Ein Fußballverein als Wirtschaftsunternehmen geführt. Der FC Bayern München


Bachelorarbeit, 2014
45 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegendes und Informationen zum Fußball
2.1. Definition des Wirtschaftunternehmens und eingetragenen Vereins
2.2. Aufbau und Fakten des Vereins FC Bayern München

3. Analyse der Einnahmen und Ausgaben des Vereins
3.1. Einnahmen eines Fußballvereins
3.1.1. Sponsoring und Merchandising
3.1.2. Ticketing und Erlöse aus Wettbewerben
3.1.3. Fernsehrechte und Transfererlöse
3.1.4. Sonstige Einnahmen
3.1.5. Einnahmen im Vergleich zu einem Wirtschaftsunternehmen
3.2. Ausgaben einer Saison
3.2.1. Personalaufwendungen
3.2.2. Spielbetriebsausgaben
3.2.3. Sonstige Ausgaben
3.2.4. Darstellung der Bilanzierung von Fußballunternehmen und der FC Bayern München AG

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Ausgewählte Aktivitäten und Beteiligungen der Borussia KGaA (Stand 02/04).

Abb. 2: Sponsoringvolumen in Deutschland (in Mrd. €).

Abb. 3: Anteilige Einschaltquoten je Sportart im Jahr 2004.

Abb. 4: Das verbandsrechtliche Bilanzgliederungsschema.

Abb. 5: Jahresabschluss der Fc Bayern München AG der Saison 2012/2013.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Fußball hat seit der Weltmeisterschaft 2006 in der Bundesrepublik ein noch größeres Interesse bei vielen Menschen in Deutschland geweckt, sodass dieser Sport einen steigenden Wert in der Freizeitgestaltung einnimmt. Nicht nur die Fans im Stadion sind an einem Spieltag mit Freude auf das Spiel dabei, sondern auch viele fußballbegeisterte Menschen gehen in Kneipen oder Bars. Diese haben sich auf Sportevents spezialisiert und werben an den Fassaden der Gaststätten für die Dienstleistung der Fußballübertragung.

Es geht im Fußball schon lange nicht mehr rein um den Sport, da das lukrative Geschäft rund um den Fußball zu verlockend ist. Selbst die Vereine nutzen diesen Effekt und müssen sich einem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf stellen. Nicht mehr der erfolgreichste Verein ist ökonomisch gesehen auch der Stärkste. Die Sportvereine haben einen Wandel vollzogen, in dem sie zu Unternehmen der Sportunterhaltungsindustrie wurden. Zudem haben sich viele Vereine dazu entschlossen ihre Profiabteilung zu eigenständigen Kapitalgesellschaften, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, auszugliedern. Es herrscht ein ökonomischer Wettkampf und in dieser Hinsicht bekommt das Sportmarketing eine bedeutende Rolle. Eine Problemstellung dieser Arbeit ist der wirtschaftliche Druck, den die einzelnen Fußballclubs bewältigen müssen und welche Möglichkeiten sie dabei versuchen auszuschöpfen. Genau wie ein Wirtschaftsunternehmen, gilt es für einen Fußballclub durch optimierende Prozesse den Stand des „Unternehmens“ im Wettbewerb zu stärken. Dabei wird die Ware „Sportdienstleistung“ nicht nur vom anbietenden „Unternehmen“ veräußert, sondern auch für Dritte, für die sie einen interessanten Werbeträger darstellt. Eine besondere Herausforderung ist die emotionale Bindung der Fans „Kunden“ zu dem Produkt „Sportveranstaltung“ und dem Verein „Unternehmen“. Besonders das Sponsoring und Merchandising befasst sich mit dieser Thematik, weshalb diese Instrumente der wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren explizit in dieser Arbeit aufgenommen und beschrieben werden.1

Das Produkt Fußball ist ein privates Gut, dessen Nutzen von der Anzahl der Teilnehmer und Konsumenten abhängt. Die Nutzung dieses Gutes erfolgt über Marktprozesse wie z.B. Eintrittskarten, Fan-Artikel und TV. Stellt die Politik fördert den Fußball um diesen als Instrument für Wirtschaft und Stimmung im eigenen Land zu gebrauchen. Natürlich bedarf eine solche Entwicklung in der eine Sportart zu einer einflussreichen ökonomischen Kraft heranwächst, neue Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit. Neue Lösungen für eine bessere Führung des Clubs, der Verbände und die Gestaltung moderner Rahmenbedingungen wurden beschlossen. Diese beinhalten bspw. folgende Ansätze: Freier Wettbewerb, Clubvermarktung, Rechtsformwahl, Kapitalbeschaffung, Unternehmensführung, Arbeitnehmerrecht, Ertragskraftstärkung für sportliche Erfolge, Nachwuchsförderung.2

Das ein Fußballclub wie eine Unternehmung handelt und aufgebaut ist, zeigt sich in folgender Hinsicht deutlich. Unternehmungen sind in wirtschaftlicher sowie rechtlicher Art organisiert, die darauf abzielen eine ertragsbringende Leistung zu veräußern.3 Diese können sowohl auf Gewinnmaximierung bzw. für den Zweck angemessene Gewinnerzielung oder auf eine erforderliche Rentabilität für das Fortbestehen der Unternehmung abgestimmt sein. Zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit ist eine kaufmännische Finanzrechnung erforderlich. Nach außen erklären sich die Unternehmungen über ihren Handels- bzw. Markennamen mit der zugehörigen Rechtsform.4

Im Vergleich zwischen einem Fußballclub und einem Wirtschaftsunternehmen bietet der Fußballclub Bayern München5 die besten Voraussetzungen. Es ist der erfolgreichste deutsche Fußballclub, der in den letzten vier Jahrzehnten seit dem Aufstieg in die Bundesliga 1965 nur in vier Spielzeiten nicht unter den ersten 6 Mannschaften am Saisonende stand. Das Maß für die 17 anderen der insgesamt 18 Bundesligavereine ist der FC Bayern, weil dieser eine konstante sportliche als auch wirtschaftliche Entwicklung in all den Jahren geschafft hat.6 Aktuell ist der Club wohl die beste Vereinsmannschaft der Welt, nicht nur durch den letzten Gewinn der UEFA Champions League im Mai 2013 und der Club-Weltmeisterschaft im Dezember 2013. Außerdem ist der Verein wirtschaftlich absolut stabil aufgrund einer Eigenkapitalquote von 70 Prozent. Die Kennzahlen des Vereins werden an entsprechenden Stellen erneut mit Verweisen aufgenommen und zitiert.

Wie ein Fußballverein eine solche Entwicklung nehmen kann und welche Möglichkeiten dabei bestehen, wird in dieser Arbeit gezeigt. Es werden einzelne Einnahmequellen wie das bereits erwähnte Sponsoring oder Merchandising beschrieben. Der Bezug zu einem Wirtschaftsunternehmen wird in einzelnen Passagen aufgegriffen und soll vor allem durch die Vorstellung des Jahresabschlusses und der Bilanzierung verdeutlicht werden.

2. Grundlegendes und Informationen zum Fußball

Wie kein anderer Sport verkörpert der Fußball als Zuschauersportart in Europa den Volkssport. Bereits 86 Vereine konnte der Deutsche Fußball Bund7 bei seiner Gründung am 28.01.1900 verbuchen und auch heute noch verzeichnet dieser Sport die meisten aktiven Teilnehmer. Der professionelle Fußball und somit auch die deutschen Fußballvereine werden medial, gesellschaftlich und ökonomisch geprägt. Ferner haben Clubs und Großveranstaltungen aus diesem Bereich für das jeweilige Bundesland und den Kreis eine besondere Bedeutung, da sie unter anderem -wie ein Unternehmen- als ein Wirtschaftsfaktor dienen. Besonders seit der Einführung der privatwirtschaftlichen Sendern in den 1980ern hat sich die Beliebtheit des Profifußballs deutlich erhöht. Damit einhergehend ist der größere Konkurrenzdruck, wodurch auch die wirtschaftliche Steigerung und weitere Entwicklungen zu erklären sind.

Die Fédération Internationale de Football Association8 bspw. konnte seit ihrer Gründung im Jahr 1904 ihre Mitgliederzahl auf 207 Nationen (Stand 2012) ausweiten und besitzt somit mehr als die UNO. Hierdurch wird deutlich, welch ein Ausbreitungsgrad der Fußballsport in Europa besitzt.9

Im deutschen Profifußball hat sich der FC Bayern München zum wertvollsten Verein (23 Mal Deutscher Meister) entwickelt und rangiert in Europa auf Platz Vier. Ferner belegt der FC mit über 223.985 Mitgliedern und 3.576 eingetragenen Fanclubs die Spitze aller Bundesliga-Vereine.10 Der Marktwert der Spieler beläuft sich auf rund 236 Millionen Euro.11

Wie der FC Bayern München aufgebaut ist und welche Erfolge dieser Verein vorzuweisen hat, wird unter dem Punkt 2.2 vertiefend beschrieben. Beeindruckende Zahlen unterstreichen weiterhin eine jahrelange Dominanz in Deutschland, an der sich viele Mitbewerber orientieren.

2.1. Definition des Wirtschaftunternehmens und eingetragenen Vereins

Nach Duden12 ist unter einem Wirtschaftsunternehmen ein Betrieb „[...] im Hinblick auf seine Rolle als Wirtschaftsfaktor“ zu verstehen. Es stellt ein System der Marktwirtschaft dar, in der der Betreiber versucht, die aufgestellten Ziele und den Unternehmenszweck zu erfüllen. Vornehmlich geht es um die Erzielung von Gewinnen oder die Erhöhung des Marktanteils und Marktwachstums. Daneben können auch andere Ziele und Zwecke z.B. im Bereich der Umweltfaktoren oder des Human Ressource Managements angestrebt werden.13 Im HGB ist in §1 (2) folgende Beschreibung zu finden:

„Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.“14

Ferner kann ein Unternehmen in verschiedenen Rechtsformen geführt werden. Neben der Einzelunternehmung existieren außerdem die Personenhandelsgesellschaften (z.B. Offene Handelsgesellschaft15 ), Kapitelgesellschaften (z.B. Aktien16 - und Kapitalgesellschaften17 ), Genossen- sowie Partnerschaften und die GbR. Bezogen auf die Thematik dieser Arbeit werden nur die Kapitalgesellschaften insbesondere die AG näher beleuchtet.

Bei Kapitalgesellschaften steht die Kapitalbeteiligung, welche bei der AG als Stammkapital bezeichnet wird, der Mitglieder oder auch Gesellschafter im Vordergrund. Eine Haftung ist nur in Höhe des eingelegten Kapitals zu befürchten.18

Der Verein erlangt seine Rechtsfähigkeit durch die Eintragung in das Vereinsregister, wodurch der Zusatz „e.V.“ verbindlich führen muss. Voraussetzungen zur Gründung eines Vereins ist die Anzahl der Vereinsmitglieder, welche mindestens sieben beträgt und die Volljährigkeit aller Gründer. Ferner muss eine Satzung gemäß §§ 57, 58 BGB formuliert werden. Sie hält neben Namen und Sitz des Vereins auch dessen Zweck, die Bestimmungen über Mitgliedseintritt und –austritt, die Beitragspflicht sowie die Bildung des Vorstandes und die Bestimmung, dass der Verein im Vereinsregister eingetragen wurde, fest. Der eingetragene Verein ist vom nicht eingetragenen Verein abzugrenzen, da letzterer nicht im Vereinsregister geführt wird.19

2.2. Aufbau und Fakten des Vereins FC Bayern München

Der FC Bayern München ist zum Einen in eine AG, in Form der Fc Bayern München AG und zum Anderen als ein bestehender Fußballverein in Funktion des FC Bayern München e.V. aufgeteilt. Der FC Bayern München AG Konzern besteht aus der AG und den Tochterunternehmen Allianz Arena München Stadion GmbH, Allianz Arena Payment GmbH und der Arena Stadion Beteiligungs-GmbH & Co.KG. Die Organe der AG unterteilen sich wie folgt: Vorstandsvorsitzender ist Karl-Heinz Rummenigge und verantwortlich für Unternehmenssteuerung und –kommunikation, Vertretung in nationalen und internationalen Gremien, Koordination mit dem Aufsichtsrat und innerhalb des Vorstands sowie Fan- und Fanclubbetreuung. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender, ist der ehemalige Vorstand der Hypovereinsbank im Amt, Jan-Christian Dreesen. Dieser ist für die Bereiche Finanzen und Controlling verantwortlich. Im Vorstand und für die Bereiche Sponsoring und Events sowie Merchandising ist Andreas Jung verantwortlich. Ebenfalls im Vorstand und als Verantwortlicher für die Lizenzspielermannschaft, das Trainerteam, die Nachwuchsabteilung und Scouting ist Matthias Sammer. Als Letztes zählt Jörg Wacker zum Vorstand und betreut die Bereiche Internationalisierung und Strategie.

Zu den Mitgliedern des Aufsichtsrates und Mitglieder des Präsidialausschusses, gehören als Vorsitzender Herbert Hainer (Vorsitzender der adidas AG), als Stellvertretender Vorsitzender Prof. Rupert Stadler (Vorsitzender der Audi AG) und Karl Hopfner der außerdem das Amt des ersten Vizepräsidenten des FC Bayern München e.V. einnimmt.

Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates außerhalb des Präsidialauschusses sind Timotheus Höttges (Vorsitzender der Deutschen Telekom AG), Helmut Markwort (Herausgeber des Nachrichtenmagazins Focus), Dieter Raupl (ehemaliger Verwaltungsratsvorsitzender der UniCredit Group), Dr. Edmund Stoiber (Bayrischer Ministerpräsident a. D.) und Prof. Dr. Martin Winterkorn (Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Porsche Automobil Houlding SE).20

Die wichtigsten Organe des FC Bayern München e.V., sind der erste Vizepräsident mit Karl Hopfner im Amt und der zweite Vizepräsident in Person von Rudolf Schels. Bekannte Namen wie Franz Beckenbauer, Kurt Landauer und Wilhelm Neudecker sind in Form von Ehrenpräsidenten für den Verein tätig.21

Der erfolgreichste Fußballclub Deutschlands kann die Erfolge von 23 Deutscher Meisterschaften, 16 Siege des DFB-Pokals, vier Gewinne des Deutschen Supercups, sechsmaliger Liga Pokal Sieger, fünf Champions League Titel, ein Gewinn des UEFA Cups, zwei Weltpokalsiege, ein mal die Klub-Weltmeisterschaft sowie einmaliger Gewinn des Europäischen Supercups vorweisen.22

Durch diese Titel, die der Verein in Jahrzehnten mit Hilfe von Disziplin und harter Arbeit erkämpft hat, ist dieser Verein heute bei den Fußballfans und Sportbegeisterten Menschen beliebt. Er weckt zudem bei Unternehmen, Top-Managern und Politikern ein Interesse, wodurch der Verein zusätzliche Einnahmen zu den sportlichen Erfolgen, aus den wirtschaftlichen Sektoren ziehen kann. Sponsorengelder und Merchandisingartikel helfen unter Anderem das der Verein ökonomische Ziele erreicht. In der abgelaufenen Saison 2012/2013 erzielte der FC Bayern eine Eigenkapitalquote von deutlich mehr als 70 Prozent. Dabei hatte der Club einen Umsatz von 393,9 Millionen Euro durch die FC Bayern München AG. Diese Zahl konnte zum Vorjahr um 19 Prozent gesteigert werden. Der Gewinn nach Steuern steigerte sich um 30 Prozent von 14 Millionen Euro auf 22,5 Millionen Euro. Jedes Wirtschaftunternehmen würde solche Ergebnisse als erstrebenswert betrachten. Zu dem besitzt der Verein eine Mitgliederzahl von 223.985 und weltweit existieren 3.576 Fanclubs mit 262.077 Fanclub-Mitgliedern.23

Solche beeindruckenden Zahlen erreicht ein Fußballclub über jahrelange konstante Arbeit mit einer guten Führung und einem strukturiertem Aufbau des Clubs. Es befinden sich prominente Manager und Politiker im Vorstand und Präsidium, sodass die personellen Qualitäten grundlegend in allen Bereichen des Vereins verankert sind. Wie die wirtschaftlichen Strategien im Fußball zu verwirklichen sind, wird in den nächsten Kapiteln unter den Einnahmen und Ausgaben des Vereins beschrieben.

3. Analyse der Einnahmen und Ausgaben des Vereins

Wie ein Wirtschaftunternehmen sollte auch ein Fußballverein stets bestrebt sein ein maximales Ergebnis am Saisonende zu erreichen oder zumindest das erreichte Vorjahresergebnis zu halten und dieses als Planwert zu nutzen. Ein Fußballclub wie der FC Bayern München ist in jeder Saison nach dem Maximum bestrebt, ein zweiter Tabellenplatz ist nicht der Maßstab. Deshalb ist es für sie von enormer Bedeutung neben dem sportlichen Abschneiden am Ende einer Saison, einen ebenso akzeptablen wirtschaftlichen Erfolg erreicht zu haben. Abgesehen vom eigentlichen Spiel, stellt die Liga und die internationalen Teilnahmen an den Pokalen, einen Wettbewerb dar. Im Vergleich zur Marktwirtschaft, in der das schwächste Unternehmen Konkurs anmeldet und im äußersten Fall den Markt verlassen muss, ist in der Liga ein vergleichbares Schema zu verfolgen. Der stärkste Verein gewinnt sportlich sowie wirtschaftlich und der schwächste Verein muss absteigen und verlässt die Liga. Auf dem Markt des Fußballs geht es schon lange nicht mehr nur um den Sport und das erfolgreiche Abschneiden im sportlichen Wettbewerb.24

Es entwickelten sich im Laufe der Zeit verschiedene Märkte um den Sport herum. In erster Linie besteht der Zuschauermarkt, in dem die Zuschauer Spannung und Ästhetik vom Spiel erwarten. Jeder Zuschauer ist mehr oder weniger Fan eines Clubs oder eines einzelnen Spielers, mit dem er sich identifiziert. Das Verfolgen eines Fußballspiels ist ein Gemeinschaftserlebnis und kann ebenso zu gesellschaftlichen, sozialen und geschäftlichen Kontakten dienen. Die Nachfrage nach Fußball kann über verschiedene Wege erfolgen. Entweder Live im Stadion, was sicherlich das besondere Erlebnis darstellt, über das Radio oder im TV, aber auch mit Freunden in einer Bar. Wenn aus zeitlichen Gründen ein Spiel verpasst wurde, kann ein Fußballfan das Spiel später als Aufzeichnung im TV anschauen. Den Anbietern von Sportevents ermöglichen solche Ansätze differenzierte Vermarktungsmöglichkeiten.

Neben dem Zuschauermarkt entwickelten sich sogenannte Folgemärkte. Hier sind vor allem TV-Rechte, Werbung im und mit Sport, Sponsoring sowie das Merchandising zu nennen.25 Die Begrifflichkeiten werden ab den Punkten 3.1.1. ausführlich beschrieben und erläutert.

Außer den bereits genannten Märkten existieren weitere Nachbarmärkte. Diese stellen eine direkte Leistung zum sportlichen Ereignis zur Verfügung. Als Beispiel sind dabei Sportreisen, Sporthotels oder Sportversicherungen zu nennen. Um die Bedeutung von Folge- und Nachbarmärkten zu demonstrieren, kann anhand von Borussia Dortmund, dem aktuell stärksten Ligakonkurrent von Bayern München, folgendes Beispiel dienen.26 Aktivitäten und Beteiligungen der Borussia KGaA:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Ausgewählte Aktivitäten und Beteiligungen der Borussia KGaA (Stand 02/04).

Quelle: Bieling, Eschweiler, Hardenacke:Business-to-Business Marketing im Profifußball,S. 9.

Im nachfolgenden Kapitel werden die Einnahmemöglichkeiten eines Fußballvereins beschrieben und die in diesem Kapitel angerissenen Begrifflichkeiten erneut aufgenommen und grundlegend beschrieben. Damit eine wirtschaftliche Gewichtung erfolgen kann, werden unter den Kapiteln 3.2 die Ausgaben zu Grunde gelegt.

3.1. Einnahmen eines Fußballvereins

Ein Fußballverein besitzt neben den Erlösen aus dem sportlichen Wettbewerb differenzierte Möglichkeiten einen ordentlichen Umsatz zu erzielen. Dazu zählen Einnahmen aus medialen Vermarktungen, die hauptsächliche TV-Einnahmen betreffen. Das Sponsoring und die Verwertung von medialen Rechten sind tragende Säulen für die Fußballclub-Finanzierung.27 Weitere Maßnahmen wie das Merchandising, Ticketing und Hospitality sowie die Erlöse aus Transfergeschäften stellen weitere Optionen für Einnahmequellen eines Fußballclubs zugrunde. Diese Möglichkeiten werden nachfolgend ausführlich in ihrer Bedeutung und Funktion beschrieben.

3.1.1. Sponsoring und Merchandising

Der heutige Begriff Sponsoring stammt von dem lateinischen Wort spondere (sich zu etwas verpflichten) ab und lässt sich bis ins alte Rom zu Zeiten von Kaiser Augustus zurückführen. Aus uneigennützigen Gaben wurden schnell Spenden wegen Interessenskonflikten.

Im deutschsprachigen Raum tauchte das Sponsoring in der bekannten Form erstmals im Jahr 1960 auf. Gründe waren wirtschaftliche Interessen, die versuchten Formen der Kommunikation mit den Zielgruppen aufzunehmen. Ab dem Jahr 1995 galt das Sponsoring als allgemeiner Begriff und hat sich im Sprachgebrauch etabliert. Ab 1980 begannen Unternehmen mit Sportsponsoring als Kommunikationsstrategien. In der Praxis verpflichten sich zwei Teilnehmer eines Wirtschaftssystems für eine optimale Zielerreichung.

Das Sponsoring umfasst durch die Bereitstellung von Geld- und Sachmitteln, alle Planungen, Organisationen, Durchführungen und Kontrollen aller Aktivitäten im sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich einer Einzelperson bzw. einer Gruppe, Institution oder Organisation. Der Sponsor verlangt für die finanziellen und sachlichen bereitgestellten Mittel, die Nutzung von kommunikativen Rechten. Das Sponsoring ist daher ein wirtschaftlicher Austauschprozess. Der Gesponsorte betrachtet das Sponsoring als reines Finanzierungs- und Beschaffungsinstrument. Der Sponsor hingegen unterteilt seine Ziele in ökonomische und kommunikative Ziele. Die ökonomischen Zielsetzungen basieren auf einem schnellen wirtschaftlichen Erfolg. Für den Sponsor stehen kurzfristig Werbeflächen und Werbemittel durch die Mannschaft zur Verfügung und der Gesponsorte bekommt Materialien oder monetäre Mittel gestellt. Die kommunikativen Ziele konzentrieren sich auf die Einstellung und den Informationsstand der Zielgruppe des Unternehmens, aus denen langfristig betrachtet auch ökonomische Ziele verwirklicht werden sollen.28

Das Sportsponsoring hat von 2004 bis 2009 stark an Volumen gewonnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Sponsoringvolumen in Deutschland (in Mrd. €).

Quelle: Nuschke: Name-Sponsoring im europäischen Fußball, S. 21.

Wie aus der Abbildung ersichtlich, gab es seit 2004 einen jährlichen Anstieg bis zum Jahr 2007, in dem das Sportsponsoring um 0,2 Milliarden Euro abnahm, allerdings im darauf folgenden Jahr wieder um 0,4 Milliarden Euro zulegte. Zudem ist es die am häufigsten angewandte Art des Sponsoring. 86 Prozent der befragten Unternehmen gaben 2004 das Sportsponsoring an, in das sich das Unternehmen engagiert.29

Über die finanzielle und sachliche Bereitstellung an Mitteln von Seiten des Sponsors hinaus, kann dieser dem Gesponsorten fachliches Know-How und organisatorische Leistungen zur Seite stellen. Die Sportart Fußball ist ein beliebtes Sponsorenziel. In Deutschland wurde im Jahr 2005 rund 5000 Std. mit über 14 Mrd. Zuschauern die mit Abstand stärkste TV-Präsenz erzielt. Eines der wichtigsten Sponsorarten im Fußball ist das Trikotsponsoring, da es stark finanziert wird.30 Bayern München plant in der Saison 2013/14 mit einem Gesamtsposoring von 56 Millionen EUR, davon sind allein 30 Millionen durch den Trikotsponsor Telekom eingeplant.31 Zudem hat das Sponsoring auf den Spielertrikots als Nebeneffekt eine große Medienwirkung und gleichzeitige Präsenz. Weitere genutzte Sponsorenflächen sind Banner um das Spielfeld herum, da viel Platz vorhanden ist und eine immer noch ausreichende Präsenz besteht. Fußballvereine haben diese Banden zu sogenannten Drehbanden modifiziert, wodurch mehr Potential ausgeschöpft werden kann. Aktuell benutzen immer mehr Vereine digitale Banden, auf denen beliebige Sponsoren gezeigt werden können. Neben den Toren kommen cam-carpets zum Einsatz. Das sind Teppiche die den optischen Eindruck einer aufrechten Bande darstellen und Logos oder Firmennamen zeigen. Außerhalb des Stadions können z.B. Sportartikelhersteller wie adidas einen Club wie den FC Bayern München mit Sportprodukten ausstatten. Der Club erhält sowohl finanzielle Mittel, aktuell 20 Mio. EUR pro Saison, als auch Sachmittel gestellt. Der Sponsor erhält das Recht den Verein mit ausschließlich dessen Produkten zu versorgen. Die Rechte werden in Sponsorenpakete gebündelt und in Abhängigkeit mit den vom Club zu erbringenden Leistungen zwischen Haupt- und Nebensponsoren differenziert. In der Praxis werden die Sponsoren weiter aufgeteilt nach Premiumpartner, Co-Partner, Regional usw. Bedeutend in diesem Zusammenhang ist die monetäre und die mediale Wirkung. Ein Hauptsponsor hat mehr Rechte und eine größere Präsenz als ein Nebensponsor, dafür bezahlt dieser auch mehr Sponsorengelder.32

Beim FC Bayern München gliedern sich die Sponsoren folgendermaßen: Die Hauptsponsoren sind die Telekom, adidas, Audi und die Allianz. Als Premium Partner besitzt der Club die HypoVereinsbank, Imtech, Lufthansa, MAN, Paulaner, Samsung, Yingli Solar und bwin. Die kleinen Sponsoren bilden die Classic Partner mit der Adelholzner, Bayern3, Coca Cola zero, Ehrmann, Flyeralarm, Henkel, Hublot, Lego, Nestle Schöller, Sir Oliver, Schaeffler, Siemens, Spg, Thomas Sabo, Trinto und Viagogo.33

Eine weitere wichtige und gute Einnahmequelle für einen Fußballclub ist das Merchandising. Darunter fallen die Produkte wie Fan-Artikel z.B. Trikots, Fan-Schal, Mützen, welche im Namen des Clubs verkauft werden. Es werden die Vertriebsformen Merchandising, Licensing und Komplettvermarktung unterschieden.

[...]


1 Vgl. Schewe, Rohlmann: Sportmarketing, S. 14 ff.

2 Vgl. Kupfer, T.: Erfolgreiches Fussballclub Management, S. 16 f.

3 Vgl. Gabler: Wirtschaftslexikon, Band 7, S. 3431 ff.

4 Vgl. Kupfer, T.: Erfolgreiches Fussballclub Management, S. 25.

5 Im Folgenden: Fc Bayern München.

6 ebd., S. 127.

7 Im Folgenden: DFB.

8 Im Folgenden: FIFA.

9 Vgl. Heidtke, N.: Das Berufsbild des Spielervermittlers im professionellen Fußball, S.20-27.

10 Vgl. www.fcbayern.de/media/native/presse-free/Kennzahlen_ev_12_13.pdf. 18.04.2014.

11 Vgl. www.transfermarkt.com/de/fc-bayern-muenchen/kader/verein_27.html. 18.04.2014.

12 Vgl. www.duden.de/rechtschreibung/Wirtschaftsunternehmen, 20.03.2014.

13 Vgl. Klein-Blenkers, F.: Rechtsformen der Unternehmen, S.4.

14 HGB S. 3.

15 Im Folgenden: OHG.

16 Im Folgenden: AG.

17 Im Folgenden: KG.

18 Vgl. Schnauder, F.: Grundzüge des Privatrechts für den Bachelor, S. 140.

19 Vgl. www.rechtswoerterbuch.de/recht/e/eingetragener-verein/, 27.03.2014.

20 Vgl. www.fcbayern.de/de/club/fcb-ag/organe/, 25.03.2014.

21 Vgl. www.fcbayern.de/de/club/fcb-ev/organe/, 25.03.2014.

22 Vgl. fcb-erlebniswelt.de/de/historie/erfolge/index.php, 25.03.2014.

23 Vgl. www.fcbayern.de/de/news/news/2013/jahreshauptversammlung-2013-neue- rekordzahlen-fcb-durchbricht-400-millionen-schallmauer.php, 25.03.2014.

24 Vgl. Freyer, W.: Handbuch des Sport-Marketing, S. 3 ff.

25 Vgl. Bieling, Eschweiler, Hardenacke: Business-to-Business Marketing im Profifußball, S. 6 ff.

26 ebd. S.9.

27 Vgl. Nuschke, L.: Name-Sponsoring im europäischen Fußball, S. 76.

28 Vgl. Nuschke: Name-Sponsoring im europäischen Fußball, S. 14-21.

29 ebd., S. 21.

30 Vgl. Nuschke: Name-Sponsoring im europäischen Fußball, S. 47ff.

31 Vgl. http://fussball-geld.de/einnahmen-der-vereine-sponsoren/, 26.03.2014.

32 Vgl. Nuschke: Name-Sponsoring im europäischen Fußball, S. 50ff.

33 Vgl. www.fcbayern.de/de/club/partner/, 26.03.2014.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Ein Fußballverein als Wirtschaftsunternehmen geführt. Der FC Bayern München
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
45
Katalognummer
V293563
ISBN (eBook)
9783656910930
ISBN (Buch)
9783656910947
Dateigröße
1095 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fußballverein, wirtschaftsunternehmen, bayern, münchen
Arbeit zitieren
Ron Schröder (Autor), 2014, Ein Fußballverein als Wirtschaftsunternehmen geführt. Der FC Bayern München, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293563

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