Im von medialen Einflüssen verschiedenster Couleur durchsetzten Alltag in unserer Gesellschaft sind wir geradezu ununterbrochen mit der Notwendigkeit konfrontiert, der steten Informationsflut aktiv zu begegnen, sei es durch – bewusstes oder auch unbewusstes – Konsumieren oder eben auch Nicht-Konsumieren spezifischer Informationskanäle, die selektive Auslese und das individuelle Bewerten von Informationen mit Blick auf Wesensart und Herkunft der Nachricht wie auch das Motiv der Urheberin bzw. des Urhebers. Wir stehen dabei vor dem Problem, die augenscheinlich auf reinen „Fakten“ basierende Nachricht – eine weiterführende Auseinandersetzung um die mutmaßliche „Objektivität“ einer Nachricht findet Platz im nächsten Kapitel – von den explizit subjektiv gefärbten Veröffentlichungen, seien es nun solche zum Zwecke der Meinungsäußerung, der Unterhaltung oder letztlich auch jene mit dem Ziel der kommerziellen Werbung oder der politischen Propaganda, abgrenzen können zu müssen. Je nach Charakter und Thematik der Nachricht – selbige wird im Übrigen nicht nur in schriftlicher Form oder über das gesprochene Wort vermittelt, sondern, und darauf soll der Fokus dieser Arbeit liegen, auch über visuelle Medien kommuniziert – wird auch der Botschaft ein unterschiedlich hoher Anspruch an die eigene Objektivität zuteil. Konkret möchte sich die vorliegende Arbeit mit den idealtypischen Körperbildern in der Werbebranche auseinandersetzen, den öffentlichen Diskurs über die mutmaßlichen Auswirkungen der medialen Vermarktung eines abstrakten, in seiner Einfalt und Perfektion unerreichbaren Schönheitsideals auf junge Frauen nachzeichnen und sich anschließend der Fragestellung widmen, ob und in wie weit digital veränderte Werbefotos zu
kennzeichnen sein sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ETHISCHE BEGRIFFE
2.1 ETHIK UND MORAL
2.2 MEDIENETHIK
2.3 ETHIK IM BILDJOURNALISMUS
2.4 ETHIK IN DER WERBUNG
2.5 GESINNUNGS- UND VERANTWORTUNGSETHIK
3 BILDMANIPULATION
3.1 AUTHENTIZITÄT UND OBJEKTIVITÄT
3.2 BILDMANIPULATION AM BEISPIEL
4 ÖFFENTLICHER DISKURS
4.1 SCHÖNHEIT UND SCHÖNHEITSIDEAL
4.2 DEBATTE UM DIE KENNZEICHNUNGSPFLICHT
5 SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethischen Implikationen digitaler Bildmanipulation in der Mode- und Werbebranche und analysiert den gesellschaftlichen Diskurs über die Kennzeichnungspflicht von retuschierten Inhalten unter Berücksichtigung medienethischer Verantwortung.
- Grundlagen der Medienethik und Abgrenzung von Ethik und Moral
- Analyse der Authentizität und Objektivität im Bildjournalismus und der Werbung
- Diskussion über gesellschaftliche Schönheitsideale und deren mediale Konstruktion
- Ethische Bewertung von Bildmanipulation durch Max Webers Gesinnungs- und Verantwortungsethik
- Debatte um die Einführung einer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht für retuschierte Fotos
Auszug aus dem Buch
3.2 Bildmanipulation am Beispiel
Die Möglichkeiten technischer Bildmanipulation sind vielfältig. Während die Inszenierung von Szenen oder gar der Einsatz von Models und Schauspielern – also die direkte Einflussnahme auf den Inhalt des Bildes vor der eigentlichen Aufnahme – überwiegend noch als eindeutig unzulässige Manipulation gilt, wird der nachträglichen Bildbearbeitung, die im heutigen digitalen Zeitalter so einfach, schnell und umfassend vonstatten geht wie nie zuvor, vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Gegenstände und Personen lassen sich aus Fotos entfernen, nahtlos einfügen und in Größe, Form und Farbe bearbeiten. So lässt sich in der Mode- und Werbefotografie der perfekte Körper buchstäblich „zusammenbauen“. Beispielhaft sei ein Fotobericht über den Sommerurlaub des französischen Präsidenten Nicolas Sarcozy erwähnt, der im Jahre 2007 in der Zeitschrift „Paris-Match“ erschienen ist. Während in anderen Medien überwiegend die von Reuters stammenden Originalbilder Verwendung fanden, wurde Sarkozy im Artikel der „Paris-Match“ kurzerhand ein paar „überflüssiger“ Pfunde beraubt. (KNILL, 2008)
Ebenso als Beispiel kann ein Foto der heutigen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel dienen, damals noch in ihrer Rolle als Kanzlerkandidatin, welches bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele geschossen wurde. In der von der Deutschen Presseagentur herausgegebenen Originalversion ist Frau Merkel mit Schweißfleck unter ihrem Arm zu sehen, in der vom Bayerischen Rundfunk veröffentlichten Variante, wurde selbiger wegretuschiert. (vgl. BÜLLESBACH, 2008, S. 1)
Die beiden Beispiele zeigen, dass das von makellos anmutenden Models in Boulevardjournalismus und Werbung vermittelte Schönheitsideal keineswegs ein genrespezifisches Phänomen ist. Medien kreieren Vorbilder, erfüllen neben dem Bedürfnis nach Information und Unterhaltung auch das Bedürfnis nach persönlicher Identität wie auch nach sozialer Integration und Interaktion gleichermaßen. (vgl. PÜRER, 2003, S. 428) Es ist also zweifellos anzunehmen, dass die Frage nach dem Einfluss der Mode- und Werbefotografie auf das Schönheitsideal junger Frauen nicht mit einem ob, sondern einem in wie weit zu beantworten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der Informationsflut und der visuellen Medien ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Kennzeichnungspflicht digital veränderter Werbefotos.
2 ETHISCHE BEGRIFFE: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Ethik und Moral sowie der Medienethik und beleuchtet die spezifische Verantwortung von Medienschaffenden.
3 BILDMANIPULATION: Der Abschnitt diskutiert die Grenzen zwischen zulässiger technischer Bildbearbeitung und unzulässigen inhaltlichen Manipulationen an Beispielen.
4 ÖFFENTLICHER DISKURS: Hier wird der Einfluss von Schönheitsidealen analysiert und die politische sowie gesellschaftliche Debatte um Warnhinweise für retuschierte Bilder dargestellt.
5 SCHLUSSFOLGERUNG: Das Fazit fasst die ethische Verantwortung der Werbebranche zusammen und betont die Notwendigkeit, soziokulturelle Ursachen des Magerwahns ganzheitlich zu betrachten.
Schlüsselwörter
Medienethik, Bildmanipulation, Werbung, Authentizität, Schönheitsideal, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Retusche, digitale Bildbearbeitung, Kennzeichnungspflicht, Körperbild, Medienkompetenz, öffentliche Debatte, Werbefotografie, Massenmedien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die ethische Problematik digital veränderter Fotos in der Werbung und untersucht, inwieweit diese Praxis das Schönheitsideal junger Frauen beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit fokussiert sich auf Medienethik, die Möglichkeiten digitaler Bildmanipulation, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Schönheit und die Debatte um eine Kennzeichnungspflicht für retuschierte Bilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verantwortung von Medienschaffenden zu beleuchten und zu hinterfragen, ob und wie digital veränderte Werbefotos im Sinne der Verbraucher und des gesellschaftlichen Diskurses gekennzeichnet werden sollten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Abhandlung, die auf medienethischen Grundlagen basiert, sowie die Anwendung Max Webers Konzepte der Gesinnungs- und Verantwortungsethik auf den aktuellen medienpolitischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Medienethik, die Analyse von Bildmanipulation an Praxisbeispielen sowie die Dokumentation des öffentlichen Diskurses um Schönheitsideale und Regulierungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Medienethik, Bildmanipulation, Kennzeichnungspflicht, Schönheitsideal und Verantwortungsethik.
Wie bewertet der Autor das Konzept der Gesinnungs- und Verantwortungsethik in Bezug auf die Werbebranche?
Der Autor argumentiert, dass Werbeschaffende in der Pflicht stehen, nicht nur ihrer eigenen Gesinnung zu folgen, sondern die Konsequenzen ihres Handelns für das gesellschaftliche Schönheitsideal aktiv zu berücksichtigen.
Warum hält der Autor eine bloße Kennzeichnungspflicht für unzureichend?
Es wird betont, dass ein bloßes Labeling lediglich Symptome bekämpft, jedoch nicht die tieferliegenden soziokulturellen Ursachen für die Entstehung unrealistischer Schönheitsideale angeht.
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- Dipl.-Ing. (FH) Johannes Borda Aquino (Author), 2010, Ethik und Photoshop. Zur Problematik digital veränderter Mode- und Werbefotos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293491