Der Dritte Sektor übernimmt regelmässig Aufgaben von grosser gesellschaftlicher Bedeutung.
Wo Markt und Staat aufhören, beginnt sein Wirken. Er steht und fällt jedoch mit seinen freiwilligen Helfern, sie sind der Treibstoff der NPOs. Daher ist es von grundlegender
Bedeutung, Menschen die sich freiwillig betätigen, weiterhin in ihrer Tätigkeit zu bestätigen und zu motivieren. Mit dem Wachstum des Non Profit Sektors, aber auch dem Wachstum der Organisationen in diesem Sektor, sind viele Herausforderungen verbunden, besonders, was die Personalführung anbelangt. Zur Erreichung aller gesetzten Ziele wird daher ein hoher Grad an Professionalisierung benötig. Dazu gehören auch die Einführung und die Anwendung von
adäquaten Anreizsystemen.
Meine Beweggründe als Autorin der Thesis sind nicht nur akademischer Natur. Als Mitglied eines Standortvorstands der gemeinnützigen Organisation Rock Your Life! Schweiz bin ich
motiviert, diese auf ihrem Weg zum Erfolg zu unterstützen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, die richtigen Anreize zu entwickeln und in einem funktionierenden System anzubieten, um die Attraktivität der Organisation zu steigern sowie die mitwirkenden Personen zu bestätigen und zu motivieren. Die Erstellung der Thesis soll aber auch mein eigener Beitrag
zur Unterstützung des Dritten Sektors sein, denn die hier gewonnenen Erkenntnisse und erstellten Strukturen eines Anreizsystems lassen sich mit Sicherheit nicht nur bei RYL! Schweiz praktisch umsetzen sondern auch in anderen gemeinnützigen NPOs anwenden. Der Masterthesis liegen massgebliche Fragen zu Grunde: Sind Anreizsysteme in NPOs
anwendbar, und wie sieht eine mögliche Ausgestaltung eines solchen Systems aus? Was braucht es, um ein funktionierendes Anreizsystem zu entwickeln? Und nicht zuletzt: Kann
dieses Instrument zu grösserem Erfolg einer Organisation beitragen? Das Ziel war also, ein praktikables Motivationssystem zu entwickeln, welches zum einen auf dem aktuellen Stand der Forschung ist, zum anderen sich an die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Organisationen und ihrer Mitglieder anpassen lässt.
Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass Motivation bei Freiwilligen kein „Selbstläufer“ ist. Zwar verfügen die freiwilligen Mitarbeitenden zu Beginn ihrer Tätigkeit über ein hohes Mass einer so genannten intrinsischen Motivation, doch sind sowohl die Motivationsgründe als auch die
Motivationsstärke über den Verlauf des Engagements nicht konstant. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung, Nutzen und Forschungsfragen
1.2 Problemstellung und Abgrenzung
1.3 Aufbau der Masterarbeit
2 Grundlagen der Motivation in Non Profit Organisationen
2.1 Non Profit Organisationen (NPO) in der Schweiz
2.1.1 Definition und Merkmale des Schweizer Non Profit Sektors
2.1.2 Definition und charakteristische Merkmale von NPOs
2.1.3 Arten von NPOs und ihre Organisationsformen
2.1.4 Erfolgsbegriff und Erfolgsfaktoren bei NPOs
2.2 Freiwillige Arbeit in Non Profit Organisationen
2.2.1 Allgemeine Definition von freiwilliger Arbeit
2.2.2 Arten des freiwilligen Engagements
2.2.3 Typische Merkmale von Freiwilligen
2.3 Motivation
2.3.1 Motivation und Motivationstheorien
2.3.2 Motivation als Zielgrösse in Unternehmen und Organisationen
2.4 Anreizsysteme und Führung
2.4.1 Definition und Arten von Anreizen
2.4.2 Definition und Bestandteile von Anreizsystemen
2.4.3 Definition und wichtige Prinzipien von Führung und Personalsteuerung
3 Konzeptionelle Eckpunkte eines Anreizsystems
3.1 Ausgangpunkt: Motivation
3.1.1 Motivation zur Leistung von freiwilliger Arbeit in NPOs
3.1.2 Gegenüberstellung der Motivationsgründe in NPOs und der Privatwirtschaft
3.2 Perspektive: Führung
3.2.1 Führung mit Anreizen und Instrumenten
3.2.2 Herausforderung bei der Führung mit Anreizen
3.2.3 Motivation in der Langzeitperspektive
3.3 Instrumentelle Umsetzung: Anreizsysteme in NPOs
3.3.1 Darstellung von Anreizsystemen in der Privatwirtschaft und bei NPOs
3.3.2 Herausforderungen bei der Einführung von Anreizsystemen bei NPOs
3.4 Fazit
4 Empirische Untersuchung
4.1 Forschungsdesign
4.2 Methodisches Vorgehen
4.3 Datenauswertung
4.3.1 Qualitative Auswertungsmethode
4.3.2 Ergebnisse der eigenen Erhebung
5 Strukturentwurf eines theorie- und praxisgeleiteten Anreizsystems
6 Case Study
6.1 Vorstellung RYL!
6.2 Elemente eines modifizierten Anreizsystems für RYL!
6.3 Empfehlungen zur Implementierung
7 Diskussion und Ausblick
7.1 Beantwortung der Forschungsfragen
7.2 Kritische Reflexion des eigenen Vorgehens und angewandter Methoden
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines praktikablen Anreizsystems für gemeinnützige Non Profit Organisationen (NPO), um den Motivationserhalt und die Motivationssteigerung bei freiwilligen Mitarbeitenden zu fördern. Dabei wird am Beispiel der Organisation "Rock Your Life! Schweiz" untersucht, wie theoretische Ansätze der Motivations- und Anreizforschung auf die spezifischen Bedürfnisse und Strukturen von NPOs übertragen werden können, um langfristig zum Organisationserfolg beizutragen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Motivation und Anreizsystemen in NPOs
- Gegenüberstellung von Motivationsgründen in der Privatwirtschaft und im Non Profit Sektor
- Identifikation spezifischer Herausforderungen bei der Personalführung von Freiwilligen
- Entwicklung eines theorie- und praxisgeleiteten Anreizmodell-Entwurfs
- Empfehlungen für die praktische Implementierung unter Berücksichtigung von Organisationskultur und -zielen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Motivation zur Leistung von freiwilliger Arbeit in NPOs
Das Kernthema der vorliegenden Thesis beschäftigt sich mit der Ausgestaltung von Anreizsystemen in gemeinnützigen Non Profit Organisationen. Die Motivationslage bei Menschen, die sich freiwillig in solchen Organisationen engagieren, kann sehr unterschiedlich sein. Freiwillig tätige Menschen weisen i.d.R. ein anderes Verhaltensmuster auf und reagieren anders auf Anreize als bezahlte Arbeitskräfte (vgl. Eckardstein 2007, S.275). Um aber die richtigen Anreize zu setzen und ein wirksames Anreizsystem entwickeln zu können, ist es notwendig, sich des breiten Spektrums an Beweggründen bewusst zu werden und die Wünsche und Probleme ehrenamtlicher Mitarbeiter zu verstehen (vgl. Badelt & More-Hollerweger 2007, S.503f.). Bierhoff & Schülken konnten in einer Untersuchung mit 247 ehrenamtlichen Mitarbeitern eine dichotome Motivlage bei den Freiwilligen finden (vgl. 2001, S.198ff.). Die Befragten liessen zum einen eine egoistische Tendenz in ihrer Tätigkeit erkennen, zum anderen waren sie sehr stark altruistisch motiviert (ebenda). Auch Badelt & More-Hollerweger orientieren sich aufgrund „eines breiten Bündels von individuellen Motiven“ an den grundlegenden Gesichtspunkten Altruismus, Eigenwert (Egoismus) und fügen darüber hinaus die Tauschkomponente hinzu (vgl. 2007, S.513f.). Dieser dreiteilige Ansatz wird auch hier vorgenommen:
(1) Unter Altruismus ist laut Brockhaus die Selbstlosigkeit oder die Uneigennützigkeit zu verstehen (vgl. 1996, S.27-65). Der Begriff steht als Gegensatz zum Egoismus. Altruistische Persönlichkeiten zeichnen sich durch soziale Verantwortung und Mitgefühl aus, sie sind sehr einsatz- und hilfsbereit (vgl. Bierhoff & Schülken 2001, S.186). Daher geht es altruistisch motivierten Menschen um die Sache selbst, sie möchten einfach gesprochen „[...] bestimmte Organisation oder eine gemeinschaftsdienliche Idee unterstützen und stellen dieser Institution ihre Arbeitskraft zur Verfügung“ oder sie möchten ökonomisch gesprochen „[..] den Nutzen (das Wohlbefinden) einer anderen Person erhöhen“ (Badelt & More-Hollerweger 2007, S.514).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Freiwilligenarbeit ein und definiert Zielsetzung sowie Forschungsfragen für ein Anreizsystem bei RYL! Schweiz.
2 Grundlagen der Motivation in Non Profit Organisationen: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis zu NPOs, Freiwilligenarbeit, Motivationstheorien und Anreizsystemen.
3 Konzeptionelle Eckpunkte eines Anreizsystems: Hier werden theoretische Aspekte der Motivation, Führung und instrumentellen Umsetzung von Anreizen in NPOs detailliert analysiert.
4 Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt beschreibt das Forschungsdesign und die qualitative Methodik der durchgeführten Experten- und Leitfadeninterviews.
5 Strukturentwurf eines theorie- und praxisgeleiteten Anreizsystems: Vorstellung eines Modellentwurfs, der theoretische Erkenntnisse mit den Ergebnissen der empirischen Erhebung verknüpft.
6 Case Study: Anwendung und Modifikation des Anreizmodells auf die Organisation Rock Your Life! Schweiz.
7 Diskussion und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfragen und Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Non Profit Organisationen, NPO, Freiwilligenarbeit, Motivation, Anreizsysteme, Personalführung, Ehrenamt, Motivationszyklus, Erfolgsfaktoren, Rock Your Life!, Wirkungscontrolling, altruistische Motive, egoistische Motive, Tauschkomponente, Professionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Gestaltung von Anreizsystemen speziell für Non Profit Organisationen (NPO), um die Motivation freiwilliger Mitarbeitender langfristig zu erhalten und zu steigern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Motivationspsychologie, die Struktur und Besonderheiten des Schweizer NPO-Sektors, die theoretischen Anforderungen an Anreizsysteme sowie die praktische Anwendung von Führungsinstrumenten.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht unter anderem, ob ein idealtypischer Motivationszyklus bei Freiwilligen existiert, wie sich Anreizsysteme für NPOs gestalten lassen und wie diese zum Erfolg der Organisation beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasserin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign, bestehend aus einer umfassenden Literaturanalyse sowie halbstrukturierten Leitfadeninterviews und Experteninterviews mit Vertretern verschiedener NPOs.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet theoretische Eckpunkte für Anreizsysteme, wobei Konzepte wie extrinsische und intrinsische Motivation, verhaltens- und vertragstheoretische Anforderungen sowie Prinzipien der Personalführung beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Freiwilligenarbeit, Motivationspsychologie, Anreiz-Beitrags-Gleichgewicht, Korrumpierungseffekt, Erfolgscontrolling und die spezifische Organisationskultur von Non Profit Organisationen.
Wie unterscheidet sich die Motivation von Freiwilligen von jener in der Privatwirtschaft?
Während in der Privatwirtschaft materielle Anreize oft zentral sind, steht bei NPOs die intrinsische Motivation, altruistische Beweggründe und immaterielle Anreize wie Sinnstiftung und soziale Einbindung im Vordergrund, wobei jedoch zunehmend auch Tauschkomponenten an Bedeutung gewinnen.
Welche Rolle spielt die Organisation "Rock Your Life! Schweiz" in der Arbeit?
Rock Your Life! Schweiz dient als praktisches Fallbeispiel. Die theoretisch erarbeiteten Erkenntnisse werden genutzt, um ein modifiziertes Anreizsystem ("Rock! System") direkt auf die spezifischen Bedürfnisse und Werte dieser Organisation zuzuschneiden.
- Arbeit zitieren
- Agnieszka Banach (Autor:in), 2015, Motivation und Anreizsysteme in Non Profit Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293552