Weltweit lebten im Jahr 2005 rund 1 Milliarde Menschen in Slums. Davon ca. 946 Millionen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Nach Schätzungen des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen - UN HABITAT - könnte die Anzahl der Slumbewohner bis 2015 auf 1,3 Milliarden ansteigen und bis 2030 einen Wert von rund zwei Milliarden erreichen.
Aufgrund des weltweiten Urbanisierungsprozesses und der daraus entstehende Knappheit an bewohnbarem Raum und der Suche nach Arbeit in Städten, leben immer mehr Menschen mit geringem Einkommen in Elendsvierteln. Diese sollen auch Gegenstand dieser Hausarbeit sein. In diesem Kontext werden die Slums in Indien und die Favelas in Brasilien näher betrachtet und miteinander vergleichen. Dabei wird auf die Entstehung, die Struktur und die Entwicklung der Elendsviertel näher eingegangen.
Das Ziel der Arbeit ist es außerdem zu untersuchen, welche Auswirkungen die Projekte, die von den Regierungen zur Bekämpfung der Elendsviertel eingeführt worden sind, zukünftig auf die Städte haben werden. Da eine ausführliche Betrachtung der vielen unterschiedlichen Projekten, die in den Ländern Indien und Brasilen von den Regierungen eingeführt worden sind, den Rahmen der vorliegenden Arbeit überschreiten würden, werden in dieser Arbeit beispielhaft die Favelas von Rio de Janeiro und die Slums von Mumbai analysiert. Im zweiten Kapitel wird der Begriff der Elendsviertel erläutert. Anschließend wird in den Kapiteln drei und vier auf die Entstehung und die Struktur der Slums und Favelas eingegangen. Bevor eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Fazit erfolgen, werden die verschiedenen Sanierungskonzepte der beiden Länder analysiert und mit einander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
3. Entstehung der Elendsviertel
3.1. Push Faktoren
3.2. Persönliche Motive
3.3. Pull Faktoren
3.4. Slums in Indien
3.5. Favelas in Brasilien
4. Definition und Struktur
4.1. Slums in Indien
4.2. Favelas in Brasilien
5. Sanierungskonzepte
5.1. Sanierungskonzepte in Indien
5.1.1. Zwangsräumungen und Aufwertung
5.1.2. Kooperation zwischen Bundestaat und der NGO
5.1.3. Öffentlich – Private Partnerschaften
5.2. Sanierungskonzepte in Brasilien
5.2.1. Das „Favela Bairro“ Programm
5.2.2. Morar Carioca
5.2.3. Bolsa Familia
5.2.4. Wohnungsbauprogramme
6. Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit vergleicht die Entstehung, Struktur und Sanierung von Elendsvierteln in Indien (beispielhaft Mumbai) und Brasilien (beispielhaft Rio de Janeiro), um die Auswirkungen staatlicher Bekämpfungsprojekte auf die zukünftige Stadtentwicklung zu analysieren.
- Vergleich von Push- und Pull-Faktoren der Land-Stadt-Wanderung.
- Strukturelle Merkmale von Slums in Indien und Favelas in Brasilien.
- Analyse historischer und aktueller Sanierungskonzepte in Mumbai.
- Bewertung brasilianischer Integrations- und Sozialhilfeprogramme.
- Diskussion über nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Exklusion.
Auszug aus dem Buch
Slums in Indien
Der Anteil der städtischen Bevölkerung in Indien lag Mitte des 20. Jahrhunderts bei 17 %. Dieser Wert ist bis zum Jahr 2010 auf 30 Prozent gestiegen. Dieser Wert erscheint zunächst gering, jedoch ist darauf hinzuweisen, dass sich die Urbanisierung auf wenige Großstädte, wie beispielsweise Mumbai konzentriert.25 Durch die hohen Zufluchtszahlen vom Land in die Stadt sind nicht genügend Arbeitsplätze und Wohnungen vorhanden. Die Folge daraus ist, dass sich die Menschen in illegale Wohnviertel niederlassen. In Indien gibt es zahlreiche Begriffe für Elendsviertel wie z. B. Bustees oder Squatter, die sich von Stadt zu Stadt unterscheiden. Unter dem Begriff Squatter werden die Menschen bezeichnet, die sich ohne Rechtstitel auf unbebauten Grundstücken ansiedeln. Diese Elendssiedlungen, sind an öffentlichen Plätzen, entlang der Straßen, Kanäle und Eisenbahnlinien oder in sumpfigen Arealen anzutreffen. Ein Bustee besteht aus mehreren einstöckigen Behausungen. Mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation konnten einige Besserungen erreicht werden, wie z. B. die Verbesserung von Abwasserkanälen und Abfallbeseitigung, die Toiletten wurden an das Kanalnetz für je 25 Personen angeschlossen, die Wege wurden gepflastert und eine Straßenbeleuchtung installiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die globale Problematik der Slumbildung und Zielsetzung des Vergleichs zwischen Indien und Brasilien.
2. Begriffsbestimmungen: Definition der Merkmale von Elendssiedlungen sowie ihrer verschiedenen Bezeichnungen in den Zielregionen.
3. Entstehung der Elendsviertel: Analyse der Ursachen für die Land-Stadt-Wanderung mittels der Migrationstheorie und spezifische historische Kontexte.
4. Definition und Struktur: Detaillierte Darstellung der physischen und sozialen Beschaffenheit von Slums in Indien und Favelas in Brasilien.
5. Sanierungskonzepte: Untersuchung und kritische Bewertung der von Regierungen initiierten Projekte zur Aufwertung und Integration der informellen Siedlungen.
6. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Erfolge und Probleme der Sanierungspolitik beider Länder und Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Elendsviertel, Slums, Favelas, Urbanisierung, Land-Stadt-Wanderung, Mumbai, Rio de Janeiro, Sanierungskonzepte, Infrastruktur, soziale Integration, Migration, informelle Siedlungen, Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Bolsa Familia.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit widmet sich dem vergleichenden Studium von Elendsvierteln in Indien und Brasilien, wobei der Fokus auf deren Entstehung, Struktur und den politisch eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Migrationsursachen (Push- und Pull-Faktoren), die strukturellen Merkmale der Siedlungen sowie die Effektivität verschiedener politischer Sanierungsprogramme in den Metropolen Mumbai und Rio de Janeiro.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der staatlichen Bekämpfungsprojekte zur Aufwertung der Elendsviertel zu untersuchen und zu bewerten, welche Ansätze eine nachhaltige Verbesserung für die Städte versprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die unter anderem die Migrationstheorie nach Ravenstein sowie Berichte und Konzepte zu aktuellen städtebaulichen Projekten wie "Favela Bairro" oder "Bolsa Familia" einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden die Entstehungsprozesse (insbesondere Land-Stadt-Wanderung), die spezifischen Merkmale der Slums und Favelas sowie eine detaillierte Analyse der jeweiligen staatlichen Sanierungsansätze und deren Erfolgsaussichten beleuchtet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Urbanisierung, Elendsviertel, soziale Integration, informelle Siedlungen und städtebauliche Sanierungskonzepte geprägt.
Warum war das Projekt der "Zwangsräumungen" in Mumbai laut Arbeit nicht nachhaltig erfolgreich?
Das Projekt war ineffektiv, da die Slumbewohner nach dem Abriss ihrer Unterkünfte lediglich in die unmittelbare Umgebung abwanderten und ihre Behausungen dort erneut errichteten.
Wie unterscheidet sich das Programm "Bolsa Familia" von rein baulichen Sanierungsmaßnahmen?
Im Gegensatz zu reinen Infrastrukturprojekten setzt "Bolsa Familia" auf soziale Unterstützung durch finanzielle Anreize für arme Familien, verknüpft mit Bedingungen wie Schulbesuch und Impfungen, um die Armut direkt zu senken.
Welches Fazit zieht die Autorin hinsichtlich der Zukunft der Sanierung in Indien?
Das Fazit lautet, dass Indien derzeit besonders auf Partnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Sektor setzt, die als vielversprechendster Weg zur Aufwertung des Stadtbildes von Mumbai angesehen werden.
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- Sandra Völzke (Author), 2015, Die Elendsviertel in Indien und Brasilien. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293490