materie in Kraft, Quantität in Qualität. Technik setzt Kenntnis der Naturgesetzte voraus und arbeitet mit ihren Kräften. Höchste Nutzung der Kraft wird bewusst ausgeführt. Wir stehen in der Wende der Zeit.“34 Mies hatte in seiner Vorgehensweise das Ziel, Architektur mit den Strömungen der Kultur zu verbinden.35 Van der Rohe schloss sich damit der in den 1920er Jahren aufkommenden Diskussion über das Büro an, „als einer nach kapitalistischen Regeln durchorganisierten Arbeitsstätte, die neue Lebensstile und Selbstentwürfe generiert“36

2.4 Theoretische Projekte in der Zeitschrift G am Beispiel des Bürohochhaus in Eisenbeton

In der Zeit von 1922-1924 veröffentlichte Mies van der Rohe fünf Bauprojekte als Avantgardearchitekt, darunter auch das Bürohaus-Projekt in der Zeitschrift G „mit dem er sich am deutlichsten in den zeitgenössischen Rationalisierungsprozess stellte“37. Daniela Schmeiser beschrieb es in ihrem Artikel über das Bürohaus als rationellen Bau bei Mies folgendermaßen: „Mies van der Rohes Bürohaus Beitrag in G stellt, in seiner Reflexion von Anspruch und Gestalt des zeitgemäßen Bauens zugleich eine Auseinandersetzung, mit den sich in den 1920er Jahren beschleunigten Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt dar.“38 Inspiriert wurde Mies wieder von Theo van Doesburg, der treibenden Kraft der „Stijl“ Bewegung39. Das Bürohaus aus Eisenbeton wird in der ersten Ausgabe der Zeitschrift G im Juli 1923 von Mies van der Rohe vorgestellt (Abb. 2). Es ist der erste Artikel der Architektur thematisiert und kann als erste architektonische Antwort auf Basis des Prinzips der „elementaren Gestaltung“ der Zeitschrift gesehen werden.40 Er befindet sich an der rechten Seite des Innenblatt der Zeitschrift (Abb. 3). Oben und unten ist er mit schwarzen Balken vom Rest abgegrenzt. In der Mitte des Artikels befindet sich die Überschrift „Bürohaus“ in Großbuchstaben und die komplette Horizontale ausfüllend. Die obere Hälfe ist halbiert. Links ist eine Manifest artige, in Versen gedruckte Ansprache und der Aufforderung das nur das Heute formbar ist und nur „dieses Bauen gestaltet“. Außerdem wird der Leser gleich in das „wir“ mit aufgenommen. Dieser Abschnitt hat meiner Meinung nach eine ganz klar Meinungsbildende Funktion für den Leser. In der Rechten Hälfe befindet sich das Bild des Entwurfes des Bürohauses aus Eisenbeton. Es handelt sich um eine Zeichnung. Sie zeigt den Entwurf aus einer gewissen Entfernung und anstatt einer Axonometrie eine Perspektive in Sichthöhe in etwas seitlicher Ansicht. Vor und neben dem Gebäude sind noch weitere Häuser zu erkennen, jedoch sind sie geschwärzt und lassen keine Details erahnen. Der einheitliche Bau ist in das Stadtgefüge von Berlin eingesetzt um die Anlage anschaulicher und realistischer wirken zu lassen.41 Auf den ersten Eindruck wirkt das Bild sehr dunkel, und lässt den Betrachter in eine für diese Zeit moderne „dunkle Großstadtszenerie“ eintreten.42 Selbst der Himmel ist relativ dunkel. Details des Bürohauses sind jedoch nicht zu erkennen, lediglich die Form und der grobe Aufbau der Außenfassade sind zu sehen, alles Weitere lässt sich nur erahnen. Es macht deutlich, dass Mies nicht die Absicht hatte den Betrachter genaue planerische und plastische Aspekte zur Bauweise oder Konstruktion zu zeigen, sondern dass in diesem Falle einzig und allein die markante Form und monumentale Größe im Vergleich zu anderen Gebäuden gezeigt werden soll. In dem von Mies verfassten Text unter dem Bild werden diese Vermutungen bestätigt. Er definiert das Haus als „ein Haus der Arbeit der Organisation der Klarheit der Ökonomie“43. Somit wird die Funktion des Hauses vor das Gebäude an sich gestellt. In kurzen und rein sachlichen Sätzen führt er in die Größenverhältnisse und Aufbau des funktionalen Gebäudes ein, ohne auf Details einzugehen44. Folglich lässt sich sagen, dass Mies mit der Vorstellung des Bürohauses aus Beton in der ersten Ausgabe der Zeitschrift G und als erster Artikel über Architektur bereits maßgebend für seine weiteren Veröffentlichungen in der Zeitschrift. In den folgenden Artikeln werden immer wieder die Grundaspekte der Funktionalität, der Materialien Eisen und Beton, Klarheit und Form in Bezug auf Industriebauten gegeben.45 Mies selbst verfasste im August 1923 einen Beitrag für die Deutsche Allgemeine Zeitung, welcher jedoch aufgrund zu später Abgabe nicht veröffentlicht wurde46. Darin sagt er, dass die „schöpferischen Baukünstler“47 bei Ihren Entwürfen nur nach vorne schauen dürfen und das rezipieren der Vergangenheit einzig und allein den Kunsthistorikern überlassen werden solle. Denn die Baukünstler wollen nichts mit der „ästhetischen Tradition vergangener Jahrhunderte“ zu tun haben, nur „das Leben allein soll ihr Lehrmeister sein“ 48. Dazu rechtfertigt er seinen Entwurf für das Bürohaus mit den Worten dass „der Charakter unserer Zeit in den Bauten spürbar kein soll“.49 Unter diesem Hintergrund lässt sich der Entwurf noch besser legitimieren.

[...]


1 Neumeyer, Fritz: Mies van der Rohe 1986, S. 25

2 Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006, S. 10

3 Vgl: Frieg, Wolfgang: Ludwig Mies van der Rohe 1976, S. 216–221

4 Frieg, Wolfgang: Ludwig Mies van der Rohe 1976, S. 222

5 Vgl: Mertins, Detlef et al.: Introduction: The G-Group and the European Avant-garde 2010

6 Vgl: Ebd.

7 Vgl: Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006, S. 11

8 Vgl: Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006, S. 11

9 Cohen, Jean-Louis: Ludwig Mies van der Rohe 2007, S. 34

10 Vgl: Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 15

11 Ebd., S. 16

12 Ebd., S. 16

13 Vgl: Graeff, Werner: Über die sogenannte »G-Gruppe« 1962

14 Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 15

15 Vgl.: Cohen, Jean-Louis: Ludwig Mies van der Rohe 2007, S. 34

16 Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013; Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 15

17 Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006, S. 109

18 Richter, Hans: G. Material zur elementaren Gestaltung 1986, Zeitschrift G, 1. Ausgabe

19 Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 15

20 Vgl: Richter, Hans: G. Material zur elementaren Gestaltung 1986

21 Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 16

22 Vgl: Gough, Maria: Contains Graphic Material: El Lissitzky and the Topography of G 2010

23 Für weitere Informationen ist der Aufsatz von Maria Gough: Contains Graphic Material: El Lissitzky and the Topography of G sehr empfehlenswert.

24 Cohen, Jean-Louis: Ludwig Mies van der Rohe 2007, S. 34 zitiert nach Hans Richter, Köpfe und Hinterköpfe, Zürich, Die Arche, 1967, S.69

25 Richter, Hans: G. Material zur elementaren Gestaltung 1986 Zeitschrift G, Nr, 3, S.13

26 Fest, Karin et al.: Mies van der Rohe, Richter, Graeff & co. 2013, S. 15

27 Ebd., S.15

28 Ebd., S.16

29 Ebd., S. 19

30 Vgl.: Cohen, Jean-Louis: Ludwig Mies van der Rohe 2007, S. 27

31 Ebd., S. 34

32 Vgl: Mertins, Detlef: Architektonik des Werdens: Mies van der Rohe und die Avantgarde 2002

33 Mertins, Detlef: Architektonik des Werdens: Mies van der Rohe und die Avantgarde 2002, S. 121

34 van der Rohe, Mies: Wir stehen in der Wende der Zeit 1928

35 Riley, Terence et al.: Mies in Berlin 2002, S. 4

36 Schmeiser, Daniela: Ludwig Mies van der Rohe: Bürohaus- Der Rationelle Bau 2013, S. 88.

37 Ebd., S. 88

38 Ebd., S. 88

39 Anmerkung: Die Entwürfe des Bürohaus aus Eisenbeton stehen im Zusammenhang mit dem Haus aus Eisenbeton, worauf ich aber n dieser Arbeit nicht näher eingehen kann. ( aus Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006)

40 Vgl.: Cavalcanti Braun, Ruth: Mies van der Rohe als Gartenarchitekt 2006, S. 113

41 Vgl. Mertins, Detlef: Architektonik des Werdens: Mies van der Rohe und die Avantgarde 2002, S. 125

42 Ebd., S. 120

43 Richter, Hans: G. Material zur elementaren Gestaltung 1986, Zeitschrift G, 1 Ausgabe S.3

44 Ebd., S. 3

45 Anmerkung: Siehe dazu weitere Artikel in der Zeitschrift G, speziell von Mies van der Rohe wie „Bauen“ (2. Ausgabe, S.1); „Industrielles Bauen“ (3. Ausgabe, S. 18-21) in Richter, Hans: G. Material zur elementaren Gestaltung 1986

46 Vgl: Neumeyer, Fritz: Mies van der Rohe 1986, S. 299

47 Neumeyer, Fritz: Mies van der Rohe 1986, S. 299

48 Neumeyer, Fritz: Mies van der Rohe 1986, S. 299

49 Ebd., S. 299

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wie wurde die Architektur von Mies van der Rohe in den Medien dargestellt?
Untertitel
anhand der Zeitschrift G für Gestaltung und dem Entwurfes für das Bürohaus aus Eisenbeton
Veranstaltung
PS Ludwig Mies van der Rohe
Note
2,0
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V293424
ISBN (eBook)
9783656909057
ISBN (Buch)
9783656909064
Dateigröße
6526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Medien, Avantgarde, Moderne, Bauhaus, Mies van der Rohe, Zeitschrift G, Kunstgeschichte
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Wie wurde die Architektur von Mies van der Rohe in den Medien dargestellt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293424

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