Ethik und Photoshop. Zur Problematik digital veränderter Mode- und Werbefotos


Seminararbeit, 2010
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 ETHISCHE BEGRIFFE
2.1 ETHIK UND MORAL
2.2 MEDIENETHIK
2.3 ETHIK IM BILDJOURNALISMUS
2.4 ETHIK IN DER WERBUNG
2.5 GESINNUNGS- UND VERANTWORTUNGSETHIK

3 BILDMANIPULATION
3.1 AUTHENTIZITÄT UND OBJEKTIVITÄT
3.2 BILDMANIPULATION AM BEISPIEL

4 ÖFFENTLICHER DISKURS
4.1 SCHÖNHEIT UND SCHÖNHEITSIDEAL
4.2 DEBATTE UM DIE KENNZEICHNUNGSPFLICHT

5 SCHLUSSFOLGERUNG

6 LITERATURVERZEICHNIS

Hinweis:

In der vorliegenden Arbeit werden mit Berufung auf die Umsetzung des

„Gender Mainstreaming“ auch und gerade in wissenschaftlichen Arbeiten, soweit wie möglich, geschlechtsunspezifische Formulierungen gewählt. Es kommt die sog. „Gender Gap“ zum Einsatz, welche nicht nur den Geschlechterkategorien „Frau“ und „Mann“ in gleicher Weise Rechnung tragen will, sondern gleichwohl eben diese als konstruiert verstandene Binärität des traditionellen Geschlechtermodells beim Lesen „aufbrechen“ möchte.

1 Einleitung

Im von medialen Einflüssen verschiedenster Couleur durchsetzten Alltag in unserer Gesellschaft sind wir geradezu ununterbrochen mit der Notwen- digkeit konfrontiert, der steten Informationsflut aktiv zu begegnen, sei es durch - bewusstes oder auch unbewusstes - Konsumieren oder eben auch Nicht-Konsumieren spezifischer Informationskanäle, die selektive Auslese und das individuelle Bewerten von Informationen mit Blick auf Wesensart und Herkunft der Nachricht wie auch das Motiv der Urheberin bzw. des Urhebers. Wir stehen dabei vor dem Problem, die augenscheinlich auf rei- nen „Fakten“ basierende Nachricht - eine weiterführende Auseinanderset- zung um die mutmaßliche „Objektivität“ einer Nachricht findet Platz im nächsten Kapitel - von den explizit subjektiv gefärbten Veröffentlichun- gen, seien es nun solche zum Zwecke der Meinungsäußerung, der Unter- haltung oder letztlich auch jene mit dem Ziel der kommerziellen Werbung oder der politischen Propaganda, abgrenzen können zu müssen. Je nach Charakter und Thematik der Nachricht - selbige wird im Übrigen nicht nur in schriftlicher Form oder über das gesprochene Wort vermittelt, sondern, und darauf soll der Fokus dieser Arbeit liegen, auch über visuelle Medien kommuniziert - wird auch der Botschaft ein unterschiedlich hoher An- spruch an die eigene Objektivität zuteil. Konkret möchte sich die vorlie- gende Arbeit mit den idealtypischen Körperbildern in der Werbebranche auseinandersetzen, den öffentlichen Diskurs über die mutmaßlichen Aus- wirkungen der medialen Vermarktung eines abstrakten, in seiner Einfalt und Perfektion unerreichbaren Schönheitsideals auf junge Frauen nach- zeichnen und sich anschließend der Fragestellung widmen, ob und in wie weit digital veränderte Werbefotos zu kennzeichnen sein sollten. Zudem soll nicht zuletzt, bezugnehmend auf die von Max Weber 1919 aufgebrach- ten Begrifflichkeiten der Gesinnungs- und der Verantwortungsethik, auch die Verantwortlichkeit der einzelnen im Sinne der zuvor aufgezeigten Prob- lematik beteiligten Personengruppen aufgezeigt und beleuchtet werden. Die Arbeit versteht sich dabei als kompakte Abhandlung im Spannungsfeld zwischen der Herleitung, Einordnung und Anwendung der im Sinne der Aufgabenstellung relevanten theoretischen Grundlagen der Medienethik auf den vorliegenden Sachverhalt sowie der pragmatischen Auseinander- setzung mit den damit in Verbindung gebrachten spezifischen Technikfol- gen.

2 Ethische Begriffe

2.1 Ethik und Moral

Um anschließend Grundlage und Ausprägungen der Medienethik im Speziellen beleuchten zu können, und damit das Fundament, auf dem sich alle am medialen Gestaltungsprozess beteiligten Akteur/innen im Rahmen ihrer Arbeit bewegen, soll zuvor der Versuch unternommen werden, die Begriffe „Ethik“ und „Moral“ in groben Zügen zu definieren und voneinan- der abzugrenzen.

Der Begriff der „Ethik“ lässt sich stark vereinfacht und dennoch treffend mit einer der gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Immanuel Kant formulierten Hauptfragen der Philosophie begreifen. In seinem Werk „Die Kritik der praktischen Vernunft“ steht unter anderem die folgende Frage im Zentrum: „Was sollen wir tun?“. (KUTSCHERA 1999, S. 43)

Ethik versteht sich somit gewissermaßen als praktische Philosophie, welche die Suche nach dem „richtigen“, „moralisch korrekten“ Verhalten zum Gegenstand hat. Die Reflektion über eben diese Richtlinien zielt da- rauf ab, „den Menschen zur Gemeinschaft zu befähigen und ein Zusam- menleben berechenbar zu machen.“ (WOLF, 2004, S. 4) Ethik beruft sich dabei weder auf ein festgeschriebenes Normensystem, noch steht die Er- arbeitung konkreter Ergebnisse in Form von Regeln oder Gesetzen im Fo- kus der Auseinandersetzung. Vielmehr ist es der Prozess des Nachdenkens über das richtige Handeln selbst, über den sich Ethik definiert. (FRÖHLICH, 2006, S. 13f.) Sie vermag somit Grundsätze „moralisch korrekten“ Handelns auch außerhalb eines von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlichen, individuellen Moralverständnisses formulieren.

Moral hingegen bezeichnet, im Unterschied zur Ethik, das auf konkreten gesellschaftlich gelebten und tradierten Normen, Sitten und Bräuchen ba- sierende Verständnis vom richtigen und falschen Verhalten, und ist in ihrer spezifischen Ausprägung sehr stark an die jeweilige soziokulturelle Gruppe gebunden, die betrachtet wird. Sie kann zudem nicht von einer herrschen- den Minderheit gewaltsam „errichtet“ werden, sondern ist immer Ausdruck der innerhalb der gesellschaftlichen Mehrheit etablierten Normen und Wer- te und beschreibt somit ganz gezielt, wie „Menschen faktisch handeln und zu Handeln erwarten oder auch, was sie dabei faktisch für richtig halten.“ (MIETH, 2002, S. 55)

2.2 Medienethik

Das gemäß der Themenstellung dieser Arbeit besonders relevante Sujet der Medienethik ist wie auch die Bio-, Medizin-, Umwelt- oder Wirtschaftsethik als eine Form der angewandten Ethik zu verstehen. Hier wird oftmals auch von Bereichsethik gesprochen. (FUNIOK, 2007, S. 11)

Im Gegensatz zur sog. Kommunikationsethik setzt sich die Medienethik weniger mit unmittelbar zwischen Individuen stattfindender Kommunikati- on auseinander, sondern beschäftigt sich vornehmlich mit all jenen For- men der Kommunikation, die unter Einsatz von Massenmedien wie Hör- funk und Fernsehen, Tonträgern, Presseerzeugnissen und mittels Internet von statten geht. Dabei sind die beiden erst genannten Kommunikations- wege nach einer Studie von 2005 die meist genutzten. (vgl. FUNIOK, 2007, S. 11)

Zu den Aufgaben der Medienethik formuliert Funiok:

„Die [in der Verfassung und den Mediengesetzen] garantierten Kommunikationsgrundrechte der Bürgerinnen und Bürger bedürfen zu Ihrer Realisierung in großen, funktional differenzierten Gesellschaften freier Medien, die ihre Aufgabe der „Herstellung von Öffentlichkeit“ möglichst umfassend erfüllen.“ (FUNIOK, 2007, S. 14)

Durch eben diese „Herstellung von Öffentlichkeit“ nehmen Medien einerseits ihre Informationsfunktion wahr, werden zudem ihrer Kritik- und Kontrollfunktion gegenüber dem Staat gerecht und bieten nicht zuletzt Unterstützung hinsichtlich der Integration und Orientierung der/des Einzelnen in der Gesellschaft. (vgl. FUNIOK, 2007, S. 15)

Bedenkliche Tendenzen bestehen nach Funiok in der zunehmenden Ökonomisierung des Mediensektors und der damit verbundenen Heraus- bildung von Oligopolen, einer Entwicklung mit starkem Einfluss auf die Macht- und Interessenverhältnisse innerhalb der Medienlandschaft; zudem in der sog. „Medienkonvergenz“, einer Annäherung der verschiedenen Einzelmedien in wirtschaftlicher, technischer und inhaltlicher Weise, die von Journalistinnen und Journalisten verlangt, ihr Kompetenzfeld über das eigentlich genutzte Ursprungsmedium hinaus zu erweitern und damit auch Einfluss hat auf die journalistische Qualität der Publikationen; und nicht zuletzt auch im stetig wachsenden Stellenwert von „Public Relations“ so- wie Elementen mit allein werbendem und/oder unterhaltendem Charakter. (vgl. FUNIOK, 2007, S. 15)

2.3 Ethik im Bildjournalismus

Im Bildjournalismus, und damit auch in der Auseinandersetzung um die Kennzeichnungspflicht digital manipulierter Bilder in der Mode- und Wer- befotografie, treten zudem noch andere, medienspezifische Probleme zu- tage. Fotografien wird oft ein weit höheres Maß an Authentizität und Ob- jektivität unterstellt als mutmaßlichen Tatsachenberichten in schriftlicher Form. (vgl. FUNIOK, 2007, S. 136) Möglicherweise vorgenommene Verän- derungen sind von den Rezipient_innen mitunter nicht ohne Weiteres auszumachen, noch weniger der Einfluss, den selbige auf die transportierte Bildaussage haben. Nicht einmal die Tatsache, dass das jeweils vorliegende Bildmaterial überhaupt verändert wurde, ist ohne explizite Kennzeichnung zwangsläufig ersichtlich. Genau hier setzt auch die Kritik der Befürworter_innen einer verpflichtenden Kennzeichnung digital veränderter Bilder an, die in der Folge noch näher beleuchtet werden soll.

Im Übrigen lassen sich nicht alle subjektiven Einflüsse auf die Bildaus- sage so eindeutig bestimmen und regulieren wie die Auswirkungen einer hinreichend kategorisierbaren konkreten technischen Bildmanipulation. Kaum ersichtlich, allenfalls im Vergleich mit Bildern, die das selbe Gesche- hen dokumentieren, aber unter anderer Urheberschaft entstanden sind, ist die individuelle Sichtweise der fotografierenden Person auf das Ereignis. Hierbei fällt vor allem die - nicht selten unbewusst vorgenommene und auch nicht zwingend vom Vorsatz der Täuschung geprägte - Auswahl von Motiv, Perspektive und Ausschnitt stark ins Gewicht, muss aber auch die Möglichkeit explizit intendierter Inszenierungen berücksichtigt werden. (vgl. BÜLLESBACH, 2008, S. 3)

2.4 Ethik in der Werbung

Die kritische Begutachtung von massenmedial kommunizierter Werbung erfordert insbesondere im Kontext der Täuschung und Manipulation poten- tieller Rezipient_innen noch einmal zusätzliches Augenmerk. Anders als im Umgang mit nach journalistischen Grundsätzen aufbereiteten Inhalten, ist es dem Medium Werbung inhärent, strategisch zielführend und augenfällig eine bestimmte Werbeabsicht zu kommunizieren. Es ist also anzunehmen, dass den aufgeklärten und eigenverantwortlich agierenden Kon- sument_innen der rein subjektive, beschönigende Charakter der transpor- tierten Botschaft bewusst ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ethik und Photoshop. Zur Problematik digital veränderter Mode- und Werbefotos
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fakultät Medien)
Veranstaltung
Medienethik/Technikfolgeabschätzung
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V293491
ISBN (eBook)
9783656909569
ISBN (Buch)
9783656909576
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethik, photoshop, problematik, mode-, werbefotos
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (FH) Johannes Borda Aquino (Autor), 2010, Ethik und Photoshop. Zur Problematik digital veränderter Mode- und Werbefotos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293491

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